Samstag, 2. September 2017

Die 25. Fleet Union: LIRR. - God's On Our Side; Welcome To The Jungle

Vielleicht erinnert sich noch jemand an LIRR., die wir hier im März 2016 hatten? Seit dem hat sich einiges getan. Man hat jemand mit ins Boot (an die Gitarre und das Mikrofon) geholt und war fleißig was das Aufnehmen von Titeln angeht.

Denn was auf Ihrer ersten EP noch sehr viel Emo war, ist nun einem großen Blumenstrauß gewichen, voller Genres, die man wohl gerne hört. Man bindet auf zehn Titeln, verteilt auf 28 Minuten alles gut zusammen, ohne das etwas negativ auffällt oder gewollt und gestreckt wirkt. Ob das am fünften Mann im Bunde liegt? Hier trifft Gitarrengewitter und wildes Geschrei auf Beats, Loops, Synthies und Trompeten. Richtig gelesen, in "Sour Pt. 2" gibt es ein Blechblasinstrument zu hören, wer es gefunden hat, darf es für sich behalten. Die aufgeführte Diversität trägt einem auch alte Bekannte vor das Trommelfell, die vor fast zwanzig Jahren Genregrenzen durchbrochen und neu gesetzt haben. Incubus zum Beispiel: Wer bei "MTV" nicht an Are You In von der Band aus Kalifornien denken muss, hat wohl unter einem Stein gelebt oder hört noch immer eine der regionalen Radiostationen aus Deutschland. Der Text hierzu ist jedoch leicht deprimierend, da es um den ganzen Blödsinn geht, der in Funk, Fernsehen und Kino kommt, vom Internet ganz zu schweigen.

 Die 2000er Version von hed (p.e.) geben akustisch ebenso ein Gastspiel, denn das Intro von "Chicago Pt. 1" erinnert stark an das Outro von Bartender und bleibt auch auf der gesamten Länge noch entspannt. Emo kann man aber immer noch, man trägt den Sound in "Down" und This House Is Clean, Baby nur eben in die Jetztzeit und stellt sich fett auf.

Das lässt sich über gesamte Album schreiben, auch wenn es leider recht kurz geraten ist. Fin Wiese von der Tonpension und der Leipziger Magnus Wichmann haben alles richtig gemacht und die Ambitionen und die Ideen des Quintetts aus dem hohen Norden perfekt eingefangen. Gute Momente auf God's On Our Side; Welcome To The Jungle gibt es zu Genüge, zum Beispiel in "Jungle Pt. 2" ab der Mitte, wo man sich aufgrund des Bass- und Gitarrendrückens den Nacken stark überstrapaziert oder das elektrische Bassgewitter auf dem Ende von "Chicago Pt. 1", was völlig unangekündigt durch die Türe stürmt und den Zuhörer mit der Frage "Passt das?" schmunzeln lässt. Zum Ende werdet ihr dann von sirenenartigen Gitarren hinausgetragen, aus dem Album. Ab dem 08.09. wird euch der Langspieler durch die Tore des Grand Hotel van Cleef gereicht.

Anspieltipps: Jungle Pt. 2,  Chicago Pt. 1,  This House Is Clean, Baby

6/6 Punkten (Was macht dieser ominöse, goldene Puma hier?)

LIRR. - God's On Our Side;
 Welcome To The Jungle
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Wer sich im Dschungel mit Band verlieren will, kann dies auch live machen:

08.09. - Flensburg, Volksbad
04.10. - Hamburg, Kleiner Donner
05.10. - Leipzig, 4rooms
06.10. - Freiburg, White Rabbit
08.10. - Münster, Baracke
11.10. - Köln, Tsunami
12.10. - Berlin, Badehaus
13.10. - Jena, Baracke
14.10. - Darmstadt, Oettinger Villa

Donnerstag, 31. August 2017

Pias 6: Inheaven - Inheaven

Es gibt Singles, die eigentlich perfekt das Album, aus welche sich der Track befindet, komplett wiederspiegelt. Dann gibt es Albumauskopplungen, die nur einen kleinen Ausschnitt der gesamten Bandbreite das Langspielers wiedergeben. Zur zweiten Gruppe gehören die Singles Treats, Vultures und World On Fire. Denn hier gibt man sich nur von der wuchtigsten Seite, die man zu bieten hat.

Der selbstbetitelte Langspieler der Band ist eher wie ein bunter Strauß an Einflüssen, die man so über die Jahre eingesammelt hat, zumindest wirkt es so, wenn man sich die knapp vierzig Minuten Inheaven gibt. Das kann man zum einen gut finden, zum anderen kann man sich daran anstoßen, dass man eigentlich eine Latte fetten, einfachen Rock'n'Roll erwartet hat. Das kann auch mitunter am Produzenten Tom Dalgety liegen, der auch schon die Knöpfe für Royal Blood (hier haben wir ein Review zum Album "How Did We Get So Dark" und die Pixies gedreht hat. Aber man hört auch ein wenig Federal Lights (Reviews gibt es hier und hier), Japandroids und irgendetwas aus den 80ern. Wie es dazu gekommen ist, dass die vier Briten nun so viel in einen Topf geschmissen haben, bleibt leider unbeantwortet. Eigentlich fast schade, denn der Sound ist gut, die Albumlänge ist mehr als in Ordnung und mit zwölf Titeln ist man eben gut aufgestellt. Leider springen die Funken von dem "World On Fire" zum Beispiel leider nicht auf die anderen, umliegenden Titel über, da hat man einiges an Energie liegen lassen. Veröffentlicht wird das Album "Inheaven" am 01.09. auf Epic Records.

Anspieltipps: Treats, Vultures, World On Fire

4,5/6 Punkten (Mehr Bums und Krach hätte man auf der Platte schon haben können.)

Inheaven - Inheaven
(Quelle: Presskit von PIAS)

Samstag, 19. August 2017

Die 24. Fleet Union: DNZR - Ebriety

Als ein Teil von Fewjar ist Felix Denzer musikalisch bereits seit ein paar Jahren bereits unterwegs. Andre werden ihn vielleicht eher von Youtube kennen, dass ist aber eher abhängig vom Alter oder Medienkonsum.

Der Wahlberliner fängt den Sound der Metropolen ein, die Schmelztiegel der Welt, und verarbeitet dieses in eine Mischung aus Jazz, Trip-Hop, Witch-House und Electro. Dabei meint man alte Bekannte zu finden, wie den Kalkbrenner Paul aber auch Internationale Bands sind wahrzunehmen. Dank einiger Saxophone-Passagen muss man unweigerlich an Vök aus Island denken.

Dementsprechend bildet sich eine dichte Klangwelt vor den Ohren des Zuhörers: manches ist Dicht bepackt, anderes wirkt durch das bereits erwähnte Saxophone leicht verrucht (wie in Metropolis) und lässt viel Platz zum entspannen. Andere Tracks erinnern wiederum an Titel aus Soundtracks von prägenden Filmen, die jeder kennt oder zumindest kennen sollte. Da wäre No More Than An Hour Ago, wo man wegen des Beats an die Frau im Roten Kleid innerhalb eines Trainingsprogramms denken muss. Ihr wisst schon, Matrix und so. Fight Club findet man auch stellenweise, aufgrund der aufgelegten Geschwindigkeit und der geschaffenen Atmosphäre. So muss und sollte moderner Pop klingen, vielfältig und divers, nicht eintönig und die zigste Reinkarnation irgend eines aktuellen Popsternchens, an welches sich man im nächsten Jahr schon nicht mehr erinnern wird. Denzers Konzept lädt zum wiederholten Anhören seines Albums ein und ehe man es sich versieht ist man wieder am Ende es Langspielers angelangt.

Produktionstechnisch sind wir hier ganz weit vorn, alle Schichten, die hier aufgetragen werden, sind ständig zu hören, glasklar und verschwinden nicht in irgendeinem Rauschen. Auf neun Titeln weiß der Künstler zu überzeugen und reist euch in den Trubel der Großstadt mit. Am 25.08. wird das Album „Ebriety“ auf Smile Records erscheinen.

Anspieltipps: Metropolis, Chivvy, Floating Loads

6/6 Punkten (Bitte mehr davon, auch im Radio!)

DNZR - Ebriety
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Sonntag, 13. August 2017

Die 23. Fleet Union: The Duke Spirit - Sky Is Mine

Es gibt Bands, die lassen sich teilweise mehrere Jahre, wenn nicht gar mehr als eine Dekade Zeit, um ein neues Album zu produzieren und zu Veröffentlichen. Nicht so das Quartett The Duke Spirit aus London. Die drei Jungs und die junge Dame haben allein 2016 zwei Werke veröffentlicht: das Album KIN und die EP Serenade. Am 18.08. ist es dann soweit und die Band veröffentlicht wieder ein Album, Sky Is Mine.

Der Sound der Briten lässt aufhorchen, da sich hier eine recht verträumte und finstere Mischung aus Dream-Pop und Indie-Rock ergibt, gewürzt mit ein psychedelischen Schüssen. Dabei meint man ein paar Bands zu treffen, die vielleicht einige Leser gar nicht kennen. Shara Nova a.k.a. My Brightes Diamond gibt sich hier mit Laboratory Noise (besonders mit dem Titel Things That Fall From Sky), Mr. Gnome und Melissa Auf Der Maur die Klinke in die Hand. Der Bass ist teilweise etwas angezerrt, mal einfach im Hintergrund ohne irgendwo Unruhe zu stiften. Die Gitarren sind niemals am Anschlag, wäre auch komisch für dieses Genre, sonst beherrscht man noch ein paar andere Instrumente und jeder der Bandmitglieder davon gleich mehrere. Manche Songs, wie zum Beispiel "Bones Of Proof", haben ein langes Intro um dann in großem Pomp zu enden. Dabei achtet man sehr darauf, nicht einfach auszurasten, man kreischt nicht und man wirft auch niemanden um, obwohl es gut ins Konzept passen könnte. Dennoch ist man tempomäßig recht divers unterwegs: alles zwischen leichtem Schleichen und Tänzeln bis flottem Galopp ist erlaubt. Die Produktionsqualität ist über alle Zweifel erhaben, man hat im Jahr 2016 ja ausreichen geübt und an Titeln herumgeschraubt, dabei hat man neben Bruno Ellingham, der auch schon bei Massive Attack ran durfte, selbst die Regler bedient, man hat so fast 36 Minuten Musik auf neun Titeln erschaffen. Veröffentlicht wird diese Dream-Pop/Indie-Rock/Psych-Pop-Scheibe auf Ex Voto Records, den Vertrieb regelt Al!ve.

Anspieltipps: Magenta, Yoyo, In Breath

5,5/6 Punkten (Der Soundtrack für den nächsten Agentenfilm, mit zerbrechlichem Agenten.)

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The Duke Spirit - Sky Is Mine
(Quelle: musicglue.com)

Donnerstag, 13. Juli 2017

Waterfall No. 1: Bone Zeno - Black Milk

Wie kommt es schon wieder zu einem neuen Thema? Nun, das ist vielleicht der Tatsache geschuldet, dass ab und mal E-Mails in meinem Postfach landen, die von Waterfall Records stammen . Dieses Label gehört wiederum zur Berlin Music Commision. Diese Kommission sieht sich als wichtiger Knotenpunkt der Musik und Musikwirtschaft und vereint dort einiges unter einem Dach.

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Bone Zeno, das ist ein Musiker, der in den 70ern in London geboren ist und noch all das mitbekommen hat, was Grundsteine der Klischees der Hippies und Punks gelegt hat. Genau das spiegelt sich auch, bis auf die Klänge der Hippiezeit,  im aktuellen Werk "Black Milk" wieder. Hier trifft purer, trockener Blues auf Rock und Psychobilly und schafft eine ranzige Stimmung, die man nur aus alten Spelunken kennt oder Bars, die noch morgens um 5 offen sind, aber absolut kein Leben mehr in sich haben. In seinem Album, welches er zusammen mit drei Gastmusikern in Berlin aufgenommen hat, findet man viele Lieder über Alkohol, Sex, und andere Dinge, die sich im Leben eines Reisenden ergeben. Und wenn er darüber singt, dass er morgens auf der Reeperbahn auf ein Taxi wartet, während ihm sein Blut über sein Gesicht rinnt, glaubt man ihm das. Seine Stimme hält zwar keinen Ton mehr, aber sie ist echt. So wie die Musik, die, wie bereits erwähnt, ohne viel Pomp und Glamour daherkommt. Life mag das sicher gut mitreißen, leider gibt es auf der Platte ab und an mal ein paar Durststrecken, wo nicht wirklich viel passiert, man verliert sich in Experimenten mit der Gitarre und streckt somit ein paar Songs. Der Sinn dahinter erschließt sich leider nicht immer, denn wie geht es in dem Sprichwort: "Aufhören, wenn es am schönsten ist." Die Produktion geht für den gewählten Genremix völlig in Ordnung, trocken, einfach gehalten, bis auf die paar Sperenzchen mit der Klampfe. Erscheinen wird "Black Milk" am 14.07. auf dem Berliner Label Impression Recordings.

Anspieltipps: U Fuck Me, Caroline, Bleed

4,5/6 Punkten (Was staubt mehr: die Gitarre oder das Drumset?)

Bone Zeno - Black Milk
(Quelle: ImpressionBerlin.com)