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Mittwoch, 1. Dezember 2021

Rauchen - Nein (Zeitstrafe/Fleet Union)

Rauchen fetzt. Natürlich ist der Name der Band provokant, man hat aber sofort einen Aufhänger. Mit Nein hat man ein Album aus drei EPs geschrieben und aufgenommen. Diese drei EPs grenzen sich auch akustisch ab. 

Zu Beginn schwoft man mit Shoegaze ganz entspannt durch die Gegend, auch wenn man mit dem Text von Monopol(y) eindeutig auf die Zustände in der Polizei hinweist. Darauf folgt ein ewiges Hamsterrad, und zwar von der Schule bis zur Rente. Man merkt der Band an, dass hier einiges unter den Fingernägeln brennt. Mit Aufnahme wird die zweite EP eingeläutet, auf dem Album befinden wir uns passend im zweiten Drittel. Ab hier wird einem 4 Titel lang in den Rücken getreten. Die Band dreht alle möglichen Regler auf und die Sängerin ist am Anschlag. Hier besinnt man sich auf die alten Tugenden, hier trifft Hardcore-Punk auf pures Chaos und Zerstörung. Fast wie bei The Dillinger Escape Plan. Man bleibt den Thematiken treu: es geht um die aufgezwungenen Rollen der Frau, um Arbeit und Freundschaft. 

Nachdem man dann alles durchgewühlt hat und jeder schwitzend am Boden liegt, tritt die Band auf die Bremse und singt einem vor, wie sich das alles nach einem Konzert anfühlt. Man ist glückselig und man kühlt langsam wieder herunter. Danach gibt man dem "Schlüsselkind" den Raum, sich so zu verhalten, wie ein Mann. Bei ihm stellt man einiges an merkwürdigem Verhalten nicht in Frage, bei Frauen eigenartigerweise schon. Hier lädt man sich sogar ein paar Trompeten ein, die am Ende des Stücks ordentlich eskalieren. 

Man kann sich dieses Album wie einen Aufstieg auf einen Berg vorstellen, im Mittelteil ist man oben angekommen und dann geht es wieder abwärts. Wir werden auch bald in einem Interview erfahren, warum man diese Konstellation gewählt hat. 

Der Sound auf dem Album, was nicht mal eine ganze halbe Stunde lang ist, ist großartig. Das Schlagzeug hat ordentlich Druck bekommen und der Bass darf sich recht viel Raum nehmen. Der Gesang wirkt in den ruhigen Tracks recht gelangweilt, das kann aber Absicht sein. Die Effektgeräte kann man in einzelnen Tracks rauschen hören, wenn mal kein Instrument gespielt wird. 

Release: 03.12.2021
Label: Zeitstrafe

Anspieltipps: Wasserglas, Monopol(y), Schlüsselkind

6/6 Punkten (Achterbahn mal anders.)

Rauchen - Nein
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Samstag, 17. März 2018

9. Nachschlag: Parasight - At leve som hvis der var et håb (Platinum PR)

Wenn man Musik in Sprachen hört, derer einem nicht geläufig sind, ergibt das manchmal so kleine Momente des Schmunzelns. So passierte mir dies des öfteren beim Album At leve som hvis war et håb von Parasight aus Dänemark, denn wo sonst hört man "Mini-Merkel", wie im Titel Håbløst bei Sekunde 30. Oder die Band ruft ewig "Ducken", man höre sich nur den Titel Du glemt an, was nicht anderes heißt als: "Du hast es vergessen", zumindest meinst das ein Übersetzer.

Wer sich nun die Links von Bandcamp gegeben hat, wird merken, das hier ziemlich viel Kraft und Gewalt an den Tag gelegt wird. Gefühlt geht es auf den fast 24 Minuten immer nur vorwärts. Das liegt wohl auch daran, dass alle Mitglieder Fans verschiedener Musikrichtungen sind, unter anderem auch von schwedischem Punk. Das erklärt die Geschwindigkeit, Metal gibt es nebenbei auch, zum Teil sogar leichte Anleihen an Black-Metal und Hardcore sind erkennbar. Produziert ist alles nach besten Wissen und Gewissen, wobei es eins zwei Stellen gibt, wo manch Instrument etwas zu laut über die Membran scheppert und dabei verzerrt. Sonst kann man sich, trotz der Länge, nicht beschweren, denn das ganze gibt es, wie bereits erwähnt, auf Bandcamp, für Name Your Price. Die Hartkopie gibt es seit dem 09.03. auf Indisciplinarian und Modstand Records.

Anspieltipps: Bløder blod, Alt falder sammen, Sulten i seng

5/6 Punkten (Benutzt niemals mehrfach google.translate.com von Deutsch nach Dänisch und zurück.)

Parasight - At leve som hvis der var et håb
(Quelle: Presskit von Platinum PR) 

Montag, 16. Mai 2016

7th Backstage Broadcast: GIANTS - Break The Cycle

Fünf junge Männer aus dem Süden des Vereinigten Königreichs verbergen sich hinter GIANTS und wollen mit Ihrem ersten Album den Kreis durchbrechen. Gleich zu beginn wird man von einer deftig eingespielten Trommel begrüßt, zugleich reichen einem zwei Gitarren die Hand und man wird prompt in einen noch frischen Moshpit gezerrt. Vierzig Minuten wird man dann am Kragen gepackt und mehr als einmal quer durch den Raum geschoben getreten, beboxt und geschrien. Die Mischung aus Hardcore und Punk lässt einem eigentlich auch nichts anderes übrig, als diesen Gedanken. Alleine die Vertonung der Liedtexte, zwischen totalem Anschlag und Gesang ist hier alles dabei, animiert, die letzten Textfetzen zu wiederholen, auf Band... pardon, auf dem Abspielgerät wird das ja auch so gemacht. Die Texte drehen sich um die Probleme des Alltags, um Dinge die vielleicht gar nicht hätten passieren sollen, um Minderleister und um den ewigen Kreis, der hier ja eben durchbrochen werden soll. Mit dem Album auf den Ohren kann das auch gelingen, aber aufpassen, dass ihr nicht "Ohohohoh"-Chöre mitsingt. Und trotz des Gesangs am Anschlag, versteht man jede einzelne Textzeile. Über die gesamte Albumlänge kommt keine Langeweile auf, was erstmal was heißen will. Die Produktionsqualität ist für eine Erstlingsscheibe echt gut, wobei das Drumset an einigen Stellen fast zu viel Wums bekommen hat (ja ich weiß, ich beschwer mich immer über versteckte und schlecht vertonte Drumsets), erinnert sich noch wer an das Drumset aus Metallicas Death Magnetic? Es sei ihnen gegönnt, denn das unterstützt die Wucht, die dieser Langspieler hier mit sich bringt. Wer von einem Konzert dieser Band nicht schweißgebadet, mit zerstörtem Nacken und unzähligen blauen Flecken nach hause kommt, der hat was falsch gemacht. Veröffentlicht wurde das Album am 01.04.2016 auf Holy Roar Records / Alive und kann auf Bandcamp gestreamt werden, damit ihr wisst, was die Zeilen hier eigentlich zu bedeuten haben.

Anspieltipps: Break Thy Cycle, Antother Day, Another Year, I'm Not Around


5/6 Punkten (Wo kann man online neue Nacken bestellen?)

GIANTS - Break The Cycle
(Quelle: Presskit von Backstage Broadcast)

Donnerstag, 18. Februar 2016

Bandcamptage Vol. 150 / Neues aus dem digitalen Briefkasten

Bereits vor ein paar Wochen erreichte mich eine E-Mail von der Band I Recover aus Köln. Bereits 2013 hat man sich zusammengefunden und es recht langsam angehen lassen. Vielleicht gibt es auch deswegen erst seit dem 29.01.2016 die erste EP, selbstbetitelt versteht sich.

Wie die URL es vielleicht verrät, geht es hier beim dem Quintett um alles, nur nicht um Ruhe. Man spielt Hardcorepunk, irgendwo zwischen Pears und Brutal Youth. Die EP geht eigentlich recht schnell vorüber, was mitunter daran liegen könnte, dass es man im Schnitt keinen der sechst Titel (außer Always Aware) über 2 Minuten heben kann, sowas braucht aber gute Musik auch nicht. Die Produktion ist gewaltig, sogar sehr Basslastig, was für eine Gitarrenband schon ungewöhnlich ist. Der Gesang ist, wie eben im Punk hier und da üblich, nicht ganz so gerade, aber darum soll es hier nicht gehen. Die Band ist so nett und bietet euch die digitale Kopie auf Bandcamp für einen Preis an, der euch gerade in den Kram passt, so kurz nach Weihnachten, Karneval und so kurz vor Ostern. Eine Hartkopie kostet mal eben schlappe fünf Euro, durchaus fair.

Anspieltipps: Where Am I, A Cloud Of Lies, Discomfort

I Recover - s/t 7'
(Quelle: Bandcamp.com)

Und in einem Monat ist das Ding hier vier Jahre alt.