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Dienstag, 26. Oktober 2021

Lygo - Lygophobie (Kidnap Music/Fleet Union)

Eigentlich wollte man nach der Tour 2019 eine größere Pause einlegen, um einfach mal alles sacken zu lassen. Und dann hatten die Jungs von Lygo im Jahre 2020 nicht so all zu viel zu tun. Der Drummer beschäftigte sich intensiv mit Musikproduktion und schaffte somit die Möglichkeit, dass man sich als Gruppe isoliert neuen Songs widmen konnte. Alle Titel von Lygophobie sind im Probenraum entstanden und auch dort aufgenommen worden. 

Auch wenn der Name des Langspielers wie ein intelligentes Wortspiel klingt, handelt sich hierbei doch um einen Fachbegriff. Es handelt sich hierbei um die Angst vor der Dunkelheit. Die Band erzählt mit ihren Texten von dunklen Seiten und Zeiten. Es geht um schlaflose Nächte; um eine Gesellschaft, die sich im Netz darstellt und hemmungslos kommentiert; um Polizeigewalt und das eigene Selbstmitleid und dem Selbstmord (oder den Moment danach, wenn man sich nicht getraut hat), zumindest lassen einige Textzeilen aus Warmes Bier und Kalter Kaffee darauf schließen. Vielleicht hat der Deutschunterricht hier seine Spuren hinterlassen, mit der berühmten Frage: "Was will uns der Künstler damit sagen?"

Wie bereits schon erwähnt, hat der Drummer hier die Zügel in der Hand gehabt. Die Drums drücken ordentlich fett; der Bass hat viel Platz bekommen und ist pregnant vor Ort und der Gitarrist weiß sein Instrument zu bedienen. Der Sänger singt weniger, er klagt eher an. Das passt aber auch zum klanglichen Gesamtkonzept, denn alles prügelt, dann muss die Stimme eben auch drüber sein. Wer etwas mit Akne Kid Joe, Fjørt (hatten wir hier und hier mal) oder Turbostaat etwas anfangen kann, der darf hier gern zugreifen. 

Release: 29.10.2021
Label: Kidnap Music

Anspieltipps: Zusammen im Bett, Fight Club, Schockstarre

6/6 Punkten (Hier gibt es Texte für den Leistungskurs Deutsch)

Lygo - Lygophobie
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Montag, 11. Januar 2016

Die 10. Fleet Union: Fjørt - Kontakt

Fjørt, mit T nicht mit D! Das sind drei junge Männer aus Aachen, die sich im Februar 2012 zu eben dieser Band mit dem dänischen Ö zusammengefunden haben um im selben Jahr noch ihre EP "Demontage" zu veröffentlichen. Im März 2014 gab es dann den ersten Lonplayer, der Wortwörtlich "d'accord" ging, wobei man schon hier erkennen konnte, wohin die Reise führen wird. Beide Werke kann man sich auf dem Bandcampaccount des Trios geben.

Nun schiebt man das nächste Album auf den Markt und presst es durch die Tür des Grand Hotel van Cleef. "Kontakt" wird es heißen und am 22.01. das Licht der Welt erblicken. Aber was erwartet einen, wenn man sich dieses Album denn kaufen wird?

Nun ja, wie bei den anderen Veröffentlichungen geht es laut daher, irgendwo im Sumpfe des Post-Hardcore, fast immer am Anschlag, direkt neben Turbostaat. Was mit Kinderlachen beginnt, baut sich zu einem Sturm auf und treibt einen dann auf 44 Minuten einmal durch alle Emotionen die es gibt ... fast. Gepeitscht wird hier von Anfang bis Ende ohne das es einem langweilig werden könnte. Die Lyrik des Albums ist auf sehr hohem Niveau, man bedient sich hier der deutschen Sprache, sowie bei den anderen beiden Silberlingen auch, und treibt den Zuhörer immer wieder in unangenehme Ecken. Sei es, weil man an irgendwelche Götter glaubt oder doch getroffen wird, von Sprüchen, die einem immer wieder an den Kopf geworfen werden, auch wenn es denn gut gemeint sei. Sowas mag fast jeder kennen, diese Band spricht es nicht nur aus, sie brüllt einem ins Gesicht, man wird quasi gerüttelt und geschüttelt und immer wieder ins Gesicht geschlagen. "Sieh doch hin!" meint man zu hören. Wenn die Band dann fertig ist, bleibt kein Stein auf dem anderen, alle Gedanken werden aussortiert und zum Fenster hinausgetreten. Durch diesen ewigen Strom, der einen durchzieht, wenn man dieses Album hört, findet man kein Ende, man muss Weiterhören und ist fasziniert, dass man das Album überlebt hat, ohne irgendwo zusammenzubrechen.

Über die Produktion kann man sich hier nicht streiten, denn diese ist dem musikalischen Niveau ebenbürtig. Nicht nur deswegen ist dieses Album, auch wenn das Jahr 2016 noch sehr jung ist, schon eines der Alben des Jahres, wenn nicht gar DAS Album.

Anspieltipps (dies fiel hier wieder besonders schwer):

Anthrazit: Hier findet ihr eigentlich den besten Titel des Albums. Das Intro ist durch ein Klavier gestaltet, wird von Gitarren zerfetzt und dann durch eine göttlich eingespielte, erste Gitarre getragen. Hier treffen die Extreme, die diese Band ausmacht, aufeinander und lassen einen vor Erfurcht erstarren.

Paroli: Obacht, hier wird es politisch. Wer die Bilder von den Demonstrationen der "Besorgten Bürger" kennt, bekommt hier den Spiegel vorgehalten. Zu viele kleine Herzen, die Augen aufgerissen. Man weicht diesen Menschen keinen Meter, denn auf einen von denen kommen Zehn von uns. Musikalisch mehr als kraftvoll untermalt.

Lichterloh: Hierzu gibt es sogar ein Video (auch im Blog), damit man auch einen akustischen Einblick bekommt. Wieder ein Klavierintro, es geht um Schwäche, das man dem anderen etwas abverlangt, was er nicht bereit ist zu geben, Auch hier treffen die akustischen Gegensätze aufeinander und nehmen einen mit, auf eine lange, harte Reise durch die bittere Realität.

6/6 Punkten (Das ist kein Weichspüler, das hier klopft dir unsanft den Kalk aus dem Kopf)

Fjørt - Kontakt
(Quelle: www.gvhc-shop.de)

Hier wird es jede menge Kontakt geben:

25.02.16 Halle, Hühnermanhatten
26.02.16 Berlin, Privatclub
27.02.16 Dresden, Groove Station
28.02.16 Hannover, Bei Chéz Heinz
29.02.16 Frankfurt, 11-er
01.03.16 Stuttgart, Kellerclub
02.03.16 Lindau, Club Vaudeville
03.03.16 Bern (CH), Rössli
04.03.16 Winterthur (CH), Gaswerk
05.03.16 Innsbruck (A), Weekender
06.03.16 Lustanau (A), Crainisaal
07.03.16 München, Kranhalle
08.03.16 Nürnberg, Club Stereo
09.03.16 Köln, artheater
10.03.16 Hamburg, Molotow

Montag, 3. Juni 2013

Scene 2 Act Part 26: Turbostaat - Stadt Der Angst

Die Flensburger Band habe ich das erste Mal 2009 bei einem kleinen Festival gegen Rechts an der BTU in Cottbus bewusst wahrgenommen. Von diesem Moment an ist Turbostaat mir immer wieder vor die Flinte gelaufen, sei es bei Festivals oder mit ihrem Album „Das Island Manöver“. Begleitet hat mich dieses Album eine geraume Zeit, auch wenn es zu Beginn nicht ganz mein Sound war.

Die neue Scheibe hört auf den Namen „Stadt der Angst“, man hört den gewohnt lauten und leicht queren Sound von Turbostaat. Dieses ist ja das Erkennungsmerkmal dieser Band, sowie auch die Texte, die teils abstrakte Bilder darstellen. Manchmal hat man auch Texte, die einem direkt auf die Nase gebunden werden und klare Bilder zeigen. Natürlich nimmt man sich auch hier gesellschaftlicher Probleme an, wie in „Sohnemann Heinz“, wo man eine Geschichte eines Mannes gesungen bekommt, über einen Mann, der wohl im Krieg war. „Fresendelf“, was auch immer das heißen mag, kommt wie ein Herzschlag daher, angestimmt durch die Gitarre. Auch der Text legt diese Vermutung nahe, dass dieser besungene Mensch schon recht alt ist, denn „er hat sie alle gesehen, die Guten und die Schlechten“ aber „in den Wolken ist nichts zu sehen“. Ein Hauch Romantik möchte man meinen, gewürzt mit etwas Trauer und trotzdem wird einem ein Stück Optimismus mit auf den Weg gegeben, denn man weiß ja, dass alles ein Ende hat.


Wer dieser Band zuhört, was bei ihren Texten ein Muss ist, wird schöne aber auch schlimme Geschichten hören, was der Hörer daraus dann macht, bleibt natürlich ihm überlassen. Und wer tanzen kann und auch will, kann das auch zu dieser Platte tun, so vielschichtig ist das Programm, was hier an Rhythmen geliefert wird. Ich sehe mich immer wieder auf einem Festivalgelände, wenn ich diese Band spielen höre, im Sonnenuntergang, leicht schwüle Wärme… "Sohnemann Heinz" gibt es von der Band für euch kostenlos auf die Festplatte, und zwar hier.


Diese Band ist um Welten besser, als manch andere Deutsch-Sprachige Band, egal ob aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz.

Turbostaat - Stadt der Angst
(Quelle:visions.de)

Dienstag, 16. Oktober 2012

Scene 2 Act Part 11: Captain Planet - Treibeis



Beim ersten Durchlauf, würde man im ersten Moment eigentlich nicht unbedingt einen deutschen Text erwarten. Doch wenn dieser Einsetzt, klingt das zum Teil nach alten Bekannte, wie Turbostaat, oder auch nach Rise Against nur halt auf Deutsch oder auch nach einer Band die ihr vielleicht nicht kennt: Loning fot Tomorrow. Wie man der Internetseite entnehmen kann, ist die Band schon seit 2003 unterwegs und sie können eine recht große Diskographie aufweisen. Das neueste Werk der der Hamburger, mit dem Namen eines Trickfilmhelden aus den 80ern, hört auf den Namen „Treibeis“. Lyrisch dreht sich auch recht viel um genau dieses Thema, wenn man es auch anders umschreibt. Mal sind Dinge eingefroren oder man singt direkt über das Eis. Das wirkt auch keinesfalls langweilig, sondern macht das alles interessanter. Und man versteht alles, was gesungen wird, da sich der Sänger hier der deutschen Sprache als Stilmittel bemächtigt, was ihn natürlich angreifbarer macht, sogleich aber, zumindest für uns in den deutschsprachigen Breitengraden, für neue, amüsante Wortspielereien sorgt.
Die Platte ist mit 11 Titeln eigentlich ausreichend lang und lässt keine Wünsche offen. Auch wenn einer der Titel nur ganz knapp 2 Minuten lang ist, so beläuft sich der Großteil über die 3 Minutengrenze hinaus.
Die Altbekannten, die hier im Gedanken mit durch die Boxen rauschen, geben ein recht gutes Klangbild ab, auch wenn das Drumset leicht untergeht. Es muss ja nicht im Vordergrund stehen, aber ein wenig mehr Druck auf den Trommeln wäre nicht schlecht. Aber spielen und Tempo vorlegen, das kann der Mann hinter den ganzen Fellen, auf die er schlägt. Man merkt auch bei mehrmaligen hören, dass das Wetter in Hamburg einen Einfluss auf die Musiker haben muss, denn es wirkt alles sehr stürmisch und energetisch.
Ich persönlich frage mich ja, ob man nach so vielen Jahren, als Musiker, ob man da automatisch nur noch Musik machen kann und davon leben kann oder ob man noch einer normalen Arbeit gehen muss, denn 9 Jahre, dass ist schon eine Hausnummer. Verdient hätten sie es auf alle Fälle.


Captain Planet - Treibeis

Montag, 11. Juni 2012

Bandcamptage Vol. 28

Was für ein Wochenende. Ein langer Arbeitstag mit einem erschreckenden Zwischenfall und noch ein Arbeitstag. ^^ Deswegen ist es hier auch gerade recht ruhig.

Heute geht es mal wieder quer durch das musikalische Gemüsebeet, von einer Band, die so klingt wie Mumford & Sons bis hin zu einer Band die so klingt, wie Turbostaat, nur auf englisch und eine Spur härter. 

Das erste Album würde man im Beet wohl da finden, wo alles ruhig ist und alles so vor sich hinwächst und man sich an seiner Schönheit erfreuen kann. Der Singer/Songwriter/Kanadier Colyn nennt sich Wild Oak und hat die Songs auf der EP Wild Country innerhalb von 7 Monaten zusammengetragen, ist damit dann ins Studio und hat dort auch von anderen Musikern tatkräftige Unterstützung bekommen. Man findet recht viele Instrumente auf dem Album, wobei mir die ersten paar Akkorde von Wild Country unter die haut gehen. Und das Cover erinnert mich stark an Instagram, ich kann mich aber auch täuschen. 

Und bevor ich es vergesse, das Album man kann für Lau laden oder ein paar Cent oder Euros springen lassen, wie man mag. Und hätte ich das Ding schon in München gefunden, liefe das mit Hella Better Dancer in Dauerschleife, aber auch im Moment passt mir diese Musik sehr gut in den Kram.
Wake Owl - Wild Country
Die nächste Band ist irgendwo auf dem Beet, wo alles wild rumwuchert und man Angst haben muss, sich beim betreten dieses Beetabschnitts nichts tut. Die Band Anchoress kommt aus Vancouver und spielen auf ihrem Album Crime & Compas so ne ziemlich harte Latte an Rock und Punk. Sie klingen stellenweise wirklich wie Turbostaat, aber in Songs wie Disaster Porn merkt man doch das sie vom Nord-Amerikanischen Kontinent sind, besonders in den letzten Zügen des Titels. Also Punk und Hardcore vom Feinsten und das For Free. 

Anchoress - Crime & Compas

Bitte greifen Sie zu und haben Sie Spaß.