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Donnerstag, 13. Dezember 2012

Scene 2 Act Part 22: Leitkegel - Raketenwissenschaften

Leitkegel, eine an sich recht junge Band aus Essen, die, wie sie selbst auf ihrer Facebookseite schreibt, Freudschen Punk spielt. Punk, ja, da gehe ich konform, aber auch Hardcore brüllt mir hier in die Ohren, das in deutscher Sprache. Manchmal verliert man sich auch in irgendwelchen Prog- oder Post-Irgendwas-Geschichten oder man winkt mit den Queens Of The Stone Age oder Turbostaat. Es gab (Longing for Tomorrow) und gibt (Captain Planet) solche Bands, die sich auf deutsch durch die Rock-Clubs der Nation spielen und sich eine Fangemeinde erspielen wollen/müssen/können.

Die Wortspielereien, die man hier auf dem Album findet, sind recht interessant, zumal die Titelnamen eigentlich rein gar nichts mit den Liedtexten zu tun haben. Man schlägt mit Erkenntnissen um sich, wie in Bauwagenplatzromantik „... es ist nicht die Sonne die untergeht, sondern die Erde, die sich dreht...“ und schreit gleich hinterher „... pack die Neurosen ein und geh...“ und schwups, da ist er, der Freud. Oder man nascht vom Baum der Erkenntnis, wovon einem dann schlecht wird (Des Wahnsinns Fette Leute). Natürlich ist man umso mehr angreifbar, wenn man sich einer Sprache bedient, die kaum Spielraum für Interpretationen lässt, zumindest für uns hier zwischen Flensburg und Garmisch, auch wenn man mal hier und da ein „en“ verschluckt oder mal eben ein „nix“ durch die Boxen rauscht. Dies sind gewählte Stilmittel, derer man sich bedient, was dieser Band dann so oder so ein Alleinstellungsmerkmal verschafft, sowie die Stimme des Sängers, die man wohl ohne weiteres auf anderen Platten in Kollaborationen erkennen würde, wenn es denn zu solchen kommt.


Um mal hier nen Bogen zu bekommen. Das Album ist an sich sehr gut gelungen, man schafft sogar eine Verbindung zwischen dem Anfang und dem Ende, in dem man Vinyl nimmt und das mal so oder so bremst und dadurch so'n Leiern hinbekommt. Klingt ganz witzig, kann aber befremdlich wirken. Mir gefällt es und ich merke: ah, hier ist das Album zu Ende. Das Net-Label Pinmusik veröffentlicht hier das gute Stück für wenig Geld auf Bandcamp, somit könnt ihr probehören bis entweder der Arzt kommt oder ihr ladet euch das gute Album von dort gleich herunter.


Leitkegel - Raketenwissenschaft
(Quelle: Bandcamp.com)

 
Anspieltipps:


Freitag, 13. Dezember 2019

Leitkegel - Wir sind für dich da (My Favourite Chords/Fleet Union)

Leitkegel hatten wir hier mal. Da gab es "Neben dem Strom" noch viel Sturm und Drang und man musste einiges lernen. Die Band selbst hat zwischen Raketenwissenschaft und Wir sind für dich da ein paar Split-EPs herausgebracht und "Raketenwissenschaft" neu aufgelegt. Bereits damals fielen die interessanten Texte auf, da man Neurosen einpacken sollte oder ein Salat Zweifünfzig kosten würde. Und nun?

Tja, man ist gewachsen, in fast sämtlichen Dimensionen, die man sich vorstellen kann. Das Album ist ordentlich lang, man hat es auf ganze neun Titel geschafft und der Sound ist mehr als anständig ausstaffiert. Aufgenommen wurde WSFDD (die Kurzform) live, man kann auf einigen Tracks ein paar Einzähler hören. Instrumental hat man sich getraut, die ursprünglichen Pfade etwas auszutreten und breiter zu machen. Auf Ich hab 99 Probleme und das Mädchen hat mich gibt es eine Trompete (an wen erinnert euch dieser Titel wohl?) und in Über Täler und durch Berge gibt es Streicher. Der Sound an sich klingt schon fetter als auf dem Vorgänger, man kommt an vielen Stellen an Fjørt heran (hatten wir hier und hier schon mal), Strassenkampf könnte glatt aus deren Feder stammen. Das besungene Thema ist hierbei nicht weniger ernst. Man kann aber auch spitzfindigere Texte schreiben (siehe Erste Welt Probleme), aus den Raketenwissenschaftzeiten konnte man gut lernen.

"Wir sind für dich da" erschließt sich in den ersten Durchläufen viel über den Klang, über den drückenden, teils scheppernden Bass, über die Gitarren, die sehr virtuos eingesetzt werden, über die bereits erwähnten Instrumente und auch die wilden Rufe aus dem Hintergrund. Erst später, wenn man die Texte in einigen Hirnwindungen installiert hat, nimmt man das Album auf einer anderen Ebene wahr. Man findet die Spitzfindigkeiten und auch sich selbst. So gut wie jeder wird angesprochen, jeder kennt irgendeine der besungenen Situationen und schaut auf. Und der Sänger, der ist nicht nur mehr Kläger sondern auch Sänger. Er findet Harmonien, lullt den Zuhörer ein und schreit dann wieder mit voller Inbrunst. Das ergibt einen sehr großen Replay-Faktor, aber den hatte der Vorgänger auch schon.

Release: 13.12.2019
Label: My Favourite Chords

Anspieltipps: Wie soll man sich hier entscheiden?

Strassenkampf: Man spannt zu Beginn einen kleinen Bogen, den man dann mit voller Wucht explodieren lässt. Die Gitarren stellen mit dem Bass massive Wände auf, die dann vom Sänger eingerissen werden.

Über Täler und durch Berge: Dieser Titel schreit förmlich nach Liebeskummer. Hier sind die Streicher an Board und geben noch mehr Emotion mit, dabei quillt das hier an allen Ecken und Kanten über.

OJ Simpson (Waffen töten keine Menschen): Eine krude Mischung aus Emo, Rock, Punk und etwas Math-Gefrickel. Der erste Satz schlägt richtig ein. Dabei geht es wohl um falsche Freunde und den Versuch, Nichts großartig wirken zu lassen (ihr wisst schon, die sozialen Netzwerke und so).

Ohne Frage: 6/6 Punkten (Einmal Bauwagenplatzromantig mit Strassenkampf zum Mitnehmen bitte)

Leitkegel - Wir sind für dich da
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Montag, 30. November 2020

Leto - Wider (Rookie Records)

Wäre die Band Leto ein Studienfach, hätte man im Hauptfach Turbostaat, dazu als Wahlpflicht Billy Talent, Feine Sahne Fischfilet, Fjørt und Leitkegel. Wer hier denkt, dass das dann alles Punk ist, liegt nicht ganz falsch. Die Gitarren werden hier weitaus virtuoser gespielt, der Bass hat mehr Platz im Raum und das was, dann noch übrig ist, wird von einem ordentlich hämmernden Schlagzeug aufgefüllt. Das sorgt bereits auf den ersten Metern für zuckende Tanzbeine und nickende Köpfe. 

Dabei ist geht es hier um viel mehr. Auf diesem Langspieler werden die inneren Dämonen ausgegraben, man kämpft mit den Selbstzweifeln und der Selbstoptimierung. Dennoch könnte man einige Texte anders interpretieren. Zum Beispiel der Titel Blau: diese Farbe hat auch die AFD, und die Textzeilen passen ebenso auf die Mitglieder und Wähler der AFD. Da geht es um Sitzenbleiber, um Leute die sich das Alte zurückwünschen. Aber der Band geht es um die Geschlechterrollen, die direkt zu Begin festgelegt sind, inklusive der Berufe, die man lernt und den Eigenschaften, die man dem Geschlecht anrechnet. Der Text zu Treibsand könnte auch von der modernen Konsumgesellschaft handeln. Alles ist so gebaut, dass es relativ schnell kaputt gehen kann und dass das neue dann eh besser sei, als das Objekt, welches mal eben ein paar Monate genutzt wurde. Dabei geht es hier um die Entwicklungen der Heimatstadt des Quartetts. 

Mit Kammerflimmern gibt es sogar einen Ohrwurm, der sich tief in die Hirnwindungen einklinkt und da für ein paar Tage (jetzt wirklich) verweilt. Der Anfang wirkt zwar noch, wie Hurz von Hape Kerkeling, die Aufklärung folgt dann aber im Refrain. Es fehlen Worte um das vollständige Bild zu zeigen. Es muss aber alles immer schneller gehen, damit man up to date ist um dann alles mit der nächsten Nachricht vergessen zu haben. 

Der geneigte Zuhörer wird mitbekommen haben, dass Wider wie aus einem Guss wirkt. Die Lieder wurden am Stück geschrieben. So bleibt der Drive über die gesamte Spiellänge von 31 Minuten erhalten. Eh man es sich versieht ist man entweder alle Titel durch oder der Player fängt schon wi(e)der von vorne an. Und dann schmettert man mit. 

Release: 09.10.2020
Label: Rookie Records

Anspieltipps: Kammerflimmern, Auen und Orchideen, Treibsand, Katzenwäsche

5.5/6 Punkten (Das wächst schwer aus den Hirnwindungen heraus.)

Leto - Wider
(Quelle: Presskit von Rookie Records)

Samstag, 30. November 2013

Bandcamptage Vol. 102

Der November ist nun fast rum und das Wetter macht natürlich volle Breitseite mit. 

Der Norden der Republik ist ja für ziemlich derben Rock und Punk bekannt. Ich sage schreibe nur Jungbluth oder Leitkegel. Aus Kiel kommt das Quartett Chuck Bass, welches für ein wenig veganes Essen und ein paar Bier auch in eurem Keller, Balkon oder was auch immer spielt. Wenn Geld dabei rumkommt, um so besser. Die Jungs spielen auf ihrer EP, die wirklich nur EP heißt, eben eine Mischung aus Punk, Screamo und Rock, nur ist gewählte Ausdruckssprache Englisch. Die Gitarren sind sehr clean und die Stimme schwangt zwischen blankem, zerissenem Geschrei und Wortsalven, die ins Mikro gesprochen werden. Es geht unter anderem um den Norden, vollgepackte Tage und Kuchen. Ja, Kuchen. Die Produktion ist ausgeglichen und macht nach mehreren Durchläufen immer noch Spaß. Die EP mit den sechs Titeln gibt es für einen Tarif eurer Wahl auf die eigene Festplatte. 

Chuck Bass - EP
Mach hier mal einer bitte den WInter an, das Grau nervt irgendwie.