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Mittwoch, 30. Juni 2021

AOP - Von Wegen Punkrock (I Like My Records / Superlifepromo)

Wer oder was ist Punk? Was darf Punk? Wer Punk googelt, bekommt zuerst die Jugendkultur präsentiert. Dazu kommt natürlich auch die Musik. Den Männern von AOP wirft man nämlich vor, so besagt es zumindest der Track Zum Punk hats nicht gereicht, dass sie für den Punk zu weich seien, für's Radio aber zu hart. Das klingt natürlich verdächtig nach elitärem Denken, was man eigentlich eher vom Black Metal kennt. 

Wie man aber darauf kommt, dass das alles kein Punk sein soll, versteht man aber beim besten Willen nicht. Der Gesang ist nicht ganz gerade, das Schlagzeug hat ordentlich bums und wird sehr schnell bedient, der Gitarrist kann mehr als nur drei Akkorde und der Bass bekommt ordentlich "trockenen" Platz im Klanggefüge. Die Texte sind für Punkrock auch nicht unüblich. Also woher der Gram? Man kann ihnen, den Männern aus Neckarsulm, nicht vorwerfen, dass sie so langweilig klingen wie Die Kombinaten, die wir hier mal hatten. So fett wie die Toten Hosen klingen sie aber auch nicht. Man könnte sie eher mit Feine Sahne Fisch Filet und Blink 182 vergleichen. Man höre nur den Track Prophet. Und wer sich den Spiegel gibt, der wird beim Intro an System of a Downs Lonely Day denken. 

Vielleicht ist das auch die Idee der Band, sich einfach an ihren Idolen zu orientieren. Dazu gibt es noch eine kleine Prise der eigenen Würzmischung und schon steht das Konzept. Was aber auffällt: die Platte wird nach hinten hin immer mehr zum Punk, den man ihnen vorwirft, nicht inne zu haben. Man hat ja auch ordentlich viele Tracks auf das Album gepackt, die auch politisch sind. 

Was macht man also mit dieser Band? Verschmähen, weil sie ihr Ding durchziehen? Ächten, weil sie mehr als drei Akkorde auf die Saiten bringen? Beim besten Willen nicht. Das Album ist Musik, die mehr Nachhaltigkeit hat, als das, was aktuell mitunter in den Top 40 der Radiocharts läuft. Klar ist aber auch, dass man eben nur eine kleine, begrenzte Menge an Menschen erreicht. Das ist Schade, da es mehr solche Bands und Alben braucht, als den leichten Kaugummi-Pop. 

Release: 18.06.
Label: I Like My Records

Anspieltipps: Wunderschön, Wenn ich dich seh, Unsere Lieder 

5/6 Punkten (Die Platte hätte man auch ohne weiteres so vor 20 Jahren auf den Mark bringen können.) 

AOP - Von Wegen Punkrock
(Quelle: AOP.Band)

Dienstag, 11. Mai 2021

Cold Moon - What's The Rush? (Pure Noise Records/Kinda Agency)

Es gibt Musik, die klingt wie dieses "Ankommen". Man bekommt ein wohliges Gefühl und muss unweigerlich sinnieren und lächeln. Genau dieses Phänomen ereilt einen beim Durchhören von What's The Rush? von Cold Moon aus Kalifornien. 

Am Anfang könnte man noch meinen, man hätte eine Platte von Kings Of Convenience in den Ohren, auch wenn die Stimmen etwas härter sind und nicht gehaucht werden, wie bei den Norwegern. Das könnte daran liegen, dass dieses Quartet aus zwei Bands besteht, deren Sound eigentlich meilenweit entfernt von den entspannten Klängen ist, die sich hier ruhig auf die Trommelfelle legen. Anscheinend ist das aber normal in Musikerkreisen, dass man neben einer lauten Band immer noch ein ruhigeres Projekt am Laufen hat. Warum auch nicht? Das hat bei Dallas Green bestens funktioniert. Oder ist das schon ein gelebtes Meme? 

Wie dem auch sei, man bekommt entspannte Gitarrenklänge zu hören, das Motto der Platte zieht sich überall durch. Wozu die Aufregung? Man hat für das Album ca. 14 Monate gebraucht. Dazu noch die Leichtigkeit aus Kalifornien, zumindest aus dem Norden, und schon hat man ein Album, welches gezielt einen Anker wirft und Einnorden einlädt. Man hat doch eigentlich alles, was man braucht: Familie, ein Dach über dem Kopf, Essen. Mit Länge hat man es aber leider nicht so, es gibt nur neun Songs, die sich auf 36 Minuten erstrecken. Wenn man es nur nebenbei hat laufen lassen, ist das vielleicht noch zu verschmerzen. Man merkt jedoch, dass es genau die Musik ist, die die Band aufnehmen wollte. Hier hat kein Manager reingegrätscht und bestimmt, in welche Richtung das gehen soll. 

Release: 07.05.2021
Label: Pure Noise Records

Anspieltipps: Access Control, Frontage, Lost

5/6 Punkten (Das perfekte Album, um sich alte Fotos anzusehen.)

Cold Moon - What's The Rush?
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Donnerstag, 15. April 2021

Van Holzen - Gras (Single) (OMN Label Services / Odyssey Music)

Bei der aktuellen Wetterlage vor den Haustüren, wünscht sich gerade sicher jeder von euch ein Stück Sommer. Viele ignorieren dabei irgendwann den Punkt, wenn man den Sommer über hat. Ständig Temperaturen jenseits der 25°C und man wird träge und lethargisch. 

Lethargie, das trifft auf die Single "Gras" von Van Holzen zu. Die Stimme ist leicht verzerrt und wirkt so, als hätte man weniger Energie als sonst. Die Finger wandern den Gitarrenhals hinab, der Bass wirkt dagegen fasst lebendig. Das Gitarrensolo im C-Part wirkt wie die flirrende Hitze, die vom Boden aufsteigt und einen förmlich kocht. 

Textlich geht es um Social Media. Jeder vergleicht sich mit denen, die auf Insta, Facebook und Co ganz oben mitmischen. Dabei vergisst man sich selbst und verliert den Blick auf das Wesentliche, worum es wirklich geht. Denn viel zu oft wird entweder banales Zeug hochstilisiert (und man versucht noch nebenbei was zu verkaufen mit dem Code "HDL25" oder so) oder ein tolles Erlebnis, bei welchem man dabei ist, wird nur durch die immer größer werdenden Smartphonebildschirme erlebt. Und wenn man nicht dabei ist, bei den großen Social Media Netzwerken, ist man einfach langweilig und man hat nichts erlebt. 

Erscheinen wird die Single am 16.04.2021, einen kleinen Teaser gibt hier

Van Holzen - Gras (Single)
(Quelle: Presskit von Odyssey Music)

Mögen das Rennen der Schweißperlen starten.

Update:
Hier gibt es dazugehörige Video auf Youtube.

Dienstag, 6. April 2021

Youtubisch Vol. 40

Als das hier mit dem Blog anfing, hatte ich eine kleine Anekdote zur Band Red Fang zu erzählen. Nun hat mir Youtube erneut ein Video vorgeschlagen, was wieder funktionierte. Der Track Arrows enthält all das, was Red Fang ausmacht. Es ist alles leicht verzerrt, man bringt ordentlich Bums mit und man hat sein typisches Knarren und Knarzen am Start. 

Das die Männer Humor haben, bewiesen sie bereits in vielen ihrer Musikvideos. Bereits im Intro des Videos fragt einer, ob man das nicht schonmal gemacht hätte. Wer ein paar Videos kennt und nicht ein kaputtes Gedächtnis durch die Nutzung des Smartphones hat, der wird sich vielleicht an Wires erinnern. Der Rahmen der Zerstörung hält sich nun aber in Grenzen. Es ist lustig anzusehen, wie jeder das Schwert haben will und zu den unnötigsten Ereignissen mit hat und benutzt. Wie kleine Kinder, die ein Spiel- oder Werkzeug bekommen und es zu jeder Gelegenheit nutzen wollen, ob es nun Sinnvoll ist oder nicht. Die Technik zur Aufnahme der Bilder ist besser geworden, als sie es noch bei "Wires" war. 

Red Fang - Arrows (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Jungs bleiben Jungs, sie werden nur älter und die Spielzeuge teurer.

Dienstag, 30. März 2021

New Pagans - The Seed, The Vessel, The Roots And All (Big Scary Monsters/Fleet Union)

Frauen und Männer werden in der Gesellschaft seltener gleich behandelt, als es manch einer wahr haben mag. Die Sängerin Lindsey McDougall singt ihrer Band New Pagans genau dagegen an. Nicht nur das sie Schwanger auf der Bühne stand, nein, sie schaffte es mit ihrer Band 2020 ein EP zu veröffentlichen und ein Album aufzunehmen. 

Auf The Seed, The Vessel, The Roots And All geht es um nichts geringeres als Frauenrechte, Inklusion und Gespräche, denen man in den belfaster Öffis heimlich lauschen kann. Nun würde man in der Schule sicher gefragt werden, welches der drei Themen nicht dazu gehört, der Band ist das egal. Musikalisch bewegen wir hier und irgendwo zwischen Grunge, Alternative Rock und stechen hier und da in den Shoegaze ab. Man nimmt sich sogar einige Riffs von den ganz Großen und wandelt diese ab. Die ersten Takte von I Could Die klingen fast wie die ersten paar Sekunden von Black Sabbath's Paranoid. Wer jetzt "Paranoid" nicht kennt, der sollte sich das jetzt aber schleunigst anhören, sonst gibt es hier ganz große Bildungslücken. An sich scheint es, als hätte man viel Zeit gehabt um das Album aufzunehmen. Es gibt verdammt viele Details und Lagen, die Produktion ist außerordentlich gut gelungen. Die Gitarren, es sind zumindest immer zwei zu hören, sind nicht ganz auf Anschlag verzerrt, man kann dennoch gepflegt rocken. Aber auch verträumt im tanzen im Bühnenlicht geht auch, mit geschlossenen Augen versteht sich.

Um das ganze hier zum Ende zu bringen: die Platte ist gut, mit fast 90 Minuten ausgesprochen lang, viele Titel stehen für sich allein, so merkt man, wo man auf der Platte gerade ist. Wie bereits erwähnt, ist die Produktion richtig gut und das Arrangement weiß zu gefallen. 

Release: 19.03.2021
Label: Big Scary Monsters

Anspieltipps: It's Darker, Ode To None, Yellow Room

5,5/6 Punkten (Heidnische Musik mal anders.)

New Pagans - 
The Seed, The Vessel, The Roots And All
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Montag, 1. März 2021

Die Kombinaten - Lautwort (Valve Records/Bangup Bullet)

Der ein oder andere von euch wird sicher mal den Kochlöffel geschwungen haben. Man kommt irgendwann an den Punkt des Abschmeckens und merkt, egal was man hinzugibt, das Mahl will einfach nicht gelingen. Im Englischen sagt man: "I can't put the finger on it." So verhält es sich mit der Platte "Lautwort" der Band Die Kombinaten

Die vier Mitglieder kennen sich seit Jahren, da sie alle in der Band Lax Alex aktiv sind. Das könnte ein guter Startpunkt sein, denn Erfahrungen hat man genug sammeln können. Dann schiebt man die CD in den Player und denkt sich im ersten Moment, dass man eine Platte der Chili Peppers hört. Bis dann die Trommeln einsetzen, da merkt man, das hier irgendetwas anders ist. Und wenn der Gesang dann hinzukommt, ist alles klar. Dann hört man sich die Platte an, wir finden zwölf Titel, verteilt auf 40 Minuten, und wundert sich, was fehlen könnte. Man wird dieses Gefühl nicht los. Die Texte mögen ernsterer Natur sein, es werden ein paar lustige Bilder gezeichnet, aber man wird den cringe factor nicht ganz los. Es klingt manchmal so, als wäre der Punk, der 1981 Steine auf Polizisten geworfen hat, alt geworden. Er wohnt nun mit Kind und Kegel in einer Doppelhaushälfte mit einem schönen Vorgarten in einem ruhigen Vorort. Vielleicht kommt daher der Titel "Geerdet".

Der Gesang liegt direkt im Ohr, ihm fehlt es aber an Bums oder Hall. Man hätte auch etwas mehr gröhlen können, Punk darf/muss rotzig sein. Das klingt hier hin und wieder so, als hätte man dem Punk die Zügel angelegt und ihn erzogen... leider. Vielleicht wollte man auch mehr Funk als Punk spielen. Dazu klingt auch alles sehr flach, es gibt keine Gitarrenwände, keine Aufregung, kein Kratzen in der Stimme oder einen Ausraster. Man hätte ein paar mehr Tiefen einbauen können, etwas Bauchigkeit im Klang. Die Platte könnte ohne Weiteres auf einer entspannten Gartenparty im Sommer, so Corona es will, im Hintergrund laufen und niemand würde sich daran stören oder aufmerken und fragen, wer das sei. Man schafft es aber dennoch, fiese Ohrwürmer in die Hirnwindungen zu schrauben. Man findet dies befremdlich, da von der Platte eigentlich nicht ganz so viel hängen bleibt. 

In solch schweren Zeiten eine Platte zusammen zu zimmern, dass schafft nicht jeder. Das kostet natürlich Geld, aber auch Blut, Schweiß und Energie. Man hat sich sicher auch Mühe gegeben, aber hinten rum fehlt irgendwie etwas. Dieses Etwas, was einen vom Hocker reißt, bei dem man nicht mehr runter kommt und jedem von dem Album erzählen will. 

Release: 12.03.2021
Label: Valve Records

Anspieltipps: Klagenfurt, E - Mail aus Hongkong, Visionen

2,5/6 Punkten (Darauf erstmal ein paar Hühnerherzen.)

Die Kombinaten - Lautwort
(Quelle: Mix1.de)

Sonntag, 14. Februar 2021

Dozer - Vultures (Heavy Psych Sounds/All Noir)

Mit Re-Releases ist das immer so ne Sache. "Man verwurstet ja nur altes Material" , "Geldschneiderei","... ist ja eh nichts neues." Dem kann man natürlich ohne weiteres zustimmen. Dozer-Fans der ersten Stunde könnten sich dennoch freuen, denn hierbei handelt es sich um Demos aus dem Jahre 2004 und 2005, die den Schweden zur Vorproduktion des Albums Through The Eyes Of Heathens dienten. 

Heavy Psych Sounds bringt Vultures auf Vinyl und auf CD auf den Markt. Auf der Platte geht es recht schnell voran, wer Red Fang oder Kyuss kennt, der wird sich auch hier gut zurechtfinden. Für die Sportzigarette zwischendurch ist das ganze hier zu schnell und zu wenig verstrahlt. Die Tracks eignen sich eher dazu einen Hang herunter zu stürzen, mit viel Schnee drauf und einem Brett unter den Stiefeln. Das Konglomerat eignet sich aber auch für ne Skatesession in irgendeinem vertrocknetem Pool unter der sengenden Sonne der Wüste.

Die Titel haben ordentlich Druck auf den Bass bekommen, die Bassdrum liegt gefühlt direkt am Trommelfell und schüttelt bei jedem Kick, den Hammer und Steigbügel ordentlich durch. Nach knapp 31 Minuten ist jeder noch so kleine Staubfusel von den Membranen geblasen.

Release: 12.02.2021
Label: Heavy Psych Sounds

Anspieltipps: The Impostor, Last Prediction, Vultures

5/6 Punkten (Was können die Schweden eigentlich nicht?)

Dozer - Vultures
(Quelle: Presskit von All Noir)

Dienstag, 17. November 2020

Sólstafir - Endless Twilight of Codependent Love (Season Of Mist)

Die Männer von Sólstafir schaffen es immer wieder, dass ihre Musik so klingt, wie man sich Island vorstellt. Rau, kalt, verlassen und menschenleer, windig und unbarmherzig. Auf Endless Twilight Of Codependent Love setzt sich dieser Sound fort, den man seit Äonen beherrscht. Dabei bewandert man aber nicht nur alte, bereits ausgetretene Pfade, die man mitunter hier im Blog bereits gehört hat, sondern versucht sich im Black Metal oder eher Blackgaze. Selbst ein Teil der Deftones hat es auf Úlfur geschafft, es kann mir hier keiner erzählen, dass er da nicht die Gitarren von Change (In The House Of Flies) hört. Aber es sei ihnen gegönnt, denn auch dieser Sound steht ihnen irgendwie. 

Was etwas irritiert, ist das Intro von Drýsill. Man betreibt Tapping, aber irgendwie scheint die Gitarre nicht ganz sauber gestimmt zu sein oder es klingt einfach nur wegen der Spielweise so. Zum Glück dauert es nicht lang, bis man eine Orgel in den Raum stellt. Das Album klingt generell etwas rauer, man bettet nicht mehr alles riesige Soundwände ein, wie auf dem Vorgänger Berdreyminn. Die Produktion tut ihr übriges, so dass man wirklich denkt, dass einem der starke Wind Islands ständig und unentwegt ins Gesicht bläst. Überlange Titel konnte man schon immer, so gibt es auch hier Songs die gut und gerne mal um die 7 oder gar 8 Minuten lang sind. Es wirkt aber nichts unnötig in die Länge gezogen, jede Minute bleibt spannend und kurzweilig. 

Thematisch ist dieses Album sehr dunkel, es geht um die eigenen Dämonen und die des Umfeldes. Es geht darum, wie Menschen sich langsam umbringen. Und es geht um psychische Krankheiten, die Menschen verändern, bis sie daran sterben, wie Alzheimer. Man ist dann wie im Film und wartet darauf, das bestimmte Dinge eintreffen. Man kann nichts machen, außer zuzusehen. 

Wer die Vorgänger der Band bereits hatte, der wird auch dieses Album haben/kaufen und feiern. Menschen, die Sólstafir bisher nicht kannten, können hier einen Einstieg finden. Die Sprache könnte vielleicht eine Hürde darstellen, aber es gibt weltweit Fans, die ihre Songs auf Isländisch mitschmettern. Man muss es eben nur wollen und sich auf Titel einlassen, die jenseits des 3:30-Schemas sind und ein Albumhörer sein.  

Release: 06.11.2020
Label: Season Of Mist

Anspieltipps: Úlfur, Alda Syndanna, Akkeri

6/6 Punkten (Man kann den kalten Wind auf der Haut schon spüren.)

Sólstafir - Endless Twilight of
Codependent Love
(Quelle: Presskit von Season Of Mist)

Sonntag, 1. November 2020

Bitch Falcon - Staring At Clocks (Small Pond Records/Fleet Union)

Bitch Falcon, die hatten wir hier mal, könnte man getrost als Band der Lagen bezeichnen, obwohl die Musiker_innen nur zu dritt sind. Das dubliner Trio gibt es bereits seit 2014, nur hat man es noch nicht geschafft, ein Album auf die Beine zu stellen. Es gab eine EP und ein paar Singles. Nun Starren wir zusammen mit den Künstlern, die allesamt einer normalen Tätigkeit nachgehen, auf Uhren. Staring At Clocks beginnt mit einem relativ verstörendem Geräusch. Wenn ihr Nachbarn habt, die ihr ärgern wollt, dann könnt ihr das Intro von "I'm Ready Now" nehmen. Dabei ist das Album alles andere, als eine lose Ansammlung von Geräuschen, das konnte man bei der Single Gaslight ausgiebig erkunden. 

Wir betreten eine 41 Minuten große Kathedrale. Das ist als Raummaß schon eigenartig, das Album ist nun mal nicht länger. Von allen Seiten wird der Klang reflektiert, von klaren, riesigen wänden, die kühl scheinen. Man wähnt die Band an jeder Ecke, der Bass ist stets präsent, die Gitarren geben mal pure Verzerrungen wieder, ein anderes Mal werden die Saiten klar angeschlagen und fast ungefiltert über die Verstärker wiedergegeben. Und trotzdem es um echt Teilweise finstere Thematiken wie Depressionen, niedriges Selbstbewusstsein und Ängste geht, sind die Songs mit Energie geladen. Es gibt schnelle Rhythmen, wie in Damp Breath; es wird auch mal entspannt mit verschlafenen Augen zu Klängen getanzt, die aus den 80ern sein könnten. Der Bass und die Gitarre stehen auch mal in einem Konflikt zueinander, als würden sie das eine nicht mit dem anderen in Übereinstimmung bringen können. Die Band bezeichnet ihre Musik als Dream Grunge. Vielleicht fühlt sich eine Depression auch so an, denn dies ist nicht nur ein Stimmungsbild, sondern befällt den Organismus. Die vielen Einflüsse von außen treffen zusätzlich auf einen ein und um klar zu kommen, verkriecht man sich. 

Die Produktion ist übermächtig gut und wird der Musik mehr als Gerecht. Die Samples, die aus Trickfilmserien der 80er sein könnten, passen ins Bild, dabei sind die Künstler zu dritt und bedienen eigentlich nur die analogen Instrumente. Das wird auf der Bühne sicher lustig. Obwohl, da war ja was. 

Release: 06.11.2020
Label:  Small Pond Records

Anspieltipps: Gaslight, Damp Breath, Test Trip

6/6 Punkten (Jetzt werden alle auf den Kalender starren & auf das Ende des Novembers warten.)

Bitch Falcon - Staring At Clocks
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Mittwoch, 28. Oktober 2020

Ferris MC - Missglückte Asimetrie (Arising Empire/Focusion)

Wollt ihr den totalen Freak? Das fragte einst Ferris MC in einem Interview mit der Visions bereits vor ein paar Jahren. Und wer sich das Album Missglückte Asimetrie gönnt, der bekommt genau das. Dabei gibt es hier, anders als es einige vermuten könnten, keinen Rap. Aber nur einen einzigen Musikstil bekommt man hier auch nicht. 

Akustisch ist es viel mehr eine Reise durch das Plattenregal des Musikers. Einst Teil der Deichkinder, ist er nun teil der Missglückten Welt. Dementsprechend klingt das hier. Es gibt Punk, bei dem sich der Zuhörer beim Mitgröhlen etwas gefährlich fühlen darf. Es gibt aber auch modernen Metal, mit richtig derbe tief gestimmten Gitarren (die haben bestimmt mehr als nur sechs Saiten). Aber auch Pop-Punk schafft es auf die Missglückte Asimetrie, aber keine Sorge, auch hier gibt es ein böses Augenzwinkern. 

Denn textlich bewegen wir hier uns zwischen Seelenstrip, Asipunk und der Gesellschaftskritik. Da bekommt der klopapierhortende Besorgte Hutbürger sein Fett weg (Kompliment), es werden Bullenwagen geklaut und Innenstädte demoliert, aber auch das Leben am Stadtrand in der Platte wird besungen (13. Stock). Ob es ihm am Arsch vorbeigeht, dass er nicht mehr bei den Deichkindern ist, weiß vielleicht nur er. Es klingt aber so, als wenn das einer seiner Hochpunkte im Leben war. Schlussendlich lassen die Texte sehr tief blicken, auch wenn die Gäste ihren Senf dazu geben. 

Die Produktion der Platte lässt sich echt hören, obwohl man stellenweise etwas drüber ist (man höre Death Magnetic von Metallica). Vielleicht will man das aber auch genau so haben, das ist der Punk der euch mit nem leicht norddeutschen Schlag im Nacken sitzt und immer wieder Schellen verteilt, wenn man sich mal wieder nicht sieht. Alles ballert und ist fett abgemischt, danach hat man ein angenehmes Rauschen auf den Ohren. 

Einzig die Balladen passen nicht ganz so ins Konzept, aber es sei ihm und seiner Missglückten Welt gegönnt. Nach zwölf Titeln geht es direkt zurück zum Anfang, nicht über los, es gibt keine 5000€ sondern wieder 46 Minuten Missglückte Asimetrie.

Release: 23.10.2020
Label: Arising Empire

Anspieltipps:
Bullenwagen: Hier darf sich jeder gefährlich fühlen. Schocky und Swiss stehen euch bei und klauen mit dir die nächste Wanne. Oma und Opa stellen sich so sicher die richtig bösen bösen Punks vor und der Lehrer lädt zum Gespräch ins Lehrerzimmer ein.

120 Dezibel: Welt aus, Musik an. Das ist der Grundton des Songs. An den Gitarren sitzen wohl Munky's und Head's Doppelgänger der Band Korn. Ein schöner Song für die deprimierte Jugend, die sich bald wieder wegen irgendwelcher Spinner einsperren muss.

Du hast eine Rolex: Das nervende Facebookposting, dass Geld nicht das Wichtigste im Leben ist sondern Zeit. Ferris sieht es positiv und sagt sich, dass er den Stress am Morgen nicht braucht und der Typ mit der Rolex zwischen seinen Terminen eh einen Wolf läuft. Kennt wer von euch noch (hed) p.e.?

5/6 Punkten (Wir ham Ferris, was habt ihr?)

Ferris MC - Missglückte Asimetrie
(Quelle: Presskit von Focusion)

Sonntag, 25. Oktober 2020

The Sceenshots - 2 Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee (Musikbetrieb R.O.C.K./Check Your Head)

Jeder kennt diesen Moment, wenn man an einem bestimmten Ort ist und einem auf einmal DIE weltbewegende Idee überhaupt hat. Auf dieser Basis fußt 2 Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee von The Screenshots. Das Punktrio aus Köln macht sich Gedanken über die Phänomene, die neue Firmen so mit sich bringen, die es vor ein paar Jahren noch nicht gab. Man vermietet dank Airbnb an wildfremde Leute unter und lässt sich dafür mehr Geld geben. In manchen Fällen läuft dies am Rande der Legalität. 

Man soll aber auch, wie Elon Musk, an seine Träume glauben, denn manche werden war. So brüllt es der Sänger einem in die Ohren. Aber auch, dass was in der Welt passiert, sei es Mord und Todschlag, ist einfach so in den Mediatheken abzurufen. Sowie Talkshows mit ungeliebten Gästen des rechten politischen Spektrums. Da sie sich die Band im deutschen Sprachraum bewegt, sind die Texte leicht zu verstehen, es werden immer wieder abstruse Bilder der Realität gezeigt. 

Nicht alles, was man hier hört, ist purer Punk. Es gibt ein paar Prisen Rock, Post-Irgendwas aber auch Autotune hat man auf die Platte gehievt. Den müsst ihr aber selber suchen, man kann ja nicht immer mit der Nase drauf stoßen. Die Mischung passt aber zu den leicht schräg eingesungenen Liedern, es gibt so ein leicht ironisches Zwinkern zwischen den Zeilen. Wie aber üblich für den Punk, kommt man kaum über 30 Minuten, verteilt auf elf Titel. 

Release: 16.10.2020
Label: Musikbetrieb R.O.C.K.

Anspieltipps: j@@@@@@@@, Liebe Grüße An Alle, Walter White ist tot

4,5/6 Punkten (Wo sind diese einfachen Ideen hin, wenn man sie mal braucht?)

The Screenshots - 2 Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee
(Quelle: Presskit von Check Your Head)

Samstag, 17. Oktober 2020

Crippled Black Phoenix - Ellengæst (Season Of Mist)

Wer sich vielleicht erinnern kann, die Band Crippled Black Phoenix hatten wir hier mal, mit ihrem recht verstörenden Video zu Lost, welches nicht mehr und nicht weniger als bittere Wahrheit über das Leben zeigt, welches hinter unserem Leben abspielt. 

Dabei fing alles gar nicht mal so gut an. Als man mit den Aufnahmen für Ellengæst beginnen wollte, hatte sich der Sänger Daniel Änghede kurzfristig dazu entschieden, die Band zu verlassen. Natürlich könnte man an dieser Stelle schon mal den Sand in den Kopf stecken (das fühlt sich sicher ekelhaft an), nicht so diese Band, obwohl man schon etwas Glück gehabt haben muss. Denn es meldeten sich genügend andere Musiker, darunter Berühmtheiten wie Gaahl oder Vincent Cavanagh. Und eben durch diese Gastmusiker und Freunde (so werden sie zumindest in der Mail von Season Of Mist aufgeführt) wirkt jeder Song in sich, wie ein eigenständiges Teilstück, dass mächtiger ist, als der Titel davor. 

Die generelle Grundstimmung auf "Ellengæst" (ein Wort aus dem Altenglischen mit einem Hauch Skandinavischer Sprache angehaucht, steht für einen starken Geist) ist recht düster, fast unangenehm, aber dennoch pompös. Das Grundgerüst besteht hier nicht nur aus den einfachen Rock-Zutaten (nicht das Kleidungsstück), sondern integriert alles, was die heutige Technik möglich macht. So auch Samples eines alten Zahlensenders in "Lost" oder aus Filmen, wie in In The Night. Dieser Titel wirkt so, als hätte Nick Cave eine ziemlich depressive Phase gehabt und diese lyrisch sowie musikalisch umgesetzt. Dabei hören wir eben Gaahl, den ehemaligen Sänger der Black-Metal-Band Gorgoroth. Die Gitarren klingen so, als hätten wir seit den Achtzigern nichts besseres gehabt, es gibt sogar ein Gitarrensolo. Der Sound aus der Vergangenheit zieht sich zum größten Teil durch das gesamte Werk, was über 56 gewaltige Minuten misst. Man könnte es einen Hauch von Shoegaze nennen, für Blackgaze ist hier zu wenig physische Gewalt auf der Platte enthalten. 

Durch den stetigen Wechsel der Gäste auf den Titeln und die dadurch entstandenen, eigenen kleinen Microkosmen, kommt keine Langeweile auf, auch wenn viele der Titel die Grenze von sieben Minuten übersteigen. Trotzdem wirkt hier nichts unglücklich gestreckt und der aufgefüllt, alles es ist so geworden, wie es eben hätte werden sollen. Jeder, der sich dem Album hingibt, wird seinen eigenen Favoriten finden und vielleicht auch nachforschen wollen, wer der ein oder andere Gastmusiker ist und was für Musik dieser gemacht hat oder auch noch macht. 

Release: 09.10.2020
Label: Season Of Mist

Anspieltipps: Lost, She's In PartiesCry Of Love

5,5/6 Punkten (Der richtige Soundtrack für diese ungemütlich dunklen Tage.)

Crippled Black Phoenix - Ellengæst
(Quelle: Presskit von Season Of Mist)

Mittwoch, 14. Oktober 2020

CATALAN! - Veritas (Gunner Records)

Die Band CATALAN! kommt aus Belfast, einem der Schauplätze der des Nordirlandkonflikts in den 70er Jahren. Katalanisch ist die Sprache Kataloniens, einer Region Spaniens, die sich seit Jahren autonom erklären. Und bei Veritas handelt es sich um niemand anderen als die römische Göttin der Wahrheit. Wie ihr lesen könnt, wird hier gleich bedeutungsvoll gestartet. Es geht auf dem Album aber weniger "schwergewichtig" zu, als es dieser ganze Namenskladderadatsch vermuten lässt. Mit Verlaub geschrieben, ist der Sound auch für Gunner Records, da wo Veritas, das Album, erschienen ist, relativ ungewöhnlich. 

Wer erinnert sich noch an die ersten Jahre hier NebendemStrom? Auf Twitter ist es ja auch Trend, den Anfang mit dem Jetzt zu vergleichen. Die Retrospektive ist insofern sinnvoll, da sich auf "Veritas" die Sounds hören lassen, die wir einst hier, hier und hier hatten. Die Tall Ships kamen auch aus UK, dann ist das mit dem Sound auch nicht so sehr weit hergeholt. 

CATALAN!'s Klangvielfalt schwingt zwischen großer Theatralik, mächtigen Soundwänden, bestehend aus viel Gitarre und einem drückenden Bass, und fast kindlicher Naivität, die sich meist in den vorgetragenen Gedichten wiederfinden lässt, hin und her. Bereits auf dem Opener Roussillion Serenade ist klar, wo es auf den nächsten 43 Minuten hingehen wird. Man darf tanzen, mitrufen, wenn man die Texte nach dem zigsten Durchlauf intus hat, und immer wieder auf akustische Entdeckungstour gehen. Viele Kleinigkeiten erschließen sich erst, wenn man sich der Göttin der Wahrheit vollständig hingegeben hat. Ist da etwa ein Topf im Track Oka versteckt? 

Thematisch, wie kann es im Jahr 2020 auch anders sein, wird die Gesellschaft auseinandergenommen. Man beschäftigt sich mit den Nachrichtenquellen, Blogs und was mit den Menschen passiert, wenn die alles jederzeit googeln können und permanent ihr Leben ins Netz stellen oder zumindest so tut, als würde es ihnen richtig gut gehen. Die Texte verhalten sich diametral zur gespielten Musik. 

Release: 02.10.2020
Label: Gunner Records

Anspieltipps: Single Source, Cornelius, Fortune

5,5/6 Punkten (Da kommen Erinnerungen hoch)

CATALAN! - Vertias
(Quelle: Presskti von Gunner Records)

Donnerstag, 3. September 2020

Youtubisch Vol. 39

 Zum ersten Video setze ich eine Triggerwarnung. Die Band Criplled Black Phoenix hat ein recht brutales Video zusammen gestellt. Wer die Bilder von geschredderten Küken, verhungerten Kindern oder misshandelten Ferkeln nicht ertragen kann, auch wenn es die pure, harte Wahrheit ist, kann sich die Single Lost auf Bandcamp anhören.
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Zu Beginn wird man vom Klang eines alten Zahlensenders begrüßt. Das klingt unheimlich, das ist es auch. Diese Sender dien(t)en dazu, Agenten weltweit via Radio auf bestimmten Frequenzen zu erreichen, damit diese dann Befehle ausführen können. Nach ein paar Sekunden setzen Trommeln ein, der Gesang kommt mit der Gitarre um die Ecke. Akustisch wähnt man sich auf weiter Flur, umgeben von einem eisigen Wind. Die Bandmitglieder kommen aus Schweden und Großbritannien, was den Sound erklären kann. Die elektrischen Gitarren flirren hier und da durch, die Stimme der Sängerin ist leicht verzerrt und wird ab und an von einer Männerstimme unterstützt. Textlich wird die menschliche Gesellschaft behandelt. Wir sind als Menschheit verloren, wir verbrauchen mehr Planet als wir übrig haben und lassen alles und jeden hinter uns, der nicht mithalten kann. Die Folgen kann man sehen, sie werden einem täglich vor Augen gehalten und dennoch ignoriert man sie, weil man die Bilder zu oft gesehen hat oder weil man das Elend nicht wahr haben mag. Auf jeden Fall eine sehr aufrüttelnde Single. Das Album Ellengæst wird am 09.10.2020 auf Season Of Mist erscheinen. 

Crippled Black Phoenix - Lost
(Quelle: Youtube.com)

Der nächste Track hat zwar ein weniger brutales Thema, auch die Bildsprache ist weniger brutal. Es gibt viele Gäste im Clip, das Thema ist klar. Es geht um das noch laufende Jahr 2020. Das Virus und was alles noch passiert ist, gerade wegen des Viruses oder auch anderweitig, siehe Wirecard. Kafvka will zwar 2020 skippen, was man auch sonst so mit anderen ungeliebten Sachen macht, Tracks, die man nicht mag, Werbung vor Youtube-Videos, Videospielzwischensequenzen, wenn man sie schon zum zigsten Male sehen muss, weil man wieder verkackt hat. 

Aber ich persönlich denke, dass das Jahr mit all seinen Ereignissen, die Pflaster von den erkennbaren Wunden reißt, die überall zu sehen sind. Mangelnde Digitalisierung der Gesellschaft, die rechten Umtriebe (die man ja nicht wahr haben will), Schlachtbetriebe, die ihre Mitarbeiter aus dem Osten Europas ankarren lassen und zu menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten und leben lassen, Finanzunternehmen, die es so gar nicht geben dürfte und Fluggesellschaften, die um Geld betteln. Klar könnte man nun auch kritisieren, dass man keine Parties mehr feiern kann, dass man keine Konzerte mehr besuchen kann oder massenhaft Festivals abgesagt werden. Dem Virus ist es aber egal, woher du kommst, wieviel Kohle du im Monat machst oder woran du glaubst. Da muss man mal eben die Arschbacken zusammenkneifen. Die ganzen Probleme müssen m.E. angegangen werden, damit das Jahr 2020 nicht ganz verloren ist und nicht umsonst geskippt wird. Hier trifft, fast wie im Nu-Metal, Rap auf Metal und Rock, aber weniger proletenhaft. Der Rap ist böse und bei jeder Line denkt man: "Scheiße, er hat Recht." 

Kafvka - Skip 2020
(Quelle: Youtube.com)


Und dann fühlst du dich trotzdem noch machtlos.

Freitag, 21. August 2020

Youtubisch Vol. 38

Wir sind in einer düsteren Welt gelandet, die Apokalypse ist ausgebrochen und wir stehen vor den Scherben, die einst unsere Welt waren. Dennoch bietet diese zerstörte Welt eine Möglichkeit für einen Neuanfang. Genau das wollen uns die Deftones mit ihrem neuen Titel "Ohms" sagen. Das Intro zum Song ist bereits nicht so düster, wie man es von den Männern aus Sacramento gewöhnt ist. Die Gitarre hat nun wieder eine Seite mehr bekommen, also gibt es nun neun umwundene Drahtfäden (oder sind das schon Seile?) am Instrument. Sie klingt auch etwas dreckiger. Die Stimme von Chino erkennt man aus tausenden immer wieder. Gegen Ende des Songs klingt die band wieder optimistisch, als wenn man seine dunkle Vergangenheit und alles Schlechte hinter sich gelassen hat und nun nach vorne gucken kann, frei von alten Lasten. Das Album Ohms wird am 25.09.2020 in verschiedenen Versionen erscheinen. 

Deftones - Ohms
(Quelle: Youtube.com)


Lage, Lage, Lage. Das ist nicht nur im Immobilienmarkt wichtig. Auf "Gaslight" von Bitch Falcon trifft das ebenso zu. Hier liegen so viele Lagen Musik übereinander, dass man sich sofort eingelullt fühlt. Die gezeigten Bilder geben ihr Übriges dazu. Der Bass und das Schlagzeug drücken ordentlich von unten und jede neue Note fordert den Zuhörer und erzeugt immer mehr Spannung. Auch der Track Test Trip zeigt, dass der Bass hier eher das Sagen hat und viel voran treibt... achja, Lagen gibt es hier ebenso viele Das dazugehörige Album wird Staring At Clocks heißen und am 06.11.2020 veröffentlicht. 

Bitich Falcon - Gaslight
(Quelle: Youtube.com)


Und wer noch tiefer in den Kaninchenbau will, höre sich Things That Fall From The Sky von Laboratory Noise an.

Montag, 17. August 2020

Kid Dad - In A Box (Long Branch Records/SPV/Fleet Union)

Kid Dad hatten wir hier mal im Interview, wer sich vielleicht daran erinnert. Damals waren die Jungs mit RAZZ auf Tour und es gab nur eine kurze EP, das Potential der Band zeigte sich bereits hier. Auch auf der Bühne konnte das Quartet überzeugen. 

Nun ist zwischen dem Interview und In A Box relativ viel Zeit vergangen, die Jungs studieren ja noch. Ihr angesammeltes Wissen spiegelt sich auf dem Langspieler in jeder einzelnen Sekunde wieder. Das Beginnt schon beim kurzen Intro, welches einen leeren Raum darstellt. Die Aufnahmen hingegen fanden außerhalb von gewohnten Bahnen statt, da man mal in Ostfriesland, mal in Berlin und auch Hannover war. Wer jetzt genau diese Einflüsse sucht, kann sie finden, das muss aber nicht passieren. In A Box wirkt wie aus einem Guss aber dennoch spannend. Es gibt Spannungsbögen, man wirkt zerbrechlich wie im Grunge, es gibt nicht direkt lärm. Dann gibt es Songs, die Anfangen wie die besten Stücke von The XX, um dann doch mal kurz mit den Gitarren alles niederzuschlagen. Und genau im selben Stück geht es dann wieder zurück zu den Briten, die früher gerne viel Schwarz trugen. Direkt im ersten Durchlauf hat man das Gefühl, dass das ein Album voller Lieblingslieder werden kann. Die Melodien schneiden sich direkt in die Gehirnwindungen fest und mehrfach huscht einem einen Grinsen über das Gesicht, da man den nächsten guten Moment auf der Platte erwischt hat. 

Thematisch geht es recht ernst zu. Man singt über unsichtbare Gefängnisse, darüber, dass man am liebsten Brennen würde, es geht um den Selbsthass, dass man nicht der sein darf, der man ist und dass man hier und da Notlügen einschleust, was mitunter die menschliche Natur ist. Das sind mitunter die Themen, die einen umtreiben, wenn man erwachsen wird und auf seine Eltern oder Großeltern sieht, was die alles in ihren jungen Jahren erreicht haben. Man nimmt dem Sänger diese schweren Gedanken ab, man hört den Schmerzen, die Fragen und die Zweifel. 

Wie bereits erwähnt, setzen die jungen Männer aus dem Studium in ihrer Musik um. Es gibt nichts, was zu viel ist, nichts, was absichtlich streckt oder irgendwo künstlich eingestreut wird nur um ein paar Minuten mehr Musik auf den Langspieler zu bringen. Experimente, wie absichtlich falsch gestimmte Gitarren auf A Prisoner Unseen, glücken erstaunlicher Weise und passen direkt ins Soundgewand.

Release: 21.08.2020
Label: Long Branch Records / SPV

Anspieltipps: Happy, [I Wish I Was] On Fire, Window

6/6 Punkten (In diesem Alter sind die schon so gut!)

Kid Dad - In A Box
(Quelle: Bandcamp.com)

Sonntag, 14. Juni 2020

HEADS. - Push (Glitterhouse Records/All Noir)

Es gibt Alben, die zünden nicht sofort im ersten Moment. Da hört man sich hier und da ein paar Titel an und entscheidet dann. Dann gibt es Alben, die man einfach so laufen lässt und merkt dann, dass das dann doch nicht so schlecht ist und man nimmt sich dem an. So geschah es bei Push der Band HEADS..

Dabei fängt alles so an, als würde die Band akustisch einen Alarm oder eine schwere Maschine darstellen. Der Sänger spricht einen Text drüber. Dann packt man den Bass aus und lässt den Sänger von der Leine, die Gitarren sind eher etwas glatt und weniger verzerrt. Dieses Konzept zieht sich über die gesamten zehn Titel hin, wobei man nicht über eine Spiellänge von 36 Minuten kommt. Hier können sich klar Lieblingstitel herauskristallisieren. Push You Out To Sea ist so ein Song. Er beginnt hypnotisch und eskaliert ein wenig im Refrain, ab nicht zu sehr, um dem Grundthema nicht zu sehr zu entweichen. Man kommt immer wieder zum Spannungsbogen zurück, den man immer wieder neu aufspannen kann. Das Britisch-Englisch des Sängers trägt dazu bei, das jeder Textfetzen eindeutig verstanden wird. Wer You Guitar Prayer (hatten wir hier mal), kann hier gerne zugreifen. Für alle anderen könnte die ganze Geschichte ziemlich verkopfter Rock sein. 

Release: 29.05.2020
Label: Glitterhouse Records


5/6 Punkten (Hier spielt der Bass die erste Geige.)

HEADS. - Push

Sonntag, 17. Mai 2020

Kevlar BIkini - OPT-OUTism (Geenger Records)

Manchmal müssen einem erst musikalische Highlights aus Regionen dieser Welt erst auf dem Präsentierteller dargeboten werden, sodass man vielleicht doch mal sucht und hört. So kam das Label Geenger Records aus Zagreb auf mich zu. Die Single "The Wailer" der Band Kevlar Bikini hatten wir hier schon mal.

Allein der Name der Band, die es schon seit 2010 gibt, ist zwiespältig hoch drei. Kevlar ist ein Material, welches für beschussfeste Westen verwendet, so schreit man es auf Wiki. Also was richtig festes. Und dann dieses Material in Form eines Bikinis, der mehr oder minder ein paar Hautstellen des weiblichen Körpers bedeckt. Nun haben wir Langspieler Nummer vier in den Startlöchern. Man wird auf Anhieb leicht hektisch begrüßt, die Trommeln haben eine Schippe mehr Druck bekommen und wirken fast zu kraftvoll, kickt dann aber ordentlich. Bei Kollegen aus diesem Genre geht das manchmal unter. Somit kann man hier nicht meckern. Der gespielte Punk würde locker zu einem Teil der Tony Hawk Pro Skater Reihe passen, denn er ist (meist) recht schnell und kommt ohne Umschweife zum Punkt. Für Funsportarten ist die Platte bestens geeignet.

Das Besungene ist weniger lustig, man erfüllt den Auftrag der Gesellschaftskritik perfekt. Die Namen der Titel stoßen einen schon fast drauf. Da geht es um große Memmen, die sich an den 1st-World-Problems aufhängen, um Missbrauch in der Ehe oder auch um Menschen, die als Erwachsene versagt haben. Wobei man da natürlich fragen könnte, ab wann man denn erwachsen ist. Der Text wird weniger gesungen, eher gerufen und geschrien. Da rutscht man schon in den Hardcore ab.

Die Gitarre ist stellenweise etwas schwach abgemischt, ein anderes Pedal hätte vielleicht wunder bewirkt, könnte aber konträr zur Stimme zu stark sein. Der Bass hat scheinbar etwas mehr Raum bekommen und ist immer klar und deutlich hörbar. Nach knapp 40 Minuten ist man durch dich zehn Titel. Durch den relativ deutlichen Gesang möchte man nochmal genauer hin hören. Das Schlagzeug tut sein Übriges.

Release: 22.05.2020
Label: Geenger Records

Anpieltipps: Bride In A Torn Up Wedding Dress, Feral Fun, Flirting With Nihilism

4,5/6 Punkten (Ich warte geduldig auf das Remaster von THPS1 + 2)

Kevlar Bikini . OPT-OUTism
(Quelle: Presskt von Geenger Records)

Youtubisch Vol. 35

Heute geht gibt es hier eine geballte Ladung Rock und Punk auf die Ohren. Den Anfang macht die Band 100 Kilo Herz mit ihrem Song "Drei Jahre ausgebrannt", in dem sie lautstark über die Zustände in ihrem Bundesland wettern. Dabei bekommen alle, die Mist bauen, ihr Fett weg. Der gewaltige Punk, der hier läuft, wird mit Bläsern unterstrichen. Das Album "Stadt Land Flucht" wird am 07.08 auf Bakraufarfita Records erscheinen. Wer Feine Sahne Fischfilet mag, wird diese Band ins Herz schließen.

100 Kilo Herz - Drei Jahre ausgebrannt (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Die Band Brainswitch aus Bosnien und Herzegowina spielt ein ganz anderes Tempo auf, beziehungsweise wechselt man hier immer wieder zwischen verschiedenen Lautstärken. Man baut relativ langwierig einen Spannungsbogen aus um ihn dann langsam im Refrain loszulassen. Dabei geht es in "Bow Down to the Sun" um unseren Energiespender Nummer Eins. Das Album Sun Worship Kingdom erschien am 13.03. auf Geenger Records.

Brainswitch - Bow Down to the Sun (Musikvideo)
(Quelle: Youtbe.com)

Und so schicke ich euch kopfnickend in die verkürzte Woche.

Dienstag, 5. Mai 2020

Youtubisch Vol. 34

Wir hatten hier ja ewig kein Youtubisch. Vielleicht ist das gar nicht so schlecht, um ein paar neue Videos, die bei mir im digitalen Briefkasten landen, zu teilen.

Heute bekommt ihr zwei Tracks, die ich beide definitiv beim Snowboarden feiern würde. Da hätten wir einmal "Ooh LA LA" von Run The Jewels, mit einem Feature von Greg Nice und DJ Premier. Der Track klingt so, als käme er aus den 90ern, kombiniert mit der Produktionsqualität von heute. Der Bass massiert angenehm das Trommelfell, während man entspannt den Kopf nicken lassen kann. Wer den Sänger von Rage Against The Machine findet, darf ihn behalten. Das Video ist auch nicht ohne, hier brennen Scheine, Kreditkarten werden vernichtet und die Menschen tanzen auf der Straße. Keine Sorge, dass Video entstand vor der Pandemie. Das Album dazu wird "RTJ4" heißen und im Frühsommer diesen Jahres auf den Markt kommen.

Run The Jewels - Oh LA LA feat. Greg Nice & Dj Premier (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Der zweite Track macht nicht weniger Spaß, kommt thematisch etwas ernster daher. Die Mischung aus Punk und Hardcore, gepaart mit ein paar feinen Spielereien und derben Drumparts machen "The Wailer" von Bikini Kevlar aus Zagreb zu einem Headbanger. Der Text befasst sich mit denen, die sich über die Kleinigkeiten beschweren, dabei aber völlig außer acht lassen, dass es auf der Welt weit größere Probleme gibt, wie zum Beispiel Hunger und Durst. Danach könnt ihr euch gleich noch das doomigere Ballerina's Toes geben. Das Album OPT-OUTism wird ab dem 22. Mai auf Geenger Records geben.

Kevlar Bikini - The Wailer (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Das sollte ich vielleicht mal wieder öfters machen, auch wenn es gerade keine kostenlose Musik ist. Vielleicht regt es euch zum Weiterhören oder Bestellen an.