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Mittwoch, 1. Dezember 2021

Rauchen - Nein (Zeitstrafe/Fleet Union)

Rauchen fetzt. Natürlich ist der Name der Band provokant, man hat aber sofort einen Aufhänger. Mit Nein hat man ein Album aus drei EPs geschrieben und aufgenommen. Diese drei EPs grenzen sich auch akustisch ab. 

Zu Beginn schwoft man mit Shoegaze ganz entspannt durch die Gegend, auch wenn man mit dem Text von Monopol(y) eindeutig auf die Zustände in der Polizei hinweist. Darauf folgt ein ewiges Hamsterrad, und zwar von der Schule bis zur Rente. Man merkt der Band an, dass hier einiges unter den Fingernägeln brennt. Mit Aufnahme wird die zweite EP eingeläutet, auf dem Album befinden wir uns passend im zweiten Drittel. Ab hier wird einem 4 Titel lang in den Rücken getreten. Die Band dreht alle möglichen Regler auf und die Sängerin ist am Anschlag. Hier besinnt man sich auf die alten Tugenden, hier trifft Hardcore-Punk auf pures Chaos und Zerstörung. Fast wie bei The Dillinger Escape Plan. Man bleibt den Thematiken treu: es geht um die aufgezwungenen Rollen der Frau, um Arbeit und Freundschaft. 

Nachdem man dann alles durchgewühlt hat und jeder schwitzend am Boden liegt, tritt die Band auf die Bremse und singt einem vor, wie sich das alles nach einem Konzert anfühlt. Man ist glückselig und man kühlt langsam wieder herunter. Danach gibt man dem "Schlüsselkind" den Raum, sich so zu verhalten, wie ein Mann. Bei ihm stellt man einiges an merkwürdigem Verhalten nicht in Frage, bei Frauen eigenartigerweise schon. Hier lädt man sich sogar ein paar Trompeten ein, die am Ende des Stücks ordentlich eskalieren. 

Man kann sich dieses Album wie einen Aufstieg auf einen Berg vorstellen, im Mittelteil ist man oben angekommen und dann geht es wieder abwärts. Wir werden auch bald in einem Interview erfahren, warum man diese Konstellation gewählt hat. 

Der Sound auf dem Album, was nicht mal eine ganze halbe Stunde lang ist, ist großartig. Das Schlagzeug hat ordentlich Druck bekommen und der Bass darf sich recht viel Raum nehmen. Der Gesang wirkt in den ruhigen Tracks recht gelangweilt, das kann aber Absicht sein. Die Effektgeräte kann man in einzelnen Tracks rauschen hören, wenn mal kein Instrument gespielt wird. 

Release: 03.12.2021
Label: Zeitstrafe

Anspieltipps: Wasserglas, Monopol(y), Schlüsselkind

6/6 Punkten (Achterbahn mal anders.)

Rauchen - Nein
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Dienstag, 26. Oktober 2021

Lygo - Lygophobie (Kidnap Music/Fleet Union)

Eigentlich wollte man nach der Tour 2019 eine größere Pause einlegen, um einfach mal alles sacken zu lassen. Und dann hatten die Jungs von Lygo im Jahre 2020 nicht so all zu viel zu tun. Der Drummer beschäftigte sich intensiv mit Musikproduktion und schaffte somit die Möglichkeit, dass man sich als Gruppe isoliert neuen Songs widmen konnte. Alle Titel von Lygophobie sind im Probenraum entstanden und auch dort aufgenommen worden. 

Auch wenn der Name des Langspielers wie ein intelligentes Wortspiel klingt, handelt sich hierbei doch um einen Fachbegriff. Es handelt sich hierbei um die Angst vor der Dunkelheit. Die Band erzählt mit ihren Texten von dunklen Seiten und Zeiten. Es geht um schlaflose Nächte; um eine Gesellschaft, die sich im Netz darstellt und hemmungslos kommentiert; um Polizeigewalt und das eigene Selbstmitleid und dem Selbstmord (oder den Moment danach, wenn man sich nicht getraut hat), zumindest lassen einige Textzeilen aus Warmes Bier und Kalter Kaffee darauf schließen. Vielleicht hat der Deutschunterricht hier seine Spuren hinterlassen, mit der berühmten Frage: "Was will uns der Künstler damit sagen?"

Wie bereits schon erwähnt, hat der Drummer hier die Zügel in der Hand gehabt. Die Drums drücken ordentlich fett; der Bass hat viel Platz bekommen und ist pregnant vor Ort und der Gitarrist weiß sein Instrument zu bedienen. Der Sänger singt weniger, er klagt eher an. Das passt aber auch zum klanglichen Gesamtkonzept, denn alles prügelt, dann muss die Stimme eben auch drüber sein. Wer etwas mit Akne Kid Joe, Fjørt (hatten wir hier und hier mal) oder Turbostaat etwas anfangen kann, der darf hier gern zugreifen. 

Release: 29.10.2021
Label: Kidnap Music

Anspieltipps: Zusammen im Bett, Fight Club, Schockstarre

6/6 Punkten (Hier gibt es Texte für den Leistungskurs Deutsch)

Lygo - Lygophobie
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Mittwoch, 30. Juni 2021

AOP - Von Wegen Punkrock (I Like My Records / Superlifepromo)

Wer oder was ist Punk? Was darf Punk? Wer Punk googelt, bekommt zuerst die Jugendkultur präsentiert. Dazu kommt natürlich auch die Musik. Den Männern von AOP wirft man nämlich vor, so besagt es zumindest der Track Zum Punk hats nicht gereicht, dass sie für den Punk zu weich seien, für's Radio aber zu hart. Das klingt natürlich verdächtig nach elitärem Denken, was man eigentlich eher vom Black Metal kennt. 

Wie man aber darauf kommt, dass das alles kein Punk sein soll, versteht man aber beim besten Willen nicht. Der Gesang ist nicht ganz gerade, das Schlagzeug hat ordentlich bums und wird sehr schnell bedient, der Gitarrist kann mehr als nur drei Akkorde und der Bass bekommt ordentlich "trockenen" Platz im Klanggefüge. Die Texte sind für Punkrock auch nicht unüblich. Also woher der Gram? Man kann ihnen, den Männern aus Neckarsulm, nicht vorwerfen, dass sie so langweilig klingen wie Die Kombinaten, die wir hier mal hatten. So fett wie die Toten Hosen klingen sie aber auch nicht. Man könnte sie eher mit Feine Sahne Fisch Filet und Blink 182 vergleichen. Man höre nur den Track Prophet. Und wer sich den Spiegel gibt, der wird beim Intro an System of a Downs Lonely Day denken. 

Vielleicht ist das auch die Idee der Band, sich einfach an ihren Idolen zu orientieren. Dazu gibt es noch eine kleine Prise der eigenen Würzmischung und schon steht das Konzept. Was aber auffällt: die Platte wird nach hinten hin immer mehr zum Punk, den man ihnen vorwirft, nicht inne zu haben. Man hat ja auch ordentlich viele Tracks auf das Album gepackt, die auch politisch sind. 

Was macht man also mit dieser Band? Verschmähen, weil sie ihr Ding durchziehen? Ächten, weil sie mehr als drei Akkorde auf die Saiten bringen? Beim besten Willen nicht. Das Album ist Musik, die mehr Nachhaltigkeit hat, als das, was aktuell mitunter in den Top 40 der Radiocharts läuft. Klar ist aber auch, dass man eben nur eine kleine, begrenzte Menge an Menschen erreicht. Das ist Schade, da es mehr solche Bands und Alben braucht, als den leichten Kaugummi-Pop. 

Release: 18.06.
Label: I Like My Records

Anspieltipps: Wunderschön, Wenn ich dich seh, Unsere Lieder 

5/6 Punkten (Die Platte hätte man auch ohne weiteres so vor 20 Jahren auf den Mark bringen können.) 

AOP - Von Wegen Punkrock
(Quelle: AOP.Band)

Montag, 1. März 2021

Die Kombinaten - Lautwort (Valve Records/Bangup Bullet)

Der ein oder andere von euch wird sicher mal den Kochlöffel geschwungen haben. Man kommt irgendwann an den Punkt des Abschmeckens und merkt, egal was man hinzugibt, das Mahl will einfach nicht gelingen. Im Englischen sagt man: "I can't put the finger on it." So verhält es sich mit der Platte "Lautwort" der Band Die Kombinaten. 

Die vier Mitglieder kennen sich seit Jahren, da sie alle in der Band Lax Alex aktiv sind. Das könnte ein guter Startpunkt sein, denn Erfahrungen hat man genug sammeln können. Dann schiebt man die CD in den Player und denkt sich im ersten Moment, dass man eine Platte der Chili Peppers hört. Bis dann die Trommeln einsetzen, da merkt man, das hier irgendetwas anders ist. Und wenn der Gesang dann hinzukommt, ist alles klar. Dann hört man sich die Platte an, wir finden zwölf Titel, verteilt auf 40 Minuten, und wundert sich, was fehlen könnte. Man wird dieses Gefühl nicht los. Die Texte mögen ernsterer Natur sein, es werden ein paar lustige Bilder gezeichnet, aber man wird den cringe factor nicht ganz los. Es klingt manchmal so, als wäre der Punk, der 1981 Steine auf Polizisten geworfen hat, alt geworden. Er wohnt nun mit Kind und Kegel in einer Doppelhaushälfte mit einem schönen Vorgarten in einem ruhigen Vorort. Vielleicht kommt daher der Titel "Geerdet".

Der Gesang liegt direkt im Ohr, ihm fehlt es aber an Bums oder Hall. Man hätte auch etwas mehr gröhlen können, Punk darf/muss rotzig sein. Das klingt hier hin und wieder so, als hätte man dem Punk die Zügel angelegt und ihn erzogen... leider. Vielleicht wollte man auch mehr Funk als Punk spielen. Dazu klingt auch alles sehr flach, es gibt keine Gitarrenwände, keine Aufregung, kein Kratzen in der Stimme oder einen Ausraster. Man hätte ein paar mehr Tiefen einbauen können, etwas Bauchigkeit im Klang. Die Platte könnte ohne Weiteres auf einer entspannten Gartenparty im Sommer, so Corona es will, im Hintergrund laufen und niemand würde sich daran stören oder aufmerken und fragen, wer das sei. Man schafft es aber dennoch, fiese Ohrwürmer in die Hirnwindungen zu schrauben. Man findet dies befremdlich, da von der Platte eigentlich nicht ganz so viel hängen bleibt. 

In solch schweren Zeiten eine Platte zusammen zu zimmern, dass schafft nicht jeder. Das kostet natürlich Geld, aber auch Blut, Schweiß und Energie. Man hat sich sicher auch Mühe gegeben, aber hinten rum fehlt irgendwie etwas. Dieses Etwas, was einen vom Hocker reißt, bei dem man nicht mehr runter kommt und jedem von dem Album erzählen will. 

Release: 12.03.2021
Label: Valve Records

Anspieltipps: Klagenfurt, E - Mail aus Hongkong, Visionen

2,5/6 Punkten (Darauf erstmal ein paar Hühnerherzen.)

Die Kombinaten - Lautwort
(Quelle: Mix1.de)

Montag, 30. November 2020

Leto - Wider (Rookie Records)

Wäre die Band Leto ein Studienfach, hätte man im Hauptfach Turbostaat, dazu als Wahlpflicht Billy Talent, Feine Sahne Fischfilet, Fjørt und Leitkegel. Wer hier denkt, dass das dann alles Punk ist, liegt nicht ganz falsch. Die Gitarren werden hier weitaus virtuoser gespielt, der Bass hat mehr Platz im Raum und das was, dann noch übrig ist, wird von einem ordentlich hämmernden Schlagzeug aufgefüllt. Das sorgt bereits auf den ersten Metern für zuckende Tanzbeine und nickende Köpfe. 

Dabei ist geht es hier um viel mehr. Auf diesem Langspieler werden die inneren Dämonen ausgegraben, man kämpft mit den Selbstzweifeln und der Selbstoptimierung. Dennoch könnte man einige Texte anders interpretieren. Zum Beispiel der Titel Blau: diese Farbe hat auch die AFD, und die Textzeilen passen ebenso auf die Mitglieder und Wähler der AFD. Da geht es um Sitzenbleiber, um Leute die sich das Alte zurückwünschen. Aber der Band geht es um die Geschlechterrollen, die direkt zu Begin festgelegt sind, inklusive der Berufe, die man lernt und den Eigenschaften, die man dem Geschlecht anrechnet. Der Text zu Treibsand könnte auch von der modernen Konsumgesellschaft handeln. Alles ist so gebaut, dass es relativ schnell kaputt gehen kann und dass das neue dann eh besser sei, als das Objekt, welches mal eben ein paar Monate genutzt wurde. Dabei geht es hier um die Entwicklungen der Heimatstadt des Quartetts. 

Mit Kammerflimmern gibt es sogar einen Ohrwurm, der sich tief in die Hirnwindungen einklinkt und da für ein paar Tage (jetzt wirklich) verweilt. Der Anfang wirkt zwar noch, wie Hurz von Hape Kerkeling, die Aufklärung folgt dann aber im Refrain. Es fehlen Worte um das vollständige Bild zu zeigen. Es muss aber alles immer schneller gehen, damit man up to date ist um dann alles mit der nächsten Nachricht vergessen zu haben. 

Der geneigte Zuhörer wird mitbekommen haben, dass Wider wie aus einem Guss wirkt. Die Lieder wurden am Stück geschrieben. So bleibt der Drive über die gesamte Spiellänge von 31 Minuten erhalten. Eh man es sich versieht ist man entweder alle Titel durch oder der Player fängt schon wi(e)der von vorne an. Und dann schmettert man mit. 

Release: 09.10.2020
Label: Rookie Records

Anspieltipps: Kammerflimmern, Auen und Orchideen, Treibsand, Katzenwäsche

5.5/6 Punkten (Das wächst schwer aus den Hirnwindungen heraus.)

Leto - Wider
(Quelle: Presskit von Rookie Records)

Mittwoch, 28. Oktober 2020

Ferris MC - Missglückte Asimetrie (Arising Empire/Focusion)

Wollt ihr den totalen Freak? Das fragte einst Ferris MC in einem Interview mit der Visions bereits vor ein paar Jahren. Und wer sich das Album Missglückte Asimetrie gönnt, der bekommt genau das. Dabei gibt es hier, anders als es einige vermuten könnten, keinen Rap. Aber nur einen einzigen Musikstil bekommt man hier auch nicht. 

Akustisch ist es viel mehr eine Reise durch das Plattenregal des Musikers. Einst Teil der Deichkinder, ist er nun teil der Missglückten Welt. Dementsprechend klingt das hier. Es gibt Punk, bei dem sich der Zuhörer beim Mitgröhlen etwas gefährlich fühlen darf. Es gibt aber auch modernen Metal, mit richtig derbe tief gestimmten Gitarren (die haben bestimmt mehr als nur sechs Saiten). Aber auch Pop-Punk schafft es auf die Missglückte Asimetrie, aber keine Sorge, auch hier gibt es ein böses Augenzwinkern. 

Denn textlich bewegen wir hier uns zwischen Seelenstrip, Asipunk und der Gesellschaftskritik. Da bekommt der klopapierhortende Besorgte Hutbürger sein Fett weg (Kompliment), es werden Bullenwagen geklaut und Innenstädte demoliert, aber auch das Leben am Stadtrand in der Platte wird besungen (13. Stock). Ob es ihm am Arsch vorbeigeht, dass er nicht mehr bei den Deichkindern ist, weiß vielleicht nur er. Es klingt aber so, als wenn das einer seiner Hochpunkte im Leben war. Schlussendlich lassen die Texte sehr tief blicken, auch wenn die Gäste ihren Senf dazu geben. 

Die Produktion der Platte lässt sich echt hören, obwohl man stellenweise etwas drüber ist (man höre Death Magnetic von Metallica). Vielleicht will man das aber auch genau so haben, das ist der Punk der euch mit nem leicht norddeutschen Schlag im Nacken sitzt und immer wieder Schellen verteilt, wenn man sich mal wieder nicht sieht. Alles ballert und ist fett abgemischt, danach hat man ein angenehmes Rauschen auf den Ohren. 

Einzig die Balladen passen nicht ganz so ins Konzept, aber es sei ihm und seiner Missglückten Welt gegönnt. Nach zwölf Titeln geht es direkt zurück zum Anfang, nicht über los, es gibt keine 5000€ sondern wieder 46 Minuten Missglückte Asimetrie.

Release: 23.10.2020
Label: Arising Empire

Anspieltipps:
Bullenwagen: Hier darf sich jeder gefährlich fühlen. Schocky und Swiss stehen euch bei und klauen mit dir die nächste Wanne. Oma und Opa stellen sich so sicher die richtig bösen bösen Punks vor und der Lehrer lädt zum Gespräch ins Lehrerzimmer ein.

120 Dezibel: Welt aus, Musik an. Das ist der Grundton des Songs. An den Gitarren sitzen wohl Munky's und Head's Doppelgänger der Band Korn. Ein schöner Song für die deprimierte Jugend, die sich bald wieder wegen irgendwelcher Spinner einsperren muss.

Du hast eine Rolex: Das nervende Facebookposting, dass Geld nicht das Wichtigste im Leben ist sondern Zeit. Ferris sieht es positiv und sagt sich, dass er den Stress am Morgen nicht braucht und der Typ mit der Rolex zwischen seinen Terminen eh einen Wolf läuft. Kennt wer von euch noch (hed) p.e.?

5/6 Punkten (Wir ham Ferris, was habt ihr?)

Ferris MC - Missglückte Asimetrie
(Quelle: Presskit von Focusion)

Sonntag, 25. Oktober 2020

The Sceenshots - 2 Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee (Musikbetrieb R.O.C.K./Check Your Head)

Jeder kennt diesen Moment, wenn man an einem bestimmten Ort ist und einem auf einmal DIE weltbewegende Idee überhaupt hat. Auf dieser Basis fußt 2 Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee von The Screenshots. Das Punktrio aus Köln macht sich Gedanken über die Phänomene, die neue Firmen so mit sich bringen, die es vor ein paar Jahren noch nicht gab. Man vermietet dank Airbnb an wildfremde Leute unter und lässt sich dafür mehr Geld geben. In manchen Fällen läuft dies am Rande der Legalität. 

Man soll aber auch, wie Elon Musk, an seine Träume glauben, denn manche werden war. So brüllt es der Sänger einem in die Ohren. Aber auch, dass was in der Welt passiert, sei es Mord und Todschlag, ist einfach so in den Mediatheken abzurufen. Sowie Talkshows mit ungeliebten Gästen des rechten politischen Spektrums. Da sie sich die Band im deutschen Sprachraum bewegt, sind die Texte leicht zu verstehen, es werden immer wieder abstruse Bilder der Realität gezeigt. 

Nicht alles, was man hier hört, ist purer Punk. Es gibt ein paar Prisen Rock, Post-Irgendwas aber auch Autotune hat man auf die Platte gehievt. Den müsst ihr aber selber suchen, man kann ja nicht immer mit der Nase drauf stoßen. Die Mischung passt aber zu den leicht schräg eingesungenen Liedern, es gibt so ein leicht ironisches Zwinkern zwischen den Zeilen. Wie aber üblich für den Punk, kommt man kaum über 30 Minuten, verteilt auf elf Titel. 

Release: 16.10.2020
Label: Musikbetrieb R.O.C.K.

Anspieltipps: j@@@@@@@@, Liebe Grüße An Alle, Walter White ist tot

4,5/6 Punkten (Wo sind diese einfachen Ideen hin, wenn man sie mal braucht?)

The Screenshots - 2 Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee
(Quelle: Presskit von Check Your Head)

Donnerstag, 6. August 2020

100 Kilo Herz - Stadt Land Flucht (Bakraufarfita Records/Uncle M)

Was läuft wie eine Ente, klingt wie eine Ente und quakt wie eine Ente? Genau, keine Ente. Der Anfang dieses Reviews mag vielleicht komisch wirken, stimmt hier aber irgendwie voll und ganz. Spielt man ein paar Takte von Stadt Land Flucht der Band 100 Kilo Herz aus Leipzig, meint man im ersten Moment eine neue Platte von Feine Sahne Fischfilet in der Hand zu halten. Aber so man die Hülle des Langspielers auch wendet, es bleibt eine Platte der Leipziger Punkkapelle. 

Das kann vielleicht damit zusammenhängen, dass die Zutaten identisch sind. Trompeten, Gitarren, die nicht übermäßig verzerrt sind, ein Trommler, der verschiedene Rhythmen beherrscht und ein Gesang, der sehr gerne schräg ist. Das passt aber zum rotzigen Stil, man kann hören, wie die Stimmbäder des Barden hier und da und fast überall ordentlich kratzen. Natürlich würden nun einige Kritiker schreien, dass man das schon hatte, eben mit Feine Sahne. Aber Texte über den unrühmlichen Umgang mit Rechtsradikalen und deren Umtrieben auf dem Land kann es nicht genug geben. Aber das ist nicht ihr einziges Thema. Es geht auch um den Umgang mit der Volksdroge Alkohol, hier nehme man sich nur "Tresenfrist" oder auch "... und aus den Boxen... But Alive..." zur Brust und höre zu! Der Sänger selbst sagt, dass genau dieses Thema, der übermäßige Alkoholkonsum, viel zu selten in der  Szene angesprochen wird. Und dann gebe sich jeder diesen Titel (Vorsicht: Ohrenkrebsgefahr) und wie man im Schlager (das ist doch Schlager?) damit umgeht. Bevor wir jedoch zu weit abschweifen, bleiben wir bei 100 Kilo Herz und lassen uns da vergraben, wo man noch nie war. Der letzte Wunsch ist der wichtigste und sollte Beachtung finden. 

Über die Produktion lässt sich nicht meckern, aufgenommen wurde im Tonstudio 45 und gemixt im Feinklang Studio. Da steckt jede Menge Erfahrung drin, die die Energie in die richtige Richtung lenkt, es wirkt teilweise klanglich sehr modern. Was dem ganzen jedoch gut getan hätte, wären mehr Gastsänger oder generell mehr Stimmen. Der Gesang kann nach dem dritten oder vierten Durchlauf etwas monoton wirken. Wenn man aber Feine Sahne kennt, hat man natürlich eine Messlatte. Nach knapp 40 Minuten ist jedoch Schluss und man kann sich auf den Weg machen und die Texte einzeln sezieren, versuchen die Welt durch die Augen der Jungs zu sehen. Die Deutschlehrer der Nation hätten mal zur Abwechslung was neues zu interpretieren und den Schülern würde gezeigt werden, was hier gerade passiert. 

Release: 07.08.2020
Label: Bakraufarfita Records

Anspieltipps: Tresenfrist, Drei vor Fünf vor Zwölf, Sowas wie ein Testament

5/6 Punkten (Nach nem Konzert von 100 Kilo Herz und Feine Sahne Fischfilet stünde kein Stein mehr auf dem anderen)

100 Kilo Herz - Stadt Land Flucht
(Quelle: Presskit von Uncle M)

Sonntag, 17. Mai 2020

Kevlar BIkini - OPT-OUTism (Geenger Records)

Manchmal müssen einem erst musikalische Highlights aus Regionen dieser Welt erst auf dem Präsentierteller dargeboten werden, sodass man vielleicht doch mal sucht und hört. So kam das Label Geenger Records aus Zagreb auf mich zu. Die Single "The Wailer" der Band Kevlar Bikini hatten wir hier schon mal.

Allein der Name der Band, die es schon seit 2010 gibt, ist zwiespältig hoch drei. Kevlar ist ein Material, welches für beschussfeste Westen verwendet, so schreit man es auf Wiki. Also was richtig festes. Und dann dieses Material in Form eines Bikinis, der mehr oder minder ein paar Hautstellen des weiblichen Körpers bedeckt. Nun haben wir Langspieler Nummer vier in den Startlöchern. Man wird auf Anhieb leicht hektisch begrüßt, die Trommeln haben eine Schippe mehr Druck bekommen und wirken fast zu kraftvoll, kickt dann aber ordentlich. Bei Kollegen aus diesem Genre geht das manchmal unter. Somit kann man hier nicht meckern. Der gespielte Punk würde locker zu einem Teil der Tony Hawk Pro Skater Reihe passen, denn er ist (meist) recht schnell und kommt ohne Umschweife zum Punkt. Für Funsportarten ist die Platte bestens geeignet.

Das Besungene ist weniger lustig, man erfüllt den Auftrag der Gesellschaftskritik perfekt. Die Namen der Titel stoßen einen schon fast drauf. Da geht es um große Memmen, die sich an den 1st-World-Problems aufhängen, um Missbrauch in der Ehe oder auch um Menschen, die als Erwachsene versagt haben. Wobei man da natürlich fragen könnte, ab wann man denn erwachsen ist. Der Text wird weniger gesungen, eher gerufen und geschrien. Da rutscht man schon in den Hardcore ab.

Die Gitarre ist stellenweise etwas schwach abgemischt, ein anderes Pedal hätte vielleicht wunder bewirkt, könnte aber konträr zur Stimme zu stark sein. Der Bass hat scheinbar etwas mehr Raum bekommen und ist immer klar und deutlich hörbar. Nach knapp 40 Minuten ist man durch dich zehn Titel. Durch den relativ deutlichen Gesang möchte man nochmal genauer hin hören. Das Schlagzeug tut sein Übriges.

Release: 22.05.2020
Label: Geenger Records

Anpieltipps: Bride In A Torn Up Wedding Dress, Feral Fun, Flirting With Nihilism

4,5/6 Punkten (Ich warte geduldig auf das Remaster von THPS1 + 2)

Kevlar Bikini . OPT-OUTism
(Quelle: Presskt von Geenger Records)

Youtubisch Vol. 35

Heute geht gibt es hier eine geballte Ladung Rock und Punk auf die Ohren. Den Anfang macht die Band 100 Kilo Herz mit ihrem Song "Drei Jahre ausgebrannt", in dem sie lautstark über die Zustände in ihrem Bundesland wettern. Dabei bekommen alle, die Mist bauen, ihr Fett weg. Der gewaltige Punk, der hier läuft, wird mit Bläsern unterstrichen. Das Album "Stadt Land Flucht" wird am 07.08 auf Bakraufarfita Records erscheinen. Wer Feine Sahne Fischfilet mag, wird diese Band ins Herz schließen.

100 Kilo Herz - Drei Jahre ausgebrannt (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Die Band Brainswitch aus Bosnien und Herzegowina spielt ein ganz anderes Tempo auf, beziehungsweise wechselt man hier immer wieder zwischen verschiedenen Lautstärken. Man baut relativ langwierig einen Spannungsbogen aus um ihn dann langsam im Refrain loszulassen. Dabei geht es in "Bow Down to the Sun" um unseren Energiespender Nummer Eins. Das Album Sun Worship Kingdom erschien am 13.03. auf Geenger Records.

Brainswitch - Bow Down to the Sun (Musikvideo)
(Quelle: Youtbe.com)

Und so schicke ich euch kopfnickend in die verkürzte Woche.

Dienstag, 5. Mai 2020

Youtubisch Vol. 34

Wir hatten hier ja ewig kein Youtubisch. Vielleicht ist das gar nicht so schlecht, um ein paar neue Videos, die bei mir im digitalen Briefkasten landen, zu teilen.

Heute bekommt ihr zwei Tracks, die ich beide definitiv beim Snowboarden feiern würde. Da hätten wir einmal "Ooh LA LA" von Run The Jewels, mit einem Feature von Greg Nice und DJ Premier. Der Track klingt so, als käme er aus den 90ern, kombiniert mit der Produktionsqualität von heute. Der Bass massiert angenehm das Trommelfell, während man entspannt den Kopf nicken lassen kann. Wer den Sänger von Rage Against The Machine findet, darf ihn behalten. Das Video ist auch nicht ohne, hier brennen Scheine, Kreditkarten werden vernichtet und die Menschen tanzen auf der Straße. Keine Sorge, dass Video entstand vor der Pandemie. Das Album dazu wird "RTJ4" heißen und im Frühsommer diesen Jahres auf den Markt kommen.

Run The Jewels - Oh LA LA feat. Greg Nice & Dj Premier (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Der zweite Track macht nicht weniger Spaß, kommt thematisch etwas ernster daher. Die Mischung aus Punk und Hardcore, gepaart mit ein paar feinen Spielereien und derben Drumparts machen "The Wailer" von Bikini Kevlar aus Zagreb zu einem Headbanger. Der Text befasst sich mit denen, die sich über die Kleinigkeiten beschweren, dabei aber völlig außer acht lassen, dass es auf der Welt weit größere Probleme gibt, wie zum Beispiel Hunger und Durst. Danach könnt ihr euch gleich noch das doomigere Ballerina's Toes geben. Das Album OPT-OUTism wird ab dem 22. Mai auf Geenger Records geben.

Kevlar Bikini - The Wailer (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Das sollte ich vielleicht mal wieder öfters machen, auch wenn es gerade keine kostenlose Musik ist. Vielleicht regt es euch zum Weiterhören oder Bestellen an.

Donnerstag, 23. April 2020

Boston Manor - Glue (Pure Noise Records/Uncle M)

Kennt ihr dass, wenn ihr einen Musiktitel auf eurem Handy oder einem Gerät anmacht, dessen Lautsprecher nicht gerade der Rockmusik gewachsen sind? Der Opener Everything is Ordinary von Boston Manor klingt genau so. Aber keine Angst, die Jungs aus Blackpool sind schon seit 2013 unterwegs und mit Glue gibt es das dritte Album des Quintetts.

Dabei treffen auf dem Langspieler teilweise längst verloren geglaubte Genres aufeinander. Man findet neben Emo, Punk und eben Noise auch Alternative Rock. Man will sich eben nicht ganz festlegen lassen, wobei die Bandmitglieder sagen, dass sie auf dieses Album hingearbeitet hätten und es ihnen bei der Produktion gleich war, wie das Album auf der Bühne klingen würde. Man ist sich seiner Sache also sehr sicher. Man ist aber nicht übergriffig, trotz der oben genannten Genres. Die eigenen  Ideen fließen ein, man wirkt auf jedem Track sattelfest, auch wenn dieser ein komplett anderes Metier auskleidet, als der darauf folgende Titel. Der Zuhörer kann sowohl headbangen als auch schweben (zumindest gibt es Titel, in denen man das fühlen kann), je nach Gemütslage mag man mal den einen Titel mehr als den anderen, wobei man auch absolute Dauerbrenner geschaffen hat. Allein der Titel "Plasticine Dream" wirkt, als hätten ihn Filter 1999 aufgenommen, wirkt aber extrem nach und kann als eines der Highlights durchgehen. Es winken aber auch andere Bands der Insel akustisch durch die Studiofenster. Wen ihr aber da genau hört, könnt ihr selber entscheiden. Es sind aber Bands, die jeder kennt und von einigen nicht gemocht werden.

"Glue" wirkt, trotz der schweren Themen (digitalisierte Welt Verschwörungstheorien und Diktatoren), die aktuell die Runde machen, kurzweilig. Man fühlt sich nicht gleich dazu verdonnert ein Manifest zu hören. Das gesamte Werk erschließt sich zuerst über die Aufmachung, die Instrumente und die Spannungsbögen die an allen Ecken und Kanten gespannt werden. Später fallen einem dann auf eimal Wortfetzen auf die Trommelfelle und in die Gehirnwindungen. Der "Was habe ich da gerade gehört"-Effekt tritt ein und dann ist drin, zwischen den Rattenfängern, den Einsen und Nullen und erlebt komische Liebschaften. Der letzte Track heißt "Monolith" und so ähnlich läuft er auch ab. Er nimmt nochmal alles auf, was man auf dem Album findet und schickt einen mit einem Klavier aus dem "Kleber" heraus. Der Zuhörer muss dann erstmal alles sacken lassen. Es vergehen keine 50 Minuten, bis man durch ist, danach ist man selber durch.

Release: 01.05.2020
Label: Pure Noise Records

Anspieltipps: Plasticine Dreams, On A High Ledge, Brand New Kids

5/6 Punkten (Vielschichtigkeit auf einer Platte.)

Boston Manor - Glue
(Quelle: Presskit von Uncle M)

Freitag, 28. Februar 2020

Guerilla Poubelle - L'Ennui (Gunner Records)

Je parle un peut français et je nes le comprend pas très bien. Und selbst das musste ich noch durch den Übersetzer von Google jagen, damit ich hier keine Fehler schreibe. Auch wenn ich im Sommerurlaub etwas Französisch anwenden musste/konnte. Was die Musikwelt angeht, bin ich relativ unbeleckt. Ich habe zwar schon französischen Hip-Hop gehört und auch Rise Of The North Star live gesehen, aber mehr fällt mir zur französischsprachigen Welt, außer ein paar Chansons, nicht ein.

Und dann bekomme ich eine E-Mail von Gunner Records und siehe da, mein Horizont wurde wieder erweitert. Guerilla Poubelle kommen eben aus dem Land des guten Essens und der guten Weine. Dabei klingt die Band mal gar nicht danach, eher nach einem guten Bier bei einer verschwitzten Show in irgendeinem kleinen Club einer mittelgroßen Stadt. Die Band gab es laut Wiki bereits 1998 unter einem anderen Namen. Dann ging der Schlagzeuger 2003 und seit dem ist man unter diesem Namen unterwegs. Wie bereits erwähnt, geht es hier etwas derber zu. Man klingt etwas versoffen, dennoch klar und deutlich. Selbst ich verstehe hier und da ein paar Wörter, wenn es wohl um irgendwas mit Rechts geht. Es gibt hier fast puren Punk, der dafür sehr gut produziert ist und selbst den Bass in den Vordergrund gleichberechtigt neben die Gitarre stellt (er ist aber weit entfernt von irgendeinem Sub-Bass). Dabei ist das ganze wohl in Eigenregie entstanden.

Wer die frühen Blink 182 mag oder sich 6'10 etwas derber vorstellen kann oder vielleicht die Dropkick Murphys kennt und schätzt, der wird hier ganz schnell Freude an L'Ennui finden. Wer Probleme im Französischunterricht hat, kann sich hier vielleicht behelfen, so ähnlich hatte ich Fortschritte in Englisch in der Schule gemacht: einfach übersetzt, worum es den Songs ging. Man bekommt ordentlich viel Musik für's Geld, die dabei auch noch Spaß macht.

Release: 28.02.2020
Label: Gunner Records

Anspieltipps: Entre Booba et Balkany, Apocalypse 6:12, Passe L'arme À Droite

5/6 Punkten (Man, hätte ich mal besser im Französischunterricht aufgepasst.)

Guerrilla Poubelle - L'Ennui
(Quelle: Bandcamp)

Samstag, 15. Februar 2020

Twins - Soon (Through Love Records/Fleet Union)

Zwillinge werden stets als gleich angesehen, manche verhalten sich auch so. Das es auch anders geht, beweisen die Höpner-Brüder Hansen und Paul. Bei der Band Twins verhält es sich ähnlich, die Besetzung ist allein schon unterschiedlich. Hier treffen zwei erfahrenen Musiker der Band Mikrokosmo23 auf zwei unerfahrene Menschen, die vorher noch nie in einer Band waren.

Diese Gegensätze findet man so auf dem Album Soon wieder. Denn hier trifft pures Chaos aus entspannte und versöhnliche Töne, wildes Geschrei auf entspanntes Singen und Instrumentals, dissonante Gitarrenklänge auf atmosphärische, die fast an die Deftones herankommen. Es treffen mit Englisch und Deutsch, zumindest ein paar Einwürfen, zwei Sprachen aufeinander. Vielleicht hat auch das dafür gesorgt, dass der Langspieler Soon so chaotisch wirkt. Die jungen Unerfahrenen geben neuen, frischen Input und die erfahrenen Jungs ihre Erfahrung. Das könnte die ausgewogene und erwachsene Produktion des Albums erklären. Das Schlagzeug hat ordentlich Punch und ist klar dargestellt. Die Gitarre(n) sind auf beide Stereo-Kanäle verteilt und spielen sich an vielen Stellen unterschiedliche Riffs zu oder werden in Tracks wie Cockroaches II aufgetrennt und wieder vereint.

Wie ihr gerade lesen konntet und vielleicht auf Bandcamp schon gehört habt, spielt sich das hier alles irgendwo zwischen Math-Rock, Punk, Rock, Post-Hardcore und Indie-Rock ab. Es gibt hier und da ein paar Geräuschkulissen aus dem Alltag, die einfach auf den Langspieler geschmissen wurden. Am Ende gibt es ein Zitat aus deinem Film (?), in dem sich die Stimme darüber beschwert, dass ihm der Rücken schmerzt und das Leute scheiße sind. Die Rückenschmerzen kann man verstehen, wenn man sich dem ganzen komplett hingibt, das Album ist aber sich nicht für Jedermann. Die Stimme des Sängers ist meist am Anschlag oder drüber, die Gitarren und die Rhythmusabteilung sind sehr vertrackt. Mal wird schnell galoppiert, mal geschlichen ein anderes Mal wird, wie im Jazz, schnell getippelt. Die Wahl der Titelnamen ist durchaus interessant, wenn auch vielleicht mit Cockroaches I und Cockroaches II sowie Houses 1, 2 und 3 etwas einfach gewählt. Aber man kann sicher eine Geschichte darüber erzählen. Kakerlaken leben eben ewig und werden uns überleben und Häuser ebenso. In Library und Maps wird es mit den deutschen Texten über Ansprüche, Entschuldigungen, Narben, mehrere Leben und ein Zuhause, welches eine Halde ist, sehr unbequem.

Release: 14.02.2020
Labels (EU): Through Love Records, ZilpZalp, Dingleberry Records, Fresh Outbreak Records, Fireflies Fall

Anspieltipps: Cockroaches II,  Houses I,  Dogears

5/6 Punkten (2 plus 2 ist hier 1)

Twins - Soon
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Sonntag, 2. Februar 2020

Itchy - Ja Als Ob (Findaway Records/Uncle M)

In zwanzig Jahren kann viel passieren. Sei es im eigenen Leben, in der Umwelt oder auch in der Musik. Bei Itchy aus Eislingen war das nicht anders. Sie fingen als Coverband an und sangen immer auf Englisch... bis jetzt. Denn das neue Album Ja Als Ob ist komplett auf Deutsch geschrieben und eingesungen, es gibt sogar ein Feature mit Sebastian Madsen (ihr wisst schon, der Sänger von Madsen). Aber was bewegt einen nach zwanzig Jahren dazu, einfach mal das Konzept der Band, zumindest den lyrischen Teil, auf den Kopf zu stellen?

Arbeitstechnisch hat man sich ganz schön reingehängt, so hat man wohl um die 50 Demos zusammengeschustert. Daraus entstanden dann dreizehn Titel, auf denen einfach keine Langeweile entstehen will. Das liegt an der Vielfalt der Titel und den verschiedenen Themen, die über den gesamten Langspieler abgehandelt werden. Bereits am Anfang blickt man mit Faust auf seine eigene Historie zurück, man stellt sich den Fragen, die einem wohl nach zwanzig Jahren Bandgeschichte gestellt werden und erzählt von den üblichen Problemen des Tourlebens. Ja Als Ob hat Ohrwumcharakter, dabei geht es nur um das typische "ICH doch nicht". Textlich kann ma aber auch die Umwelt aufnehmen, die sich in Relation zu den frühen 2000ern arg geändert hat. Die Liebe darf natürlich auch nicht fehlen, das andere Puzzelteil, was einen vervollständigt und so. Das mit den Ohrwürmern und mit der leichten Zugänglichkeit hat die Band generell drauf, ohne dabei zu nerven. Die Orientierung geht auch nicht verloren, da sich die Titel voneinander abheben, obwohl der Grundton ja immer noch der Punk ist. Einzig die Jahreszeit, in der das Album veröffentlicht wird, ist schräg. Das klingt hier alles so nach Sommer und Freiheit, dass ein Release im (eigentlichen) Winter gar nicht passen mag. Vielleicht will man aber auch einfach nur ein Stück Sommer in die trübe Jahreszeit bringen.

Was aus den Boxen hämmert, hat ordentlich druck. Die Drums sind angenehmen abgestimmt und pushen den Zuhörer mit jedem einzelnen Schlag. Der Mix kann sich mehr als hören lassen, da sind sie dann aber auch, die zwanzig Jahre (in Zahlen: 20!) Erfahrung. Da sollten sich eigentlich keine Fehler mehr einschleichen. Die Sprache scheint hier für die Mannen kein Problem darzustellen, nichts wirkt künstlich oder stellt sich quer in die Musik. Für das Albumcover hätten die Jungs einen Preis verdient oder ist das nur der subjektiv pubertäre Humor, der hier durchkommt?

Release: 07.02.2020
Label: Findaway Records

Anspieltips (das ist hier ordentlich schwer): Godzilla, Beyoncé & Jay Z,  Pflastersteine

6/6 Punkten (Andere Sprache und trotzdem gut)

Itchy - Ja Als Ob
(Quelle: Presskit von Uncle M)

Samstag, 11. Januar 2020

Radio Havanna - Veto (Dynamit Recods/Uncle M)

Eine kleine Anekdote am Rande: ich bin in Thüringen geboren, aber auf Usedom bis kurz nach der Wende aufgewachsen. Warum das hier steht? Die vier Jungs von Radio Havanna kommen ebenfalls aus Thüringen, haben sich aber vor geraumer Zeit schon in Berlin niedergelassen.

Ihre Kindheit war wohl recht behütet, bis es die ersten unangenehmen Kontakte mit Nazis gab und dem dazugehörigen Wegducken des Umfelds, wenn es heiß herging. Dies wird unter anderem auf dem Langspieler Veto verarbeitet. Dabei geht es darum, dass alle gleich geboren wurden, nur einige sich auf einmal entschieden hatten ein Nazi zu sein, wobei man vorher noch befreundet war und zusammen Fußball gespielt hat (Antifaschisten). Dabei ist der Sound der Band alles andere als ernst. Hier weht einem eine heftige Prise Punk um die Nase, unterfüttert mit Mitsinghymnen für die Ewigkeit, die perfekt in den Sommer passen. Im Winter hingegen geht, wie jetzt im trüben Januar, mit den ersten Klängen die Sonne auf. Da brüllt man dann auch gerne mal, dass coole Kids kein Vaterland haben oder man schlägt mit TV-Unsinn um sich, wie in "Freie Radikale".

Gemixt wurde das Album von Simon Jäger, der unter anderem auch Platten von Feine Sahne Fischfilet oder Casper produziert hat. (Quelle) Der Sound ist ordentlich druckvoll, der Bass hat genug Platz und ist auch gerne mal im Vordergrund. Nach etwas mehr als vierzig Minuten ist das Album vorbei und lädt am Ende zum nochmaligen Durchhören ein. Jeder wird hier seinen Lieblingstitel finden oder auch das ganze Album abfeiern.

Release: 17.01.2020
Label: Dynamit Records

Anspieltipps: Coole Kids, Krach, Antifaschisten

6/6 Punkten (Der Frau des Hauses gefällt das Album.)

Radio Havanna - Veto
(Quelle: Presskit von Uncle M)

Freitag, 13. Dezember 2019

Leitkegel - Wir sind für dich da (My Favourite Chords/Fleet Union)

Leitkegel hatten wir hier mal. Da gab es "Neben dem Strom" noch viel Sturm und Drang und man musste einiges lernen. Die Band selbst hat zwischen Raketenwissenschaft und Wir sind für dich da ein paar Split-EPs herausgebracht und "Raketenwissenschaft" neu aufgelegt. Bereits damals fielen die interessanten Texte auf, da man Neurosen einpacken sollte oder ein Salat Zweifünfzig kosten würde. Und nun?

Tja, man ist gewachsen, in fast sämtlichen Dimensionen, die man sich vorstellen kann. Das Album ist ordentlich lang, man hat es auf ganze neun Titel geschafft und der Sound ist mehr als anständig ausstaffiert. Aufgenommen wurde WSFDD (die Kurzform) live, man kann auf einigen Tracks ein paar Einzähler hören. Instrumental hat man sich getraut, die ursprünglichen Pfade etwas auszutreten und breiter zu machen. Auf Ich hab 99 Probleme und das Mädchen hat mich gibt es eine Trompete (an wen erinnert euch dieser Titel wohl?) und in Über Täler und durch Berge gibt es Streicher. Der Sound an sich klingt schon fetter als auf dem Vorgänger, man kommt an vielen Stellen an Fjørt heran (hatten wir hier und hier schon mal), Strassenkampf könnte glatt aus deren Feder stammen. Das besungene Thema ist hierbei nicht weniger ernst. Man kann aber auch spitzfindigere Texte schreiben (siehe Erste Welt Probleme), aus den Raketenwissenschaftzeiten konnte man gut lernen.

"Wir sind für dich da" erschließt sich in den ersten Durchläufen viel über den Klang, über den drückenden, teils scheppernden Bass, über die Gitarren, die sehr virtuos eingesetzt werden, über die bereits erwähnten Instrumente und auch die wilden Rufe aus dem Hintergrund. Erst später, wenn man die Texte in einigen Hirnwindungen installiert hat, nimmt man das Album auf einer anderen Ebene wahr. Man findet die Spitzfindigkeiten und auch sich selbst. So gut wie jeder wird angesprochen, jeder kennt irgendeine der besungenen Situationen und schaut auf. Und der Sänger, der ist nicht nur mehr Kläger sondern auch Sänger. Er findet Harmonien, lullt den Zuhörer ein und schreit dann wieder mit voller Inbrunst. Das ergibt einen sehr großen Replay-Faktor, aber den hatte der Vorgänger auch schon.

Release: 13.12.2019
Label: My Favourite Chords

Anspieltipps: Wie soll man sich hier entscheiden?

Strassenkampf: Man spannt zu Beginn einen kleinen Bogen, den man dann mit voller Wucht explodieren lässt. Die Gitarren stellen mit dem Bass massive Wände auf, die dann vom Sänger eingerissen werden.

Über Täler und durch Berge: Dieser Titel schreit förmlich nach Liebeskummer. Hier sind die Streicher an Board und geben noch mehr Emotion mit, dabei quillt das hier an allen Ecken und Kanten über.

OJ Simpson (Waffen töten keine Menschen): Eine krude Mischung aus Emo, Rock, Punk und etwas Math-Gefrickel. Der erste Satz schlägt richtig ein. Dabei geht es wohl um falsche Freunde und den Versuch, Nichts großartig wirken zu lassen (ihr wisst schon, die sozialen Netzwerke und so).

Ohne Frage: 6/6 Punkten (Einmal Bauwagenplatzromantig mit Strassenkampf zum Mitnehmen bitte)

Leitkegel - Wir sind für dich da
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Montag, 30. September 2019

SeeYouSpaceCowboy - The Correlation Between Entrance And Exit Wounds (Kinda Agency)

Der Name der Band ist aus der Anime-Serie Cowboy Bebop, wo am Ende jeder Folge dieser Spruch zu lesen ist. Sonst hat die Band eigentlich nicht viel mit eben dieser Serie gemein.

Die Band gibt es seit knapp 3 Jahren und kommt aus San Diego. Man hat sich dem Core voll uns ganz verschrieben, aber nicht einfach nur so, man engagiert sich damit auch politisch und möchte mit Screamo zum Beispiel nichts zu tun haben. Wer also ein Rassist ist oder etwas gegen andere sexuelle Orientierungen hat, hat hier nichts zu suchen. Musikalisch gibt es hier erstmal die volle Breitseite, dichtes Drum- und Gitarrengeballer, umhüllt von einem drückenden Bass. Dazu faucht der Sänger seine Texte ins Mikro und scheint völlig auszurasten. Zwischendurch werden hohe Frequenzen über die Saiteninstrumente gegeben und das Tempo springt hier und da fröhlich über die Klaviatur des Metronoms. Das macht man aber nicht über die gesamte Länge des Albums, mann kann auch entspannt, sogar über ganze Tracks, wie A Space Marked Escape beweist. Danach geht es fast wie gewohnt weiter.

Es gibt immer wieder Moment auf TCBEAEW bei denen extrem mit abgehen muss, wo sich der Körper fast reflexartig bewegt, weil die Gitarren und die Drums einfach so brutal tight sind. Wer dem nicht glauben mag, nehme sich ein paar Momente Zeit und gebe sich die letzten 26 Sekunden von Disdain Coupled With A Wide Smile. Wem Knocked Loose oder auch Employed To Serve taugen, der kann hier gerne zugreifen und seine Gliedmaßen in alle Himmelsrichtungen schmeißen. Das Album gibt es seit dem 27.09. auf Pure Noise Records und kann auf deren Bandcampaccount gestreamt werden.

Anspieltipps: Disdain Coupled With A Wide Smile, Put On A Show Don't Let Them See You Fall, The Phoenix Must Reset

6/6 Punkten (Nackenrichten leicht gemacht)

SeeYouSpaceCowboy -
The Correlation Between Entrance And Exit Wounds
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Dienstag, 18. Juni 2019

Symmetry Lover - Symmetry Lover (Fleet Union)

Dortmund, bekannt für den Bundesligaverein in Schwarz-Gelb und einen verrückten Automechaniker, der unglaublich erfolgreich ist, in dem was er tut. Auch wenn ich 2010 im Ruhrgebiet wegen der Ruhr.2010 war, kann ich mich nicht entsinnen diese Stadt besucht zu haben.

Aus eben dieser Stadt kommt ein junges Quartett mit dem Namen Symmetry Lover. So ungewöhnlich die Mischung aus Auto und Fußball klingt, so klingt auch die Band, dabei hat man sich aus mehreren Bandprojekten zusammengeschlossen. Auf dem ersten Album werden Elemente aus Hardcore, Blackgaze, Gitarrenparts die von den Deftones hätten sein können, ein paar würzige Noten aus den 80ern mit ein paar unheimlich wirkenden Soundsamples gemischt. Am Mikrofon ist die Sängerin Ina fast durchgängig auf 180 und klingt immer anklagend. Die angeschnittenen Themen nicht einfach: da geht es mal um die eigenen Makel, die man nicht ausstehen kann, mal um innere Konflikte. Man beschäftigt sich knapp 30 Minuten mit den inneren Dämonen und findet sogar Katharsis.

Musikalisch ist man, trotz dem Grundgerüst aus Gitarre, Schlagzeug und Bass, fulminant aufgestellt. Mann kann förmlich, wie in Architect, im Sound versinken. Die Stimme der Sängerin wirkt hier an einigen Stellen wie verloren in einer wilden, aufgewühlten See. Auf dem gesamten Album wird der Spagat zwischen Laut und Leise perfekt ausgelebt und man kann sich förmlich in diesem Wandelwesen, was einen mal entspannt und träumerisch geleitet, mal anpeitscht und treibt, verlieren. Es bleibt immer spannend und man weiß nie, was einen beim nächsten Takt erwartet und wird immer wieder positiv überrascht.

Veröffentlicht wird das selbstbetitelte Album am 05.07. auf Through Love Records, I.Corrupt.Records und Trace In Maze Records.

Anspieltipps: Void, In These Woods, Gods And Beasts

6/6 Punkten (Der Hammer zersägt die unheimliche Stille der dunklen Nacht.)

Symmetry Lover - Symmetry Lover
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Sonntag, 17. Februar 2019

Bandcamptage Vol. 161

Laut, schnell und hart. Das passt nun zu vielem, da mag jeder von euch Lesern und Hörern hineininterpretieren, was er mag.

Die Band Erosion aus Vancouver vertritt mir ihrer Musik genau das. Man ist schnell wie Punk, die Gitarren laut wie im Death Metal und der Gesang klingt wie aus dem Black Metal. So derb wie sich diese Mischung liest, so hört sie sich auch an. Auch wenn die Band von sich selbst behauptet, dass sie "Shitty-Music" macht, so lohnt es sich durchaus, mal ein Ohr oder auch beide an die Lautsprecher zu halten. Wer des zarteren Gemüts ist, wird hier heute nicht ganz glücklich, alle anderen dürfen sich die EP Kill Us All für einen frei wählbaren Preis laden.

Anspieltipps: The Forest Is Not What It Seems, Civilization Eclipse

Erosion - Kill Us All
(Quelle: Bandcamp.com)
Mitte Februar schon mehr als 10°C, das ist gar nicht gut.