Die ersten Klänge dieses Albums werfen einen zurück in die Zeit, als es hipp war in Clubs in England wild seine Haare zu schütteln und die Röcke gefährlich kurz wurden. Das alles würzt die Künstlerin Mattiel (ausgesprochen,laut Facebook, maa-TEEL) mit einer kleinen, feinen Prise Punk und Blues Rock hier und da. Dabei geht man auch Wege gen Fuzzrock oder anderer kleiner psychodelischen Spielchen. Und was bekommt man, wenn man sich das Debüt anhört? Gute Laune, weil jeder einzelne Beat zur Bewegung der Hüfte anregt oder der Knie oder der Füße. Ihre Stimme, manchmal etwas übersteuert, klingt präsent erinnert entfernt an Künstlerinnen aus den 60er Jahren.
An den Instrumenten haben sich die Randy Michael und Jonah Swilley ausgetobt und erzeugen diesen Sound, der leicht dreckig klingt, etwas Lo-Fi ist und durch die Produktion gerade am Bass, etwas eigenes hat. Man könnte mit dem Album auch komplett einen Snowboard- oder Mountainbikefilm unterlegen, man findet immer den passenden Track. Für rasante Action könnte man Titel wie Bey Bey verwenden und wenn es etwas technischer und langsamer werden sollte, kann man auf Tracks wie Whites of Their Eyes. Balladen gibt es natürlich auch, diese klingen dann fast wie die besten Stücke der Amy Whinehouse. Erschienen ist das Album in den USA bereits letztes Jahr auf Burger Records und kann deswegen auf Bandcamp auch gestreamt werden. Am 13.07. wird das ganze dann hier in Europa auf Heavenly Recordings erscheinen.
The Courettes, das ist ein Ehepaar, dessen Werdegang fast aufregender oder eben außergewöhnlicher nicht sein könnte. Sie heißt Flavia Couri (Gitarre), kommt aus Brasilien und spielt Bass bei den Autoramas. Er heißt Martin Couri (Schlagzeug), ein Däne und schlägt die Trommeln bei Columbian Neckties. Auf einer Tour in Brasilien hat es dann gefunkt, beide haben geheiratet und eine 10' EP aufgenommen, die auf den Namen Here Are The Courettes! hört. Aus eben diesen Bands ergibt sich dann auch in etwa die Schnittmenge, die man auf der EP findet. Beide Bands geben die Richtung dieses Duos vor, es geht hier um Rock'n'Roll und Garagepunk der 60er Jahre und das alles in Mono. Ja, richtig gelesen, wer braucht schon Ultra-HD-Sound in 7.1? Auf jedem Titel bröckelt der Fuzz aus den Lautsprechern und bei jedem Tritt und Schlag auf die Felle des Schlagzeug wähnt man seine Lautsprechermembran bersten zu hören. Leise hören kann ja jeder. Der Gesang der Dame aus Brasilien ist mal gekreischt, mal leicht schräg, unterstreicht so mal eben mehr die Attitüde. Das klingt auch alles irgendwie nach Spaß, oder? Eben, und was Spaß macht, endet meist leider viel zu früh. So auch diese EP. Nach nicht mal zwanzig Minuten und acht Titeln ist Schluss, Ende im Gelände, aus die Maus. Aber dafür haben Ingenieure den Repeatbutton nebst der dazugehörigen Funktion erfunden... es sei denn, man hört noch Tapes. Veröffentlicht wird die wilde Scheibe am 31.07.2015 auf dem Hamburger Label Sounds of Subterrania!, welches sich einen kleinen Player gebastelt hat, mit dem Besten, was man auf diesem Plattenlabel findet.
Mein Fable für die Musik aus den 50ern und 60ern hält keinen Abbruch, auch hier nicht. Auch wenn die Musikrichtung Psychobilly, auch wenn diese Stilrichtung erst in den 80ern entstanden ist.
Die Band The Humanoids spielt genau diese Stil auf ihrem selbstbetitelten Album. Das Trio aus dem Süden der USA spielt sich hier durch zehn Titel angenehm hibbelig in eure Ohren. Man findet mit House Of Rising Sun sogar ein Cover wieder oder eher eine Neuinterpretation des Stückes. Wer also ein Album für's nächste Helloween braucht, der kann oder sollte sich dieses Album laden, zu einem Preis der einem passt oder gefällt. Die Band gibt hier kein Minimum vor. Das Cover passt zu diesem Thema.
The Humanoids - The Humanoids
Vielleicht sollte ich mal eine Party zu diesem Thema besuchen.
Als
ich das Album das erste mal angespielt habe, also den ersten Titel die
ersten paar Sekunden hab laufen lassen, dachte ich nicht daran, dass es
so eine famose Entwicklung nehmen könnte, das Ganze. Denn zu Beginn
klingt das alles nach klassischem Surf-Lo-Fi-Garage-Sound, den man auf
Vintage-Instrumenten spielt. Aber so ab Sekunde 20 wird klar, wohin die
Reise geht und das würde man bei einer Band aus Montreal gar nicht so
vermuten. Auf einmal spielt sich Reggae durch die Boxen in mein Gehör
und meine Mundwinkel wandern, als hätte man sie an Bindfäden befestigt,
nach oben. So geht es mir bei diesem wunderbaren gesamten Werk. Wobei es
mich von Anfang an gewundert hat, wie gut dieser auf 60’s getrimmte
Sound zu diesem Musikstil doch passen kann. Gut, hier und da sind
die Texte ab und an, welch seltsames Wortkonstrukt, etwas flach, aber
hey, das ist Reggae, who cares? Auch ist das Album mit 13 Titeln
angemessen lang und nicht wie so manch modernes Werk, was mit Mühe und
Not (also mit hier und da einem Skit) auf 11 Titel kommt. Schlimm ist
das, wenn der Kritiker vom ersten Moment an von einer Platte begeistert
ist und nicht mehr aufhören will, Lobhymnen loszulassen. Vor allem, wenn
der Sommer langsam unsere Breitengrade verlässt und dem Herbst den
Platz freimacht. Aber die Musik macht es einem dann doch nicht so
schwer, wobei ja der Sommer hier mal nicht ganz das Gelbe vom Ei war.
„Back To Stay“ ist dann noch mal eine kurze Reise gen Rock, aber sonst…
alles smooth hier.
Meine Anspieltipps, wobei das bei so einer guten Platte echt schwer fällt:
Walkin’ Proud:
Dieser Titel, der der Platte seinen Namen verleiht, kommt erst ganz
klassisch als 60’s-Rock daher, um dann nach 20 Sekunden auf die Bremse
zu treten. Die Leute setzen sich die Rastaperücke auf und machen einen
auf sehr angenehmes Sommer-Feeling. Die Orgel wirkt nicht im Geringsten
fehl am Platz.
Leave Me:
Der Titel ist vom Text her zwar ne Note ernster, man soll ja sich ja
nicht verbiegen, für ne Frau, die man begehrt. Diese Musik eignet sich,
um eine ganze Party in Bewegung zu bringen und auf dem Konzert gibt es
mit Sicherheit eine Textzeile, die die Band live mitgröhlen lässt. UND... dieser Titel hat ein grandioses Musikvideo geschenkt bekommen, seht selbst.
Montreal: Eine Lobhymne auf die eigene Heimatstadt, was will man da kritisieren???
The Ohter Side: Wirkt alles recht finster hier und man nimmt so klassische Elemente des 60’s Rock mit auf den - alles in allem gut gelungen.
So, und ich glaube auch wegen solcher Bands bin ich Fan kanadischer
Bands und Musik. Die können mich immer wieder überraschen. Und wer sich
nach den 13 Titeln fragt, ob man Repeat drücken sollte. UND OB!!! Und so
höre ich das Ding schon die letzten Tage.
Ich hatte ja ewig nicht auf Jamendo gesucht, weil da ja noch mehr Grütze liegt, als Bandcamp. Aber lassen wir das Gebashe, nicht das mich irgendwer von irgendwoher noch verklagt.
Mit den The Wavers bleibe ich dem Sound, der hier primär auf dem Blog läuft doch recht treu. Die Italiener spielen auf ihrem Album "Welcome To Waverland" so richtig alten Surfsound auf, a la The Lively Ones. Das zieht sich alles durch das ganze Album und man könnte meinen, man fährt gerade sein eigenes Pulp Fiction. Da macht Zimmereinrichten und umräumen doch am meisten Spaß.
Dieses Album, was ja dem Topic nach auf Jamendo liegt, ist 6 Titel lang und man darf es, Creative Common sei dank, für 0Cent laden, ohne das wer auf euch böse wäre oder dergleichen. Somit entlasse ich euch in einen entspannten Abend.
JD McPherson's Album „Sings & Singifiers" ist eines der Alben, welche man dieser Tage selten zu hören bekommt. Das könnte auch am Musikstil liegen, welcher sich hier auf dem Album die Noten heiß läuft.
Man nehme ein wenig Elvis, ein wenig Buddy Holly, ein wenig Psychobilly und schon hat man in etwa die Mischung heraus, für welche J.D. McPhersons Album steht. Man kombiniert diese Einflüsse so gekonnt, das nichts aufgezwungen erscheint und man bei den ersten Tönen bereits mit den Füßen mitwippen muss. In Zeiten von Adele, die einen an Nancy Sinatra erinnert, oder The XX, die mit ihrer Melancholie doch auch an die 80er erinnern wollen, ist J.D. McPherson in relativ guter Gesellschaft. Das Album ist mit 12 Titeln nach nicht mal 40min vorbei, was einen aber nicht davon abhält, den Repeatknopf zu drücken, um sich nochmals in die Zeiten von Hod Rods und Petticoats versetzen zu lassen, auch wenn das heute einige etwas komisch empfänden.
Aber auch hier gibt es ein paar Schattenseiten, denn mit der Ballade „A Gentle Awakening“, welches neben „North Side Gal“ sogar ein Video beschert bekommen hat, werde ich nicht so sehr warm, weil es einen kleinen Bruch im Album vollführt, den es nicht braucht. Es ist zwar eine gute Idee, moderne Rhythmen mit den klassischen Instrumenten und Sounds der Rockabilly-Ära zu verbinden, doch passt es nicht ganz in das Gesamtkonzept von schnellen Autos, schnellen Rhythmen und Texten über Frauen („Scandalous“) mit Tattoos, die auffallen. Aber da das hier das Erstlingswerk ist, kann man diesen Schnitzer verzeihen.
Meine Anspieltipps:
„North Side Gal“:
Gleich der erste Titel auf dem Album haut einen um und nimmt einen sofort mit auf die Reise in den Rock'n'Roll. Durch und durch wohlklingend und keinesfalls übertrieben. Dieser Titel hat, wie bereits erwähnt, ein Musikvideo spendiert bekommen. Und wie ich in einem Interview bereits gehört habe, ist der junge Mann liiert und hat zwei Kinder, demnach wird er sein „North Side Gal“ gefunden haben.
„Scratching Circles“:
Dieser Titel klingt wie eine wilde Party. Der Mann singt sich seine Seele aus dem Leib der Party wegen. Das Piano ist mit einer der treibenden Kräfte. Und es geht darum, einfach die Sau raus zulassen und den Boden mit Kreisen zu überziehen... oder so.
„Dimes for Nickles“:
Bei dem Titel sehe ich sofort das Bild einer alten Werkstatt in Amerika, wo man nen 54er Chevy Bell Air repariert und am Abend damit auf die Flaniermeile oder zum örtlichen Burger-Brater fährt, ganz klassisch eben.
„Scandalous“:
Wieder ein Partytitel, der einem ein sofort das Tanzbein schwingen lässt, wenn man sitzt, wippt man unweigerlich mit. Er geht um die Frau, die anders aussieht, als die „Normalfrau“ mit Tattoos und dem ganzen anderen Zeug, welches man an so einem „Gal“ findet. Und den Leuten fällt das natürlich auf und die werden tuscheln. Aber wen interessiert es?
Der Silberling wird am 07.09. in Europa veröffentlicht und genau zu dieser Zeit ist J.D. McPherson auf Tour und Deutschland, wobei fast alle Himmelsrichtungen abgedeckt sind.
In diesem Sinne, Rock'n'Roll. Achja, und ehe ich es vergesse, man darf „Noth Side Gal“, den ersten Hit des Albums, for free von der Internetseite des Barden laden.