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Mittwoch, 14. Oktober 2020

CATALAN! - Veritas (Gunner Records)

Die Band CATALAN! kommt aus Belfast, einem der Schauplätze der des Nordirlandkonflikts in den 70er Jahren. Katalanisch ist die Sprache Kataloniens, einer Region Spaniens, die sich seit Jahren autonom erklären. Und bei Veritas handelt es sich um niemand anderen als die römische Göttin der Wahrheit. Wie ihr lesen könnt, wird hier gleich bedeutungsvoll gestartet. Es geht auf dem Album aber weniger "schwergewichtig" zu, als es dieser ganze Namenskladderadatsch vermuten lässt. Mit Verlaub geschrieben, ist der Sound auch für Gunner Records, da wo Veritas, das Album, erschienen ist, relativ ungewöhnlich. 

Wer erinnert sich noch an die ersten Jahre hier NebendemStrom? Auf Twitter ist es ja auch Trend, den Anfang mit dem Jetzt zu vergleichen. Die Retrospektive ist insofern sinnvoll, da sich auf "Veritas" die Sounds hören lassen, die wir einst hier, hier und hier hatten. Die Tall Ships kamen auch aus UK, dann ist das mit dem Sound auch nicht so sehr weit hergeholt. 

CATALAN!'s Klangvielfalt schwingt zwischen großer Theatralik, mächtigen Soundwänden, bestehend aus viel Gitarre und einem drückenden Bass, und fast kindlicher Naivität, die sich meist in den vorgetragenen Gedichten wiederfinden lässt, hin und her. Bereits auf dem Opener Roussillion Serenade ist klar, wo es auf den nächsten 43 Minuten hingehen wird. Man darf tanzen, mitrufen, wenn man die Texte nach dem zigsten Durchlauf intus hat, und immer wieder auf akustische Entdeckungstour gehen. Viele Kleinigkeiten erschließen sich erst, wenn man sich der Göttin der Wahrheit vollständig hingegeben hat. Ist da etwa ein Topf im Track Oka versteckt? 

Thematisch, wie kann es im Jahr 2020 auch anders sein, wird die Gesellschaft auseinandergenommen. Man beschäftigt sich mit den Nachrichtenquellen, Blogs und was mit den Menschen passiert, wenn die alles jederzeit googeln können und permanent ihr Leben ins Netz stellen oder zumindest so tut, als würde es ihnen richtig gut gehen. Die Texte verhalten sich diametral zur gespielten Musik. 

Release: 02.10.2020
Label: Gunner Records

Anspieltipps: Single Source, Cornelius, Fortune

5,5/6 Punkten (Da kommen Erinnerungen hoch)

CATALAN! - Vertias
(Quelle: Presskti von Gunner Records)

Donnerstag, 26. März 2020

Bloggeburtstag Nummer 8

In was für komischen Zeiten wir gerade leben. Wir haben alle Angst vor einem Virus, Plattenveröffentlichungen werden verschoben, genauso wie Konzerte und Festivals. Kleine Clubs bekommen finanzielle Probleme, Bands veranstalten ihre Konzerte teilweise im Internet. Oder sollte ich schreiben, Neuland? Gerade jetzt zeigt sich auch, dass nicht nur Digitalisierung in Deutschland weit hinter den Erwartungen ist, aber auch die Wirtschaft scheint auf solche Szenarien nicht vorbereitet zu sein. Das merkt man vor allem daran, dass jetzt alle, auch international, nach finanziellen Hilfen schreien. Vom Gesundheitswesen ganz zu schweigen, aber da gebe ich keinem Krankenhaus, Pfleger oder Leiter die Schuld. Es ist scheinbar alles auf Kante genäht und sobald etwas schlimmes passiert, hat man keine Rücklagen dafür. Aber was meckere ich hier.

Vor etwas mehr als acht Jahren fing ich an, über Musik zu schreiben. Zuerst ging es kostenlos zu, schnell war ein Fanzine am Start und heute schreibe ich über Alben, die auf ganz großen Labels laufen, siehe Underneath von Code Orange auf Roadrunner Records oder The Truth Of Sacrifice von Heaven Shall Burn auf Century Media. Das sind natürlich Glücksfälle für mich, was aber nicht bedeutet, dass ich die kleinen Releases nicht mehr feiere. Nachwie vor gibt es hier fast alles zwischen derbsten Metal und ruhigem Folk, siehe das aktuelle Album Folkesange von Myrkur. Dabei komme ich nicht immer dazu, mich ausreichend jedem guten Album zuzuwenden, was mir im Herzen schmerzt, sich aber aktuell nicht ändern wird. Ich wurde auch schon gefragt, warum ich nicht Reviews über die Alben der "ganz großen Stars" schreibe, ihr wisst schon, das was man jeden Tag im Radio empfangen kann. Ich würde ja damit mehr Klicks generieren und dann vielleicht auch damit irgendwann Geld verdienen können.

Mein Blog ist in der Musiklandschaft nur einer von vielen. Wer weiß, wann ich hätte damit am Start sein müssen, um damit meine glutenfreien Brötchen kaufen zu können? Dann mag ich die aktuelle Radiomusik nach wie vor nicht, obwohl mir 87.9 StarFM auf der Rückfahrt von Rovaniemi nach Cottbus durchaus gefallen hat, auch wenn wir den Sender nur in und südlich von Berlin (bis etwa Lübben) empfangen konnten. Auf Arbeit, wenn ich mal die Musik bestimmen darf, läuft der Sender auch und es gibt keine oder kaum Beschwerden, weil es ja Lärm und keine Musik sei. Daheim kann ich den Sender leider nicht übers Kabelnetz hören, sondern nur übers Internet, weil der Kabelanbieter, warum auch immer, SunshineLIVE auf die Frequenz gelegt hat. Ich habe fast im Strahl gebrochen, da die Musik hier, zumindest im Kabel, der selbe, mit Verlaub geschrieben, Rotz ist, wie der Rest im UKW. Vielleicht muss ich einen eigenen Rock/Metal/Folk/Indie-Pop-Sender aufmachen, damit man wirklich Vielfalt schafft.

Wir ihr oben lesen konntet, war ich in Skandinavien und das nicht nur einmal. Im Sommer waren meine Freundin und ich in ihrem Kombi zwei Wochen unterwegs und haben es bis auf die Lofoten geschafft. Im Herbst waren wir dann, der Polarlichter wegen, in Rovaniemi, aber auch wegen des Weihnachtsmannes und der Rentiere und Huskies. Und bevor ihr fragt: ja, man kann auch im skandinavischen Spätherbst im Auto übernachten und überlebt dies ohne Erkältung. Finnland ist musikalisch interessant, da die Finnen mit Suomirock einen Musiksender der Rockmusik auf Suomi spielt. Es klingt auch schräg, wir haben diese Eigentümlichkeit aber genossen. Es sind auch wirklich interessante Titel dabei, wie Kotieollisuus' Tämän Taivaan alla, Apalanta's Lokin päällä lokki (die klingen hart nach Linkin Park) oder Sara's Yhtenä Iltana.

Ich bin auch weiterhin im Ensemble von Rabota Karoshi und kann dort meinem inneren Unsinn freien Lauf lassen. Hier organisiere ich ab und an die Proben und habe bereits einen Pressetext verfassen dürfen, auch wenn dieser jetzt hinfällig ist, da die Show im April stattfinden sollte.

Zukünftig wird es hier weiterhin in ungleichmäßigen Zeitabständen Einträge geben, ihr wisst ja: Arbeit, Verpflichtungen und andere Hobbies, wie der andere Blog, laufen auch weiter. Ich werde auch weiterhin nach kostenloser Musik suchen, ich werde aber auch versuchen, an die ganz großen Alben zu kommen, vor Release. Aber nicht so, wie manche denken werden, ich rede von den Deftones und Co.. Manchmal hat man ja Glück.

Natürlich gehört der Dank immer noch denjenigen, die mir weiterhin Alben schicken, darunter Fleet Union, Kinda Agency, Add On Music, Gunner Records, Check Your Head und All Noir. Ich freue mich über jede Mail, über jede Einladung zu einem Interview oder Konzert, auch wenn das dann mal ein Donnerstag oder gar Freitag ist. Also, auf in ein neues Blogjahr voller neuer und alter Gesichter, ob nun neben oder mitten im Strom.

Wenn um Mitternacht die Sonne am Atlantik nicht untergeht.
(Quelle: Eigenes Bildmaterial)

Freitag, 28. Februar 2020

Guerilla Poubelle - L'Ennui (Gunner Records)

Je parle un peut français et je nes le comprend pas très bien. Und selbst das musste ich noch durch den Übersetzer von Google jagen, damit ich hier keine Fehler schreibe. Auch wenn ich im Sommerurlaub etwas Französisch anwenden musste/konnte. Was die Musikwelt angeht, bin ich relativ unbeleckt. Ich habe zwar schon französischen Hip-Hop gehört und auch Rise Of The North Star live gesehen, aber mehr fällt mir zur französischsprachigen Welt, außer ein paar Chansons, nicht ein.

Und dann bekomme ich eine E-Mail von Gunner Records und siehe da, mein Horizont wurde wieder erweitert. Guerilla Poubelle kommen eben aus dem Land des guten Essens und der guten Weine. Dabei klingt die Band mal gar nicht danach, eher nach einem guten Bier bei einer verschwitzten Show in irgendeinem kleinen Club einer mittelgroßen Stadt. Die Band gab es laut Wiki bereits 1998 unter einem anderen Namen. Dann ging der Schlagzeuger 2003 und seit dem ist man unter diesem Namen unterwegs. Wie bereits erwähnt, geht es hier etwas derber zu. Man klingt etwas versoffen, dennoch klar und deutlich. Selbst ich verstehe hier und da ein paar Wörter, wenn es wohl um irgendwas mit Rechts geht. Es gibt hier fast puren Punk, der dafür sehr gut produziert ist und selbst den Bass in den Vordergrund gleichberechtigt neben die Gitarre stellt (er ist aber weit entfernt von irgendeinem Sub-Bass). Dabei ist das ganze wohl in Eigenregie entstanden.

Wer die frühen Blink 182 mag oder sich 6'10 etwas derber vorstellen kann oder vielleicht die Dropkick Murphys kennt und schätzt, der wird hier ganz schnell Freude an L'Ennui finden. Wer Probleme im Französischunterricht hat, kann sich hier vielleicht behelfen, so ähnlich hatte ich Fortschritte in Englisch in der Schule gemacht: einfach übersetzt, worum es den Songs ging. Man bekommt ordentlich viel Musik für's Geld, die dabei auch noch Spaß macht.

Release: 28.02.2020
Label: Gunner Records

Anspieltipps: Entre Booba et Balkany, Apocalypse 6:12, Passe L'arme À Droite

5/6 Punkten (Man, hätte ich mal besser im Französischunterricht aufgepasst.)

Guerrilla Poubelle - L'Ennui
(Quelle: Bandcamp)

Freitag, 10. August 2018

Gunner Records die 12te: Alias Caylon - Where There Be No Land

Wie schreibt man ein Album, welches einen so signifikanten Anfang hat, so dass man sofort weiß, um welchen Künstler und um welches Album es sich handelt? Die Mannen von Alias Caylon wissen wohl irgendwie, wie das funktioniert. Crossed Out lädt einen sofort ein, auf eine Reise, zwischen vielen Spielarten des Rocks. Man hört auch ein paar Bekannte, ohne aber seine eigene Klangfarbe zu veraten. Billy Talent oder auch Muse winken in Titeln wie Most Boring Scenario oder Lest We Forget. Dabei geht es nicht immer nur geradeaus, man legt sich auch gerne mal vertrakte Rhythmen in den Weg um dann genüsslich darauf herumzureiten, anders kann sich der Ritt des Basses über die Trommeln in No Air No Castle nicht erklären lassen.

Es entstehen auch gern immer wieder große, richtig schön ausstaffierte Ebenen vor einem, die sich dann immer näher an einen heranschmiegen. Nebenher gibt es Wechselspiele zwischen lauten, epischen Passagen und ruhigen Momenten des Innehalten, es Besinnens um dann am Ende doch nochmal auszubrechen und alles in Pomp und Trara aufzulösen, wie es vielleicht My Chemical Romance zu ihren besten Zeiten taten. Wie bereits erwähnt, gibt es hier nicht nur die Abziehbilder der großen Idole auf die Ohren, man bekommt anständige Kost, die einen sättigt und zu mehr verführt als zu einem einzigen durchlauf. All die Wechselspiele, die gute Produktion und die Ideen könnten diesen Langspieler zum Album des Jahres machen. Wer sich das Album kauft, bekommt zehn Titel verteilt auf 47 Minuten, also ordentlich etwas für sein Geld. Wer dennoch eine Entscheidungshilfe braucht, kann sich das Album schon komplett auf Youtube anhören. Ab dem 17.08. gibt es dann auch Platten und CDs.

Anspieltipps: Dog In The Fog, Most Boring Scenario, Secret Dealings

6/6 Punkten (Da zahlt sich Erfahrung aus.)

Alias Caylon - Where There Be No Land
(Quelle: Presskit von Gunner Records)

Donnerstag, 18. Januar 2018

Gunner Records die 11te: Bundles - Deaf Dogs

Wer singt hier so schief durch Nacht und Wind? Es ist der Sänger der Bundles mit seiner Band. Das mag sich zwar nicht sauber reimen, es trifft aber genau den Sound der Band aus Boston. Wie für das Gunner fast üblich, gibt es eine ordentliche Ladung Punk auf die Trommelfelle. Dabei handelt es sich nicht um die saubere und auf Pop polierte Variante, sondern um die, die man in den kleinen Probenräumen und Clubs findet.

Dabei fällt der Sänger eben durch seinen schiefen Gesang, der manchmal etwas über dem Anschlag ist, auf. Er ist nicht eingebettet zwischen die Gitarren, wird nicht per Autotune in die richtigen Bahnen gelenkt. Dabei haben die Gitarre und der Bass um so mehr Druck, die Trommeln haben dafür nicht so viel Raum bekommen. Wer die Platten von QOTSA und Continental kennt, die hatten wir mal hier und hier, kann sich die das als Kombination vorstellen und bekommt in etwa den Sound des Bostoner Trios heraus. Schade ist, dass man den Speed aus dem Intro von Lorem Ipsum (Fun Fact: dieser Titel steht eigentlich für einen nichtssagenden Blindtext, den man nur dafür verwendet, sich Layouts von Texten besser vorstellen zu können) nicht durch das gesamte Album tragen konnte. Zwar schafft dieser "Missstand" für mehr Abwechslung auf den knapp 30 Minuten, wirkt aber an einigen stellen, trotzdem der Minutenzähler bei zwei Tracks über drei Minuten springt, etwas zäher als man von einer Punkplatte erwarten würde. Die Platte ist dennoch nicht schlecht. Sie bietet einem alles, was man braucht, wenn man Streit mit seiner Frau oder Freundin hatte oder sie ihn vielleicht sogar verlassen hat. Man kann mitgröhlen, sich sinnlos Alkohol in den Hals kippen und vielleicht mit Freunden abgehen. Wer sich die Tauben Hunde nun zur Brust nehmen will, kann dies ab dem 19.01. tun. Denn da wird das Album hier in Deutschland von Gunner Records auf den Markt gehievt.

Anspieltipps: Lorem Ipsum, The State Of Seatle, The Dornishman's Wife

4,5/6 (Wie langsam darf Punk sein?)

Bundles - Deaf Dogs
(Quelle: Presskit von Gunner Records)

Hier gibt des die Bündel mit ihren tauben Hunden auf der Bühne zu sehen:

19.01.18 D -  Mönchengladbach - Das Blaue Haus
20.01.18 D - Landshut - JUZ Poschervilla
22.01.18 AUT - Graz - SUb
23.01.18 D - Münster - Gleis 22
24.01.18 D - Erfurt - AJZ Cafe Erfurt
25.01.18 D - Bremen - Papp (*)
26.01.18 D - Hamburg - Störtebecker (*)
27.01.18 D - Flensburg - Volksbad (*)
28.01.18 D - Neumünster - KDW (*)
29.01.18 D - Berlin - Ramones Museum
31.01.18 D - Göttingen - T-Keller (*)
01.02.18 D - Leipzig - Stö (*)
02.02.18 D - Köln - Limes (*)

(*) with Arterials

Mittwoch, 5. April 2017

Gunner Records die 10te: Mobina Galore - Feeling Disconnected

"Punk's not dead!" Dieser Gedanke kommt einem zuerst in den Sinn, wenn man die ersten paar Akkorde von Mobina Galores aktuellstem Werk Feeling Disconnected hört. Denn von Sekunde eins wird dir hier alles entgegengeschmissen was man aus Gitarre und Schlagzeug so rausholen kann und das volles Ballet in Sachen Geschwindigkeit. Der Gesang schwangt hier zwischen lauterem Geschrei mit leichter Melodie und Hymnen, die sich nach dem ersten Durchlauf komplett in den Hirnwindungen festsetzen und da auch nicht mehr weg wollen, Ohrwumrgarantie wird hier groß geschrieben. Es klingt an vielen Stellen so, als hätte man dem Pop-Punk die nötige Attitüde und den Rotz verliehen, dem es eben diesem Genre aus der Jahrtausendwende fehlte. Und dabei bleibt man nicht bei den üblichen Drei-Akkord-Schemen, das zeigt sich in Titeln wie Partner In Crime.

Eben diesem Genre entsprechend hat man auch die Titel sowie das ganze Album kurz gehalten. Mit dem letzten hidden Track, der nach ein paar Minuten Stille aufschlägt, kommt man auf 36 Minuten. Mehr braucht es auch nicht. Es ist wie beim Sex, manchmal liegt die Würze in der Kürze. Dieser Ansatz hält das Machwerk frisch und verführt zum Repeat des Albums. Die Produktion ist auf Höhe der Zeit und lässt keine Wünsche offen. Am Ende vom Tag will man sich das Ding laut im Autoradio geben und durch die kaputtesten Ecken der Stadt cruisen, mit Porno-Brille auf der Nase und Beanie auf dem Kopf. Released wird der kurze Kracher am 07.04. auf Gunner Records und kann bereits auf dem Bandcamp-Account der Band gestreamt werden.

Anspieltipps: Vancouver (der beste Track überhaupt), Partner In Crime, Suffer

5,5/6 Punkten (WHOA! I HERE VANCOUVER CALLING)

Mobina Galore - Feeling Disconnected
(Quelle: Bandcamp.com)

Donnerstag, 31. März 2016

Bloggeburtstag Nummer 4

Vor ein paar Jahren hatte ich mit einer Bekannten eine Unterhaltung darüber, warum ich denn unbedingt einen iPod classic (der mit den 30GB Speicher) haben musste und warum es nicht irgendein kleiner mp3-Player täte. Für mich war dieses Gerät zu diesem Zeitpunkt wie ein Tagebuch, wo die Seiten nach und nach gefüllt werden und ich auch, wenn mir danach war, einige Seiten löschen konnte. So stellte sich auch die Musiksammlung zusammen. Primär hatte man auf der Festplatte Rock und Metal gefunden, der erst nach geraumer Zeit auch Folk- oder Raptiteln Platz machte bzw, den 30GB sei dank, daneben einordnete. Der Großteil des Alben, der Titel, der Künstler waren mir bekannt, weil ich mich auch anders mit der Musik auseinandersetzte. Wie das aber nun mit der Hardware so ist, nach ein paar Jährchen verabschiedete sich der Klinkenanschluss, aus Mangel an Geld, gab es dann leider keinen neuen iPod, zumal Apple die Reparatur verweigert (die Serie sei zu alt).

Durch die vier Jahre, die dieses Blog hier schon auf der Uhr hat, ist die Musikbibliothek schneller angewachsen, als ich teilweise es mitbekomme. Das hat aber auch zur Folge, dass einiges untergeht und sich nicht mehr so einbrennt, wie auf dem iPod vor ein paar Jahren. Es gibt natürlich hier und da Alben, wie zum Beispiel von We Butter The Bread With Butter oder von den Marmozets, die sich einfach mal richtig in die Hirnwindungen eingebrannt haben und mich an Stellen zurückbringen (rein im Geiste, versteht sich) wo ich genau diesen oder jenen Titel gehört habe.

Die Art meines Musikkonsums hat sich natürlich auch geändert, zwar besitze ich einen kostenlosen Deezer-Account, aber den nutze ich extrem selten, zumal mir jede Menge an guter Musik ins E-Mail-Postfach flattert, die dann eben meinen mp3-Player füllt, der nebenbei erwähnt nur 4GB fasst. Das heißt, das Durchspülen der Musik, salopp formuliert, findet hier einem noch extremeren Rahmen statt. Auf der anderen Seite erschrecke ich dann immer wieder, wenn hier irgendwo mal ein regionaler Radiosender ertönt, selbst der Jugendsender Fritz ist nun für mich ohne Belang.

Was habe ich nun in diesen vier Jahren gelernt? Musikhören kann unter bestimmten Umständen Arbeit sein, anstrengend oder manchmal nicht ganz so erfüllend wie erhofft. Sei es, dass eine Vorabsingle überhaupt nicht das Album wiederspiegelt (siehe Basement oder auch Liedfett) oder dass mal kein Label Musik hat, die vielleicht zu diesem Blog passen könnte. Der Faktor Zeit ist natürlich auch wichtig, es gibt Alben, denen will man sich voll und ganz widmen, ein riesiges Review schreiben und bekommt das gute Stück eine Woche vor Release und dann vielleicht nicht mal zum Donwload. So kommt dann eher schlecht eine Beziehung zur Platte zustande, was richtig Schade um die Musik, um die Kunst ist. Bei We Butter und den Marmozets hatte ich schon etwas mehr Zeit und konnte ein Konzept finden, welches den Alben passt.

Wie wird es hier weitergehen? Nun, das mit den Ausarbeitung muss ich mir überlegen, ob das zeitlich passt. Wünschen würde ich mir, dass ich das Album "Gore" der Deftones vielleicht doch durch irgendeinen Weg zur Rezension bekomme, das vielleicht doch ein Interview mit Ihnen zustande kommt, auch wenn mir Velvet Hammer noch immer eine Antwort schuldig ist. Derweil gibt es sicher ein paar neue Entdeckungen, die hier über den Schirm und die Boxen laufen. Im April bin ich in Berlin und mache dort ein Interview mit Nu Nation weiterhin werden Alben von Flixrecords, Gunnerrecords, Carrycoal und den anderen "alten Hasen dieses Blogs" präsentiert. Natürlich wird es hier auch immer wieder kostenlose Musik geben, die Stilrichtung ist dabei aber nach wie vor absolut unterschiedlich, was das angeht. Dies ist dann wieder meinem Gemüt geschuldet.

Picture by H. Wanta

Mittwoch, 25. März 2015

Gunner Records die 9te: Brutal Youth - Stay Honest

„Bleib ehrlich!“ rufen einem vier Kanadier aus Toronto entgegen und zimmern mal eben ein ziemlich derbes Albumcover zusammen, auf welchem sich der Hauptprotagonist auf einem Berg seine hölzerne, zu einem Baum angewachsene Nase absägt. Na, wer von euch kennt die Geschichte von einem Jungen aus Holz, dem die Nase wächst, wenn er lügt? Aber ein ganzer Baum? Nun ja.

Stay Honest braucht 22 Minuten und 18 Titel (auf der CD tun die sich dann irgendwie zu 15 zusammen) und schon ist die Rutsche fertig und du fragst dich, ob das denn nun alles war. Die vier Kanadier, deren Spitznamen zusammen einen Hot Dog ergeben (so steht es zumindest im Booklet), spielen eine ordentliche Portion Punk, gewürzt mit der Attitüde des Hardcore und lassen die Basssaiten ordentlich scheppern. Die Geschwindigkeit liegt jenseits von Gut und Böse, was den Repeatfaktor der CD erhöht. Drei Mal hören und die Stunde ist rum, na gut, die sechs Minuten machen den Kohl auch nicht mehr fett, ganz im Gegenteil zur Produktion. Die ist ausgewogen gut, der Bass ist recht präsent, was man vom Punk so gar nicht gewöhnt ist, es sei denn, hier prasseln jetzt ein paar gegenteilige Beispiele ein. Die Themen drehen sich um falsche Freunde, um lyrisch abgerissene Brücken und „don't forget to stay true to yourself“. Und dies tut das Quartett aus Toronto, es bleibt auf dem Boden der Tatsachen und des Moshpits, bleibt vor allem sich selbst treu und hält liebend gerne das Mikrofon für die Shoutparts in die Menge. Final gibt es nichts zu meckern, die Musik ist derbe schnell und dennoch mit Tempowechseln versehen, veröffentlicht wird das Album am 25.03. auf Gunner Records. Das Machwerk wird als normale CD und als LP (auf 400 Stück limitiert [!!!] mit Downloadcode) auf den hiesigen Markt gebracht. Auf Bandcamp gibt es das Stay Honest als Stream, Piss &Wine gibt es kostenlos... Moment, das klang gerade etwas falsch.

Anspieltipps: Hunting Wabbits, Piss & Wine, Play Dead

5/6 Punkten (die richtige Platte, um der Welt den Mittelfinger zu zeigen)

Brutal Youth - Stay Honest
(Quelle: Bandcamp.com)

Donnerstag, 19. März 2015

Gunner Records die 8te: Wolves & Wolves & Wolves & Wolves - Subtle Serpents

Mit der Kunst ist das ja immer so eine Sache. Mal ist man mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden und ein anderes Mal findet man einfach keinen Anfangspunkt oder es passt die Umgebung nicht, die Sonne blendet oder Wind stört, eben solche Sachen. Selbst ich ändere manche Texte recht oft oder Fange auch mal von vorne an.

So ähnlich erging es der Band mit den vielen Wölfen im Namen. Nicht nur das es einige Umbesetzungen gab, nein, auch für Subtle Serpents hat es mehr als 3 Jahre, 4 Versuche und 5 Locations gebraucht. Wie bei einigen berühmten Kunstwerken, hat auch dieser Prozess dazu geführt, dass man mit diesem Album ein durchaus ausgewogenes Stück Musik in die Hand und auf die Ohren gelegt bekommt. Die Wölfe benutzen als Umschreibung ihres Musikstils relativ viel Post, also dieses Nach, nicht das gelbe Unternehmen mit dem Horn als Firmenlogo. Aber wem erzähl ich hier was. Hier treffen leicht angekratzte Stimmbänder, die fast am Anschlag agieren, auf zwei elektrische Gitarren, einen Bass und ein Schlagzeug, dabei ist man aber nur zu viert. Mit Serpents, dem Opener, wird man langsam, dennoch verzerrt, in das Wolfsuniversum eingeführt und merkt, dass hinter diesem ganzen Sturm auch Wehmut steckt. Verborgen in den Textzeilen, die vom Sänger mit einigem Wehleiden vorgetragenen werden Geschichten erzählt, von Erinnerungen, die wie ein Schatten über einem hängen oder auch vom Vermissen der Heimat. Fröhlich ist was anderes, definitiv, aber so viel Traurigkeit kann auch kathartisch wirken.

Wolves & Wolves & Wolves & Wolves - Serpents (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.vom)

Die Produktion passt soweit, die beiden Zusatztracks auf der CD sind zwar etwas schlechter in der Qualität, dafür sind es eben Demos. Die Instrumente sind angenehm arrangiert und machen auf die gesamte Länge schon was her. Wer auf Nirvana oder auch die Foo's steht, wird hiermit glücklich werden. Veröffentlicht wird Subtle Serpents am 20.03. auf Gunner Records, auf Bandcamp kann man sich, bis auf die zwei Demos, das gesamte Album geben.

Anspieltipps: Serpents, I'll Be The Hyena, Fathom

5/6 Punkten

Wolves 4X - Subtle Serpents
(Quelle: Bandcamp.com)

Konzerttermine:

19.03.2015 - The Rocker - Mechelen (B)
20.03.2015 - Privat - Köln
21.03.2015 - JUZ Klex - Greifswald
22.03.2015 - Club Vortex - Siegen
23.03.2015 - Dreikönigskeller - Frankfurt Am Main
24.03.2015 - Juha West - Stuttgart
25.03.2015 - Gonzo - Zürich (CH)
26.03.2015 - 13eins - Ansbach
27.03.2015 - Sing & Play Festival - St. Gallen (CH)
28.03.2015 - Heart First Fest - Oberhausen
02.04.2015 - Rock Sound - Barcelona (ESP)
04.04.2015 - Morralla - Blanes (Girona) (ESP)
07.04.2015 - Cassiopeia - Berlin
08.04.2015 - Gun Club - Hamburg
09.04.2015 - Tower - Bremen
10.04.2015 - Jam - Meppen
11.04.2015 - Juz Försterstr - Saarbrücken,

Freitag, 20. Februar 2015

Gunner Records die 7te: Pears - Go To Prison

Bei diesen Birnen handelt es sich um vier Männer aus New Orleans, die mit ihrem Album Go To Prison gerade durch die Staaten und Europa touren. Man hat hier aber keine Band in den Ohren, die schon X Alben vorher auf den Markt gebracht hat, nein. Diese Formation gibt es erst seit acht Monaten. Der Silberling misst mal eben auch zehn Titel und 21 Minuten. Als würde einem die Band sagen wollen, dass das Leben zu kurz ist und legt mal eben knüppelhart mit allem was Punk, Rock'n'Roll und Hardcore zu bieten haben, los. Wer sich an Tony Hawks zweiten oder dritten Pro Skater erinnert, wird diese Musik ebenso feiern.Vor allem geht es darum, dass man kein Spielzeug, sondern ein Mann ist und alle anderen eh langweilig sind. Die Produktionsqualität ist ordentlich, die Instrumente stehen am richtigen Ort und vermitteln viel Volumen. Der Gesang schwangt zwischen Kreischen und angenehmen Harmonien. Natürlich könnte man über die Länge meckern, aber das ist Punk. Schnell, roh und direkt auf die Zwölf. Veröffentlicht wird der Weg ins Gefängnis am 20.02. auf Gunner Records und kann auch auf Bandcamp gestreamt und Heruntergeladen werden.

Anspieltipps: Sycophant, Framework, Judy Is A Punk

5/6 Punkten


Pears - Go To Prison
(Quelle: bandcamp.com)

Donnerstag, 5. Februar 2015

Gunner Records die 6te: Dan Webb And The Spiders - Perfect Problem

Die Geschichte um Dan und seine Spinnen begann eigentlich 2009 oder eher schon fünf Jahre davor. Denn sein erstes Album besteht aus neun Titeln, die er die fünf Jahre lang verteilt geschrieben hatte. Final ging das Tracken innerhalb von zwei Tagen über die Bühne. Und um eine anständige Release-Party feiern zu können, hat er sich ein paar Nasen ins Boot geholt, hat denen die Tracks zum lernen gegeben  und dann ging es wohl zur Release-Party. Und danach kam eine weitere Show, die führte zu einer weiteren, die dann zur nächsten... man kann sich ausmalen, wohin das bis in die Gegenwart führt. Genau, zu noch mehr Shows und zu noch mehr Alben und EP's.

Nun steht das neue Album vor der Türe und klopft lustig an die selbige. Die Band aus Boston beschreibt ihren Sound als eine Mischung aus Garage und Punk. Das könnte man im Sinne des Erfinders auch gerne und locker unterschreiben. Die Songs sind locker flockig, die Stimme vom Dan ist leicht schräg und kratzt an einigen stellen. „Aber das tut nichts zur Sache, das muss so.“ würde der Norddeutsche sagen. Das verleiht Perfect Problem auch einen gewissen Charme, nichts ist ganz perfekt eingespielt, es wirkt wie eine Liveaufnahme aus einer Garage. Der Staub auf den Boxen fängt unter dem Gitarrenspiel gerade an zu tanzen und jede Sekunde geht das Garagentor auf und der Vater steht mit dem Pick-Up-Truck in der Einfahrt. Auf zwölf Titeln gibt es Musik, die eigentlich mehr auf einen Longboardfilm oder eine Feier am Strand passt, denn in diese kalte Jahreszeit, die sich auf der Nordhalbkugel gerade breit macht. Aber ist in Boston nicht gerade auch Winter? Egal, die Band spielt dir die Sonne und das Lachen ins Gesicht, komme was wolle. Wer ein Antidepressivum braucht, kann sich das Album kaufen... oder auf Bandcamp streamen, bis man nur noch mit halbem DSL surfen darf. Wer hier irgendwas mit Hi-Fi erwartet oder meint, dass man doch lieber das neue Album von Nickelback hören muss, weil das doch besser produziert ist, hat Garage und Garagepunk nicht verstanden. Hier geht’s um den Spaß an der Sache, dass das perfekt funktionieren kann, hat John Barrett mehrfach mit Bass Drum Of Death bewiesen, obwohl auch diese Formation sich um Sound wandelt. Also, Anlage an, CD rein oder Stream an und mal eben im Wohnzimmer eine kleine Feier oder den Abriss feiern. Ab dem 06.02. steht das Album beim Plattendealer eures Vertrauens, das Label eures Vertrauens ist hier Gunner Records.

Anspieltipps: Perfect Problem, Fix This Place, I Know You

5/6 Punkten


Dan Webb And The Spiders -
Perfect Problem
(Quelle: bandcamp.com)

P.S.... und das Erscheint nicht im File, was den lieben Gunnar von Gunner Records erreicht: Es gibt eine EP von Dan Webb, auf dieser sind drei Demoversionen für die Aufnahmen für Perfect Problem zu hören. Diese gibt es auch für den leeren Geldbeutel auf die Festplatte, zum Mintnehmen, to go. Die September Demos gibt es hier. Hier geht es etwas roher und verrotzter zu. 


Dan Webb And The Spiders - September Demos
(Quelle: bandcamp.com)

Montag, 13. Oktober 2014

Gunner Records die 5te: Owls By Nature – The Forgotten And The Brave

Fünf junge Kanadier, aus Edmonton stammend, haben sich aufgemacht, mit allerlei Instrumenten und Gesang, die Welt wieder ein Stück schöner aber auch melancholischer zu machen. Man muss unweigerlich an Filme und Serien denken, in denen Ärzte ihr Bestes geben und dann manchmal auf professioneller als auch auf emotionaler Ebene scheitern. Zu solch einer Gefühlsduseligkeit ruft diese Musik, die irgendwo zwischen Country, Folk und Rock'n'Roll parkt, einfach auf. Man kann eigentlich gar nicht anders, als seine alten Fotoalben, heute sind es wohl Festplatten, nach Bildern des letzten Sommers oder der letzten Liaison zu suchen und sie etwas Wehmut zu betrachten. Sicher gibt es auch glückliche Momente auf diesem Album, was alles in allem um die 41 Minuten misst, wie in „Brothers“, „Run“ oder „Darkness“. Vergleiche sind schwer anzustellen, da man hier in Europa kaum solche Künstler zur Hand hat, die mal eben Country und Rock vermischen und damit eine wohlklingende Mischung vom Stapel lassen, die ganz leicht, ohne zu Zicken den Gaumen hinab rutscht, ohne komisch auf zu stoßen. Es kann aber auch an diesem Bundesstaat in Kanada liegen, wenn man bedenkt wie Nickelback, ja hier steht gerade wirklich Nickelback, klangen: es gab immer einen Hauch Country im Unterton, mal ganz offensichtlich, ein anderes mal blitzte hier da nur kurz etwas davon auf. Andererseits zeichnet sich hier aber auch der Trend ab, den es seit ein paar Jahren gibt: man besinnt sich auf die alten musikalischen Werte zurück und es gibt genug junge Menschen, die mit einer auf alt getrimmten Brille, jeder Menge Bart im Gesicht in den Wald oder auf ein Feld ziehen, gekleidet in hellblauen Jeans und einem weißen Hemd. Das Folk-Monster, so möchte man meinen, macht nicht halt und nimmt einen mit. Wo und ob man aussteigt, das bleibt einem nach diesem Ritt durch elf Titeln selbst überlassen. Alle, denen das Gefällt, können sich auch nach Belieben auf Band laben. Allen anderen kann man nur empfehlen, sich daran zu gewöhnen, dass wohl wieder mehr Folk- und Akustikmusik im Radio laufen wird. Machbar wäre es mit den Eulen alle mal, die Produktion ist gut und die Titellänge passt hier wie der Hintern auf die Klobrille. Das Label hinter der Band ist Gunner Records, welches das Album am 10.10.2014 auf den Markt gebracht hat. Wer sich nicht ganz vorstellen kann, was die Worte vor diesem Satz zu bedeuten haben, kann sich auf Bandcamp gerne ihre Werke anhören, Backwater sogar kostenlos laden. Die Richtung ist hier ganz klar zu hören. Und wem das alles dann so wirklich zu sagt, der kann sich gerne auf Shows wagen, die hier gerade in Europa stattfinden werden. 

5/6 Punkten. 

Owls By Nature - The Fogotten And The Brave
(Quelle: http://gunnerrecords.com/)


Tourdaten:
20. Oktober - Hafenkneipe - Zürich, SUI
22. Oktober - E-werk - Clubbühne - Erlangen, D
23. Oktober - Feierwerk / Sunny Red - München, D
24. Oktober - Zwölfzehn - Stuttgart, D
25. Oktober - Studio 104 - Ravensburg, D
27. Oktober - FZW - Dortmund, D
28. Oktober - Wärmehalle Süd - Leipzig, D
29. Oktober - Tower - Bremen, D
30. Oktober - Lux - Hannover, D
31. Oktober - Kantine (junges Theater) - Göttingen, D
01. November - Kleine Freiheit - Osnabrück, D
03. November - Schlachthof - Wiesbaden, D
04. November - Cafe Wagner Jena E. V. - Jena, D
05. November - Privat Club - Berlin, D
06. November - Kleiner Donner - Hamburg, D
07. November - Rolling Stone Weekender - Weissenhäuser Strand, D

Mittwoch, 27. August 2014

Gunner Records die 4te: The Shell Corporation - Mandrake

Punkt 1: Die Band hat nichts mit dem großen, gleichnamigen Ölkonzern am Hut. 
Punkt 2: Der Name des Albums hat nichts mit dem gleichnamigen Linux-Betriebssystem zu tun, aber ob nun ein Comiczeichner oder eine Pflanze herhalten musste, erschließt sich nicht ganz. 

Seit 2011 ist das Quartett aus Burbank, Kalifornien als Band unterwegs, welches Sevendust als einer ihrer Einflüsse aufzählt. Lustigerweise klingt die Band keinesfalls danach, auf ihren Fahnen steht Punk in großen Lettern, angetrieben von einem Gitarrensound aus längst vergangenen Surf-Zeiten. Das kann mitunter an der Heimat der Band liegen. Das lässt die Musik der vier jungen Männer recht frisch wirken, etwas anders als der Rest. Ein ungebremstes Losbrettern im Opener Appetite For Distraction könnte fast aus einem der Need For Speed Teile stammen, die sich im Untergrund abspielen. Der Bass treibt hier alles voran und der mehrstimmige Gesang fängt alles und jeden ein, der sich ihnen in den Weg stellt. Und so, oder so in etwa, geht das ganze Album voran. Es gibt hier und da ein paar Ska-Einwürfe, wie in Even Bob Vila Couldn't Fix This Old House. Es passt zum Album und zur Band. Die Texte sind vielerlei Hinsicht kritisch gegenüber den Gegebenheiten, mit den sich jeder ab und an herumschlangen muss. Aber wir haben hier keine 60-Stunden-Woche. Für den Europäischen/Deutschen Markt gibt es sogar einen deutschsprachigen Einschub, der irgendwas mit Arschlöchern zu tun hat und man im Endeffekt genau das sei, was diese „Menschen“ hassen. Man sei homosexuell, schwarz... das könnte auch gegen Nazis gehen, was man getrost mit Arschloch gleichsetzen kann. Somit ist hier alle richtig gemacht worden. Die Produktion ist richtig gut gelungen, nichts wird irgendwo liegen gelassen. Der mehrstimmige Gesang weiß zu gefallen  und macht klar wo es hingeht. Das Album wird in Deutschland über Gunner Records vertrieben und umfasst elf Titel inklusive eines kleinen Iron-Maiden-Skits am Ende von „60 Hours“. Wer gerne Skateboard, Longboard oder irgendein anderes Board fährt, wird die Musik mögen, alle die sich am Punk und Ska begeistern können, ebenso. Predikat: Kaufen! Wer sich überzeugen lassen möchte, kann dies auf der Bandcampseite von Solidarity Records gerne machen, bis gedrosselt wird.

5,5/6 Punkten


The Shell Corporation - Mandrake

Donnerstag, 21. August 2014

Gunner Records die 3te: Zeki Min - Majestic


Zeki Min, das ist ein Musiker der aus Bremen kommt und nun in Berlin wohnt. Von sich selbst sagt er, dass er ein Late-Bloomer sei, da er erst im Alter von 20 Jahren mit dem Musizieren begonnen hat. Von sich sagt er auch, dass er bei Namensfindungen für Soloprojekte nie so ein gutes Händchen hatte, somit blieb er bei seinem echten Namen. Das haben andere große Musiker auch nicht anders gemacht. Zentral geht es um seinen Gesang und um seine Gitarre (die Kombination Querflöte und Gesang gleichzeitig wäre wohl auch blöd gewesen), daneben gesellen sich aber gerne ein Schlagzeug, Klaviere und in „Everything's Gonna Be OK“ gibt es sogar eine Frauenstimme, die mitsingt. Sonst findet man alles, was auf eine Singer-Songwriter-Platte gehört: Gefühle wie Selbstzweifel, Verlorensein, das Aufstehen nach einem Fall und die Frage nach dem Warum. Dennoch ist seine Stimme recht kraftvoll, die Instrumentalisierung und die Produktionsqualität ist ausgezeichnet und weist keinerlei Macken oder dergleichen auf. Elf Titel sind heutzutage eigentlich ein normaler Schnitt, Studiozeit ist ja heutzutage ein schwerer, finanzieller Faktor. Für ein Debüt ist "Majestic" gelungen und man kann sich den jungen Barden gut alleine auf einer Bühne vorstellen und niemand im Publikum wäre gelangweilt. Erschienen ist das ganze am 25.07.14, der Vertrieb läuft über Broken Silence Independent Distribution. Wer sich selbst ein Bild von der Schaffenskraft des Bremer Musikers machen möchte, kann sich auf Bandcamp das gesamte Album anhören und sich dann eine eigene Meinung dazu häkeln.



4,5/6 Punkten.

Zeki Min - Majestic

Sonntag, 27. Juli 2014

Ver-Flixt Nr. 8 / Gunner Records: John Allen - Sophomore

Ihr kennt das sicher alle, man hört die ersten Klänge eines Albums, von einem Künstler den man nicht kennt. Wenn einem die Musik gefällt, wirft man den Browser seiner Wahl an und sucht im Internet nach dem Namen des Künstlers. Wenn man dann liest, wo John Allen herkommt, schlackern einem die Ohren. Der junge Mann kommt aus Hamburg, was man in Anbetracht der Klänge kaum glauben mag. Das Album klingt eher nach dem hohen Norden Kanadas, nach Irland oder gar Alaska. Eine Stimme, die schon viele Reibeisen abbekommen hat, wird begleitet von einer Akustikgitarre, die jeder erwartet. Aber, wie bereits umschrieben, klingt das hier nicht nach Jack Johnson. Denn zur Gitarre gesellen sich eine Geige, ein Bass, eine Ziehharmonika, eine elektrische Gitarre, ein Klavier und ein Schlagzeug. Wer die Augen schließt, wird förmlich auf das Klirren von Gläsern und ein das Jubeln und Grölen warten, welches von einer Horde von Gästen produziert würde, das kommt aber nicht. Denn eins ist klar, diese Musik gehört in verrauchte, irische Bars, in Holzhütten, wo es Moonshine und raue Feste gibt, wo Barhocker und Biergläser durch die Gegend fliegen und sich Männer alle paar Minuten um eine Frau prügeln um dann schlussendlich doch mit einem Bier anzustoßen und auf die Frau zu pfeifen. Die Geschichten, die John einem vorsingt, handeln von eben Frauen, in die man sich einfach verliebt, die aber keine Träne wert sind, von verflixten Silvesternächten und dem blöden Frühling. Verpackt wird das mit einigen englischen Flüchen, die hier und da eingestreut werden ...  John wirkt etwas verletzt. Die ganzen zehn Titel gehen runter wie Butter, angetrieben vom rauen Wind des Nordatlantiks, immer in den hohen Wellen, an der Grenze zum Kentern. Die Produktion weiß zu gefallen, auch wenn die Instrumentalisierung für unsere Breitengrade etwas aus dem Rahmen fällt. Aber genau das ist es, was man hier braucht, was neues, neue Gewürze im Regal lassen die Lieblingsgerichte eben in einem neuen Licht erscheinen. Erschienen ist diese Folk-Americana-Rock-Platte auf Gunner Records. Also, Whisky, Bier, Moonshine und Fäuste in die Höhe geschwungen und mitgetanzt und geschwoft. Das solltet ihr auch, denn der Barde ist mit seiner Entourage in Deutschland und Frankreich unterwegs.

27.7. D, Bremen - Breminale
30.7. D, Berlin - Schokoladen
08.8. F, Metz - La Chaouée w/ Joe Ginsberg
09.8. D, München - Free & Easy Festival w/ Joe Ginsberg, Ghost Of A Chance
10.8. D, Berchtesgarden - Kuckucksnest w/ Joe Ginsberg
11.8. D, Nürnberg - Hirsch w/ Frank Turner
12.8. D, Bad Kreuznach - The Majik Lounge w/ Joe Ginsberg
13.8. D, Meppen - Juz w/ Joe Ginsberg
14.8. D, Oberhausen - Drucluft w/ Joe Ginsberg
15.8. D, Altenburg - Finnegans w/ Joe Ginsberg
16.8. D, Berlin - Ramones Museum w/ Joe Ginsberg
30.8. D, Nalbach - Acoustic Open w/ Tim Vantol, Kreutzer
27.9. D, Hamburg - Kleiner Donner

Und was kann man Final zu diesem Album sagen? Nun, es hat die volle Punktzahl verdient, den Opener New Years Eve gibt es zum Beweis auf Soundcloud.

6/6 Punkten 

John Allen - Sophomore
(Quelle: Promopackage von Flix-Records)