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Montag, 17. Oktober 2022

Heilung - Drif (Season Of Mist)

Der Nebel steht dicht über den Boden, es ist kühl und nass. Ihr seht euch um, friert und wisst nicht wo ihr seid. Nur aus der Ferne vernehmt ihr einen rhythmischen Schlag, es ertönen Hörner und ihr beschließt, langsam in die Richtung der Töne zu gehen. Immer auf der Hut, nicht vielleicht doch jemandem unterwegs zu begegnen, der euch ans Leder will. Eure Füße rascheln im Laub, ihr werdet bemerkt. Ihr habt nun zwei Alternativen: fliehen und sich verdächtig machen oder sein Ansinnen erklären. Es gibt noch kein Verständnis für Zeit, es wird hell und dunkel und hier oben, wo ihr gelandet seid, gibt es des Nachtens, "tanzende Frauen" am Himmel, von denen es viele Legenden gibt. Man ist der Natur eng verbunden, nutzt alles was man findet und verschwendet nichts. 

Die Zeitreise, auf die euch die Band Heilung schickt ist genau das. Das Trio kann sich zwar nur an Artefakten und überbrachten Texten orientieren, dennoch wirkt alles authentisch. Angefangen bei den Instrumenten, die teilweise aus menschlichen Überresten bestehen, über ihre Kostüme auf der Bühne und den Musikvideos bis hin zu den Bräuchen, die die Künstler selbst vollziehen. Die Trommel, die auf der Bühne gespielt wird, wurde mit dem Blut des Trios rot eingefärbt. Glaubt ihr nicht? Klickt hier. 

Und es klingt genau so, wie man es sich vorstellt. Man landet zu Beginn in einem Tanzkreis, es wird auf einer längst verlorenen Sprache gesungen. Dann setzt auf Asja die himmlische Stimme von Maria Franz ein. Es bilden sich Klangteppiche, ein Streichinstrument trägt euch, schleppend klingend, zur nächsten Strophe. Sphärisch ist alles, als würde man einer Zeremonie beiwohnen. Das ist das Steckenpferd der Band, auch wenn Drif einen Hauch moderner klingt als seine Vorgänger. Man schafft es dennoch regelmäßig über 7 Minuten zu kommen. Rein sprachlich haben ein paar neue Phonetiken Einzug gehalten, da die Band sich nun nicht mehr rein am Nordischen festhält, sondern alle Hochkulturen aus der Zeit von vor über 5000 Jahren die Ehre erweisen möchte.  Die Synthetik zeigt sich hier und da etwas stärker, fällt aber nicht unangenehm auf. Auch die Lesungen wurden auf eine, Keltentrauer, eingedampft, da gab es auf Ofnir und Futha mehr. Das kommt den heutigen Hörgewohnheiten schon etwas mehr entgegen. Einlassen muss man sich dennoch, denn diese Musik läuft leider nicht im normalen Radio. Gute Kopfhörer oder Lautsprecher braucht man hier allemal. Nicht nur nimmt man die kleinen Details besser war, die Tiefen werden besser Transportiert und man landet noch tiefer im akustischen Keltenbau.

Release: 19.08.2022
Label: Season Of Mist

Anspieltipps: Asja, Urbani, Nesso

6/6 Punkten (Stein Schleift Schädel!)

Heilung - Drif
(Quelle: Presskit von Season Of Mist)

Dienstag, 11. Mai 2021

Cold Moon - What's The Rush? (Pure Noise Records/Kinda Agency)

Es gibt Musik, die klingt wie dieses "Ankommen". Man bekommt ein wohliges Gefühl und muss unweigerlich sinnieren und lächeln. Genau dieses Phänomen ereilt einen beim Durchhören von What's The Rush? von Cold Moon aus Kalifornien. 

Am Anfang könnte man noch meinen, man hätte eine Platte von Kings Of Convenience in den Ohren, auch wenn die Stimmen etwas härter sind und nicht gehaucht werden, wie bei den Norwegern. Das könnte daran liegen, dass dieses Quartet aus zwei Bands besteht, deren Sound eigentlich meilenweit entfernt von den entspannten Klängen ist, die sich hier ruhig auf die Trommelfelle legen. Anscheinend ist das aber normal in Musikerkreisen, dass man neben einer lauten Band immer noch ein ruhigeres Projekt am Laufen hat. Warum auch nicht? Das hat bei Dallas Green bestens funktioniert. Oder ist das schon ein gelebtes Meme? 

Wie dem auch sei, man bekommt entspannte Gitarrenklänge zu hören, das Motto der Platte zieht sich überall durch. Wozu die Aufregung? Man hat für das Album ca. 14 Monate gebraucht. Dazu noch die Leichtigkeit aus Kalifornien, zumindest aus dem Norden, und schon hat man ein Album, welches gezielt einen Anker wirft und Einnorden einlädt. Man hat doch eigentlich alles, was man braucht: Familie, ein Dach über dem Kopf, Essen. Mit Länge hat man es aber leider nicht so, es gibt nur neun Songs, die sich auf 36 Minuten erstrecken. Wenn man es nur nebenbei hat laufen lassen, ist das vielleicht noch zu verschmerzen. Man merkt jedoch, dass es genau die Musik ist, die die Band aufnehmen wollte. Hier hat kein Manager reingegrätscht und bestimmt, in welche Richtung das gehen soll. 

Release: 07.05.2021
Label: Pure Noise Records

Anspieltipps: Access Control, Frontage, Lost

5/6 Punkten (Das perfekte Album, um sich alte Fotos anzusehen.)

Cold Moon - What's The Rush?
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Dienstag, 17. November 2020

Sólstafir - Endless Twilight of Codependent Love (Season Of Mist)

Die Männer von Sólstafir schaffen es immer wieder, dass ihre Musik so klingt, wie man sich Island vorstellt. Rau, kalt, verlassen und menschenleer, windig und unbarmherzig. Auf Endless Twilight Of Codependent Love setzt sich dieser Sound fort, den man seit Äonen beherrscht. Dabei bewandert man aber nicht nur alte, bereits ausgetretene Pfade, die man mitunter hier im Blog bereits gehört hat, sondern versucht sich im Black Metal oder eher Blackgaze. Selbst ein Teil der Deftones hat es auf Úlfur geschafft, es kann mir hier keiner erzählen, dass er da nicht die Gitarren von Change (In The House Of Flies) hört. Aber es sei ihnen gegönnt, denn auch dieser Sound steht ihnen irgendwie. 

Was etwas irritiert, ist das Intro von Drýsill. Man betreibt Tapping, aber irgendwie scheint die Gitarre nicht ganz sauber gestimmt zu sein oder es klingt einfach nur wegen der Spielweise so. Zum Glück dauert es nicht lang, bis man eine Orgel in den Raum stellt. Das Album klingt generell etwas rauer, man bettet nicht mehr alles riesige Soundwände ein, wie auf dem Vorgänger Berdreyminn. Die Produktion tut ihr übriges, so dass man wirklich denkt, dass einem der starke Wind Islands ständig und unentwegt ins Gesicht bläst. Überlange Titel konnte man schon immer, so gibt es auch hier Songs die gut und gerne mal um die 7 oder gar 8 Minuten lang sind. Es wirkt aber nichts unnötig in die Länge gezogen, jede Minute bleibt spannend und kurzweilig. 

Thematisch ist dieses Album sehr dunkel, es geht um die eigenen Dämonen und die des Umfeldes. Es geht darum, wie Menschen sich langsam umbringen. Und es geht um psychische Krankheiten, die Menschen verändern, bis sie daran sterben, wie Alzheimer. Man ist dann wie im Film und wartet darauf, das bestimmte Dinge eintreffen. Man kann nichts machen, außer zuzusehen. 

Wer die Vorgänger der Band bereits hatte, der wird auch dieses Album haben/kaufen und feiern. Menschen, die Sólstafir bisher nicht kannten, können hier einen Einstieg finden. Die Sprache könnte vielleicht eine Hürde darstellen, aber es gibt weltweit Fans, die ihre Songs auf Isländisch mitschmettern. Man muss es eben nur wollen und sich auf Titel einlassen, die jenseits des 3:30-Schemas sind und ein Albumhörer sein.  

Release: 06.11.2020
Label: Season Of Mist

Anspieltipps: Úlfur, Alda Syndanna, Akkeri

6/6 Punkten (Man kann den kalten Wind auf der Haut schon spüren.)

Sólstafir - Endless Twilight of
Codependent Love
(Quelle: Presskit von Season Of Mist)

Sonntag, 26. Juli 2020

Herr Rauch - Sportlehrer aus Leidenschaft (Spleendance Records/Bangup Bullet)

Wie stellt man sich so einen Sportlehrer vor? Jeder von euch wird seine Erfahrungen gemacht haben. Der eine Sportlehrer nahm seine Rolle sehr ernst und turnte die Übungen noch selbst vor. Und dann gab es die, die in der Pause gerne mal eine Zigarette mehr rauchten (und auch danach rochen) und die Übungen nur theoretisch durchführen konnten und den besten Sportler der Klasse haben diese zeigen lassen. 

Und der nette Herr Rauch aus München besingt mit seiner Band genau eben diese Sportlehrer, deren besten Jahre vorbei sind und die eigentlich auch keinen Bock mehr auf ihren Job haben. Fünf Titel umfasst die EP "Sportlehrer aus Leidenschaft", also für jeden Arbeitstag (Samstag nicht mitgezählt) der Woche. Wenn die Woche nur 20 Minuten lang wäre, wäre das natürlich noch genialer, aber das ist wieder ein anderes Thema.  Nicht umsonst würde man auf Kaffee Schwarz singen, dass die Woche schon längst rum sein könnte. 

Dabei versprüht die EP eine Mischung aus einem kleinen Festival mitten im Sommer und einem kleinen lauwarmen Polkaabend, der irgendwo auf einem Dorf stattfinden könnte. Man wird durchaus zum Tanzen animiert,  zum Mitsingen aber auch zum Sinnieren. Leider könnte aber dies durch einen erhöhten Alkoholkonsum ausfallen, denn die Texte sprechen viele Themen an. Es geht ums Älterwerden, darum, dass Freunde sich auseinanderleben, weil die Lebensumstände sich geändert haben oder auch darum, dass das Autofahren den Genuss einschränkt. Mit Kaffee beginnt der Tag und mit Wein kann er enden, somit gibt es eine neue Blickweise auf die EP. Vielleicht kann man "Sportlehrer aus Leidenschaft" auch aus der Perspektive des Sportlehrers sehen, seinen Alltag begleiten und in seine Gedankenwelt abtauchen, begleitet von Trompeten und Gitarren. Diese passen perfekt abgestimmt in das Gesamtbild und lassen keine wünsche offen. Vielleicht sieht man die Jungs mal bei Laut gegen Nazis. 

Release: 31.07.2020


5/6 Punkten (Ein etwas kurzer Sommerabendspaß für die ganze Familie.)

Herr Rauch - Sportlehrer aus Leidenschaft
(Quelle: Presskit von bangup bullet)

Mittwoch, 18. März 2020

Myrkur - Folkesange (Relapse Records/Check Your Head)

Myrkur hatten wir hier mal. Wer Mareridt kennt, wird sicher gemerkt haben, dass es hier schon neben dem Black Metal einige ruhige Momente gab. Nun ist zwischen Mareridt und Folkesange einiges passiert. Die Frau gebar ein Kind und war viel auf Tour. Wer sich näher mit der Dame und ihrer Kunst befasst, hat festgestellt, dass sich gern mit der nordischen Mythologie beschäftigt und hin und wieder Videos hierzu geteilt hat. Mal stand sie im Wald und sang und/oder spielte daheim. Die Inspiration kam hierfür von ihrer Mutter, die ihr in ihrer Kindheit viele der skandinavischen Lieder vorsang.

Und auf Folkesange findet man genau das, Lieder und Sagen aus Skandinavien, teilweise über mehrere hundert oder gar tausend Jahre alt. Da geht es um Thor im Reich der Totengöttin Hel , um eine tragische Liebesgeschichte und um Gottes willen. Dabei kramt sie neben der Gitarre auch andere Instrumente, wie die Nyckelharpa oder eine Harfe aus, um eben auch dem Gesungenen gerecht zu werden. Es werden aber auch andere Gesangstechniken verwendet, unter anderem eine, die dazu diente, Kühe und Kälber zu rufen, die auf weiter Flur verstreut waren. Diese haben dann wohl auch geantwortet und konnten eingesammelt werden.

Dabei muss man wissen, dass sie wohl von einigen Leuten, die Härteres von Myrkur gewohnt waren, extremen Gegenwind bekam. Denen sei gesagt, dass sich das Album lohnt. In Zeiten, in denen alles immer schneller wird, jeder dem nächsten Hype schon voraus sein will und zwischen den verschiedenen Rollen hin und her hetzt, ist Folkesange der Gegenbegriff dazu. Es ist ruhig und besinnlich, man kann die Weite der skandinavischen Landschaften fast spüren und wird automatisch entspannt. Problematisch wird es dann nur, wenn man sich nicht auf das Album einlassen will und auf Gedeih und Verderb billigen Pop oder Lärm will.

Dabei überzeugt dieses Album auf ganzer Länge, man kann sich hier verlieren. Man freut sich, dass die Produktion äußerst gut gelungen ist. Trommelinstrumente kommen zum Einsatz und verleihen dem ganzen eine gewisse Tiefe und Punch. Man freut sich über jeden einzelnen Schlag auf den Trommelfellen. Mit knapp 50 Minuten Spielzeit ist das Album angenehm lang und lädt zum erneuten Hören ein. Und der letzte Titel "Vinter" klingt, als wenn er bei Netflix auf irgendeinem Outro oder bei einem Schweighöfer-Film im Hintergrund laufen könnte. So kann jemand, der eigentlich aus dem Black Metal kommt, in der Popkultur Fuß fassen.

Release: 20.03.2020
Label: Relapse Records

Anspieltipps: Vinter, Gudernes Vilje, Ramund

6/6 Punkten (Der Ruhepol in solch stürmischen Zeiten.)

Myrkur - Folkesange
(Quelle: Presskit von Check Your Head)

Donnerstag, 28. November 2019

Gabby's World - O.K. (Bandcamptage)

Der Name des Albums ist mit O.K. sehr kurz und prägnant. Der Langspieler der Dame selbst ist jedoch mit 35 Minuten ausrechend lang und hat mit elf Titeln genug zu bieten. "O.K." weiß zu überzeugen, man findet sich akustisch irgendwo zwischen den Zwilingen Tegan And Sara und ein paar Folkmusikern. Das ganze Ding ist dennoch weit entfernt von irgendwelchem Kitsch. Wer also entspannen möchte und etwas Abstand zum Alltag sucht, kann sich "O.K." von Gabby's World geben und kostenlos laden. Das Werk erschien zwar 2015, es ist dennoch allemal hörenswert, vor allem wegen des Preises. Hier geht nichts unter, alles ist kraftvoll produziert und die Stimme der jungen Dame ist stets gut eingebunden. Man kann sich an einigen Stellen verlieren aber auch hin und wieder beim Mitsummen erwischen.

Anspieltipps: Broken Necks, The Thunder Answered Back, Alone At The Party

Gabby's World - O.K.
(Quelle: Bandcamp.com)

Schalt mal einer den Stress aus!

Freitag, 22. November 2019

Audiolaw - There Are Millions (Timelock Music/bangup bullet)

Es gibt immer wieder mal Musik, die völlig aus dem zeitlichen Rahmen fällt. Es ist so, als würde man ein Album von vor mehreren Jahrzehnten ausgraben. Das trifft auf There Are Millions von Audiolaw komplett zu. Man reist vielleicht nicht so weit in die Zeit zurück (man landet irgendwie in den 90ern, biegt mal in die 70er ab und kommt beim Folk à la Jack Johnson an), dennoch merkt man, dass das ganze Konzept so gar nicht in die heute gesteckten Rahmen zu passen scheint.

Das beginnt bei der Länge des Albums. Man hat es hier auf 61 Minuten Spielzeit gebracht. Das auf 16 Titel. Wenn man bedenkt, wie groß die Aufmerksamkeitsspanne eines Normalbürgers heutzutage ist und wie sich die Musiklandschaft insgesamt verändert hat, dann scheint allein die Idee, ein so langes Album auf den Weg zu bringen, verrückt. Das Quartett aus der Eifel hat den Sprung gewagt, ist nach Irland gereist und hat dort in Livesission-Manier aufgenommen. Dies schafft eine gewisse Grundstimmung, man fühlt eine wohlige wärme. Fragen wie "Weißt du noch?" schwirren durch den Kopf und bekommt einen verklärten Blick. Solange man die Texte außer Acht lässt. Die Künstler lassen keine Zweifel daran, was sie aktuell von den mächtigen Leuten im TV und Radio halten. Wobei das Intro auch von Kraftwerk kommen könnte.

Die Produktion geht, auch über die Spieldauer, in Ordnung. Sie ist der Musik angepasst, wirkt aber an einigen Stellen etwas kraftlos. Es ist halt aber auch kein Metal der hier über die Lautsprecher brüllt, sondern "nur" Rock, Folk, Blues und ein paar experimentelle Ausflüge hier und da. Wer Zeit und Muße hat, der kann sich das Album gerne anhören, hört ein paar Feinheiten hier und da und freut sich über die tierischen Begleiter.

Release: 15.11.2019
Label: Timelock Music

Anspieltipps: Blind Horses, Love Or Enemy, I Told U Before

4,5/6 Punkten (Ein langes Album in solch kurzlebigen Zeiten.)

Audiolaw - There Are Millions
(Quelle: Presskit von bangup bullet)

Samstag, 22. September 2018

15. Nachschlag: Slothrust - The Pact (Fleet Union)

Wer rastet, der rostet. Das sagt der Volksmund. Und wenn man ein Faultier ist, ist's mit der Bewegung eh nicht weit her. Wenn man das noch miteinander kombiniert, also Rost und das Faultier, dann steht man eigentlich still. Bei Slothrust aus Boston ist das nicht der Fall. Man zeigt sich auf The Pact sogar recht beweglich und tanzt genretechnisch gleich auf mehreren Feiern.

Hier tropft nicht einfach nur abgefahrener Garage-Rock aus der Platte, auch wenn man sich wünscht, dass es hier etwas mehr davon gäbe und vielleicht auch einen hauch dreckiger. Man kann aber auch 80er Jahre Musik, richtig schön mit Saxophon und fast künstlich klingendem Schlagzeug finden. Auch Folk kann man sich auf seine Fahnen schreiben, denn mit Titel wie The Haunting und Travel Bug kann man sich ordentlich verträumt mit einer Tasse Tee auf die herbstliche Veranda setzen und den letzten Sommer Revue passieren lassen. Im Grunde ist das alles auf dem Mist der Sängerin/Songwriterin/Gitarristin Lea Wellbaum gewachsen. Trotz dem man hier so viele Stilrichtungen über die Membrane hüpfen lässt, kann man nicht behaupten, dass man kein Können hat. Das kann faszinieren, kann aber auch, weil man so viel auf einmal bekommt, nerven. Ein Hörer mag mehr Dreck in den Titeln, ein anderer will mehr Synthies, wie in den 80ern. Ein anderer mag dann den Folk vielleicht doch mehr und raunt furibund, wenn es dann doch zu elektrisch wird. Man kann hier bekannte Genrevertreter anbringen, wie The Pack A.D., Shakey Graves oder Hole.

Das Trio tobt sich auf ihrem 44 minütigen Werk ordentlich aus und hinterlässt Verlangen, zu verschiedenen Stellen zurückzukehren, weil einem das eine Stück oder der eine Stil gefällt. So bedient man natürlich viele. Produktionstechnisch ist hier alles in Ordnung, auch wenn der Gesang ab und an mal kurz hinter den Instrumenten verschwindet. Das Album gibt es seit dem 14.09. und wurde auf Dangerbird Records veröffentlicht. wer interessiert ist, kann das ganze Ding auch auf Bandcamp vollständig streamen und dort seine Lieblinge finden.

Anspieltipps: Planetarium, Travel Bug, Birthday Cake

5/6 Punkten (Herr Ober, da ist kein Haar in der Suppe.)

Slothrust - The Pact
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Mittwoch, 25. Juli 2018

Das 2. Mal Nettwerk: Austin Basham - You And Me For Now

Viele Musiker schreiben mit ihren Titeln und Alben Geschichten, die meisten erzählen damit ihre eigene. So auch Austin Basham, der in Texas geboren ist und schon viel in der Welt herumgekommen ist. Unter anderem hat er sich in Oslo und Cambridge aufgehalten, das aber auch eher aus anderen professionellen Gründen als die Musik.

Genau von dieser Zeit, als Reisender, erzählt die Platte "You And Me For Now". Es geht um die Beziehung zu seiner Frau, mit er vor der Aufnahme und Produktion dieses Albums noch nicht verheiratet war, mit der er aber, wegen seiner Reisen, eine Fernbeziehung führen musste. Den Titel kann man auch von zwei Seiten betrachten: Man sollte das was man miteinander hat in diesem Moment genießen. Die andere Sichtweise könnte sein, dass man aufgrund des digitalen Zeitalters seine Partner schneller wechseln kann als früher. Somit ist man meist nur auf Zeit mit einer Person zusammen.

Das der Junge aus Texas kommt, lässt sich nicht nur an den verschiedenen instrumentalen Einschüben (ein Banjo wird hier öfters mal gezückt) erahnen, sondern der Rhythmus und die Grundstimmung weist genau in die Richtung. Wer sich vielleicht an Shakey Graves erinnert, den hatten wir hier mal, kann sofort Parallelen ziehen, spätestens beim Titel "Willow" kommt einem das ganze irgendwie bekannt vor. Aber auch Foreign Town schlägt in die gleiche Kerbe. Dennoch ist Austin breiter aufgestellt, als es diese Zeilen vermuten lassen. Die Einflüsse der Orte, vor allem die musikalischen, hat er mitgenommen und in seine Passion für Folk eingeordnet. Die entstandene Melange klingt groß, nach mehr und hat immer noch diesen leicht verruchten Hauch des Einfachen an sich, ein wenig Lo Fi inmitten des Pomp. Und man merkt den Schwermut, immer und immer wieder, der aufkommt, Leute die eine Fernbeziehung führen, dürfen sich jetzt ein Taschentuch holen. Man mag sich nicht verabschieden und man will nicht wieder weg müssen, da hin, wo man dann doch alleine ist und eigentlich nur an die bessere Hälfte denkt. Und wenn du gerade eine Trennung hinter dir hast, reist dich dieses Album um so mehr in den Abgrund, der sich vor dir aufgetan hat. Aber keine Sorge, auch da kommt man wieder heraus. Ab dem 27.07. kann man sich dieses Reisetagebuch kaufen und immer wieder durchhören.

Anspieltipps: Willow, Elephants, New House

6/6 Punkten (Das geht runter wie Butter, immer wieder.)

Austin Basham - You And Me For Now
(Quelle: Presskit von Nettwerk.com)

Samstag, 23. Juni 2018

13. Nachschlag: Field Division - Dark Matter Dreams (Pias)

Sicher kennen das einige hier, wenn einem ein Trailer für einen Film eigentlich alles verrät oder die besten Szenen bereits alle auftauchen. In dieser Form verhält es sich mit dem Albumcover von Field Divisions Dark Matter Dreams. Gut, wer sich den Webauftritt auch noch gibt, der weiß eigentlich schon was auf einen zukommt.

Dark Matter Dreams ist wie eine Zeitkapsel, wo es noch Blumenkinder gab und man mit der Kunst und der Musik versuchte, eine bessere Welt zu erschaffen. Wer das Album anschiebt, der steigt automatisch in einen Hippiebus und wähnt sich auf fernen, staubigen Straßen, auf der Suche nach dem nächsten schönen Platz für einen Sonnenuntergang, den man erlebt haben muss. Man kann dem Duo aber auch partout nicht böse sein, denn so wie man hier eingelullt wird, wird man entweder nachdenklich oder freut sich über die schöne Soundlandschaft, die sich auf den Trommelfellen ausbreitet. Dabei gibt es nicht einfach nur eine Gitarre und etwas Gesang, man ist schon groß aufgestellt: es gibt hier und da Streicher, das Drumset wummert an einigen Stellen schön tief und die Gitarren sind jetzt auch nicht ohne. Zwar kann man einige Tonfolgen erahnen, es gibt fast klischeehafte Stellen, wo man sich fragt, ob Jimmy Page hier Pate gestanden hat. Und Fleetwood Mac kommen auch kurz dran. Dennoch, an diesem Album,was knapp 50 Minuten misst, kann man nichts aussetzen, man muss nur bereit für eine Reise sein. Erschienen ist das Album am 22.06. auf Bella Union und kann auf Bandcamp vollständig gestreamt werden.

Anspieltipps: River In Reverse, Siddharta, Lay Cursed

5,5/6 Punkten (Wo findet man jetzt günstig amerikanische Schulbusse?)

Field Division - Dark Matter Dreams
(Quelle: Presskit von Pias.com)

Freitag, 6. April 2018

Pias 8: Laura Veirs - The Lookout

Was kann man über eine Musikerin/Künstlerin schreiben, die bereits 14 Jahren Musik macht, die man aber nie wahrgenommen hat? Nun, man kann natürlich Vergleiche heranziehen und resümieren. Laura Veirs ist mit ihrem elften Langspieler nun auf einem Aussichtspunkt gelangt, den sie auf 12 Titeln so ausgestaltet, dass man tatsächlich denken könnte, dass sie genau das besingt, was sie sieht.

Soundtechnisch pickt sie relativ viele, ruhige Genres auf und scheut auch nicht davor, mal eben etwas Country auf das Parkett zu streuen. Dabei trifft aber nicht nur rein analoges Instrumentengestrüpp auf die Trommelfelle, man gibt auch etwas digitale Würze in das Konzept und wirkt fast wie aus einer anderen Zeit. Ein Hauch von Thicker Than Water weht durch die Hirnwindungen oder Schneeflocken aus den aktuellsten Snowboardfilmen.

Die über die Jahre gesammelte Erfahrung spiegelt sich in der Produktion wider, denn alles wirkt genau so, wie man es persönlich, hätte man das Können und wahrscheinlich auch das Talent, auch machen arrangieren würde. Da der Name des Albums das Programm zu bestimmen scheint, sieht man förmlich das Lagerfeuer oder den Strand, den Laura besingt. Dabei geht es ihr in diesem Album aber eher darum, dass man auf sich und alle anderen in der näheren Umgebung Acht geben soll, denn sie sorgt sich um die Spaltung der Gesellschaft in den USA nach der Wahl. Dabei ist sie auch Mutter und muss das alles unter einen Hut bekommen. Musikalisch geht das alles auf den vierzig Minuten auf. Veröffentlicht wird The Lookout am 13.04. auf Bella Union.

Anspieltipps: Margaret Sands, Everybody Needs You, Watch Fire

5,5/6 Punkten (The best music to get lost while travelling.)

Laura Veirs - The Lookout
(Quelle: Presskit von Pias)

Freitag, 16. Februar 2018

Die 30. Fleet Union: All The Luck In he World - A Blind Arcade

Wir müssen ein neues Genre erfinden oder sollten es eher. Instagrammusik oder Instamusik. Wie ich darauf komme? All The Luck In The World aus Irland machen Musik passend für euren, vielleicht sehr melancholisch angehauchten Instagramfeed oder ein Urlaubsvideo, welches ihr vielleicht auch auf Youtube hochgeladen habt.

Nach ihrem selbstbetiteltem Debüt hat die Band sich zurückgezogen, da man nicht mit dem eigenen Erfolg gerechnet hat. Sie bauten in ihrem Heimatort Wicklow eine alte Hütte zu einem Studio aus und nannten es "Haven". Alle Sounds, die man auf der Platte im Hintergrund wahrnimmt, wurden in und um Haven aufgenommen und hat so ein organisches Klangumfeld. Dennoch war wohl nicht alles technisch komplett ausgereift und man entschied sich das Album mit Paul Pilot in den Golden Retriever Studios aufzunehmen. Auf den 45 Minuten des Langspielers schafft das wahlberliner Quartett Musik, die in eine Generation passt, die sich durch das erschaffene Ich auf Instagram und anderen sozialen Fotoplattformen definiert. Alles ist in ein goldenes Licht gehüllt, man hat Angst, diesen einen Moment, der der beste des Lebens sein könnte, zu verlieren, zu vergessen. Dabei scheut die Band keinen Aufwand, lädt Streicher und ihre Instrumente ein und legt diese Sanft zwischen die Gitarren, Klaviere und den Gesang. Und da gibt es keine Filter, die man einfach darübergelegt hat oder Hashtags. Das Cover hat die Band ebenfalls selbst entworfen, man hatte keinen Bock auf Überraschungen. Interpretationsspielräume hat man hier zuhauf, auch wenn man eher davon ausgehen kann, dass der Hirsch wohl alles so gesehen hat, wie es sich zwischen den Enden seines Geweihs darstellt. Veröffentlicht wird der akustische Ritt durch eure Fotofeeds am 23.02. auf dem eigenen Label, den Vertrieb regelt Rough Trade.

Anspieltipps: Contrails, Landmarks, Golden October

5,5/6 Punkten (#goldentone)

All The Luck In The World - A
Blind Arcade
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Das Glück der Erde gibt es auch Live:

22.02. D - Berlin, Baumhaus Bar (Free Release Show)
23.02. D - Hamburg, Raum (Free Release Show)
24.02. D - Rees, Haldern Pop Bar (Free Release Show)

08.04. D - Köln, Artheater
09.04. CH - Zürich, Edlorado
10.04. D - München, Orangehouse
11.04. AT - Wien, Flux Café
13.04. D - Berlin, Badehaus
14.04. D - Hamburg, Molotow
16.04. UK - London, The Islington (sold out)
17.04. UK - London, The Islington (Zusatzkonzert)
19.04. IRL - Dublin, Workman's

Sonntag, 21. Januar 2018

Bandcamptage Vol. 159

Durch Zufall bin ich auf eine Band gestoßen, die ich vor ein paar Jahren schon für mich entdeckt hatte. Ektomorf hatte mich dazu gebracht, mal nach ein paar Metal/Groove-Metal-Alben auf Bandcamp zu schauen. Da kam leider nichts wirklich gutes bei rum. Auch unter dem Tag Melodic Death Metal, immer unter der Maßgabe, dass das Album für Name Your Price angeboten wird. Irgendwann tauchte in den vorgeschlagenen Tags Name Your Price auf. Nichtsahnend suchte ich die Alben durch und fand... keinen Metal, zumindest nichts was mich ansprach.

Deswegen gibt es heute Blues und Folk aus Quebec von Alice Wonder. Auf den vier Titeln der Distortion EP geht es, laut ihrer Beschreibung, um alles und nichts, um jeden und niemanden. Die von ihr gespielte Gitarre scheint über mehrere Spuren auf die Trommelfelle zu laufen und es wirkt, als wenn man direkt vor ihr sitzt. Für solch grauen Sonntagnachmittage gibt es eigentlich nichts besseres. Herunterladen dürft ihr euch das Album auch einfach so, ohne irgend einen Cent zu auszugeben.

Alice Wonder - Distortion EP
(Quelle: Bandcamp.com)

So dolle ist dieser Winter hier, zumindest in Brandenburg, nicht.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Neues aus dem CD-Regal, Ausgabe 6: Myrkur - Mareridt

Ja, auch meine Wenigkeit kauft sich noch CDs, mir ist auch durchaus bewusst, dass Audiofetischisten jetzt aufschreien werden, da Vinyl ja das einzig Wahre ist. Ohne Plattenspieler, keine Platten, eine einfache Rechnung. An diesem Kauf hat auch das Visions-Magazin Schuld, da in der Ausgabe 294 die Künstlerin Myrkur kurz angeschnitten wurde.

In dem Artikel ging es darum, wo die junge Dänin, namentlich Amalie Bruun, ihre Inspiration hernimmt. Es sind wohl ihre Albträume, mit welchen sie ganze acht Alben hätte schreiben können. Da Relapse Records das gesamte Album auf Youtube hochgeladen hat, konnte ich mir bereits da das Umschriebene der Visions genauer zu Gemühte führen. Und das gefiel, da allein die Mischung aus dänischer Folklore und Black Metal völlig wirr klingt, keine Sorge, die Black Metal Drumss werden nur selten ausgepackt, so ist sie dennoch Sinnvoll. Die Künstlerin hat relativ viele Instrumente, die man im Hintergrund hört, selbst eingespielt. Mal ist ihre Stimme zwischen Celli eingegraben, mal erhebt sich ein mächtiger Konzertflügel über einen Frauenchor, der zusätzlich mit viel Hall unterfüttert ist. Und ein paar Sekunden später greift man zur E-Gitarre um all die schönen Landschaften nochmal einzureißen. Der Gesang ist, so wie die Instrumentalisierung, vielseitig: es gibt infernales Gekreische, dämonisches Fauchen, dennoch dominiert der himmlische Gesang, und wenn die Frauenchöre, wie in Ulvinde, einsetzen, ergibt dies ein harmonisch, schauriges, dennoch vollständiges, akustisches Bild.

Die Stimmung ist frostig, kalt und stürmisch, man möchte in den grauen Wolken der Herbstunwetter baden und sich vom Regen auspeitschen lassen. Ein recht unheimlicher Track ist Børnehjem, als hätte man hier die Stimmen aus den Albträumen direkt auf den Audiotrack gespannt. Kein Wunder, bedeutet Børnehjem nichts anderes als Kinderheim. Bevor ihr nun zurückschreckt, weil alle bisher von mir genannten Titel dänisch sind, es wird nicht nur in der Muttersprache der jungen Künstlerin gesungen. Es gibt auch Titel auf Englisch, wie Crown oder das sehr schleppende The Serpent.

Um den Bogen nicht zu überspannen: Erschienen ist Mareridt am 15.09., umfasst knapp 52 Minuten und kann vollständig, mit einem Bonustrack mehr, auf dem Bandcampaccount gestreamt werden.

Anspieltipps: Kætteren, Himlen Blev Sort, Crown, Mareridt, Måneblôt

6/6 Punkten (Komm her Oktober, ich will dich umarmen.)

Myrkur - Mareridt
(Quelle: Bandcamp.com)

Sonntag, 2. April 2017

Das 4. Add On Music: Nick & June - My November My

Zwischen 2012 und dem Jetzt liegt eine Zeitspanne in der sehr viel passieren kann. Dies gilt wahrscheinlich auch für das Nürnberger Duo Nick & June. Es liegt nicht nur eine EP und das Album "Flavor & Sin" zwischen diesen beiden Zeitpunkten, man spielte bereits auf mehr als 300 Mal auf den Bühnen dieser Republik, durfte den Soundtrack für About A Girl kreieren und bekam die Chance mit Udo Rinklin (dem könnt unter anderem für die Platten von Philipp Poisel danken) das Konzeptalbum My November My aufzunehmen.

Was bekommt man nun, wenn man sich das 45-Minuten-Werk anhört? Schwere Melancholie und laute Fragen nach dem Warum. Die Stimmen der beiden Musiker geben dir die Möglichkeit sich zu verlieren, in Gedanken über das Vergangene, über die "Was-wäre-wenns", über vergangene Chancen und keiner der beiden scheint dir böse, wenn du eine Träne laufen lässt. Musikalisch bewegen sich Nick & June zwischen beschwingtem Folk und seichtem Pop, alle Instrumente, die ihr hört, wurden vom Duo selbst eingespielt. Die Produktion lässt, dank der fachmännischen Handhabe, keine Wünsche offen, auch wenn das Intro nicht auf den Gehalt des Albums schließen lässt. Manch einer würde es vielleicht als Täuschung bezeichnen, aber am Ende vom Tag ist es immer noch das Werk von zwei Musikern aus Nürnberg, denen man nicht sagen muss, was sie zu tun und zu lassen haben. An einigen Stellen hätte Nicks Stimme etwas mehr druck verdient, June wäre dann vielleicht untergegangen. Es kann gut sein, dass wir ihre Musik an einigen Stellen wiederfinden werden, sei es im Radio oder vielleicht unter irgendeinem Werbespot für Mobilfunkanbieter, der melancholischer nicht sein könnte. Es sei Ihnen gegönnt. Erschienen ist die Ode an den November am 31.03. auf AdP-Records.

Anspieltipps: Ships & Flags, Home Is Where The Hearts Hurts Pt. 1, Tiger

5/6 Punkten (So flanieren wir in den nächsten Sommer voller Sonnenauf- und -untergänge)

Nick & June - My November My
(Quelle: Presskit von Add On Music)

Sonntag, 28. August 2016

The 4th Ferryhouse: Lewis & Leigh - Ghost

Dank diese Internets rückt die Welt zusammen, manch große Distanz, sei es über den großen Teich oder um die halbe Weltkugel, lässt sich so ganz einfach "überwinden". Skype, E-Mail und andere Gadgets sind da ganz hilfreich. Und das hier, dieses Projekt Lewis & Leigh, begann eigentlich mit einer SMS.

Was bei den ersten Momenten des Albums sofort klar ist, hier geht es nicht um Pomp, hier geht es nicht um blöde Vocoder, hier geht es ehrlich zu, handwerklich. Die Stimme der Amerikanerin und des Briten harmonieren perfekt. Sie stammt aus Gulfport (MS) und er ist Waliser, beide sammelten bereits etwas musikalische Erfahrung, wenn auch unterschiedlicher Art. In London tat man sich dann zusammen und schrieb die EP Night Drives. Von nun an mischen sich in diesem Duo die Wärme des Folks und Americanas aus dem Süden der USA mit der Popgeschichte des britischen Imperiums. Diese Melange wirkt auf "Ghost" sehr ergreifend, man verarbeitet hier auf zehn Titeln recht persönliche Themen. Sei es, dass man hier und da doch andere Entscheidungen hätte treffen sollen (Losing Time) oder dass man mit einer ganz bestimmten Person am liebsten hier und jetzt an einem anderen Ort wäre (Whiskey & Wine). Wie wir alle Wissen, ist das Leben nun mal eben nicht Ponyhof, würde auch komisch klingen, im allgemeinen Sprachgebrauch. Aufgrund der Erfahrung beider Musiker, klingen die dreißig Minuten, die die Platte mist, wie ein kleines, persönliches Konzert auf einer Veranda, spät abends, irgendwo am Rande eines Feldes, im Nirgendwo des Bundesstaates Mississippi. Wer sich an Broken Fences (hier & hier im Blog) erinnern kann, darf hier gerne zugreifen. Veröffentlicht wurde dieses Machwerk am 26.08. auf ferryhouse productions, der Vertrieb geht hier über Warner und Zebralution.

Anspieltipps: The 4:19, Keep Your Ghost, Piece Of Gold

5/6 Punkten (Ziemlich intim und wunderschön)

Lewis & Leigh - Ghost
(Quelle: Presskit von ferryhouse productions)

Samstag, 13. August 2016

K&F-Records Nr. 1: Black Oak - Equinox

Was haben Bands wie Simon & Garfunkel und Kings of Convenience gemeinsam? Es handelt sich immer um zwei Musiker, die akustisch unterwegs sind und sich damit einen Namen gemacht haben.

Die Band Black Oak aus den Niederlanden kann sich hier ebenso einreihen. Der Sound des des Duos Geert van der Velden und Thijs Kuijken (bitte fragt nicht, wie man das ausspricht) schmiegt sich mit Folk ebenso, wie der Bands, die vorher bereits aufgezählt wurden, in eure Ohren und erzeugt eine wohlige Atmosphäre, fern jedem Stress des Alltags. Zur Aufnahme von "Equinox" hat man sich noch ein paar andere Musiker ins Boot geholt, das erklärt dann auch, warum man so viele Lagen von Instrumenten in die Ohren gepackt bekommt. Und das alles relativ unaufdringlich, ohne Effekthascherei. Wer die Augen schließt, wird automatisch in den Melancholiemodus gelegt, man erinnert sich an wunderschöne Szenen aus der Vergangenheit oder dem, was das Hirn einem in Schönfärbung vor das innere Auge schiebt. Wer wachen Auges durch die Gegen schlendert, wird sich mit dieser Musik in einem Wunderland wähnen, aber bitte mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. Auf Bandcamp kann man das gesamte Album, welches immerhin knapp 39min umfasst, verteilt auf elf Titel, komplett anhören und natürlich auch kaufen. Erschienen ist das gute Stück in Deutschland auf K&F-Records aus Dresden, welches auch mp3's verschenkt. Also lohnt sich der Blick auf die Labelseite allemal.

Anspieltipps: The Grain (Video), Melee, Thaw

5/6 Punkten (Hach, weißt du noch, damals?)

Black Oak - Equinox
(Quelle: Bandcamp.com)

Diese warme Dusche gibt es auch auf Tour im Spätsommer:

07.09. Dortmund, Neues Schwarz
08.09. Mainz, Schon Schön
09.09. Erfurt, Franz Mehlhose
10.09. Dresden, Blue Note
11.09. Jena, Café Wagner
13.09. Freiburg, Swamp
14.09. Bern (CH), Musigbistrot
15.09. Chur (CH), Werkstatt
16.09. Rorschach (CH), Treppenhaus
17.09. Wien (AT), Haus der Musik

Sonntag, 20. September 2015

Die 6. Fleet Union: Federal Lights - Coeur de Lion

Vor etwas mehr als einem Jahr hatten wir dieser Band mit Ihrem Album We Were Found In The Fog schon mal hier. Auf der Scheibe zeichnete sich bereits ein Sound ab, der ein gewisses Markenzeichen sein könnte.

Auf Ihrem zweiten Longplayer "Coeur de Lion" zeichnet sich eben genau dieser Weg weiter, in die gleiche Richtung. Vielleicht kennen ja einige von euch den Radiosender CBC3, der auf diesem Blog nun auch gewiss recht häufig angepriesen wurde, aber dies geschah und wird aus gutem Grund geschehen. Hier fällt die Band im ersten Moment, so im Radioprogramm, zu erst durch Stimme des Sängers auf und dann schließlich auch durch das musikalische Gesamtkonzept. Dieser Wiedererkennungswert kann natürlich seinen Vorteil haben. Auf der anderen Seite könnte man den Kanadiern eine gewisse Form des Stillstandes vorwerfen, aber das wäre im Hinblick auf das Album zu hoch gegriffen. Denn hier Schlängeln sich verschiedenste Instrumente in angenehm, unaufgeregter Indie-Pop-Manier den Bach hinunter, um einen dann doch die Zeit zu verkürzen. Und worum geht es auf diesem Album? Um Hoffnung, Trauer, alles was einem im Alltag in den Weg gelegt wird. Das wird hier eingebunden und in eine Reise von etwas mehr als 40 Minuten verwandelt. Der Titel "Into The Ground" klingt stellenweise wie ein Mantra, man braucht halt gerade etwas Zeit, man steht aber noch im Leben. Diesen Titel würde man überall wiedererkennen und man kann ihn binnen kürzester Zeit mitsummen und das alles ohne Autotune. Das Album ist aber nicht nur zum Tanzen und Feiern da, sondern auch zum Innehalten, denn jeder hat so etwas, wie eine Liebe, die zerbrach, an die man aber immer mit einem weinenden Auge zurückdenkt und meint, dass das alles so gut war. Den Hall-Regler hat man an einigen Stellen einfach volle Elle offen gelassen, dies erzeugt in Verbindung mit dem Gesang, der ab und an mal mehrstimmig erfolgt, eine riesige Weite, keinen erdrückenden Raum, keinen Teppich, auf dem man sich ausbreiten kann. Viel mehr meint man die Natur, die in Kanada die schönste sein soll, zu hören. Man glaubt zu wissen, dass es nicht nur Wälder gibt, sondern auch schroffe Berge und weite, leere Ebenen, die kühl sein können. Der Track "Lie To Me" lief schon des Öfteren über den kanadischen Ether, man will vielleicht auch nichts anderes hören, in dem Moment, wenn mit einer bestimmten Person unterwegs ist, um nicht die Gefühle zu zerstören und den Abend oder die Nacht kaputt zu machen. Wieder ein Titel zum mitsummen, die Band weiß, was sie kann. Aber sind das auch Nerds? Wie sonst erklärt sich der Titelname "Ctrl. Alt. Delete"? Natürlich bekommt man nach diesem Befehl am Rechner vorgezeigt, was für Programme laufen, welche Dienste aktiv sind, wie arg die CPU ausgelastet ist und was gerade nicht mehr funktioniert und keine Rückmeldung mehr gibt. Man muss es beenden, damit das gesamte System wieder läuft. Eine relativ traurige Realität eigentlich. 

Man könnte das Album eigentlich "We Were Found In The Fog Part 2" nennen, wegen eben des Sounds und der Atmosphäre die entsteht, durch die Musik. Die Produktionsqualität ist sehr gut und die Albumlänge überzeugt. Es gibt keine Füller und keinen Schnickschnack, der das Gesamtkonzept zu strecken versucht. Veröffentlicht wurde "Coeur de Lion" am 18.09. auf Aporia Records.

Anspieltipps: Into The Ground, You & I, Coeur de Lion, Lie To Me

5/6 Punkten (Wie bereits beschrieben: kein neuer Stil, dafür aber sehr stark)

Fedeal Lights - Coeur de Lion
(Quelle: Bücher.de)

Diesen Monat hat man im Rahmen der der Canadian Showcase Tour die Möglichkeit, Federal Lights zusammen mit JP Hoe auf der Bühne zu sehen.

21.09. - Oberhausen - Druckluft
22.09. - Berlin - Auster Club
23.09. - Dresden - Bärenzwinger
25.09. - Hamburg - Reeperbahnfestival
26.09. - Saarn - Raumfahrtzentrum
27.09. - Norderstedt - Musicstar
29.09. - Köln  - Blue Shell
30.09. - Aachen - Musikbunke

Sonntag, 6. September 2015

Bandcamptage Vol. 146

Letztes Wochenende war ich, wie sicher einige gelesen haben werden, auf einem kleinen, feinen Konzert in Berlin. Weil mir Will Wood so gut gefiel, habe ich spontan sein Album "Broken Man" gekauft. Wer jedoch sucht, der findet auch, kann man sagen. Denn genau dieses Album gibt es eben auch auf Bandcamp.

Das die Musik mal eben gar nicht nach Neuseeland klingt, hatte ich bereits erwähnt, oder??? Wie dem auch sei, das Album kann man sich durchaus anhören, man wähnt sich hier irgendwo im mittleren Westen der US und A. Auf den zehn Titeln geht es um die Liebe, den Alkohol und was aus dem William geworden ist. Man hört ihn aber nicht alleine Singen, sondern hier und da (und einigen anderen anderen Stellen, ich muss ja nicht gleich alles verraten) auch mal eine Frauenstimme. Das er das nicht ganz alleine aufgenommen hat, liest man im Booklet. Wer der Musik von Shakey Graves mochte oder immer noch mag, kann sich Broken Man für einen Preis laden, den die Geldbörse gerade so hergibt. Null Euro sind auch erlaubt.


Will Wood - Broken Man
(Quelle: Bandcamp.com)

Im September haben wir jetzt also Aprilwetter. 

Sonntag, 21. Juni 2015

Die 3. Fleet Union: Liza & Kay - Liza & Kay

Das mit der deutschsprachigen Musik ist immer so eine Sache. Entweder es wird irgendwie heimelig, wo man final im Fernsehgarten landet oder bei Hansi Hinterseher neben den Kastelruther Spatzen. Oder man geht in die andere Richtung – eher Richtungen – und macht das, was bei den Jugendsendern der Republik funktioniert. Einige Beispiele sind der gute Poisel Philipp oder auch Clueso, obwohl... egal. Bei dem Duo Liza & Kay weiß man nicht ganz genau wo es hingehen wird. Der Plan ist sicher, dass man bei der Jugend ankommt, jung wirkt und vielleicht auch meilenweit entfernt ist, von atemlosen Nächten anno 2014. Wer sich vielleicht noch an eine Frau erinnert, die eigentlichnur Spielen wollte und keinen Ernst hinter einer Nacht sah, der wird hier Parallelen hören. Zwar fehlt es etwas an anderen Vergleichsmöglichkeiten, aber dort in der Nähe von Anett Louisan könnte man die beiden Hamburger finden. Auch wenn man einen Track der Band spielt und danach ein Video von der blonden Dame laufen ließe, man würde nicht aufblicken und meinen, dass das anders klänge. Sicher, es gibt einen Mann, der hier auch mal ans Mikro darf, dennoch, das ist alles … man kann ihnen nicht böse sein. Die Texte sind hier und da etwas markig, stoßen auf, da man einen harten Kontext recht leiblich herüberbringt. Man könnte hier ein wenig Schizophrenie finden. Das aufgebaute Universum der beiden misst fast 40 Minuten, ausgestattet mit einer ausgezeichneten Produktionsqualität. Der Herr Kay singt zwar nicht immer ganz grade ins Mikro, das verleiht der Geschichte noch ein wenig mehr Charme. Wer eine harte Partynacht hinter sich hat oder einen verregneten Sonntag vor sich, kann sich mit diesem Album über den Sonntag retten, da man hier leicht beschwingt wird. Ein Boot, Sandburgen und Deine Kammer geben nicht nur akustisch die Richtung vor und können auf Youtube angehört und angesehen werden. Schlussendlich bildet sich daraus der Kontext, wer diese beiden Titel kennt, kennt fast das ganze Album. Man muss sich dann nur entscheiden, ob man diese Musik mag oder doch eher andere Stilrichtungen bevorzugt. Das Werk erschien bereits am 12.06..

Anspieltipps: Ein Boot, Sandburgen, Lass Los


4,5/6 Punkten (jetzt kann jeder Tag ein Sonntag sein)

Liza & Kay - Liza & Kay
(Quelle: lizaundkay.de)