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Mittwoch, 19. Oktober 2022

Boundaries - Burying Brightness (3DOT Recordings/Kinda Agency)

Um gleich mal in die Vollen zu gehen, die Platte  Burying Brightness beginnt wie eine Hardcore-/Deathcore-/Metalcore-Platte nun mal klingt. Alle Standards werden abgefahren und man macht überall seine Häkchen, weil man da schon mal gehört hat aber geil findet. Aber dennoch schmeckt die Soße so, als hätte man die schon einmal erwärmt. Weil die Band Boundaries aber ihr Handwerk beherrscht, hört man weiter durch das Album, ein Gefühl des Getriebenseins macht sich breit. 

Es gibt hier und da ein paar Lichtblicke, es gibt ab und an Gesang, nicht nur derbes Geschrei. Ab Resent and Regret merkt man einen leichten Bruch. Die Band kann auch einfühlsam sein, man erinnert sich an vergangene Emo-Zeiten. In der Mitte des Tracks wird es auf einmal etwas glicthi, beim ersten Durchlauf könnte das vielleicht garnicht auffallen. Der Folgetrack, Realize and Rebuild, bleibt auch ziemlich emolastig, dabei ist das eine offizielle Single. 

My Body Is A Cage hat ein verstörendes Intro, wenn man darüber nachdenkt, dass ein Kind sagt: "My Body Is A Cage". Als das Outro einsetzt und der Sound auf einmal vor dem Ohr verwischt, verzerrt und in einen Clubbeat mündet, merkt man, dass die Jungs mehr vorhaben. Sie wollen nicht nur brettern, auch wenn sie das sehr gut können. - ist dann einfach nur ein Technokracher vor dem Herren, dass Ding hätte easy Platz in einem Berliner Technokeller gefunden. 

Nach diesem Ausflug schlägt man wieder voll zu und greift in die 7, 8 oder 9 Saiten. Aber dieser kurze Glitch lässt eben aufhorchen. Man betrachtet die Künstler mit anderen Augen. Das opulente Ende, was fast so klingt, als hätte man um ein paar Ecken mit Silver Snakes Album Year Of The Snake (hatten wir hier mal) rumgemacht oder wolle den Deftones imponieren. The Tower misst 10 Minuten, schon mal was von nem hidden Track gehört? 

Das Album ist mehr als gelungen, die Produktionsqualität ist über alle Zweifel erhaben und macht, vorausgesetzt, die Kopfhörer können den Druck wiedergeben, von vorn bis hinten Spaß. 

Release: 14.10.2022
Label: 3DOT Recordings

Anspieltipps: It Begins To Speak, -, My Body Is A Cage, The Tower

6/6 Punkten (Zwischen Pogen und Violent Dancing einfach mal gekonnt nen Rave reinschieben.)

Boundaries - Burying Brightness
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Montag, 12. April 2021

Youtubisch Vol. 41

Fun Fact: Diazepam hieß von 1963 bis 2015 Valium. Es soll zur Behandlung von Angststörungen angewendet werden, wobei Angstzustände ungewollte Nebenwirkungen sein können. Dass das Zeug abhängig machen kann, das steht außer frage. 

Über genau dieses Zeug lässt sich der Sänger Aaron Matts der Band ten56. im Track Diazepam aus. Wenn man den Texten glauben mag, will man lieber tot sein, als nochmal eine Pille nehmen zu müssen. Wer beim Namen aufhorcht, kennt man die Band Betraying The Martyrs, denn da ist Aaron vor kurzem erst ausgestiegen. Mit den Mitgliedern von Novelists FR, Kadinja und Uneven Structure macht er wohl schon seit einem Jahr Musik. 

Wer jetzt trotz des Links, den Track noch nicht gehört hat, der sollte sich auf extrem tief gestimmte E-Gitarren gefasst machen, gepaart mit gutturalem Gesang und allem was sonst noch scheppert. Es wird gedrückt und geballert, wo es nur geht, man nimmt keine Rücksicht. Es gibt zwischen dem ganzen Metallcore auch ein paar Hardcoreanleihen. Vielleicht fühlt sich so der Zustand an, wenn man einen Trip auf Diazepam schiebt. Gegen Ende werden die Gitarren immer tiefer und langsamer. 

Das Video wurde im Winter bis morgens um 5 Uhr in einer leeren Halle gedreht und gibt somit die perfekte Untermalung und Stimmung zur Musik.  Man hat wohl noch ein paar Tracks im Petto, man kann also gespannt sein. 

ten56. - Diazepam (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Drogen sind schlecht, auch wenn sie dir dein Arzt verschreibt.

Dienstag, 16. März 2021

Azgard - At The Break Of The Day (Bandcamptage)

Stellt euch vor, ihr habt eine Band, seid lokal erfolgreich und schafft es sogar ein respektable Musik aufzunehmen. Ein paar Tracks und ein Album schafft man auch. Und dann wird es ruhig, ein Mitglied verkauft sogar sein Equipment, weil das Geld knapp wurde. So geschah es bei der der Band Azgard aus Ternopil.

Die Ukrainer spielen auf ihrem Album At The Break Of The Day eine respektable Mischung aus Metalcore, Deathcore und etwas Black Metal. Eigentlich suchte ich nach Musik für ein Video, welches ich schneiden sollte. Metal passte nicht wirklich unter das Bildmaterial, aber dennoch war ich glücklich über den Fund. Ihr erhaltet 18 Titel für einen Preis, der euch gerade passt. Die letzten Titel sind eigentlich die ersten Songs nur ohne Gesangsspur. Wer also mit den Shouts nichts anfangen kann, kann zu Track 10 skippen und sich den reinen Instrumentalität hingeben. Einzig das Drumset klingt nach einem Computer, das ist bei dem Preis aber sicher zu Verschmerzen. 

 Anspieltipps: Farewell, Blind, Evil Is Coming

Azgard - At The Break Of The Day
(Quelle: Bandcamp.com)

Es ist eh alles recht brutal und laut hier.

Samstag, 13. März 2021

Bound In Fear - Eternal EP (Unique Leader Records/Hold Tight PR)

"How Low Can You Go?" fragte sich einst Ludacris. Bei der EP Eternal der Band Bound In Fear geht es aber weniger um eine Körperhaltung denn um extrem tief gestimmte Gitarren. Die Vielsaiter sind gar so tief gestimmt, dass der Bass sich förmlich den Platz im Gesamtkonstrukt erkämpfen muss. Wenn man es sich dann auch noch vorstellt, wieviele Saiten das sind, dann zieht der Bass ganz klar den Kürzeren. Dazu gesellen sich noch synthetische Klänge und schon ergeben sich riesige, unbezwingbare Soundwände.

Wie der Name der Band verrät, geht es um Ängste und was sie mit einem machen. Die Band will einem aber auch mitteilen, dass man damit nicht alleine ist. Jeder trägt sein Päckchen mit sich und es ist vollkommen in Ordnung, wütend, sauer oder traurig zu sein. Und jeder hat auch seine Eigenart, damit umzugehen. Tracks wie My Mind, My Prison stehen genau dafür. Man nimmt textlich aber auch kein Blatt vor den Mund. Es geht teilweise echt blutig zu, man wird an den Boden getackert, es gibt Blut, enge Räume ohne Türen und Fenster und Menschen, die einen nicht nur physisch quälen. 

Nach fünf Titeln ist der Spuk vorüber und man lässt sich dazu hinreißen, sich noch eine Runde zu geben, auch wenn der Gesang stellenweise unverständlich ist oder einfach nur ins schweinische Grunzen verfällt. Aber man wollte alles austesten, was im Deathcore und Metal geht und das hat man erreicht. Wie eingangs beschrieben, gibt es hier große Soundwände und eine erdrückende Stimmung, da muss man dem Produzenten und Mixer mal auf die Schulter klopfen... oder gleich abschlagen? 

Release: 12.03.2021
Label: Unique Leader Records

Anspieltipps: My Mind, My Prison; Left To Drown

5/6 Punkten (Wie dick können Gitarrensaiten eigentlich werden?)

Bound In Fear - Eternal EP
(Quelle: Presskit von Hold Tight PR)

Montag, 13. Juli 2020

Youtubisch Vol. 37

Das Techno gut mit Metal harmonieren kann, bewiesen einst schon We Butter The Bread With Butter mit "Ich mach was mit Medien", das Video hatten wir hier mal. Man gehe einfach zu Min. 1:49 und genieße den Atzenbeat. Und dann kommen die Dudes von Eskimo Callboy um die Ecke und setzen dem ganzen mit Hypa Hypa noch die Krone auf. 

Nicht nur das der Anfang einfach nur richtig einfach gestrickter Techno ist (hoffentlich bekomme ich hier dafür nicht den Kopf abgerissen), nein, die haben sich allen ernstes Schnauzer stehen lassen. Die Frisen sind natürlich Perücken, die Klamotten sind auch derbe daneben und zusammen mit den Neons und dem Ferrari fangen vor lauter Zucker die Augen an zu schmerzen. Nach 20 Sekunden gibt es dann aber ordentlich aufs Fressbrett geknüppelt. Da muss man dann schon den Schnauzer und die Perücke festhalten, wenn man den Kopf ordentlich zu dem Metalgekloppe bewegen will. Die ganzen Technoatzen werden dann entweder das Weite suchen oder vielleicht mitmachen, um dann mitten im Lied fast wie Scooter du "döpen". 

Mal im Ernst: die Jungs werden sich was dabei gedacht haben. Sie haben eine Hymne geschaffen und bringen zwei Dinge zusammen, die scheinbar schwer miteinander zu verbinden sind. Der Coup ist gelungen, denn mehr als 2,9 Mio. Views auf Youtube und zig Reactionvideos sprechen für sich. Vielleicht auch, weil das Szenario und der wirklich wirklich absurde Mix der Musik zum Lachen animiert. Und spätestens im zweiten Refrain ist man gefangen. Dabei geht es im Text wohl um eine angebetete Dame auf dem Dancefloor, die dann eben tanzen soll. Das zeigt auch, wie creepy manche Kollegen des männlichen Geschlechts sein können. Die Bilder des Videos unterstreichen das mitunter sehr gut. Dabei ist dies nur der Vorbote zur EP "MMXX", die am 11.09.2020 auf Century Media Records erscheinen wird.


Eskimo Callboy - Hypa Hypa (Musikvideo)
(Quelle: youtube.com)


DAS ist ein Sommerhit, wie er jeden Tag im Radio laufen sollte und nicht das billige Popgedudel. So.

Update: Selbst die Frau des Hauses, die sonst keinen Metal mag, geht auf diesen Titel ab.

Sonntag, 12. Juli 2020

Sharptooth - Transitional Forms (Pure Noise Records/Kinda Agency)

Sharptooth's Langspiepler Transitional Forms begrüßt euch lautstark mit nichts, sprichwörtlich. Wer sich erinnert, diese Band hatten wir erst hier mit ihrem Opener Say Nothing. Dabei geht es auf dem Album ernster zu, als es das Musikvideo zuerst vermuten lässt. Der Titel zeigt aber ganz klar, wie tief einige "Fans" in die Materie eindringen und sich mit den Texten oder gar der Band beschäftigen. 

Denn danach kommt einer Kinderstimme, die Singt, dass keiner es mag und jeder es hast. Schon mies, aber so geht es Menschen, die nicht in der Gesellschaft angekommen sind, nicht weil sie vielleicht wirres Zeug von sich geben, sondern, weil sie vielleicht nicht den Normen entsprechen oder ihren eigenen Weg gehen, der in der heutigen breiten Masse nicht akzeptiert wird. Auch hier wird man von wütenden Gitarren nebst Bass und Schlagzeug begrüßt. Die Sängerin kreischt ins Mikro was das Zeug hält. Der Rhythmus geht hier etwas gen Nu-Metal, das ist in der Szene um den Metal-/Deathcore aber schon lange en vogue. Auf der Platte werden sowohl Lyrisch als auch Musikalisch nicht nur Wände, sondern ganze Häuser niedergerissen und das nahezu ohne unterlass. Man trippt auch öfters auf den Stereokanälen hin und her, was für einen zusätzlichen Drehwurm sorgt oder für Verwirrung, wenn man nur einen Ohrstöpsel drinnen hat. 

Nach zehn Titeln und etwas mehr als 30 Minuten ist man durch die Platte durch und hat einige Standpunkte mitbekommen, sei es um das Verhalten gegenüber Feministinnen, gegenüber Menschen, die traumatische Ereignisse durchlebt haben und verarbeiten müssen oder auch das fehlen jeglicher Empathie gegenüber anderen Mitmenschen. Dennoch kommt man nicht aus dem Headbangen heraus, die scharfen Zähne reißen mit ihrer Platte eine fette Schneise in die Walachei. 

Release: 10.07.2020
Label: Pure Noise Records

Anspieltipps (was bei der Platte echt nicht leicht fällt): Say Nothing (In The Abscence Of Content), Hirudinea, M.P.D.B (Manic Pixie Dream Bitch)

6/6 Punkten (Man könnte ein Festival mit lauter Bands veranstalten, wo nur Frauen shouten.)

Sharptooth - Transitional Froms
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Donnerstag, 2. Juli 2020

Youtubisch Vol. 36

Heute reißen zwei Frauen mit ihren Bands akustisch eure Wände ein. 

Wir beginnen mit der Band No Rest For Jane aus Berlin. Die gibt es noch nicht so lange, machen aber auf ihrer ersten Single Death Angel so viel Lärm, wie die großen Bands des Metalcore-/Deathcore-Business. Die Stimme der Dame hält ordentlich gegen die 8-/7-Saiter, den Bass und das Drum Kit. Textlich geht es um einen Todesengel, laut Wiki hat dieser in den verschiedensten Religionen auch verschiedene Funktionen. Gleich am Anfang heißt es, dass "deine Zerstörung mein Schicksal ist" und dass man genauso kaputt sei, wie die anderen. Aktuell gibt es noch keine EP oder ein Album, man habe aber schon weiteres Material am Start. Das Video ist Corona geschuldet, man hat aber das Beste daraus gemacht. 

No Rest For Jane - Death Angel (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)


Die Band Sharptooth erklärt euch mal eben, dass man auch mit wortwörtlich Nichts einen Song schreiben kann. In Say Nothing (In The Absence Of Content) geht es darum, dass man eh alles wieder vergisst, dass man eh nur nach dem nächsten Beatdown heischt und darum, dass wenn man nichts kreiert hat, auch nichts zerstört werden kann. Auch das Video passt hier dazu, obwohl es eher mit den Bildern der Sternchen des Pop-Business spielt. Da gibt es eine Gaga ode auch Perry, man tanzt ein wenig, lächelt in die Kamera oder tut, wie die Gaga, eben cool a.f.. Wie bereits versprochen, reißt auch diese Band ordentlich die Wände ein und ballert los. Hier gibt es Metalcore und Hardcore vom Feinsten. Das Album dazu heißt Trasitional Forms und ist ab dem 10.07.2020 auf Pure Noise Records erhältlich.

Sharptooth - Say Nothing (in The Absence Of Content) (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)


Mal eben das Gehirn freipusten. 

Sonntag, 28. Juni 2020

Emmure - Hindsight (Sharp Tone Records/Kinda Agency)

Wer hat denn hier den mit Nu-Metal gefüllten Eimer umgeworfen? Wer die ersten paar Tackte von Emmures Album Hindsight hört, kommt um den Gedanken nicht herum. Und das zieht sich dann durch das gesamte Album. 

Wer Korn, Static X, Limp Bizkit, Slipknot und hed (p.e.) kennt, zumindest die Versionen um den Peak des Nu-Metal, der wird hier einige alte Bekannte wieder erkennen. Selbst gesangstechnisch ist man sich nicht zu Schade, wie die wirre 90er-Jare Version von Jonathan Davis klingen zu wollen. Man will förmlich polarisieren, nur um dann ein paar Titel später dann doch den Deathcore auszupacken, die Gitarren und der Bass sind eh schon nah am braunen Ton. Dennoch quetscht man hier und da ein Samples und Scratches rein, so dass es dann doch wieder Nu-Metal ist? Oder ist das Nu-Deathcore? Ist das dann überhaupt noch was eigenes? Diese Aussage ist schwer zu treffen, selbst wenn man sich in der Szenerie auskennt und bewegt hat/bewegt. Aber das kann man den Jungs nicht vorwerfen, denn die haben das gemacht, was ihnen gerade gefällt, die Darbietung ist um einiges brachialer, als es noch vor 25 oder 20 Jahren gewesen wäre. Im Mainstream sind Gitarren mit mehr als sechs Saiten noch nicht wirklich angekommen, was echt schade ist. 

Nun, nach etwas mehr als einer halben Stunde ist man durch die dreizehn Titel durch. Die Band schafft es hier zu polarisieren, wer mit harter Musik nichts anfangen kann, wird hier nichts finden, was ihm gefallen könnte. Alle anderen, die sich mit dem Deathcore kuscheln und sich im Metalcore wälzen, die können hier Gefallen finden, sowie die Leute, denen Nu-Metal gefällt und auf der Suche nach härterem Zeug sind. 

Release: digital: 26.06.2020; physisch: 24.07.2020

Anspieltipps: 203, Thunder Mouth, Gypsy Disco

5/6 Punkten (Ein bisschen viel Nu-Metal hier)

Emmure - Hindsight
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Donnerstag, 4. Juni 2020

Currents - The Way It Ends (Sharp Tone Records/Kinda Agency)

Das mit dem Metalcore ist immer so eine Sache. Das kann eintönig werden oder auch total käsig, wenn man es denn eins zu eins aus dem Englischen übersetzten möchte. Es gibt kaum Bands, die den goldenen Mittelweg kennen und auch sicher beschreiten. Currents aus Fairfield können sich zu den glücklichen zählen, die es schaffen, dass die harten Parts auf dem Album The Way It Ends nicht zu eintönig werden und der Gesang nicht so klingt, als ... naja, ihr wisst schon. 

Dabei fängt das Album relativ klassisch an, man könnte meinen, man hätte eine Platte von Architects gefunden oder Bootlegs eines früheren BTMH-Albums. Aber da hört es auch schon auf. Der Sänger/Shouter setzt ein und peitscht durch das Intro. Danach werden die 8-Saiter (?) ausgepackt der Moshpit bekommt was zum Durchdrehen. Dabei hat A Flag To Wave fast Black-Metal-Anleihen. Dabei geht es hier um etwas, für das man selber einsteht und dafür seine Flagge hoch hält. Hier kommt auch das erste Mal der Gesang durch. Der Trommler hat auf dem gesamten Langspieler ordentlich zu treten, das Tempo schlägt teilweise ein Maschinengewehr. Etwas Nu-Metal kann man auch finden, der Trend hat sich wohl durchgesetzt, auch das Gitarrensolo hat man wieder aus der Kiste gekramt und dezent an einige Stellen verteilt, sowie ein par Spielereien auf dem E-Piano.  Rein technisch kann man den Jungs nichts vorwerfen.

Das Gesamtkonzept ist wuchtig und abwechslungsreich geraten. Man kann das Album in den verschiedensten Stimmungen hören, egal ob traurig, wütend oder nachdenklich. Man kommt nicht in Versuchung zu zoomen oder zu skippen, was schon mal was heißen mag. Nur bei der Länge hätte man was machen können, keine 40 Minuten ist The Way It Ends Lang und umfasst, wenn man das Intro mitzählt, elf Titel. Die Qualität überzeugt dennoch. 

Release: 05.06.2020
Label: Sharp Tone Records


5,5/6 Punkten (Der Nacken darf hier ordentlich leiden)

Currents - The Way It Ends
Currents - The Way It Ends
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Montag, 25. Mai 2020

Crossfaith - Species EP (UNFD/Kinda Agency)

Crossfaith aus Japan hatten wir hier und hier schon mal. Wer die Band kennt, weiß das die Jungs nicht erst seit gestern ne ordentliche Schippe Metalcore, gepaart mit Samples aus dem Keyboard auf die Membrane hieven. Das kommt mal mehr, mal weniger gut an. Worüber man sich auf keinen Fall beschweren kann, ist der Output der Jungs, denn laut Wiki gibt es einige EPs und Alben.

Die neue EP heißt Species und liefert genau das, wofür die Band bekannt: Metalcore. Die Platte hat ordentlich Druck und die Band prescht los, als wenn es eine Kampfansage nötig hätte. Man kann sich aber auch auf seine Nu-Metal-Wurzeln besinnen und baut mit Hilfe von Jin Dogg einen Rapper aus Osaka ein. Die Band kritisiert andere Musiker, die sich verkauft haben um Erfolg zu haben, spricht sich gegen die Widersprüche in der japanischen Kultur aus und den Neid, der ihm entgegen gebracht wird. Und zu guter Letzt kommt ein Titel, der einen mit der Zeit nach dem Trennungsschmerz versöhnen soll. Bei fünf Titeln bleibt auch nicht allzu viel Platz für ausschweifende Geschichten, es sei denn man ist in einer Doom- oder Black-Metal-Band.

Auf der EP macht die Band alles richtig, man hat seine eigene Marke gesetzt und diese findet man in jedem der Titel wieder. Durch die Hörgewohnheiten in diesen Breitengraden ist Metalcore und Trancecore noch nicht so ausgelutscht und die Band wirkt nach wie vor frisch. Neue Tracks für ein Album seien bereits in der Mache, wenn man sich den Output der letzten Jahre anguckt, werwundert diese Aussage kaum.

Release: 22.05.2020
Label: UNFD

Anspieltipps: None Of Your Business (feat. Jin Dogg),  Digital Parasite, Truth Of Insanity

6/6 Punkten (Eine ruhige Kugel kann woanders geschoben werden.)

Crossfaith - Species EP
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Mittwoch, 20. Mai 2020

Circle Of Execution - The Trail (Bleeding Nose Records)

Viele werden die Schweiz mit Käse und Kräuterbonbons in Verbindung bringen, vielleicht auch mit Bergen und den Sprachen, die man dort spricht. Musikalisch fällt einem der DJ Bobo ein, einige könnten Ekat Borg (die hatten wir hier mal) kennen. Das es in der Schweiz auch etwas derber zugehen kann, das zeigt die Band Circle Of Exexution aus Monthey. Die Jungs haben sich bereits 2006 gefunden und spielen Metalcore.

Das aktuelle Album The Trail begrüßt einen mit einem Elektro-Piano. The Only Solution klingt einfach so, als hätte jemand aus Versehen die Studiotür offen gelassen und ein Cyber-Goth, der rein zufällig gut am Piano ist, konnte sich reinschleichen und ein paar Spuren aufnehmen. Darunter ein stampfender Beat und schon fragt man sich, ob man sich im CD-Regal vergriffen hat. Nach ein paar Sekunden wird dann doch zu den Saiteninstrumenten gegriffen und es wird losgeballert. Diese Einspieler aus der Gruftisezene lockern die Titel des  Langspielers auf. Ähnliches haben bereits andere Bands versucht, manche sind dann komplett in den Pop abgewandert. Ob COE nun ähnliches widerfahren wird, bleibt abzuwarten. Und das Metalcore nicht gleich Metalcore ist, beweisen Bands wie Enter Shikari und Crossfaith, denn die bauen viele Elemente aus Dance, Trance, Techno und Drum'n'Bass ein. 

Was man bei dem ganzen Geballer leider merkt, dass das Drumset leider vom Rechner zu kommen scheint, auf der Personalliste steht auch nirgendwo ein Trommler. Es ist zwar nicht ganz so wild, dennoch merkt man die Mechanik an einigen Stellen. Falls hier jedoch ein richtiger Drummer am Start war (leider fehlen hier die information dazu), dann hat der Junge (oder die Frau) es echt drauf. Im Musikvideo zu The Mirror's Eyes ist jedoch ein Trommler zu sehen. Wie üblich für das gewählte Genre, gibt es viel Geschrei und Gekeife, man kann aber auch kraftvoll singen. Das ist zum Glück nicht so cheesy wie bei einigen anderen Vertretern. 

Das abgelieferte Werk ist knapp 44 Minuten lang und rund. Nach einigen Durchläufen macht die Platte massiv Spaß, man kennt sich an einigen Stellen aus und freut sich förmlich auf die nächste Attacke der Double-Bass in Verbindung mit Gitarre und Bass. Live ist die Band sicher einen Besuch wert, das mit der Sprache könnte vielleicht ein Problem werden. 

Release: 22.05.2020
Label: Bleeding Nose Records 

Anspieltipps: Ironic Naivety, The Mirror's Eyes, The Only Solution

5/6 Punkten (Die Schweizer sind gar nicht so langsam, wie alle sagen)

Circle Of Execution - The Trail
(Quelle: Presskit von Bleeding Nose Records)

Montag, 23. März 2020

Heaven Shall Burn - Of Truth And Sacrifice (Century Media/Check Your Head)

Der normale Turnus einer Band ist, so will es das "Gesetz", dass sie alle zwei Jahre ein Album auf den Markt bringen und dazwischen ausgiebig touren. Die meisten Bands bekommen das auch hin, andere Leben sogar recht gut davon und haben ihre alten Jobs an den Haken gehängt. Die Männer von Heaven Shall Burn bekommen das auch hin, gehen aber noch ihren normalen Jobs nach. So ist der Markus (v) immer noch Krankenpfleger, Maik (g) ist Student und Christian (d) ist im Bereich der Pädagogik unterwegs. Dabei geht es ihnen weit weniger um das Geld, was man in den normalen Jobs bekommt, sondern viel mehr um die Erdung, um die Realität, die dann wiederum zur Inspiration dienen kann.

Dabei erwartet einem bei Of Truth And Sacrifice aber nicht einfach nur ein Album auf dem man mit Mühe und Not zwölf Titel aufgenommen hat. Das Ding ist ein Spielfilm, also 90 Minuten (eigentlich sind es 97 Minuten) lang und auf zwei CDs verteilt. Die Qualität, die man bekommt, ist so, wie es der Produzent im Film Mein Grünes Herz In Dunklen Zeiten sagte: Wenn man es nicht professionell macht, dann ist jeder Titel, jedes Album, so wie man es will und hat viele Ambitionen. Und das bekommt man auf ganzer Länge auch hin: Qualität. Dabei gibt es hier nicht nur pures Core-Gedresche, man traut sich auch Streicher sowie Industrial-Elemente einfließen zu lassen. Manche Titel wirken dann vielleicht etwas komisch, wenn man einfach wild im Album herumskipt. Gibt man sich jedoch dem vollständigen Werk am Stück hin, merkt man, dass alles seinen Platz hat und da auch richtig gesetzt wurde. Aber die Parade bleibt halt immer noch der Core, das druckvolle Ballern auf Gitarren, Bass und Drums, dazu das Gekeife und Growlen. Für das Headbangen bleibt also genug Platz. Dabei hat man sich wohl bewusst gegen den EP- und Spotify-Wahn entschieden. Man wollte nicht auf Gedeih und Verderb in den aktuellsten Streamingplaylisten oben sein, was man den Mannen auch abkauft, wenn man sich näher mit ihnen beschäftigt hat. Wer Fan von Tag eins an ist, wird das Album sicher haben, wer Metal sucht, dem Core nicht abgeneigt ist und für Experimente offen ist, darf hier gern zugreifen. Wer mit dieser Musik nie etwas anfangen konnte, wird auch hier keinen Zugang finden, auch wenn die Mitglieder in ihrer Doku mehr als sympathisch rüberkamen.

Thematisch bewegt man sich mitunter im hier und jetzt. Da geht es um die "alternativen Wahrheiten und Fakten" und um die dadurch die entstandenen Filterblasen. Man arbeitet natürlich auch die deutsche Vergangenheit ab und was passierte, als der zweite Weltkrieg vorüber war.

Release: 20.03.2020
Label: Century Media

Anspieltipps:
CD 1: Eradicate, Protector, What War Means
CD 2: The Sorrows Of Victory, Tirpitz, Truther

6/6 Punkten (Chapaux vor so viel Schneid ein Doppelalbum nebenher zu stemmen.)

Heaven Shall Burn - Of Truth And Sacrifice
(Quelle: Presskit von Check Your Head)

Sonntag, 9. Februar 2020

Suicide Silence - Become The Hunter (Nuclear Blast/All Noir)

Das die Band Suicide Silence ziemlich harte Zeiten hinter sich hat, dass muss man den Fans nicht erklären. Der Tod eines Bandmitgliedes bedeutet immer Veränderung, manche Formationen zerbrechen daran, andere stehen wie ein Phönix aus der Asche wieder auf.

Suicide Silence gehören definitiv zu den Phönixen. Auch wenn das alles schon eine Weile her ist, so schwingt dieses Ereignis noch mit. Auf ihrem neuen Langspieler Become The Hunter geht es immer noch ruppig zu, man hat einen Ruf als Deathcore-Pionier zu verlieren. Und Deatchore gibt es zweifellos auf der Platte, die Geister des früheren Metal haben hier anscheinend bei der Produktion an die Tür geklopft und sind mit auf dem Album gelandet. Dabei werden nicht nur Gitarrensoli aus den 80ern und 90ern aufgegriffen (wie in Feel Alive), man nimmt auch cleane Gitarrenparts aus den späten 90ern und frühen 2000ern (wie in "Skin Tight") auf (ihr wisst, schon dieser Nu Metal) und lässt dabei den Bass ordentlich scheppern. Als hätte man Fieldy von Korn an's Lowend gelassen. Das beschreibt auch den Sound auf diesem Album recht gut, alles ist fett aufgestellt und es wummert an allen Ecken und Kanten. Zwischendrin gibt es das Gekeife, Gegrowle und ein paar Sprechparts von Hernan Hernida. Das ist auch gut so, denn Gesang wie bei manchen Kollegen des Metalcores, hätten dem Werk ihre Brutalität genommen und das Paket nur kitschig wirken lassen (sorry Metalcore-Dudes). Und dann haben die Jungs auch noch den Schneid Meltdown, das Intro des Albums, als Musikvideo zu verwenden. Der Anfang klingt zwar erst nach Seemannsmusik, doch dann wird gescheppert. Die anderen Singles, Love Me To Death und Feel Alive, sind zwar mitten aus dem Album gerissen, man wird sich aber sicher was dabei gedacht haben. Man erzählt mit den Videos ja eine Geschichte, dessen Bilder nicht gerade auf dem nächsten Kindergeburtstag gezeigt werden sollten.

Nach knapp 40 Minuten und elf Titeln ist die ganze Sache durch. Durch den markanten Einstig zu Beginn des Albums weiß man wo man gerade ist, denn "Become The Hunter" ist eine sehr kurzweilige geschichte. Man ist bei vielen Titeln dabei, den Kopf im Takt mitschwingen zu lassen. Wie bereits schon vorher erwähnt, ist die Produktion massiv gut, es gibt einfach keine Fehler.

Release: 14.02.2020
Label: Nuclear Blast

Anspieltipps: In Hiding, Death's Anxiety, Disaster Valley

6/6 Punkten (Eigentlich Schade, dass die meisten mit dem Core nichts anfangen können.)

Suicide Silence - Become The Hunter
(Quelle: Presskit von All Noir)

Mittwoch, 30. Oktober 2019

Norma Jean - All Hail (Solid State Records/Kinda Agency)

Norma Jean ist nicht nur der bürgerliche Name von Marilyn Monroe, sondern auch einer Band. Maßgeblich war ihr Song Memphis Will Be Laid To Waste, was Employed To Serve erst vor kurzem gecoverd haben. Die Band selbst gibt es seit 1997 und hat schon ein paar Mitgliederwechsel durch.

Für den aktuellen Langspieler ging es zu Will Puttney nach New Jersey All Hail aufzunehmen. Hierbei ist man immer wieder an die Songs herangegangen, hat sich durchgespielt, neue Demos aufgenommen, wieder durchgespielt und dann wieder neue Demos aufgenommen, bis man das gewünschte Ergebnis hatte. Dabei wurde Will eher wie ein weiteres Bandmitglied wahrgenommen. Dabei ist der Sound mehr als fett gelungen, man merkt förmlich die Handschrift des Producers (man gebe sich nur die letzte Platte von Knocked Loose) Der Klang kommt dennoch vielfältig her. Allein das Intro zu /with_errors klingt so, als würde man gleich einen Song von Nirvana anstimmen. In der Mitte des Tracks könnte man auch meinen Tool zu hören.

Man merkt der Band an, dass man nicht nur einfach brutal abgehen will. Man will beweisen, dass man Ambiente erzeugen kann, großflächige Klangteppiche über karge und brutale Landschaften ausbreiten kann und dabei dennoch einen gewissen Biss hat. Der neue Gitarrist, der seit gut eineinhalb Jahren mit dabei ist, meinte, dass er auch als Fan an die Aufnahmen gegangen ist. Er mag es, wenn man hört, dass die Saiten sich leicht verstimmen, wenn man sie zu hart anschlägt.

Thematisch wird einiges abgedeckt. Man lebt ein Leben, welches aus zwei komplett gegensätzlichen Welten besteht, wobei man sich in der scheinbar dunkleren Welt sicherer findet (Safety Last). Auch die Erkenntnis, dass ein Ort, an dem man einen Superhelden braucht, ein sehr dunkler sein muss, schlägt einem in die Magengube (Landslide Defeater) sowie die Geschichte um Anna. Sie war ein Fan, der zum Freund wurde. Sie verstarb genau an dem Tag, an dem man mit den Aufnahmen zum Album begonnen hatte.

Wer Fan des Metals oder härteren Gangarten ist, kann sich dieses Album getrost geben. Andere, die sich weniger an diese Thematik trauen, könnten potentiell über die Titel der zweiten hälfte zur Norma Jean und zur härteren Musik finden.

Release: 25.10.2019
Label: Solid State Records

Anspieltipps: Safety Last, [Mind Over Mind], Landslite Defeater, Careen

6/6 Punkten (Nach 2 Dekaden noch so viel druck. Respekt.)

Norma Jean - All Hail
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Donnerstag, 29. August 2019

Northlane - Alien (Uncle M)

Der Metalcore, so langsam verkommt er so ein wenig zum Nu Metal oder geht das nur mir so? Nehmen wir das aktuelle Album Alien von Northlane. Da werden viele Scream-Parts gegen Gesang ausgetauscht und der Elektronik macht man recht viel Platz. Sogar so viel, dass ein Track wie Rift plötzlich ins Konzept zu passen scheint.

Das man aber nicht jeder Häme entweichen kann, zeigt der kurze Clip des Youtubers Kmac2012 doch, wo sich die Band ihre Inspiration für den Track 4D geholt haben wird. Man muss zugeben, dass das wirklich sehr nah an der Matrix ist. Aber auch andere Bekannte, wie Rammstein oder Marilyn Manson scheinen einmal durch den Probenraum gelaufen zu sein, anders kann man sich Tracks wie Talking Heads oder Eclipse nicht erklären. Die ganzen elektrischen Spielereien gab es aber auch schon anno 2007, als Enter Shikari mit Take To The Skies ziemlich durch die Decke gingen und mit Sorry You're Not A Winner einen zeitlosen Klassiker geschaffen haben.

Die Produktion des Albums ist ausgezeichnet, das steht außer Frage. Dennoch wirkt es so, als würde man dem Metalcore entwachsen sein, also vielleicht doch eher Post-Metalcore spielen? Oder Nu-Metalcore? Bands wie Bring Me The Horizon haben sich ziemlich weit von dem entfernt, was sie zu Zeiten von Count Your Blessings oder Suicide Season gespielt haben. Den Architects geht es ähnlich. Wahrlich kann man nicht ewig den Tonus spielen, es gibt mittlerweile genug Beispiele (leider fallen mir hier keine ein), bei denen der Metalcore generell abgedroschen klingt. Als wolle man auf den Zug aufspringen, auch selbst wenn schon längst alle Wagons auf anderen Gleisen fahren oder gar komplett in andere Richtungen fahren. Mit dem Einschlag in andere Richtungen kann man aber auch neue Fans gewinnen, Menschen zum Metal bringen, die sich diesen "Lärm" früher vielleicht nie gegeben hätten. Mit dem Nu Metal war es einst ähnlich. Aber bevor wir hier zu weit ausholen, das Album ist gut, keine Frage. Die elektrisch eingestreuten Elemente taugen und schieben den Sound der Band in verschiedenste Richtungen. Mal wird ein himmlischer Klangteppich gelegt, ein anderes Mal wird gefährlich gesägt und der Sänger klingt wie ein Roboter im Angriffsmodus. Der Sänger hatte eine ziemlich üble Kindheit und ist froh darüber, dass er jetzt da ist, wo er nun mal ist. Mit knapp 45 Minuten ist das Album normal lang. man ist aber nicht unangenehm gehetzt, als würde man ein "normales" Metalcore-Album hören. Das kann man der Musikern hoch anrechnen. Ja, es gibt derbe Gitarren und Breakdowns. Ja, es gibt Shouts. Ja es gibt einen Bass. Dennoch fällt das Album nicht sonderlich auf, auch wenn sie sich viel Mühe gegeben haben und an keinem Ende irgendwelche Fehler zu finden sind. Das Album erschien bereits am 02.08.2019 auf UNFD.

Anspieltipps: Freefall, Jinn, Vultures

4/6 Punkten (Da sind ein paar Zacken zu wenig.)

Northlane - Alien
(Quelle: Presscit von Uncle M)

Mittwoch, 6. Februar 2019

Bandcamptage Vol. 160

Da klickt man sich nichts ahnend durch die Neuerscheinungen bei Bandcamp um was neues zu finden und landet, zumindest digital, in Wollongong. In der Sprache der Ureinwohner Australiens heißt das nichts anderes als "Mehresrauschen" oder auch "reicher Fischmahlzeit." Der Ort liegt auch direkt am Wasser. Aus dieser Stadt kommt die Band Proposal. Von sich selbst sagt die Band, dass sie fünf coole Jungs seien, die einfach coole Musik machen.

Und das haut auch direkt hin. Ihr bekommt mit Captivate, was im Englischen recht viele Bedeutungen hat, eine fast zwanzig minütige EP voller hochkarätigem, melodischem Post-Hardcore. Etwas Metalcore gibt hier und das als Würze zwischen den Zeilen. Die Produktion ist für ein kostenloses Werk (ihr könnt auch mehr als 0€ geben) mehr als amtlich, alles drückt. Ab und an gibt es ein paar Entspannungsmomente, wie am Ende von Believe. Wer also was ordentliches auf die Trommelfelle braucht und nichts im Portmonee übrig ist, darf hier gerne beherzt zugreifen.

Anspieltipp: Captivate Me, Believe

Proposal - Captivate
(Quelle: Bandcamp.com)

Samstag, 3. November 2018

2nd Hold Tight PR: Black Coast - Ill Minds Volume 1

Die Band Black Coast besteht aus fünf jungen Männern, die alle aus Stoke-on-Trent kommen. Der Ort hat eigentlich nichts mit der Küste zu tun, es fließt aber der Fluss Trent durch das Örtchen, welches früher wohl ein großer Keramikstandort gewesen sei.

Der Trend, den man dort vor mehr als einem Jahrzehnt so richtig losgetreten hat, wird hier munter aufgepickt, anständig ausproduziert und auf eine EP mit sechst Titeln verpackt. Wer das Brettern der Gitarren von Suicide Season schmerzlich vermisst, wird hier auf Ill Minds Volume 1 eigentlich alles finden, was man über lange Zeit vermisst hat. Dabei wird aber nicht immer nur dröge auf einer Saite umhergezuppft, man beherrsch viele Rhythmen und Spielarten und macht auch alle Saiten dreckig. Andere Vertreter des Genres Metalcore schaffen das nicht. Auch der Gesang wird hier unterschiedlich angesetzt, es gibt auch ruhigere Stücke, wo sich die Stimmbänder des Sängers mal eben etwas erholen können. Ein paar Sekunden später geht es eh wieder am Anschlag voran. Leider dauert der Ritt, ist ja auch nur eine EP, nur etwas mehr als 21 Minuten. Danach kann man sich entscheiden, ob man nochmal möchte oder etwas Ruhe braucht. Was man empfehlen kann, ist ein Player, der die Titel ineinander überlaufen lassen kann. Am 09.11. wird die kurze Core-Sause auf Primordial Records veröffentlicht. 

Anspieltipps: Break The Routine, Mark Of The Bastard

4,5/6 Punkten (Mögen die Stimmbänder dies lang mitmachen.)

Black Coast - Ill Minds Volume 1
(Quelle: Presskit von Hold Tight! PR)

Donnerstag, 18. Oktober 2018

17. Nachschlag: The Pariah - No Truth

Wie geht es dem Metalcore? Nun, er hat sich für zweierlei Wege entschieden: entweder für Pop (siehe BMTH, obwohl Mantra ja wohl wieder härter werden könnte) oder es ging gen Deathcore. Und dann gibt es Bands wie The Pariah aus Bottrop, obwohl diese sich eher Melodic Hardcore auf die Fahnen schreiben mag.

Man ist an einigen Stellen wahrlich schnell, dennoch gibt es ganz signifikante Stellen auf No Truth, wo man es nicht von der Hand weisen kann, dass man doch in irgendeiner Form wie die (ehemaligen) Größen des Metalcore klingt. Und neben dem ganzen Geschrabbel und den Stimmbändern am Anschlag gibt es auch Momente zum Durchatmen und Luftholen. Man kann ja schließlich nicht die ganze Zeit nur gedroschen werden. Die Gitarren sind, anders als es für das Genre üblich ist, nicht tiefer gestimmt, zumindest nicht sonderlich. Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas komisch, weil alles etwas zu hoch klingt. Das macht man dann durch die Wucht in der Kombination mit Bass und Schlagzeug mehr als wett. Mit No Truth will man Geschichten des Miteinanders erzählen, darum wie man sich zueinander Verhält und welche Lügen man anderen auftischt, egal ob nun im privaten, professionellen oder politischen Bereich. Der Erkenntnisgewinn ist etwas länger als eine Halbe Stunde und mag ernüchternd sein, dafür ist er recht druckvoll. Das Album erschien bereits am 28.09. auf Redfield Records.

Anspieltipps: Surged, Silent Birds, Regression

5,5/6 Punkten (Kann man mit einem Schweinenacken den eigenen ersetzen?)

The Pariah - No Truth
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Sonntag, 22. Oktober 2017

Teil 2 des Interviews mit Behead The Broken Queen vom 15.10.2017

Wenn ihr wissen wollt, wie Behead The Broken Queen zu ihrem Namen gekommen sind und wer sie inspiriert hat, solltet ihr hier klicken.

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2014 habe ich euch auch schon bei Sonnys Birthdaymosh gesehen und hab mich gewundert, warum ihr weder eine EP noch ein Album am Start hattet. Die beste Band des Abends und die hat ausgerechnet keine Scheibe am Merch-Stand. Wird es denn irgendwann eine EP oder ein Album geben?

Sebastian:
Tatsächlich sind wir im letzten Schritt, wir sind kurz davor.

Murat: Es wird nur noch gemastert, wir geben gerade etwas Feedback und dann wir fertig.

Und wie sieht das Feedback aus?

Sebastian:
Aktuell sind es eigentlich nur noch die Lautstärken und dann ist es fix. Da sind drei, vier Parts, wo noch mal was an der Lautstärke geregelt werden muss.

Nils: Letztendlich müssen wir gestehen, dass das ein Projekt von zwei Jahren Dauer war. Seit ich in der Band bin, haben wir angefangen aufzunehmen, eigentlich vor den ersten großen Shows mit mir. Die EP ist eine Art Patchworkprojekt, wir haben alles zuhause aufgenommen und haben es zum Soundtypen geschickt. Ich will die EP nicht schlecht machen, ich glaube die EP wird auch ganz geil sein, es sind ja die Songs die man live von uns kennt, wir haben aber auch die Schnauze ein wenig voll davon und sind mit dem Abschluss der EP auch bereit etwas Neues zu schreiben. Vielleicht geht es dann auch in eine andere Richtung, das wird sich zeigen. Wir werden versuchen, die nächsten Wochen kreativ zu werden und wer weiß, vielleicht ändert sich dann auch unser Stil.

Hipster-Black-Metal.

Simon:
Hipster-Black-Metal zum Beispiel...

Murat: … Psychedelic Pop-Punk mit Technical Deahtmetal-Einflüssen...

Simon: Spaß beiseite: wir werden BBQ treu bleiben, aber wer weiß wie sich das entwickelt. Erstmal wird in den nächsten Wochen die EP veröffentlicht, danach wird es auch live etwas stiller um uns, denn wir werden uns dann zum Aufnehmen zurückziehen und dann werden wir ein neues Werk schustern.

Viele Saiten, viele Felle, viel Geschrei: Behead The Broken Queen aus Berlin
(Quelle: Promoordner der Band auf Facebook)

Woher kommt dieser komische Trend mit den vielen Saiten?

Alle:
Meshuggah.

Sebastian: Murat hat die vielen Saiten ins Spiel gebracht, sogar vor mir.

Murat: Tatsächlich. Wir wollten eigentlich nicht auf mehrere Saiten gehen, irgendwann ist mein Vater auf ebay, zwecks meines Geburtstagsgeschenkes, auf die Steve Vai Signature gestoßen, die sieben Saiten hat. Er hat mich gefragt, ob ich damit zurechtkäme und hat sie mir dann geholt. Dann habe ich ein wenig probiert, Martin ist dann mit eingestiegen, Basti ist auch aufgesprungen und irgendwann wollten wir uns dann steigern.

Sebastian: Mehr Saiten, mehr Möglichkeiten, mehr Range.

Murat: Dickere, tiefere Saiten, mehr Wumms. Mehr Meshuggah, mehr Djent.

Wie sieht die Szene in Berlin aus? Gibt es da eine Metalcore- und Deathcore-Szene?

Sebastian:
Es gab sie mal, leider. Es ist alles sehr stark abgeebbt. Es ist verdammt schwer geworden, Shows auf die Beine zu stellen und es ist tatsächlich so, dass wir lieber auswärts spielen als in Berlin. Berlin ist Hometown, es macht immer Spaß, aber ist verdammt schwer geworden, Leute ran zu bekommen. Der Hype geht in in Berlin viel mehr in die Clubszene.

Aber wo sind die Leute alle hin? Die sagen sich doch nicht von heute auf morgen: „Ich mag keinen Core mehr. Ist mir zu hart.“

Sebastian: Sie feiern viel lieber auf Electro.

Murat: Das kann ich bestätigen. Die meisten meiner Freunde, die aus der Szene kannte, sind tatsächlich alle in die Richtung Electro gegangen.

Das heißt: die haben alle Tunnel, sind zugehackt und hotten dann zu Beats über die Tanzfläche.

Sebastian: Gehe in einen Berliner Electro-Club und du siehst überall Tunnel-Tätowierte.

Nils: Was dazu beiträgt, speziell auch bei unseren Konzerten, wir haben schon ein paar Mal in Berlin gespielt, haben halt die gleiche Set-List. Lokal sind es dann eher die größeren Bands, die dann mal Leute ziehen, aber seit 2010 hat das ganze immer mehr abgenommen. Lokal wird nicht mehr so viel gefeiert, so wie hier heute. Heute war das eine kleine, lauschige Kulisse und angenehme Stimmung. Vielleicht könnte sich da was tun. Ich denke, dass sich was ändern könnte, ins Positive, wenn wir neues Zeug schreiben und dementsprechend auch mehr Leute ziehen, auch von außerhalb. Die Leute die uns kennen und auch feiern, die kann ich verstehen, wenn die uns schon öfters gesehen haben und wir immer noch die gleiche Set-List spielen, dass die sich dann irgendwann abkehren. Ist bei mir nicht anders, wenn ich eine Band habe, die ich total liebe und die zum fünften Mal in der Stadt sind, dann sage ich mir: „Ich habe die schon vier Mal gesehen und die spielen seit zwei Jahren die gleiche Set-List, muss ich nicht unbedingt hingehen.“

Man muss ja auch neues Zeug schreiben.

Nisl: Was dazukommt: wir haben ewig nichts ins Netz gestellt, keine neuen Aufnahmen, nichts. Wir haben ein Musikvideo gedreht und hochgeladen, aber das war es dann auch schon. Die EP lässt seit hundert Jahren auf sich warten. Wenn wir mehr im Netz hätten, denn alles geht heute übers Internet, gucken die Leute vorher bei Youtube nach, wenn jemand in der Stadt spielt und entscheide danach. Wenn wir eine ganze EP im Netz hätten, liefe das vielleicht anders.


Wenn man nur einen Song im Netz hat, dann hält man sich daran fest. Der Künstler sagt sich: „Das ist unser bestes Stück, wir werfen es jetzt in den Ring.“

Sebastian:
Ob es das beste Stück ist, das ist eine andere Sache.

Nils: Phrenesis wird von einigen Leuten sehr gefeiert, andere finden ihn zu eintönig. Der Song ist ein wenig eingängig. Der Song gibt dir voll auf die Fresse, wo halt wenig Eingängigkeit zu finden ist. Ich selbst feiere den Song aber sehr. Man sieht bei Youtube an der Likeliste, ob es den Leuten gefällt. Vielleicht ist es einigen wirklich zu stupide auf die Zwölf, wir machen aber die Musik, weil sie uns gefällt. Wenn es anderen Leuten gefällt, ist das geil, wenn nicht, dann ist mir das relativ egal. 

Freitag, 20. Oktober 2017

Teil 1 des Interviews mit Behead The Broken Queen vom 15.10.2017

Am 15.10.2017 gab es ein kleines Stelldichein der härteren Gangart im Muggefug. Das Lineup war richtig fett, eigentlich sollten Falcie (die vorher Nu-Nation hießen) auch kommen, nur ist denen leider der Tourbus in Bayern kaputtgegangen. So musste dann der gute Sebastian mit seiner Band "Dispray" aushelfen. Auch die Jungs habe ich interviewt. Es wäre sicher interessant gewesen, was passiert ist, zwischen dem letzten Interview mit Nu-Nation und diesem Sonntag. Nun denn, genug des Schwafelns, hier kommt der erste Teil des Interview mit Behead The Broken Queen (oder auch BBQ) aus Berlin.

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Machen wir erst mal eine Vorstellungsrunde. Du bist wer?

Murat: Ich bin Murat, bin 27 Jahre alt, komme aus Berlin, meine Wurzeln sind in Berlin.

Und was spielst du so?

Murat:
Ich spiele Gitarre, manchmal Siebensaiter, manchmal auch Achtsaiter.

Nils: Ich bin Nils, bin 26 Jahre alt, komme aus Bielefeld, bin aber in Lübeck geboren und bin seit drei Jahren in Berlin. Ich bin Fabis Ersatz und bin der Shouter der Band.

Simon: Der ist nicht Fabis Ersatz, er ist immer dabei. - Ich bin der Simon, bin 27 Jahre alt, ursprünglich aus Aserbaidschan, aus Baku, seit ca. 14 Jahren bin ich in Berlin und ich bin der Schlagzeuger.

Sebastian: Ich bin der Sebastian, auch 25 Jahre alt und ich mach den Bass. Jetzt fehlt eigentlich noch der Martin, der ist 1000 und der macht die andere Gitarre. Manchmal Siebensaiter, manchmal Acht.

Fünf Berliner machen BBQ. v.l.: Simon (d), Sebastian (b), Nils (v), Martin (g) und Murat (g)
(Quelle: Promo-Ordner der Band auf Facebook)

Woher kommt der Name BBQ (Behead The Broken Queen)? Wer hat den erfunden?

Sebastian: Eigentlich wir alle irgendwie, wir wollten ursprünglich einen doppeldeutigen Namen.

Aber heißt das dieses Broken nun Pleite oder Kaputt?

Murat: Eher Kaputt, aber wir sind auch manchmal pleite, also passt das ganz gut.

Simon: Die Idee kam damals noch von Fabi. Und wir dachten uns: Super. Denn keiner spricht die Namen immer ganz aus und deswegen fanden wir den Namen von Beginn an ziemlich cool.

Murat: Außerdem mag jeder BBQ und deswegen mag uns jeder.

Simon: Wir haben so viel Merch, wenn du in den Supermarkt gehst, siehst du überall BBQ.

Murat: Selbst vegan, weil es ja auch veganes BBQ gibt.

Ihr könnt so alle Gruppen abdecken. Vegan, die Vegetarier, die Fleischesser...

Murat: ...Pescetarier, Allestarier

Also gibt es keinen tieferen Hintergrund hinter dem Broken.

Murat:
Eigentlich wollten wir uns am Anfang „Nutella“ nennen, wir haben eben versucht mit vielen Wortspielen was einzuarbeiten.

Ach, wegen Nu-Metal?

Nisl: Gott sei dank habt ihr euch nicht Nutella genannt, sonst hätte ich mich nämlich nicht beworben.

(Alle lachen.)

Was sind eure Spiritanimals? Wer hat euch inspiriert?

Murat: ScottPilgrim.

Simon: Ursprünglich war die Idee All Shall Perish und Whitechapels Sound einzufangen.

Sebastian: Wir sind über die Jahre durch jedes neue Core-Genre gegangen. Metalcore, Deathcore, ein bisschen Hardcore-Einfluss, jetzt ist es teilweise Progressive, Deathcore-Gedöns... einfach alles.

Murat: Bei den Genres, die wir in unsere Musik einfügen, können wir uns nicht in irgendeine Schublade packen. Wir machen irgendwie experimentellen Scheiß und wenn man die Songs alle hört, kann man sie nicht alle in das gleiche Genre packen.

Simon: Zum Anfang war es Metalcore auf Sweep und irgendwann ist härtere Musik entstanden.

Sebastian: Durch Nils ist das ganze nochmal richtig brutal geworden.

Murat: Das Genre ist das, worauf wir Bock haben.

Das heißt, dass ihr irgendwann einen auf Money Boy oder S.S.I.O. macht?

Murat: Das kann passieren.


Nun sehe ich euch ja nicht zum ersten mal live...

Sebastian:
… übrigens, auch an euch alle: wir haben in keinem Club häufiger gespielt als im Muggefug. Das ist heute Premiere gewesen. Wir sind jetzt das sechste Mal hier. Ihr vergesst, dass wir mir Feeding TheTitans auch schon hier gespielt haben. Wir haben schon viel zu oft hier gespielt. Wir haben sogar schon vor Feeding The Titans hier gespielt, zu Sonnys B-Day.