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Mittwoch, 19. Oktober 2022

Boundaries - Burying Brightness (3DOT Recordings/Kinda Agency)

Um gleich mal in die Vollen zu gehen, die Platte  Burying Brightness beginnt wie eine Hardcore-/Deathcore-/Metalcore-Platte nun mal klingt. Alle Standards werden abgefahren und man macht überall seine Häkchen, weil man da schon mal gehört hat aber geil findet. Aber dennoch schmeckt die Soße so, als hätte man die schon einmal erwärmt. Weil die Band Boundaries aber ihr Handwerk beherrscht, hört man weiter durch das Album, ein Gefühl des Getriebenseins macht sich breit. 

Es gibt hier und da ein paar Lichtblicke, es gibt ab und an Gesang, nicht nur derbes Geschrei. Ab Resent and Regret merkt man einen leichten Bruch. Die Band kann auch einfühlsam sein, man erinnert sich an vergangene Emo-Zeiten. In der Mitte des Tracks wird es auf einmal etwas glicthi, beim ersten Durchlauf könnte das vielleicht garnicht auffallen. Der Folgetrack, Realize and Rebuild, bleibt auch ziemlich emolastig, dabei ist das eine offizielle Single. 

My Body Is A Cage hat ein verstörendes Intro, wenn man darüber nachdenkt, dass ein Kind sagt: "My Body Is A Cage". Als das Outro einsetzt und der Sound auf einmal vor dem Ohr verwischt, verzerrt und in einen Clubbeat mündet, merkt man, dass die Jungs mehr vorhaben. Sie wollen nicht nur brettern, auch wenn sie das sehr gut können. - ist dann einfach nur ein Technokracher vor dem Herren, dass Ding hätte easy Platz in einem Berliner Technokeller gefunden. 

Nach diesem Ausflug schlägt man wieder voll zu und greift in die 7, 8 oder 9 Saiten. Aber dieser kurze Glitch lässt eben aufhorchen. Man betrachtet die Künstler mit anderen Augen. Das opulente Ende, was fast so klingt, als hätte man um ein paar Ecken mit Silver Snakes Album Year Of The Snake (hatten wir hier mal) rumgemacht oder wolle den Deftones imponieren. The Tower misst 10 Minuten, schon mal was von nem hidden Track gehört? 

Das Album ist mehr als gelungen, die Produktionsqualität ist über alle Zweifel erhaben und macht, vorausgesetzt, die Kopfhörer können den Druck wiedergeben, von vorn bis hinten Spaß. 

Release: 14.10.2022
Label: 3DOT Recordings

Anspieltipps: It Begins To Speak, -, My Body Is A Cage, The Tower

6/6 Punkten (Zwischen Pogen und Violent Dancing einfach mal gekonnt nen Rave reinschieben.)

Boundaries - Burying Brightness
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Freitag, 29. Oktober 2021

SEEYOUSPACECOWBOY - The Romance Of Affliction (Pure Noise Records/Kinda Agency)

Für mich ist Snowboarden kathartisch. Ich stehe auf dem Brett, habe den Hang vor mir im Blick und reagiere nur, denn zum Nachdenken fehlt die Zeit und wenn man dann doch realisiert, was passieren könnte, dann passiert es meist auch. Dies könnte zwar ein Aberglaube sein, dennoch fahre ich seit Jahren ohne Sturz. 

Für Connie Sgarbossa ist es das Schreiben. Zwei Wochen nach den Aufnahmen zu The Romance Of Affliction starb sie fast an einer Überdosis. Sie sagt, dass die Texte auf dem Album wie eine Prophezeiung gewesen sind und zu diesem Umstand geführt hätten. Sie hat die letzten paar Jahre reflektiert, die Kämpfe im Alltag und der Versuch, in allem dennoch etwas schönes zu sehen. 

Untermalt werden die geschrienen und gesungenen Texte von sehr viel Gewalt und Chaos. Die Band nennt es Sasscore. Fast alles klingt wild, es gibt hier und da ein paar harte Cuts, und wenn man einen Breakdown erwartet, dann kommt er auch. Und wie der dann kommt, als wenn der Produzent und die Band genau wüssten, wie der Zuhörer gerade tickt. An den Reglern saß niemand geringeres als der Gitarrist der Band Knocked Loose (Review hier). Wer SYSC kennt, weiß was er zu erwarten hat. Um etwas Luft zu holen, hat man hier und da ein paar ruhige Momente eingestreut, die sind aber eher selten. Alles andere lädt dazu ein, seinen Nacken zu strapazieren. Denn es drückt ordentlich auf den Trommelfellen. Es werden aber auch Erinnerungen an Norma Jean's Memphis Will Be Laid To Waste (hatten wir hier mal) wach. Und wer nach 40 Minuten noch nicht genug hat, kann sich den Kopf gern nochmal durchpusten lassen, auf eigene Gefahr versteht sich. 

Release: 05.11.2021
Anspieltipps: With Arms That Bind and Lips That Lock, Intersecting Storylines To The Same Tragedy, Ouroboros Is An Overused Metaphor

6/6 Punkten (Ab wann darf man eigentlich die Emo-Tolle wieder tragen?)

SEEYOUSPACECOWBOY - The Romance
Of Affliction 
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Sonntag, 12. Juli 2020

Sharptooth - Transitional Forms (Pure Noise Records/Kinda Agency)

Sharptooth's Langspiepler Transitional Forms begrüßt euch lautstark mit nichts, sprichwörtlich. Wer sich erinnert, diese Band hatten wir erst hier mit ihrem Opener Say Nothing. Dabei geht es auf dem Album ernster zu, als es das Musikvideo zuerst vermuten lässt. Der Titel zeigt aber ganz klar, wie tief einige "Fans" in die Materie eindringen und sich mit den Texten oder gar der Band beschäftigen. 

Denn danach kommt einer Kinderstimme, die Singt, dass keiner es mag und jeder es hast. Schon mies, aber so geht es Menschen, die nicht in der Gesellschaft angekommen sind, nicht weil sie vielleicht wirres Zeug von sich geben, sondern, weil sie vielleicht nicht den Normen entsprechen oder ihren eigenen Weg gehen, der in der heutigen breiten Masse nicht akzeptiert wird. Auch hier wird man von wütenden Gitarren nebst Bass und Schlagzeug begrüßt. Die Sängerin kreischt ins Mikro was das Zeug hält. Der Rhythmus geht hier etwas gen Nu-Metal, das ist in der Szene um den Metal-/Deathcore aber schon lange en vogue. Auf der Platte werden sowohl Lyrisch als auch Musikalisch nicht nur Wände, sondern ganze Häuser niedergerissen und das nahezu ohne unterlass. Man trippt auch öfters auf den Stereokanälen hin und her, was für einen zusätzlichen Drehwurm sorgt oder für Verwirrung, wenn man nur einen Ohrstöpsel drinnen hat. 

Nach zehn Titeln und etwas mehr als 30 Minuten ist man durch die Platte durch und hat einige Standpunkte mitbekommen, sei es um das Verhalten gegenüber Feministinnen, gegenüber Menschen, die traumatische Ereignisse durchlebt haben und verarbeiten müssen oder auch das fehlen jeglicher Empathie gegenüber anderen Mitmenschen. Dennoch kommt man nicht aus dem Headbangen heraus, die scharfen Zähne reißen mit ihrer Platte eine fette Schneise in die Walachei. 

Release: 10.07.2020
Label: Pure Noise Records

Anspieltipps (was bei der Platte echt nicht leicht fällt): Say Nothing (In The Abscence Of Content), Hirudinea, M.P.D.B (Manic Pixie Dream Bitch)

6/6 Punkten (Man könnte ein Festival mit lauter Bands veranstalten, wo nur Frauen shouten.)

Sharptooth - Transitional Froms
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Sonntag, 21. Juni 2020

Stinky - Of Lost Things (M-Theory Audio/All Noir)

Das die Franzosen Punk können, haben wir hier bereits bei Guerilla Poubelle gelernt. Die Band Stinky dreht noch ein wenig am Härteregler und macht Hardcore draus. Die Kappelle kommt aus Nantes und ist seit 2010 zu fünft unterwegs und hat bereits zwei Alben auf der Haben-Seite. Dazu gesellt sich jetzt Of Lost Things. 

Gleich zu Beginn wird einem akustisch gezeigt, wo der Weg auf der Platte hingehen wird. Die Sängerin zieht einen an den Ohren förmlich in den nächsten Pitt und schubst dazu selbst mit herum. Zum Hauptgang wird einem ordentlich vom Drummer in den Rücken getreten und die Gitarren und der Bass schlagen gleich nochmal von links und von rechts in dein Gesicht. Zwar wird es hier nicht so brutal, wie bei Code Orange, aber das Album geht ab wie ein medizinisches Präparat, welches man in den Hintern geschoben bekommt. Man macht hier keine halben Sachen, sondern wettert ordentlich los. Auf dem letzten Song wird man dann wieder zusammengeflickt, man hat irgendwo in der moshenden Masse einen Streicher gefunden. Also weiß man schonmal, wo das Ende ist. Dabei muss man sich soundtechnisch in keiner Ecke verstecken, man kennt seine Stärken, die der Toningenieur passend eingefangen hat. 

Nach etwas mehr als 30 Minuten ist man durch das Album, total verschwitzt und fertig. Man guckt den Gegenüber an und nickt sich zu. Auf eine neue Runde voller Ballern, Kreischen und Tanzen.

Release: 12.06.2020
Label: M-Theory Audio


5,5/6 Punkten (Wer sagt hier, dass Franzosen kein Hardcore können?)

Stinky - Of Lost Things
(Quelle: Presskit von All Noir)

Dienstag, 5. Mai 2020

Youtubisch Vol. 34

Wir hatten hier ja ewig kein Youtubisch. Vielleicht ist das gar nicht so schlecht, um ein paar neue Videos, die bei mir im digitalen Briefkasten landen, zu teilen.

Heute bekommt ihr zwei Tracks, die ich beide definitiv beim Snowboarden feiern würde. Da hätten wir einmal "Ooh LA LA" von Run The Jewels, mit einem Feature von Greg Nice und DJ Premier. Der Track klingt so, als käme er aus den 90ern, kombiniert mit der Produktionsqualität von heute. Der Bass massiert angenehm das Trommelfell, während man entspannt den Kopf nicken lassen kann. Wer den Sänger von Rage Against The Machine findet, darf ihn behalten. Das Video ist auch nicht ohne, hier brennen Scheine, Kreditkarten werden vernichtet und die Menschen tanzen auf der Straße. Keine Sorge, dass Video entstand vor der Pandemie. Das Album dazu wird "RTJ4" heißen und im Frühsommer diesen Jahres auf den Markt kommen.

Run The Jewels - Oh LA LA feat. Greg Nice & Dj Premier (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Der zweite Track macht nicht weniger Spaß, kommt thematisch etwas ernster daher. Die Mischung aus Punk und Hardcore, gepaart mit ein paar feinen Spielereien und derben Drumparts machen "The Wailer" von Bikini Kevlar aus Zagreb zu einem Headbanger. Der Text befasst sich mit denen, die sich über die Kleinigkeiten beschweren, dabei aber völlig außer acht lassen, dass es auf der Welt weit größere Probleme gibt, wie zum Beispiel Hunger und Durst. Danach könnt ihr euch gleich noch das doomigere Ballerina's Toes geben. Das Album OPT-OUTism wird ab dem 22. Mai auf Geenger Records geben.

Kevlar Bikini - The Wailer (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Das sollte ich vielleicht mal wieder öfters machen, auch wenn es gerade keine kostenlose Musik ist. Vielleicht regt es euch zum Weiterhören oder Bestellen an.

Donnerstag, 23. April 2020

Boston Manor - Glue (Pure Noise Records/Uncle M)

Kennt ihr dass, wenn ihr einen Musiktitel auf eurem Handy oder einem Gerät anmacht, dessen Lautsprecher nicht gerade der Rockmusik gewachsen sind? Der Opener Everything is Ordinary von Boston Manor klingt genau so. Aber keine Angst, die Jungs aus Blackpool sind schon seit 2013 unterwegs und mit Glue gibt es das dritte Album des Quintetts.

Dabei treffen auf dem Langspieler teilweise längst verloren geglaubte Genres aufeinander. Man findet neben Emo, Punk und eben Noise auch Alternative Rock. Man will sich eben nicht ganz festlegen lassen, wobei die Bandmitglieder sagen, dass sie auf dieses Album hingearbeitet hätten und es ihnen bei der Produktion gleich war, wie das Album auf der Bühne klingen würde. Man ist sich seiner Sache also sehr sicher. Man ist aber nicht übergriffig, trotz der oben genannten Genres. Die eigenen  Ideen fließen ein, man wirkt auf jedem Track sattelfest, auch wenn dieser ein komplett anderes Metier auskleidet, als der darauf folgende Titel. Der Zuhörer kann sowohl headbangen als auch schweben (zumindest gibt es Titel, in denen man das fühlen kann), je nach Gemütslage mag man mal den einen Titel mehr als den anderen, wobei man auch absolute Dauerbrenner geschaffen hat. Allein der Titel "Plasticine Dream" wirkt, als hätten ihn Filter 1999 aufgenommen, wirkt aber extrem nach und kann als eines der Highlights durchgehen. Es winken aber auch andere Bands der Insel akustisch durch die Studiofenster. Wen ihr aber da genau hört, könnt ihr selber entscheiden. Es sind aber Bands, die jeder kennt und von einigen nicht gemocht werden.

"Glue" wirkt, trotz der schweren Themen (digitalisierte Welt Verschwörungstheorien und Diktatoren), die aktuell die Runde machen, kurzweilig. Man fühlt sich nicht gleich dazu verdonnert ein Manifest zu hören. Das gesamte Werk erschließt sich zuerst über die Aufmachung, die Instrumente und die Spannungsbögen die an allen Ecken und Kanten gespannt werden. Später fallen einem dann auf eimal Wortfetzen auf die Trommelfelle und in die Gehirnwindungen. Der "Was habe ich da gerade gehört"-Effekt tritt ein und dann ist drin, zwischen den Rattenfängern, den Einsen und Nullen und erlebt komische Liebschaften. Der letzte Track heißt "Monolith" und so ähnlich läuft er auch ab. Er nimmt nochmal alles auf, was man auf dem Album findet und schickt einen mit einem Klavier aus dem "Kleber" heraus. Der Zuhörer muss dann erstmal alles sacken lassen. Es vergehen keine 50 Minuten, bis man durch ist, danach ist man selber durch.

Release: 01.05.2020
Label: Pure Noise Records

Anspieltipps: Plasticine Dreams, On A High Ledge, Brand New Kids

5/6 Punkten (Vielschichtigkeit auf einer Platte.)

Boston Manor - Glue
(Quelle: Presskit von Uncle M)

Mittwoch, 11. März 2020

Code Orange - Underneath (Roadrunner Records/Warner Music)

Code Orange, früher Code Orange Kids, hatten wir hier schon mal. Damals war das für mich eine der härtesten Alben, die ich rezensiert hatte. Es war brutal, aufkratzend und es gab sehr viel wilde Energie. Als ich erfuhr, dass es wieder ein neues Album geben würde, eben Underneath, habe ich mein Glück versucht und Velvet Hammer angeschrieben. Geraume Zeit später glaubte ich meinen Augen nicht, als eine Mail von Warner Music in meinem digitalen Briefkasten landete. In dieser wurde mir bestätigt, dass ich Zugriff vor dem Release bekäme. So viel zu den kleinen Einblicken hier im Blog.

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Das Intro des Albums zeigt genau, wo es hingehen wird. Es geht tief in den Kaninchenbau, sehr tief. Und hier warten nicht nur brachiale Gitarrenwände auf den Zuhörer, sondern auch mächtig fiese elektronische Spielereien und ein Gesang, der alles zwischen schwerem Keifen und Klarheit beherrscht. Man hat über die Jahre aber auch gelernt, dass ruhigere Töne überaus unheimlich und bedrückend wirken können und Kinderstimmen sowieso. Wie Jami Morgan vor ein paar Jahren in einem Interview mit Loudwire sagte: die Musik, die die Band macht, soll Schmerzen verursachen. Das Album schmerzt an vielen Stellen. Man merkt, das alles ständig vor dem oder am Ausrasten ist, man will den Musikern in diesem Moment, während das Album läuft, nicht im Dunkeln begegnen.

Hier trifft klassischer Hardcore, Metal und elektronisches Zeug aufeinander, man erzeugt so einen signature Sound. Egal wo man im Album ist, man weiß, dass man Code Orange auf den Ohren hat und jeder einzelne Ton einen tiefer in das dunkle Loch zieht. Diese Entwicklung, welche die Band über die Jahre hinweg durchgemacht hat, passt ihnen wie maßgeschneidert. Andere Gruppierungen versuchten bereits Ähnliches und verkauften sich damit oder scheiterten kläglich. Bei Underneath zeigt sich, wie man es schaffen kann, dass Samples und Keyboards den eigenen Sound noch unerbittlicher erscheinen lassen können.

Thematisch wird man mit den wildesten Ängsten konfrontiert. Man bekommt gesagt, dass man eigentlich gar nichts von dem Gegenüber wissen möchte, sondern Dank der sozialen Medien, eher am projizierten Abbild desjenigen interessiert ist. Ob die Person vielleicht ein paar Probleme hat, die in den sozialen Medien nicht auftauchen, will man erst gar nicht wissen.

Dass das eigene Umfeld nicht gut ist, wird genauso thematisiert wie die ewige Frage nach der eigenen Existenz. Dass sich die Band hier viele Gedanken macht, wie man das darstellt, zeigt sich in den aufwendig produzierten Videos, welche sich perfekt für das Musikfernsehen eignen würden, auch wenn diese Bilder vielleicht erst spät abends gezeigt werden dürften. Die Videos sind teilweise recht blutig, passen aber zur Musik. Und selbst die extra erstellte Internetseite zum Album ist ein geniales Gimmick und rundet das Paket ab.

Nach dreizehn Titeln und einem Intro ist man durch den ganzen Kaninchenbau geschlichen um ja nicht irgendwelche Aufmerksamkeit zu erregen, wie in Horrorfilmen oder Thrillern eben. Die Reise lohnt sich aber immer wieder, da man stetig neue Facetten entdeckt oder einfach nur die brachiale Gewalt spüren möchte. Leute, denen das gewöhnliche Radio gefällt, werden sich hier nicht wohlfühlen, für die ist Underneath aber auch nicht gemacht. Es ist für Menschen, die Metal, Hardcore und andere härtere Gangarten verstehen und sich ebenso über Experimente freuen wie über einen Schlag ins Gesicht, metaphorisch gesehen.

Release: 13.03.2020
Label: Roadrunner Records

Anspieltipps (eigentlich jeder einzelne Titel): Swallowing The Rabbit Whole, In Fear, Autumn And Carbine

ganz klar 6/6 Punkten (Das Machbare ausreizen und trotzdem Kunst erschaffen.)

Code Orange . Underneath
(Quelle: Artistpage von Roardrunner Records)

Sonntag, 17. November 2019

Lionheart - Valley Of Death (Arising Empire/Uncle M)

Wenn man sich einige Hardcore-Texte gibt, dann geht es viel um Familie, dass man für den anderen einsteht oder dass man, wie Deez Nuts, auch mal Party macht, als ob es kein Morgen gäbe. Und dann gibt es Lionheart aus Kalifornien, dessen Sänger ganz andere, viel härtere und persönlichere Themen anspricht. Im Tal des Todes geht es um Depressionen, darum, wie man mit 17 in Handschellen abgeführt wird, weil man viel Mist gebaut hat und dass man die Kontrolle über sich verliert, da man seit 10 Tagen nichts gegessen hat. Auch wir, die Reviews schreiben, bekommen unser Fett weg, denn dem Sänger geht es nur um das, was er erlebt hat und das es ihm egal sei, wie viele Platten verkauft werden.

Ja, das sind keine Themen, zu denen man Party macht, dennoch gibt es Fans, die sich zu den Konzerten begeben um eben diese Texte zu feiern? Diese Konzerte sind für viele ja nicht anderes als Ventile für die alltäglichen Probleme und Dämonen, die einem entgegenkommen, überrumpeln und völlig vereinnahmen. Der Sound der Band kommt, wie bereits oben erwähnt, Deez Nutz schon sehr nahe. Die Gitarren schmettern ordentlich und bilden mit dem Bass eine massive Wand. Die Drums stellen sich auch und können auch im Double, der Sub-Bass darf natürlich nicht fehlen. Ihr wisst schon, das angenehme Wummern, wenn es in den Breakdown geht. Leider ist das Album nicht sonderlich lang, nicht mal 25 Minuten, am Ende wird man von Tom Patty's Free Fallin' verabschiedet. Wer Fan der Musik ist, wird sich über einen zusätzlichen Langspieler freuen, auch wenn die Texte echt harter Tobak sind. Alle anderen könnten sich vielleicht an den (fast) immer gleichklingenden Gitarrenparts stören. Aber man versteht immerhin die Texte.

Release: 15.11.2019
Label: Arising Empire

Anspieltipps: When I Get Out, Burn, Stories From The Gutter

5/6 Punkten (Es kann ja nicht immer nur ums Saufen und Partymachen gehen.)

Lionheart - Valley Of Death
(Quelle: Presskit von Uncle M)

Mittwoch, 21. August 2019

Knocked Loose - A Different Shade Of Blue (Uncle M)

2016 haben Knocked Loose mit ihrer Single Dead Ringer und dem dazugehörigen Album Laugh Tracks mächtig für Furore gesorgt. Die dargebotene Mischung aus Hardcore und Metal war bretthart und man bekam kaum einen ruhigen Moment.

Nun, drei Jahre später, kommt man mit A Different Shade Of Blue um die Ecke. Man hatte vielleicht nicht ganz mit der Resonanz gerechnet, die der Vorgänger verursacht hatte. In den Interviews sieht man einen schüchternen Frontman, dem man den derben Gesang gar nicht abnehmen kann. Aber er macht das wirklich, dass sind wirklich seine Stimmbänder, wobei er nicht nur von einem seiner Gitarristen unterstützt wird, sondern auch von ein paar Musikern, die aus dem selben Genreportfolio schöpfen. Namentlich Emma Boster von Dying Wish und Keith Buckley von Everytime I Die. Das lockert das ganze ein wenig auf, auch wenn es immer noch, wo wie auf dem Vorgänger, richtig derbe zur Sache geht. Jeder Riff, jeder Beat, jeder Shout, jeder noch so kleiner Klangfetzen zwingt einen zur Bewegung, zu einer Reaktion, die je nach Grundstimmung schon mal zu einer überforderten Nackenmuskulatur führen kann. So wie der Name der Band es schon verrät, es bleibt kein Stein auf dem anderen, das sieht man immer wieder bei Live-Aufnahmen oder auch im Musikvideo zu Billy No Mates // Counting Worms. Die Energie der Band überträgt sich direkt auf den Hörer, man hat seinen eigenen Stil verfeinert ausgearbeitet und kann mit vielen verschiedenen Rhythmen und Soundschnipseln aufwarten. Wer das letzte Album von Code Orange schon gefeiert hat, der wird hiermit ein Album finden, welches sich auf Augenhöhe mit diesem Langspieler befindet.

Die Gitarren sind einzig nicht mehr so tief gestimmt (es reicht immerhin noch bis Drop (?) A), dafür kann man mit der Produktion punkten, alles ist da hingestellt, wo sein soll und überflutet einen von Note eins an. Zu beginn braucht es aber ein paar Durchläufe, bis man sich im Album orientieren kann. Das kann dem Stil geschuldet sein, vielleicht auch dem Gesang. Die ersten Anhaltspunkte bieten die Gastsänger, sonst ist man im Sog der Band gefangen, stets bereit, alles kurz und klein zu hauen, alles zu zerstören, was einen zerstört und man ist immer wieder überrascht, wo man denn gerade auf A Different Shade Of Blue ist. Aber jeder Durchlauf macht süchtiger.

Das Album wird am 23.08. auf Pure Noise Records erscheinen und kann dann vollständig auf dem Bandcampaccount des Labels gestreamt und auch bestellt werden.

Anspieltipps: Mistakes Like Fractures, Forget Your Name, In The Walls

6/6 Punkten (Bitte laut aufdrehen, damit auch die Nachbarn etwas davon haben.)

Knocked Loose - A Different Shade Of Blue
(Quelle: Presskit von Uncle M)

Dienstag, 18. Juni 2019

Symmetry Lover - Symmetry Lover (Fleet Union)

Dortmund, bekannt für den Bundesligaverein in Schwarz-Gelb und einen verrückten Automechaniker, der unglaublich erfolgreich ist, in dem was er tut. Auch wenn ich 2010 im Ruhrgebiet wegen der Ruhr.2010 war, kann ich mich nicht entsinnen diese Stadt besucht zu haben.

Aus eben dieser Stadt kommt ein junges Quartett mit dem Namen Symmetry Lover. So ungewöhnlich die Mischung aus Auto und Fußball klingt, so klingt auch die Band, dabei hat man sich aus mehreren Bandprojekten zusammengeschlossen. Auf dem ersten Album werden Elemente aus Hardcore, Blackgaze, Gitarrenparts die von den Deftones hätten sein können, ein paar würzige Noten aus den 80ern mit ein paar unheimlich wirkenden Soundsamples gemischt. Am Mikrofon ist die Sängerin Ina fast durchgängig auf 180 und klingt immer anklagend. Die angeschnittenen Themen nicht einfach: da geht es mal um die eigenen Makel, die man nicht ausstehen kann, mal um innere Konflikte. Man beschäftigt sich knapp 30 Minuten mit den inneren Dämonen und findet sogar Katharsis.

Musikalisch ist man, trotz dem Grundgerüst aus Gitarre, Schlagzeug und Bass, fulminant aufgestellt. Mann kann förmlich, wie in Architect, im Sound versinken. Die Stimme der Sängerin wirkt hier an einigen Stellen wie verloren in einer wilden, aufgewühlten See. Auf dem gesamten Album wird der Spagat zwischen Laut und Leise perfekt ausgelebt und man kann sich förmlich in diesem Wandelwesen, was einen mal entspannt und träumerisch geleitet, mal anpeitscht und treibt, verlieren. Es bleibt immer spannend und man weiß nie, was einen beim nächsten Takt erwartet und wird immer wieder positiv überrascht.

Veröffentlicht wird das selbstbetitelte Album am 05.07. auf Through Love Records, I.Corrupt.Records und Trace In Maze Records.

Anspieltipps: Void, In These Woods, Gods And Beasts

6/6 Punkten (Der Hammer zersägt die unheimliche Stille der dunklen Nacht.)

Symmetry Lover - Symmetry Lover
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Freitag, 17. Mai 2019

The Butcher Sisters - Alpha & Opfah (Bleeding Nose Records)

Was macht man wohl, wenn man die Texte einiger Deutschrapper überzogen findet aber auf Metal steht? Man gründet eine Band und schreibt Zeilen, die genauso übertrieben daneben sind und unterfüttert das alles mit fiesem (Nu-) Metal.

The Butcher Sisters bedienen mit "Alpha & Opfah" textlich alle Klischees, die es im Deutschrap gibt, drehen aber noch viel mehr auf und schreiben auch mal einen Titel, bei dem es um Bananen geht. Das ist Humor, der vielleicht nicht bei allen ankommt, die damit in Berührung kommen. Aber darum geht es ja gerade, Satire und Ironie, ohne diesen Gedanken im Hintergrund sollte man sich die Texte nicht genauer anhören. Wer sich das Bananen-Video angesehen hat, wird um so mehr verstehen, dass die Jungs sich hier nicht ernst nehmen und das ist auch gut so. 

Der gespielte Metal ist wirklich sehr gut. Wer We Butter The Bread With Butter (die hatten wir hier mal) mag, wird diese Bands, auf rein instrumentaler Ebene, lieben. Die Gitarren sind ordentlich aufgestellt und werden teilweise richtig Virtuos gespielt. Der Bass ist ordentlich präsent, aber nicht so komisch abgemischt, wie es bei manch anderen Alben anderer Künstler der Fall ist. Er stellt sich eher massiv hinter die Gitarristen. Die Trommeln beherrschen alle abgefragten Geschwindigkeiten und werden hier und da mal von einem Sampler unterstützt.

Nach nicht mal 38 Minuten ist die geniale Rutsche durch und man kommt gar nicht auf die Idee, dass das Album durch ist. Man freut sich immer wieder auf viele verschiedene Parts, die man beim vorherigen Durchlauf mitgeschnitten hat und feiert den Texter für die abgerissene Zeile. Das Album wurde in den Überlärm-Studios produziert und erscheint am 24.05. auf Bleeding Nose Records. 

Anpieltipps: (Eigentlich die ganze Platte)

Banana
Ein Text nur über Bananen? Was muss man genommen haben, um auf diesen Text zu kommen. Und wem die Hook nicht umreist, hat die Musik und die Band nicht verstanden.

Alpha & Opfah
Hallo, wer will sich nicht am Ellenbogen lecken können oder vielleicht vielleicht härter als die Straße sein. Und ist das Autotune auf dem Refrain? 

Egal wie groß, Hauptsache es ist ein Benz, der ordentlich aus den Rohren qualmt. Und aufgepasst, es gibt hier ein kurzes Gitarrensolo. 

Ganz klar: 6 von 6 Punkten (Das geht ab, Jonge!)

The Butcher Sisters - Alpha & Opfah
(Quelle: Presskit von Bleeding Nose Records)

Mittwoch, 6. Februar 2019

Bandcamptage Vol. 160

Da klickt man sich nichts ahnend durch die Neuerscheinungen bei Bandcamp um was neues zu finden und landet, zumindest digital, in Wollongong. In der Sprache der Ureinwohner Australiens heißt das nichts anderes als "Mehresrauschen" oder auch "reicher Fischmahlzeit." Der Ort liegt auch direkt am Wasser. Aus dieser Stadt kommt die Band Proposal. Von sich selbst sagt die Band, dass sie fünf coole Jungs seien, die einfach coole Musik machen.

Und das haut auch direkt hin. Ihr bekommt mit Captivate, was im Englischen recht viele Bedeutungen hat, eine fast zwanzig minütige EP voller hochkarätigem, melodischem Post-Hardcore. Etwas Metalcore gibt hier und das als Würze zwischen den Zeilen. Die Produktion ist für ein kostenloses Werk (ihr könnt auch mehr als 0€ geben) mehr als amtlich, alles drückt. Ab und an gibt es ein paar Entspannungsmomente, wie am Ende von Believe. Wer also was ordentliches auf die Trommelfelle braucht und nichts im Portmonee übrig ist, darf hier gerne beherzt zugreifen.

Anspieltipp: Captivate Me, Believe

Proposal - Captivate
(Quelle: Bandcamp.com)

Montag, 4. Februar 2019

Youtubisch Vol. 33

Anfang 2015 habe ich aufgehört Alkohol zu trinken. Mir ging zuviel Lebenszeit verloren und die Erinnerungen und das Erlebte wirkten anders als es nachher wirklich war. Selbst auf Konzerten verzichte ich komplett darauf, ich möchte einfach die Band genießen, die Performance, so wie es wirklich gespielt wird.

Genau das thematisiert die Band We Never Learned To Live, nur mit einer anderen Droge, die du lieber Leser und Zuhörer, vielleicht gerade in den Händen hältst: dein Smartphone. Und ja, man sollte vielleicht nicht an den schönsten Orten der Welt oder beim geilsten Konzert des Jahres am Smartphone hängen oder an "das perfekte Foto" denken. Die Band klingt anklagend, schafft mit den Gitarren große Räume und weite ebenen, die einen nicht stakkatohaft einengt und erdrückt. Die Produktion weiß zu überzeugen und macht Lust auf mehr, auf die Geschichten, die die Band erzählen wird und die Landschaften, die sich durch die Instrumente aufbauen wird. Das zweite Album der Band The Sleepwalk Transmission, wird am 10. Mai 2019 auf Holy Roar Records veröffentllicht veröffentlicht. Ein Review hierzu werdet ihr dank Fleet Union auch zu lesen bekommen.

We Never Learned To Live - Luma/Non Luma (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Sonntag, 21. Oktober 2018

Die 36. Fleet Union: Drip Fed - Drip Fed

Dieses Quintett aus Austin, Texas fällt mit ihrem Opener Tell Me Off akustisch direkt mit der Tür ins Haus. Nach den mittlerweile üblichen 20 Sekunden Intro wird losgebrettert, wer sich vielleicht an Support The Troopz erinnert, die wir ganz am Anfang mal hier hatten, der wird sich freuen, dass es immer noch solch kompromisslos erzeugte Musik gibt. Frei übersetzt bedeutet Drip Fed nichts anderes als "künstlich ernährt".

Auch wenn es, laut Aussage des Sängers Jeffrey Blum, hier etwas weniger nihilistisch zuginge, als auf den vorherigen Werken. Dieser musste sich ein paar Wochen vor den Aufnahmen aus seinem normalen Alltag und Umfeld ausklinken, um überhaupt texten zu können. Bis zur Mitte des Langspielers geht es strikt nach vorne, wer nicht mitkommt, hat Pech, wird bei Pez. Denn hier kann jeder noch einmal kurz durchatmen, weil es hier etwas doomiger, schleppender vorangeht. Auch wenn es anders klingt, stört dies nicht im Gesamtkonzept, da man am Ende mit Intertwine nochmals den Anker wirft und rekapituliert, was auf den vorherigen acht Titeln passiert ist. Stimmlich ist Blum eigentlich immer am Anschlag, auch auf den schlurfigen Titeln. Auf Dauer kann das aber stören, wenn man keine starken nerven hat oder nicht wirklich etwas mit dreckigem Hardcore oder Sludge anfangen kann.

Und ja, ihr habt richtig gelesen, es gibt leider nur acht Titel, dadurch wird das Album auf knackige 25 Minuten gestutzt. Dennoch kann man sich auf ganzer Strecke über eine anständige Produktion freuen, denn alle Musiker sind aufgestellt, wie es sich gehört, sogar der Bass ist an einigen Stellen leicht verzerrt, was im Gesamtkonzept kaum auffällt, dem Klangraum aber dennoch die nötige Würze bringt. Am 26.10. wird das Album veröffentlicht, in Europa geschieht dies auf I.Corrupt.Reccords. Am diesem Tag wird das Album auch komplett auf Bandcamp gestreamt werden können.

Anspieltipps: Tell Me Off, Profit Of God, Live And Die In The City

4,5/6 Punkten (Viel Schall und viel Rauch, im positiven Sinne.)

Drip Fed - Drip Fed
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Freitag, 14. September 2018

Konzertbericht: Deez Nuts + Tobende Ossis + Deluminator (30.08.18 Zum Faulen August, Cottbus

Eine kleine Spätlese.

Es passiert nicht oft, dass die große musikalische Welt sich im relativ kleinen Cottbus, welches auch noch irgendwo im Nirgendwo befindet, trifft. Deez Nuts waren bereits schon mal im Zum Faulen August und haben sich zusammen mit Tobende Ossis und Deluminator am 30.08. wieder hier eingefunden.

Den Anfang machen die Jungs von Tobende Ossis. Die Menge lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht so gut bewegen, wie es später der Fall sein sollte. Dennoch ist der Sound richtig gut, man wirft, wie es ich für Hardcore gehört, politische Statements in die Menge, die gegen die rechten Ausschreitungen in Chemnitz gehen. Man wird auch aufgefordert sich in eine kleine Polonaise einzuklinken und bekommt immer wieder ein paar kleine Witze zu hören. Man merkt, die Jungs sind voll bei der Sache und geben einen guten Opener ab.

Tobende Ossis, vor und auf der Bühne.
(Quelle: eigenes Bildmaterial)


Nach einem kurzen Stageover knipsen Deluminator mit einer Mischung aus Stoner, Hardcore und Punk die Lichter aus, nur um ein kleines Feuerwerk auf der Bühne anzuzünden, sinnbildlich versteht sich. Der Sänger springt wie ein Flummi über die Bühne und es wundert einen, dass die anderen Jungs dabei nichts abbekommen. Man könnte die Mannen auch "Die Band Der Oberlippenbärte" nennen, vom Styling her ist alles dabei: einer könnte direkt von QOTSA kommen; der andere ist der echte, dunkle Black-Metaller; zwei Musiknerds, wobei der Drummer immer tiefenentspannt wirkte, und der Flummi am Mikrofon. Auch hier ist der Sound durchweg gut, ein paar echte Fans stehen an der Seite und singen jede Silbe mit. Auch hier versucht man die Menge etwas zu bewegen, macht ein paar schlechte Witze mehr als die Band zuvor, dennoch macht sich eine starke Wärmeentwicklung in der, zugegebenermaßen, kleinen Location bemerkbar.

Keine Gesichter zu erkennen, Deluminator
(Quelle: eigenes Bildmaterial)

Dann, der Moment auf den alles gewartet haben. Die vier Jungs aus Down Under betreten die Bühne, durch die Menschen vor eben dieser und die wilden Bewegungen wird es immer wärmer. Man knüppelt direkt los, es gibt hier und da ein paar kurze Sätze in Publikum. Getrunken wird, trotz der enormen Wärme, wenig. Der Sound ist basslastiger, die Gitarre kommt nicht mehr so klar hervor. Dennoch wird man mitgerissen und freut sich auf jeden Song der gespielt wird. Ab und an darf auf die Meute im Pit ein paar Laute ins Mikrofon geben, da man sich der Tatsache bewusst ist, dass alle textsicher sind. Doch dann, völlig unvermittelt, stürmt ein Roady durch die Menge und macht dem Drummer einen Weg frei. Der hat sich, wahrscheinlich durch die anhaltende, mittlerweile fast unerträglich Hitze, übergeben und hinterließ hier und da ein paar große Pfützen Erbrochenes. Man darf nicht vergessen, dass er da hinter den anderen Bandmitgliedern im Sitzen Leistungssport macht und keinen Luftzug abbekommt. So wurde das Konzert sprichwörtlich abgebrochen.

Deez Nuts drehen frei.
(Quelle: eigenes Bildmaterial)

Auch wenn die Location recht klein ist, war der Sound außerordentlich gut. Die Stimmung war ausgelassen und keiner hat irgendein böses Wort verloren oder hat sich unangemessen benommen. Das Ende des Abend kann mit Sicherheit als Anekdote eingehen, die man den eigenen Sprösslingen irgendwann erzählen kann. "Ich habe gesehen, wie der Drummer von Deez Nuts ein Konzert 'abgebrochen' hat."

Sonntag, 2. September 2018

Die 34 Fleet Union: Wayste - The Flesh And Blood

Schon die erste EP aus dem Jahre 2016 hat nicht nur mich sondern auch viele andere Seiten, Zeitschriften und vor allem Menschen begeistert. Nicht umsonst taucht die EP No Innocence in den Top Ten des selben Jahres Neben dem Strom auf.

In diesen zwei Jahren hat sich einiges getan, man beherrscht auf The Flesh And Blood neben derbem Gebretter nun auch die leicht stilleren Klänge, obwohl der Gesang immer noch am Anschlag hängt. Thematisch geht es nach wie vor um die Gesellschaft und um die christlich konservativen Werte. Das einzige, was sich geändert hat, ist die Produktionsqualität. Man einige hat einige Regler so gedreht, dass der Bass nicht mehr so scheppert, das Konzept klingt jetzt runder, bauchiger, voller und harmonischer (auch wenn die Band mir das vielleicht übel nehmen könnte). Einerseits ist das schade, weil man genau das als Alleinstellungsmerkmal hätte verwenden können, andererseits kann man sich nicht so festnageln lassen. Dennoch ist man unverkennbar, wild, hat den Sludge, Doom und Hardcore nicht abgelegt, man spannt nur mehr Bögen und lässt sie zum passenden Zeitpunkt losschnellen. Verteilt auf 12 Titel wird der Ritt durch die Platte interessanter, der Zuhörer wird nun gefordert, man versteckt sich mit queren Gitarrenriffs irgendwo, erschüttert das Mark mit blankem Geschrei und lässt den Zuhörer zu keinem Augenblick in Ruhe. Elder ist eben das Stück, was als ziemlich versoffen und verzweifelt klingende Ballade durchgehen könnte. Dennoch wird diese Platte die Gemühter spalten, einige werden diese Musik gar, auch nach der ersten heftigen EP, als Lärm abtun.

Die Wahl der Titelnamen kann einen aber auch überraschen. So nennt man den Opener hier gleich mal I And You. Dabei nennt sich der Esel doch immer zu erst oder irre ich mich? Andere Titel wie Holy Smoke oder Pious Brother stoßen einen direkt mit der Nase auf das heiße Thema des Tracks. Und die Buchstabentauscherei bei Sever And Serve, was dann übersetzt soviel heißt wie "Trennen und Dienen", regt zum Nachdenken an.

Ganze 37 Minuten ist Fleisch und Blut lang und begeistert auf ganzer Länge, da man sich treu geblieben ist und dennoch weiterentwickelt hat. Ab dem 07.09. gibt es die Platte auf Through Love Records und kann ab da dann auch vollständig auf Bandcamp gestreamt und gekauft werden (zu einem frei wählbaren Preis). Hörbar sind bisher Mourn und Holy Smoke, wobei es zu ersterem ein Video gibt.

Anspieltipps: The Great Disguise, Chosen, Snake Oil

Ohne Frage 6/6 Punkten (Ist ja nicht alles schlecht, was aus Sachsen kommt.)

Wayste - Flesh And Blood
(Quelle: Bandcamp.com)

Freitag, 25. Mai 2018

Die 33. Fleet Union: Svalbard - It's Hard To Have Hope

Anders als vielleicht gedacht, handelt es sich bei Svalbard nicht um ein neue, aufstrebende Black- oder Folk-Metal-Band aus Skandinavien. Es handelt sich hierbei schlicht und ergreifend um ein Quartett aus Bristol. Vor sieben Jahren hatte man sich bereits zusammengefunden und eine Serie von EP's veröffentlicht.

Nun gibt es also das zweite Album der Band, welche den Zuhörer gleich mit einem recht ernüchternden Albumtitel begrüßt. It's Hard To Have Hope begrüßt einen gleich stürmisch und hämmert auf einen ein, als gäbe es kein Morgen mehr oder zumindest kann man die Hoffnung dazu verlieren. Wer sich dann dem Booklet oder der Rückseite der Hülle... oder einfach mal die Titel der Playlist ansieht, merkt, dass man textlich keine halben Sachen macht. Man ist sich voll dessen bewusst, was auf diesem Erdball passiert und schief läuft und brüllt es in die Welt hinaus. Mal dreht es sich um den Revenge Porn, eine Unart der heutigen Gesellschaft, mal geht es um das ungeborene Leben.

Dabei hat man meist einen wuchtigen, fast brustkorbzermalmenden Sound an Bord. Das Drumset ist, wenn es bedient wird, wie ein Hammer und fast pervers im Vordergrund, das macht dennoch die Spannung aus, dieses leichte Unbehagen beim Zuhören, wenn es um die Unversehrtheit der Frau geht oder den unbezahlten, dennoch Vollzeit arbeitenden Praktikanten. Man hat auch gleich zwei Gitarren und einen Bass hinzugeholt, so das jedes Bandmitglied etwas mit den Fingern machen muss, auch wenn es singt. Um dann einen Spannungsbogen in die ganze, Geschichte zwischen Hardcore, Post-Hardocre, Metal und anderem harten Spielrichtungen gibt es hin und wieder ruhige Einschübe, wo dann mal eben die Reibeisenstimme beiseite gepackt wird und man eben doch himmlisch singen kann.

Mit acht Titeln kommt man auf eine Spielzeit von fast 38 Minuten, dabei ist der Repeatfaktor extrem groß, weil das Album zu einem Kurzweilig ist, zum anderen muss man den Texten immer wieder genauer zuhören und sich beim Staunen erwischen. Und wie bereits erwähnt: das ganze Ding ist einfach eine Wucht. Erschienen ist das Album heute, am 25.05. auf, wie sollte es eigentlich anders sein, auf Holy Roar Records. Streamen könnt ihr das Album hierzu auf Bandcamp.

Anspieltipps: Unpaid Intern, Revenge Porn, Feminazi?! (diese Auswahl fiel nicht leicht)

6/6 Punkten (Schlagzeuggewitter oder Maschinengewehrschlagzeug?)

Svaldbard - It's Hard To Have Hope
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Samstag, 17. März 2018

9. Nachschlag: Parasight - At leve som hvis der var et håb (Platinum PR)

Wenn man Musik in Sprachen hört, derer einem nicht geläufig sind, ergibt das manchmal so kleine Momente des Schmunzelns. So passierte mir dies des öfteren beim Album At leve som hvis war et håb von Parasight aus Dänemark, denn wo sonst hört man "Mini-Merkel", wie im Titel Håbløst bei Sekunde 30. Oder die Band ruft ewig "Ducken", man höre sich nur den Titel Du glemt an, was nicht anderes heißt als: "Du hast es vergessen", zumindest meinst das ein Übersetzer.

Wer sich nun die Links von Bandcamp gegeben hat, wird merken, das hier ziemlich viel Kraft und Gewalt an den Tag gelegt wird. Gefühlt geht es auf den fast 24 Minuten immer nur vorwärts. Das liegt wohl auch daran, dass alle Mitglieder Fans verschiedener Musikrichtungen sind, unter anderem auch von schwedischem Punk. Das erklärt die Geschwindigkeit, Metal gibt es nebenbei auch, zum Teil sogar leichte Anleihen an Black-Metal und Hardcore sind erkennbar. Produziert ist alles nach besten Wissen und Gewissen, wobei es eins zwei Stellen gibt, wo manch Instrument etwas zu laut über die Membran scheppert und dabei verzerrt. Sonst kann man sich, trotz der Länge, nicht beschweren, denn das ganze gibt es, wie bereits erwähnt, auf Bandcamp, für Name Your Price. Die Hartkopie gibt es seit dem 09.03. auf Indisciplinarian und Modstand Records.

Anspieltipps: Bløder blod, Alt falder sammen, Sulten i seng

5/6 Punkten (Benutzt niemals mehrfach google.translate.com von Deutsch nach Dänisch und zurück.)

Parasight - At leve som hvis der var et håb
(Quelle: Presskit von Platinum PR) 

Sonntag, 12. November 2017

Die 27. Fleet Union: Fjørt - Couleur

Nach nicht mal zwei Jahren gibt es wieder Lärm aus Aachen. Fjørt werden mit ihrem Album Couleur politischer denn je, haben aber kein strikt politisches Album geschrieben. Die Band sagt, dass sie die politischen Entwicklungen, die vom rechten Rand kommen und Unterstützer haben, so nicht unkommentiert stehen lassen wollen, auch wenn es im Titel "Raison" heißt, dass man genau das Gegenteil vor hatte. Aber auch Sucht, Eifersucht und Unversehrtheit sind Themen, die man Textlich anschneidet, auseinandernimmt und einem, zum Teil fast unangenehm, vor die Augen/Ohren hält.

Musikalisch sind wir immer noch zwischen Hardcore und der Postversion dessen, auch wenn man musikalisch gegenüber dem Vorgänger leicht gewachsen ist. Man traut sich an synthetisch erzeugte Klänge, man findet neue Soundlandschaften, die es auf Kontakt so noch nicht gab. Da sind die Gitarren mal eben nicht immer bretthart, man ist auf einmal sphärisch veranlagt. Die eingetretenen Freiräume lassen einen in die Texte eintauchen, die Musik differenzierter wahrnehmen. Sowas kennt man schon von The XX, auch wenn diese Band eher fernab des Stils von Fjørt ist. Dennoch sollten Fans nicht besorgt sein, man beherrscht immer noch Gitarrenwände, die einen förmlich erschlagen wollen.

Frings Stimme ist auch nicht immer am Schlag, man ist jedoch durch den gewählten Gesangsstil nie ganz im Einklang zu den Instrumenten. Das kennt man aber auch nicht anders von dieser Band und unterstreicht so die Message, die sie übertragen möchte. Frings klingt eher so, als wenn er den Zuhörer ermahnen will, ihn akustisch wachrüttelt. Wie bereits oben erwähnt, sind einige Textstellen nicht von schlechten Eltern. Dabei ist es erstaunlich, dass man mit "Karat", dem letzten Titel des Langspielers, den Titel des Openers aufgreift und so den Kreis schließt, denn hier geht es immer "Südwärts" bis die Drums völlig übersteuert sind und den Zuhörer an den Anfang des Albums werfen. Man hat gelernt, dass man Tracks ineinanderlaufen lassen kann, was bei bestimmten Tools und Geräten etwas störend wirkt, bzw. ähneln Tracks, wie "Couleur", am Anfang wie kaputte Dateien/CDs oder ein Rechner, der gerade die Hufe hochreißt.

Die Produktion ist, trotz der relativ kurzen Zeit zwischen "Kontakt" und "Couleur", gelungen. Der Bass ist sehr gut herauszuhören, die Gitarren sind vielfältig in den Raum gestellt und die Trommeln runden den Sound druckvoll ab. Auch die eingefaltene Synthetik passt und ist nicht fehl am Platz. Fast 44min ist man in der Welt dieser Band gefangen, die durch die Sprache eine unangenehme Position schafft, in der man immer wieder zur unangenehmen Selbstreflektion gezwungen ist. Chapeau meine Herren, das hat man nicht alle Tage. Veröffentlicht wird Couleur am 17.11. auf Grand Hotel van Cleef.

6/6 Punkten (Textlich immer noch unantastbar.)

Anspieltipps: Couleur, Eden, Magnifique

Fjørt - Couleur
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Mittwoch, 8. November 2017

Bandcamptage Vol. 158

Wer von euch mal wieder etwas härteres auf die Ohren braucht und dem Sound von Knocked Loose oder den Emil Bulls etwas abgewinnen kann, der könnte vielleicht mit Nailbox und ihrer EP Nailbox zufrieden gestellt werden. Auch wenn ich zugeben muss, dass die Mischung etwas verrückt klingen mag.

Die Gitarren nicht so tief gestimmt sind, wie eben bei Knocked Loose, dennoch geht es hier ordentlich zur Sache. Auf fünf Titel verteilt bekommt ihr Hardcore und/oder Posthardcore vom feinsten, mit allem was dazugehört. Breakdowns, Gebrüll und schmetternde Instrumente. Man kann sich die Show vor dem geistigen Auge schon vorstellen und möchte am liebsten mitmachen, auch wenn die eigenen Knochen vielleicht zu alt sind. Laden dürft ihr euch dieses Album für einen Preis, den eure Brieftasche gerade hergibt, auch wenn ihr nur noch Quittungen und Kassenzettel drin haben solltet.

Nailbox - Nailbox
(Quelle: Bandcamp.com)

Schön, wie das um vier Nachmittags dunkel wird.