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Montag, 12. April 2021

Youtubisch Vol. 41

Fun Fact: Diazepam hieß von 1963 bis 2015 Valium. Es soll zur Behandlung von Angststörungen angewendet werden, wobei Angstzustände ungewollte Nebenwirkungen sein können. Dass das Zeug abhängig machen kann, das steht außer frage. 

Über genau dieses Zeug lässt sich der Sänger Aaron Matts der Band ten56. im Track Diazepam aus. Wenn man den Texten glauben mag, will man lieber tot sein, als nochmal eine Pille nehmen zu müssen. Wer beim Namen aufhorcht, kennt man die Band Betraying The Martyrs, denn da ist Aaron vor kurzem erst ausgestiegen. Mit den Mitgliedern von Novelists FR, Kadinja und Uneven Structure macht er wohl schon seit einem Jahr Musik. 

Wer jetzt trotz des Links, den Track noch nicht gehört hat, der sollte sich auf extrem tief gestimmte E-Gitarren gefasst machen, gepaart mit gutturalem Gesang und allem was sonst noch scheppert. Es wird gedrückt und geballert, wo es nur geht, man nimmt keine Rücksicht. Es gibt zwischen dem ganzen Metallcore auch ein paar Hardcoreanleihen. Vielleicht fühlt sich so der Zustand an, wenn man einen Trip auf Diazepam schiebt. Gegen Ende werden die Gitarren immer tiefer und langsamer. 

Das Video wurde im Winter bis morgens um 5 Uhr in einer leeren Halle gedreht und gibt somit die perfekte Untermalung und Stimmung zur Musik.  Man hat wohl noch ein paar Tracks im Petto, man kann also gespannt sein. 

ten56. - Diazepam (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Drogen sind schlecht, auch wenn sie dir dein Arzt verschreibt.

Dienstag, 6. April 2021

Youtubisch Vol. 40

Als das hier mit dem Blog anfing, hatte ich eine kleine Anekdote zur Band Red Fang zu erzählen. Nun hat mir Youtube erneut ein Video vorgeschlagen, was wieder funktionierte. Der Track Arrows enthält all das, was Red Fang ausmacht. Es ist alles leicht verzerrt, man bringt ordentlich Bums mit und man hat sein typisches Knarren und Knarzen am Start. 

Das die Männer Humor haben, bewiesen sie bereits in vielen ihrer Musikvideos. Bereits im Intro des Videos fragt einer, ob man das nicht schonmal gemacht hätte. Wer ein paar Videos kennt und nicht ein kaputtes Gedächtnis durch die Nutzung des Smartphones hat, der wird sich vielleicht an Wires erinnern. Der Rahmen der Zerstörung hält sich nun aber in Grenzen. Es ist lustig anzusehen, wie jeder das Schwert haben will und zu den unnötigsten Ereignissen mit hat und benutzt. Wie kleine Kinder, die ein Spiel- oder Werkzeug bekommen und es zu jeder Gelegenheit nutzen wollen, ob es nun Sinnvoll ist oder nicht. Die Technik zur Aufnahme der Bilder ist besser geworden, als sie es noch bei "Wires" war. 

Red Fang - Arrows (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Jungs bleiben Jungs, sie werden nur älter und die Spielzeuge teurer.

Donnerstag, 3. September 2020

Youtubisch Vol. 39

 Zum ersten Video setze ich eine Triggerwarnung. Die Band Criplled Black Phoenix hat ein recht brutales Video zusammen gestellt. Wer die Bilder von geschredderten Küken, verhungerten Kindern oder misshandelten Ferkeln nicht ertragen kann, auch wenn es die pure, harte Wahrheit ist, kann sich die Single Lost auf Bandcamp anhören.
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Zu Beginn wird man vom Klang eines alten Zahlensenders begrüßt. Das klingt unheimlich, das ist es auch. Diese Sender dien(t)en dazu, Agenten weltweit via Radio auf bestimmten Frequenzen zu erreichen, damit diese dann Befehle ausführen können. Nach ein paar Sekunden setzen Trommeln ein, der Gesang kommt mit der Gitarre um die Ecke. Akustisch wähnt man sich auf weiter Flur, umgeben von einem eisigen Wind. Die Bandmitglieder kommen aus Schweden und Großbritannien, was den Sound erklären kann. Die elektrischen Gitarren flirren hier und da durch, die Stimme der Sängerin ist leicht verzerrt und wird ab und an von einer Männerstimme unterstützt. Textlich wird die menschliche Gesellschaft behandelt. Wir sind als Menschheit verloren, wir verbrauchen mehr Planet als wir übrig haben und lassen alles und jeden hinter uns, der nicht mithalten kann. Die Folgen kann man sehen, sie werden einem täglich vor Augen gehalten und dennoch ignoriert man sie, weil man die Bilder zu oft gesehen hat oder weil man das Elend nicht wahr haben mag. Auf jeden Fall eine sehr aufrüttelnde Single. Das Album Ellengæst wird am 09.10.2020 auf Season Of Mist erscheinen. 

Crippled Black Phoenix - Lost
(Quelle: Youtube.com)

Der nächste Track hat zwar ein weniger brutales Thema, auch die Bildsprache ist weniger brutal. Es gibt viele Gäste im Clip, das Thema ist klar. Es geht um das noch laufende Jahr 2020. Das Virus und was alles noch passiert ist, gerade wegen des Viruses oder auch anderweitig, siehe Wirecard. Kafvka will zwar 2020 skippen, was man auch sonst so mit anderen ungeliebten Sachen macht, Tracks, die man nicht mag, Werbung vor Youtube-Videos, Videospielzwischensequenzen, wenn man sie schon zum zigsten Male sehen muss, weil man wieder verkackt hat. 

Aber ich persönlich denke, dass das Jahr mit all seinen Ereignissen, die Pflaster von den erkennbaren Wunden reißt, die überall zu sehen sind. Mangelnde Digitalisierung der Gesellschaft, die rechten Umtriebe (die man ja nicht wahr haben will), Schlachtbetriebe, die ihre Mitarbeiter aus dem Osten Europas ankarren lassen und zu menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten und leben lassen, Finanzunternehmen, die es so gar nicht geben dürfte und Fluggesellschaften, die um Geld betteln. Klar könnte man nun auch kritisieren, dass man keine Parties mehr feiern kann, dass man keine Konzerte mehr besuchen kann oder massenhaft Festivals abgesagt werden. Dem Virus ist es aber egal, woher du kommst, wieviel Kohle du im Monat machst oder woran du glaubst. Da muss man mal eben die Arschbacken zusammenkneifen. Die ganzen Probleme müssen m.E. angegangen werden, damit das Jahr 2020 nicht ganz verloren ist und nicht umsonst geskippt wird. Hier trifft, fast wie im Nu-Metal, Rap auf Metal und Rock, aber weniger proletenhaft. Der Rap ist böse und bei jeder Line denkt man: "Scheiße, er hat Recht." 

Kafvka - Skip 2020
(Quelle: Youtube.com)


Und dann fühlst du dich trotzdem noch machtlos.

Freitag, 21. August 2020

Youtubisch Vol. 38

Wir sind in einer düsteren Welt gelandet, die Apokalypse ist ausgebrochen und wir stehen vor den Scherben, die einst unsere Welt waren. Dennoch bietet diese zerstörte Welt eine Möglichkeit für einen Neuanfang. Genau das wollen uns die Deftones mit ihrem neuen Titel "Ohms" sagen. Das Intro zum Song ist bereits nicht so düster, wie man es von den Männern aus Sacramento gewöhnt ist. Die Gitarre hat nun wieder eine Seite mehr bekommen, also gibt es nun neun umwundene Drahtfäden (oder sind das schon Seile?) am Instrument. Sie klingt auch etwas dreckiger. Die Stimme von Chino erkennt man aus tausenden immer wieder. Gegen Ende des Songs klingt die band wieder optimistisch, als wenn man seine dunkle Vergangenheit und alles Schlechte hinter sich gelassen hat und nun nach vorne gucken kann, frei von alten Lasten. Das Album Ohms wird am 25.09.2020 in verschiedenen Versionen erscheinen. 

Deftones - Ohms
(Quelle: Youtube.com)


Lage, Lage, Lage. Das ist nicht nur im Immobilienmarkt wichtig. Auf "Gaslight" von Bitch Falcon trifft das ebenso zu. Hier liegen so viele Lagen Musik übereinander, dass man sich sofort eingelullt fühlt. Die gezeigten Bilder geben ihr Übriges dazu. Der Bass und das Schlagzeug drücken ordentlich von unten und jede neue Note fordert den Zuhörer und erzeugt immer mehr Spannung. Auch der Track Test Trip zeigt, dass der Bass hier eher das Sagen hat und viel voran treibt... achja, Lagen gibt es hier ebenso viele Das dazugehörige Album wird Staring At Clocks heißen und am 06.11.2020 veröffentlicht. 

Bitich Falcon - Gaslight
(Quelle: Youtube.com)


Und wer noch tiefer in den Kaninchenbau will, höre sich Things That Fall From The Sky von Laboratory Noise an.

Montag, 13. Juli 2020

Youtubisch Vol. 37

Das Techno gut mit Metal harmonieren kann, bewiesen einst schon We Butter The Bread With Butter mit "Ich mach was mit Medien", das Video hatten wir hier mal. Man gehe einfach zu Min. 1:49 und genieße den Atzenbeat. Und dann kommen die Dudes von Eskimo Callboy um die Ecke und setzen dem ganzen mit Hypa Hypa noch die Krone auf. 

Nicht nur das der Anfang einfach nur richtig einfach gestrickter Techno ist (hoffentlich bekomme ich hier dafür nicht den Kopf abgerissen), nein, die haben sich allen ernstes Schnauzer stehen lassen. Die Frisen sind natürlich Perücken, die Klamotten sind auch derbe daneben und zusammen mit den Neons und dem Ferrari fangen vor lauter Zucker die Augen an zu schmerzen. Nach 20 Sekunden gibt es dann aber ordentlich aufs Fressbrett geknüppelt. Da muss man dann schon den Schnauzer und die Perücke festhalten, wenn man den Kopf ordentlich zu dem Metalgekloppe bewegen will. Die ganzen Technoatzen werden dann entweder das Weite suchen oder vielleicht mitmachen, um dann mitten im Lied fast wie Scooter du "döpen". 

Mal im Ernst: die Jungs werden sich was dabei gedacht haben. Sie haben eine Hymne geschaffen und bringen zwei Dinge zusammen, die scheinbar schwer miteinander zu verbinden sind. Der Coup ist gelungen, denn mehr als 2,9 Mio. Views auf Youtube und zig Reactionvideos sprechen für sich. Vielleicht auch, weil das Szenario und der wirklich wirklich absurde Mix der Musik zum Lachen animiert. Und spätestens im zweiten Refrain ist man gefangen. Dabei geht es im Text wohl um eine angebetete Dame auf dem Dancefloor, die dann eben tanzen soll. Das zeigt auch, wie creepy manche Kollegen des männlichen Geschlechts sein können. Die Bilder des Videos unterstreichen das mitunter sehr gut. Dabei ist dies nur der Vorbote zur EP "MMXX", die am 11.09.2020 auf Century Media Records erscheinen wird.


Eskimo Callboy - Hypa Hypa (Musikvideo)
(Quelle: youtube.com)


DAS ist ein Sommerhit, wie er jeden Tag im Radio laufen sollte und nicht das billige Popgedudel. So.

Update: Selbst die Frau des Hauses, die sonst keinen Metal mag, geht auf diesen Titel ab.

Donnerstag, 2. Juli 2020

Youtubisch Vol. 36

Heute reißen zwei Frauen mit ihren Bands akustisch eure Wände ein. 

Wir beginnen mit der Band No Rest For Jane aus Berlin. Die gibt es noch nicht so lange, machen aber auf ihrer ersten Single Death Angel so viel Lärm, wie die großen Bands des Metalcore-/Deathcore-Business. Die Stimme der Dame hält ordentlich gegen die 8-/7-Saiter, den Bass und das Drum Kit. Textlich geht es um einen Todesengel, laut Wiki hat dieser in den verschiedensten Religionen auch verschiedene Funktionen. Gleich am Anfang heißt es, dass "deine Zerstörung mein Schicksal ist" und dass man genauso kaputt sei, wie die anderen. Aktuell gibt es noch keine EP oder ein Album, man habe aber schon weiteres Material am Start. Das Video ist Corona geschuldet, man hat aber das Beste daraus gemacht. 

No Rest For Jane - Death Angel (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)


Die Band Sharptooth erklärt euch mal eben, dass man auch mit wortwörtlich Nichts einen Song schreiben kann. In Say Nothing (In The Absence Of Content) geht es darum, dass man eh alles wieder vergisst, dass man eh nur nach dem nächsten Beatdown heischt und darum, dass wenn man nichts kreiert hat, auch nichts zerstört werden kann. Auch das Video passt hier dazu, obwohl es eher mit den Bildern der Sternchen des Pop-Business spielt. Da gibt es eine Gaga ode auch Perry, man tanzt ein wenig, lächelt in die Kamera oder tut, wie die Gaga, eben cool a.f.. Wie bereits versprochen, reißt auch diese Band ordentlich die Wände ein und ballert los. Hier gibt es Metalcore und Hardcore vom Feinsten. Das Album dazu heißt Trasitional Forms und ist ab dem 10.07.2020 auf Pure Noise Records erhältlich.

Sharptooth - Say Nothing (in The Absence Of Content) (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)


Mal eben das Gehirn freipusten. 

Sonntag, 17. Mai 2020

Youtubisch Vol. 35

Heute geht gibt es hier eine geballte Ladung Rock und Punk auf die Ohren. Den Anfang macht die Band 100 Kilo Herz mit ihrem Song "Drei Jahre ausgebrannt", in dem sie lautstark über die Zustände in ihrem Bundesland wettern. Dabei bekommen alle, die Mist bauen, ihr Fett weg. Der gewaltige Punk, der hier läuft, wird mit Bläsern unterstrichen. Das Album "Stadt Land Flucht" wird am 07.08 auf Bakraufarfita Records erscheinen. Wer Feine Sahne Fischfilet mag, wird diese Band ins Herz schließen.

100 Kilo Herz - Drei Jahre ausgebrannt (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Die Band Brainswitch aus Bosnien und Herzegowina spielt ein ganz anderes Tempo auf, beziehungsweise wechselt man hier immer wieder zwischen verschiedenen Lautstärken. Man baut relativ langwierig einen Spannungsbogen aus um ihn dann langsam im Refrain loszulassen. Dabei geht es in "Bow Down to the Sun" um unseren Energiespender Nummer Eins. Das Album Sun Worship Kingdom erschien am 13.03. auf Geenger Records.

Brainswitch - Bow Down to the Sun (Musikvideo)
(Quelle: Youtbe.com)

Und so schicke ich euch kopfnickend in die verkürzte Woche.

Dienstag, 5. Mai 2020

Youtubisch Vol. 34

Wir hatten hier ja ewig kein Youtubisch. Vielleicht ist das gar nicht so schlecht, um ein paar neue Videos, die bei mir im digitalen Briefkasten landen, zu teilen.

Heute bekommt ihr zwei Tracks, die ich beide definitiv beim Snowboarden feiern würde. Da hätten wir einmal "Ooh LA LA" von Run The Jewels, mit einem Feature von Greg Nice und DJ Premier. Der Track klingt so, als käme er aus den 90ern, kombiniert mit der Produktionsqualität von heute. Der Bass massiert angenehm das Trommelfell, während man entspannt den Kopf nicken lassen kann. Wer den Sänger von Rage Against The Machine findet, darf ihn behalten. Das Video ist auch nicht ohne, hier brennen Scheine, Kreditkarten werden vernichtet und die Menschen tanzen auf der Straße. Keine Sorge, dass Video entstand vor der Pandemie. Das Album dazu wird "RTJ4" heißen und im Frühsommer diesen Jahres auf den Markt kommen.

Run The Jewels - Oh LA LA feat. Greg Nice & Dj Premier (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Der zweite Track macht nicht weniger Spaß, kommt thematisch etwas ernster daher. Die Mischung aus Punk und Hardcore, gepaart mit ein paar feinen Spielereien und derben Drumparts machen "The Wailer" von Bikini Kevlar aus Zagreb zu einem Headbanger. Der Text befasst sich mit denen, die sich über die Kleinigkeiten beschweren, dabei aber völlig außer acht lassen, dass es auf der Welt weit größere Probleme gibt, wie zum Beispiel Hunger und Durst. Danach könnt ihr euch gleich noch das doomigere Ballerina's Toes geben. Das Album OPT-OUTism wird ab dem 22. Mai auf Geenger Records geben.

Kevlar Bikini - The Wailer (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Das sollte ich vielleicht mal wieder öfters machen, auch wenn es gerade keine kostenlose Musik ist. Vielleicht regt es euch zum Weiterhören oder Bestellen an.

Dienstag, 2. April 2019

Die 1. Bangup Bullet: Better Stranger - Taxi For Susie

Hier ist man mal auf mich zugegangen und hat mich gefragt, ob die Band Better Strangers aus Berlin nicht was für Neben dem Strom wäre. Dabei hat man mir Björn von Bangup Bullet gleich zwei Mails geschickt. Die Zweite enthielt den Link zur Studiosession von Perfect Day. Und der hat mich gepackt.

Der Titel verspricht hat viel Atmosphäre, Druck aber auch jede Menge Spannung. Man spielt mit der Erwartung des Zuhörers und schafft gekonnt Spannungsbögen. Andere Titel hingegen erinnern an The Blue Stones, die wir hier mal hatten (leider sind die hier aufgeführten Alben hier nicht mehr bei Bandcamp). Der Rock hat nun mal eben seine Wurzeln im Blues. Man spielt nicht zu derbes Zeug und schafft es auf den fünf Titel, die die EP "Taxi For Susie" zu bieten hat, zu gefallen. Der Gesang kommt ab und an von allen drei Musikern, sonst ist auch alles vorhanden, was zu einer Rockband gehört: Gitarre, Bass und Schlagzeug.

Textlich geht es mal um jemanden, der nicht von der Erde kommt und den Sinn des Lebens sucht, mal geht es um jemanden, der sich selbst sucht, aber auf viele Hürden trifft und damit alleine klar kommen muss. Die Produktion ist hier über jeden Zweifel erhaben und Rundet die ganze Geschichte ab. Veröffentlicht wird die EP am 05.04. auf DCD Records veröffentlicht.

Anspieltipps: Perfect Day, No One 

5/6 Punkten (Lieber nette Unbekannte als unfreundliche Menschen, die man kennt.)

Better Stranger - Taxi For Susie
(Quelle: Presskit von Bangup Bullet)

Montag, 4. Februar 2019

Youtubisch Vol. 33

Anfang 2015 habe ich aufgehört Alkohol zu trinken. Mir ging zuviel Lebenszeit verloren und die Erinnerungen und das Erlebte wirkten anders als es nachher wirklich war. Selbst auf Konzerten verzichte ich komplett darauf, ich möchte einfach die Band genießen, die Performance, so wie es wirklich gespielt wird.

Genau das thematisiert die Band We Never Learned To Live, nur mit einer anderen Droge, die du lieber Leser und Zuhörer, vielleicht gerade in den Händen hältst: dein Smartphone. Und ja, man sollte vielleicht nicht an den schönsten Orten der Welt oder beim geilsten Konzert des Jahres am Smartphone hängen oder an "das perfekte Foto" denken. Die Band klingt anklagend, schafft mit den Gitarren große Räume und weite ebenen, die einen nicht stakkatohaft einengt und erdrückt. Die Produktion weiß zu überzeugen und macht Lust auf mehr, auf die Geschichten, die die Band erzählen wird und die Landschaften, die sich durch die Instrumente aufbauen wird. Das zweite Album der Band The Sleepwalk Transmission, wird am 10. Mai 2019 auf Holy Roar Records veröffentllicht veröffentlicht. Ein Review hierzu werdet ihr dank Fleet Union auch zu lesen bekommen.

We Never Learned To Live - Luma/Non Luma (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Sonntag, 10. Juni 2018

Youtubisch Vol. 32

Sicher kennt der ein oder andere unter euch dieses Gefühl, wenn Töne, Lieder, Gerüche oder Geschmäcker einen an Früher erinnern, auch wenn es was völlig neues ist? Chino Moreno, Sänger der Deftones und mitwirkend bei Team Sleep und anderen Seitenprojekten (man macht momentan auch in Bier), hat für den Film Dark Nights: Metal einen Song aufgenommen. Schon bei den ersten Klängen merkt man, welche Schuhe sich der Mann hier morgens angezogen hat um "Brief Exchange" zu schreiben und aufzunehmen. Wer hier nicht an Around The Fur, White Pony und vielleicht noch an Deftones (das Album) denken muss, kennt die Band noch nicht wirklich. Dennoch, der Sound, das Gefüge, der Spannungsbogen, das Spiel zwischen dem Bass und der Stimme, mit der Gitarre im Hintergrund, lässt einen Aufhören. Man wird das Gefühl nicht los, dass man einen verschollenen Track aus dem Jahre 2000 auf den Ohren hat, wo man Wes Borland mal kurz die Gitarre bedienen durfte. Es klingt, man möge mir hier meine Wortwahl entschuldigen, geil. Einfach so. Es macht spontan Spaß, den Track zu hören, nicht wie sonst bei den Alben, dass man die erst verstehen musste. Es kann daran liegen, dass man White Pony und Deftones kennt und den Sound aus dieser Ära mag und den Song deswegen anhimmelt. Oder ist der Track eben doch einfach zugänglich? Es bleibt auf jeden Fall im Kopf hängen.

Chino Moreno - Brief Exchange (Stream)
(Quelle: Youtube.com)

Zur Zeit arbeitet die Band an neuen Titeln für den Nachfolger von Gore. Die Frage stellt sich, wie bei fast jedem Album dieser Band, in welche Richtung es nun gehen wird.

Freitag, 16. Februar 2018

Die 30. Fleet Union: All The Luck In he World - A Blind Arcade

Wir müssen ein neues Genre erfinden oder sollten es eher. Instagrammusik oder Instamusik. Wie ich darauf komme? All The Luck In The World aus Irland machen Musik passend für euren, vielleicht sehr melancholisch angehauchten Instagramfeed oder ein Urlaubsvideo, welches ihr vielleicht auch auf Youtube hochgeladen habt.

Nach ihrem selbstbetiteltem Debüt hat die Band sich zurückgezogen, da man nicht mit dem eigenen Erfolg gerechnet hat. Sie bauten in ihrem Heimatort Wicklow eine alte Hütte zu einem Studio aus und nannten es "Haven". Alle Sounds, die man auf der Platte im Hintergrund wahrnimmt, wurden in und um Haven aufgenommen und hat so ein organisches Klangumfeld. Dennoch war wohl nicht alles technisch komplett ausgereift und man entschied sich das Album mit Paul Pilot in den Golden Retriever Studios aufzunehmen. Auf den 45 Minuten des Langspielers schafft das wahlberliner Quartett Musik, die in eine Generation passt, die sich durch das erschaffene Ich auf Instagram und anderen sozialen Fotoplattformen definiert. Alles ist in ein goldenes Licht gehüllt, man hat Angst, diesen einen Moment, der der beste des Lebens sein könnte, zu verlieren, zu vergessen. Dabei scheut die Band keinen Aufwand, lädt Streicher und ihre Instrumente ein und legt diese Sanft zwischen die Gitarren, Klaviere und den Gesang. Und da gibt es keine Filter, die man einfach darübergelegt hat oder Hashtags. Das Cover hat die Band ebenfalls selbst entworfen, man hatte keinen Bock auf Überraschungen. Interpretationsspielräume hat man hier zuhauf, auch wenn man eher davon ausgehen kann, dass der Hirsch wohl alles so gesehen hat, wie es sich zwischen den Enden seines Geweihs darstellt. Veröffentlicht wird der akustische Ritt durch eure Fotofeeds am 23.02. auf dem eigenen Label, den Vertrieb regelt Rough Trade.

Anspieltipps: Contrails, Landmarks, Golden October

5,5/6 Punkten (#goldentone)

All The Luck In The World - A
Blind Arcade
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Das Glück der Erde gibt es auch Live:

22.02. D - Berlin, Baumhaus Bar (Free Release Show)
23.02. D - Hamburg, Raum (Free Release Show)
24.02. D - Rees, Haldern Pop Bar (Free Release Show)

08.04. D - Köln, Artheater
09.04. CH - Zürich, Edlorado
10.04. D - München, Orangehouse
11.04. AT - Wien, Flux Café
13.04. D - Berlin, Badehaus
14.04. D - Hamburg, Molotow
16.04. UK - London, The Islington (sold out)
17.04. UK - London, The Islington (Zusatzkonzert)
19.04. IRL - Dublin, Workman's

Freitag, 12. Januar 2018

11th Carrycoal: DinoSound - Claudia

"Heute gibt es Eintopf." Anders ließe sich der Sound der Band DinoSound aus Berlin nicht beschreiben. Das in jeglicher Hinsicht bunt gemischte Quartett aus Berlin mischt fast alles, was es im Bereich Rock'n'Roll in den letzten 20 Jahren gab. Der Albumname bezieht sich, laut Promotext, dabei auf einen Mädchennamen, der in den Jahren 1940 bis 1970 in Deutschland am meisten vergeben wurde.

Musikalisch bewegen wir uns hier zwischen verzerrten Gitarren des Stadionrocks von Biffy Clyro, U2, Incubus und, jetzt wird es komisch, Nickelback. Fragt lieber nicht woher ich das jetzt weiß. Dennoch braucht man sich nicht schämen, denn es gibt großartige Moment auf diesem Album, getragen durch den Gesang von Florin Kerber und Janine Semmler, wobei die Dame nicht immer am Mikro steht sondern eher pointiert. Die gesamte Platte wird druckvoll präsentiert, es wird gefrickelt, mit den Wah-Wah-Pedals gespielt und ordentlich gedrückt. Das einzige was etwas hinten runterfällt, ist das Schlagzeug... zumindest die Becken. Wo der Rest der Felle ordentlich eingespielt ist, so scheppern die Becken sehr komisch, als wenn man, wie bei Stop Eating Robots, die Becken in 128kb/s aufgenommen hätte, vor allem dann, wenn alle Gitarren gespielt werden. Das kann aber auch am Mix des Promoexemplars liegen, zumindest hoffe ich das. Dennoch kann man mit "Claudia", welche 30 Minuten lang ist, glücklich werden. Aufgenommen und gemastert wurde das Album bandeigenen Tausendsassa Studio in Berlin. Veröffentlicht wird die Dame am 19.01. in kompletter Eigenregie.

Anspieltipps: You and I, Better At It, Lose

5/6 (Dinos schepperten früher schon ganz schön laut.)

DinoSound - Claudia
(Quelle: Promosheet von Carrycoal)

Sonntag, 12. November 2017

Die 27. Fleet Union: Fjørt - Couleur

Nach nicht mal zwei Jahren gibt es wieder Lärm aus Aachen. Fjørt werden mit ihrem Album Couleur politischer denn je, haben aber kein strikt politisches Album geschrieben. Die Band sagt, dass sie die politischen Entwicklungen, die vom rechten Rand kommen und Unterstützer haben, so nicht unkommentiert stehen lassen wollen, auch wenn es im Titel "Raison" heißt, dass man genau das Gegenteil vor hatte. Aber auch Sucht, Eifersucht und Unversehrtheit sind Themen, die man Textlich anschneidet, auseinandernimmt und einem, zum Teil fast unangenehm, vor die Augen/Ohren hält.

Musikalisch sind wir immer noch zwischen Hardcore und der Postversion dessen, auch wenn man musikalisch gegenüber dem Vorgänger leicht gewachsen ist. Man traut sich an synthetisch erzeugte Klänge, man findet neue Soundlandschaften, die es auf Kontakt so noch nicht gab. Da sind die Gitarren mal eben nicht immer bretthart, man ist auf einmal sphärisch veranlagt. Die eingetretenen Freiräume lassen einen in die Texte eintauchen, die Musik differenzierter wahrnehmen. Sowas kennt man schon von The XX, auch wenn diese Band eher fernab des Stils von Fjørt ist. Dennoch sollten Fans nicht besorgt sein, man beherrscht immer noch Gitarrenwände, die einen förmlich erschlagen wollen.

Frings Stimme ist auch nicht immer am Schlag, man ist jedoch durch den gewählten Gesangsstil nie ganz im Einklang zu den Instrumenten. Das kennt man aber auch nicht anders von dieser Band und unterstreicht so die Message, die sie übertragen möchte. Frings klingt eher so, als wenn er den Zuhörer ermahnen will, ihn akustisch wachrüttelt. Wie bereits oben erwähnt, sind einige Textstellen nicht von schlechten Eltern. Dabei ist es erstaunlich, dass man mit "Karat", dem letzten Titel des Langspielers, den Titel des Openers aufgreift und so den Kreis schließt, denn hier geht es immer "Südwärts" bis die Drums völlig übersteuert sind und den Zuhörer an den Anfang des Albums werfen. Man hat gelernt, dass man Tracks ineinanderlaufen lassen kann, was bei bestimmten Tools und Geräten etwas störend wirkt, bzw. ähneln Tracks, wie "Couleur", am Anfang wie kaputte Dateien/CDs oder ein Rechner, der gerade die Hufe hochreißt.

Die Produktion ist, trotz der relativ kurzen Zeit zwischen "Kontakt" und "Couleur", gelungen. Der Bass ist sehr gut herauszuhören, die Gitarren sind vielfältig in den Raum gestellt und die Trommeln runden den Sound druckvoll ab. Auch die eingefaltene Synthetik passt und ist nicht fehl am Platz. Fast 44min ist man in der Welt dieser Band gefangen, die durch die Sprache eine unangenehme Position schafft, in der man immer wieder zur unangenehmen Selbstreflektion gezwungen ist. Chapeau meine Herren, das hat man nicht alle Tage. Veröffentlicht wird Couleur am 17.11. auf Grand Hotel van Cleef.

6/6 Punkten (Textlich immer noch unantastbar.)

Anspieltipps: Couleur, Eden, Magnifique

Fjørt - Couleur
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Donnerstag, 2. November 2017

Pias 7: Fever Ray - Plunge

Eins vorweg, es wird nun kurz etwas persönlicher. Fever Ray entdeckte ich persönlich im Jahre 2009 durch puren Zufall, wie auch immer dieser zustande kam. Der Track Seven war entweder im Kraftfuttermischwerk integriert oder wurde mir vielleicht empfohlen. So genau kann ich das heute nicht mehr sagen. Eins war jedoch klar, der Sound hat mich irgendwie mitgenommen und mir gezeigt, dass es mehr Musik gibt, die hörenswert ist, als das was das lokale Radio spielt. Bürgerlich heißt die Schwedin Karin Dreijer Andersson und könnte dem ein oder anderem auch von Röyksopp bekannt sein, zumindest hat sie bei den Jungs die Gesangsspuren zu What Else Is There, Tricky Tricky und This Must Be It beigesteuert. Nun war es aber so, dass es seit 2009 kein richtiges Lebenszeichen gab, bis zum 27.10. 2017, denn da erschien, zuerst nur digital, das Album "Plunge".

Dabei bleibt Fever Ray ihrem Stil treu, alles ist finster, in ihrer Welt scheint es kein richtiges Glück zu geben. Dennoch gibt es hier und da ein paar durchaus tanzbare Abschnitte, die "IDK ABout You". Der Großteil des Albums hat Karin in ihrem eigenen Stockholmer Studio aufgenommen und ziemlich viele Produzenten an Land gezogen, darunter Deena Abdelwahed, Tami T und Peder Mannerfelt. Auf dem Album findet sich natürlich viel synthetisch erzeugter Klang, dennoch gibt es neben Karins recht prägnanten Gesang, ein paar Soundschnipsel, die jeder kennt, wie den Freizeichenton in "Falling". Textlich kann es anzüglich werden, wenn sie zum Beispiel in "This Country" singt, dass es in diesem Land hart sei zu kopulieren. In To The Moon And Back (ist das eine Anspielung auf einen Titel aus den 90ern?) singt sie darüber, wie sie die Finger in das weibliche Geschlechtsteil des Gegenüber stecken möchte. Und wer den "Red Trails" genauer zuhört, entdeckt nicht nur ein Streichinstrument, sondern auch was über die Lieblingsmalfarbe der Künstlerin. Und am Ende des Trips, der 48 Minuten umfasst, wird man von "Mama's Hand" aus den dunklen Tiefen des Albums geholt. Die Platte lässt keine Wünsche offen, es sei denn, man kann sich nicht mit Anderssons Stimme anfreunden. Warum man aber die Veröffentlichung auf analogen Medien auf den Februar verschoben hat, das habe ich bis heute nicht erfahren.

Anspieltipps: IDK About You, Wanna Sip, A Part Of Us

6/6  Punkten (Acht Jahre Ruhe und dann sowas.)

Fever Ray - Plunge
(Quelle: Presskit von Pias)

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Neues aus dem CD-Regal, Ausgabe 6: Myrkur - Mareridt

Ja, auch meine Wenigkeit kauft sich noch CDs, mir ist auch durchaus bewusst, dass Audiofetischisten jetzt aufschreien werden, da Vinyl ja das einzig Wahre ist. Ohne Plattenspieler, keine Platten, eine einfache Rechnung. An diesem Kauf hat auch das Visions-Magazin Schuld, da in der Ausgabe 294 die Künstlerin Myrkur kurz angeschnitten wurde.

In dem Artikel ging es darum, wo die junge Dänin, namentlich Amalie Bruun, ihre Inspiration hernimmt. Es sind wohl ihre Albträume, mit welchen sie ganze acht Alben hätte schreiben können. Da Relapse Records das gesamte Album auf Youtube hochgeladen hat, konnte ich mir bereits da das Umschriebene der Visions genauer zu Gemühte führen. Und das gefiel, da allein die Mischung aus dänischer Folklore und Black Metal völlig wirr klingt, keine Sorge, die Black Metal Drumss werden nur selten ausgepackt, so ist sie dennoch Sinnvoll. Die Künstlerin hat relativ viele Instrumente, die man im Hintergrund hört, selbst eingespielt. Mal ist ihre Stimme zwischen Celli eingegraben, mal erhebt sich ein mächtiger Konzertflügel über einen Frauenchor, der zusätzlich mit viel Hall unterfüttert ist. Und ein paar Sekunden später greift man zur E-Gitarre um all die schönen Landschaften nochmal einzureißen. Der Gesang ist, so wie die Instrumentalisierung, vielseitig: es gibt infernales Gekreische, dämonisches Fauchen, dennoch dominiert der himmlische Gesang, und wenn die Frauenchöre, wie in Ulvinde, einsetzen, ergibt dies ein harmonisch, schauriges, dennoch vollständiges, akustisches Bild.

Die Stimmung ist frostig, kalt und stürmisch, man möchte in den grauen Wolken der Herbstunwetter baden und sich vom Regen auspeitschen lassen. Ein recht unheimlicher Track ist Børnehjem, als hätte man hier die Stimmen aus den Albträumen direkt auf den Audiotrack gespannt. Kein Wunder, bedeutet Børnehjem nichts anderes als Kinderheim. Bevor ihr nun zurückschreckt, weil alle bisher von mir genannten Titel dänisch sind, es wird nicht nur in der Muttersprache der jungen Künstlerin gesungen. Es gibt auch Titel auf Englisch, wie Crown oder das sehr schleppende The Serpent.

Um den Bogen nicht zu überspannen: Erschienen ist Mareridt am 15.09., umfasst knapp 52 Minuten und kann vollständig, mit einem Bonustrack mehr, auf dem Bandcampaccount gestreamt werden.

Anspieltipps: Kætteren, Himlen Blev Sort, Crown, Mareridt, Måneblôt

6/6 Punkten (Komm her Oktober, ich will dich umarmen.)

Myrkur - Mareridt
(Quelle: Bandcamp.com)

Dienstag, 19. September 2017

4. Nachschlag: Anna of the North - Lovers (PIAS)

Die Anna aus dem hohen Norden ist, entgegen der Vermutung, nicht allein. Bei dieser Band hat handelt es sich um ein Duo, bestehend aus der Norwegerin Anna Lotterud und dem Australier Brady Daniel-Smith. Und die beiden machen nicht erst seit gestern Musik, man ist seit der ersten Single von vor drei Jahren bis heute so weit gekommen, dass man einen Langspieler produzieren konnte.

Bereits die ersten Klänge von Lovers zeigen die Richtung vor, es geht hart gen Electro-Pop, mit einigen Abstechern in Richtung der 80er. Aufgrund der Konstellation beider Partner, merkt man die Einflüsse der beiden Musikbereiche, aus denen beide das Beste einbringen. Wer die Augen schließt, wähnt sich entweder irgendwo in Sommererinnerungen oder denkt gleich an Sportfilme aus einer Jahreszeit, in der die Menschen eher lieber drin sein wollen, im Warmen, anstatt auf einem Brett durch das weiße Gold (nein, nicht Salz) zu heizen. Natürlich wähnt man sich auch, einige Bekannte aus dem Genre, welches oben weiter aufgeführt ist, zu hören, das liegt vielleicht an dem Australier an Bord. Nicht umsonst hört man andere Mithörer sagen, dass man den Beat und die Synthie-Line aus dem Titel Someone irgendwo her kennen muss.

Die Tracklist ist auffällig, da bis auf Moving On und All I Want, alle Titel nur aus einem Wort bestehen. Vielleicht will man damit sagen, dass weniger mehr ist. Es geht natürlich um Liebe und andere Probleme (ist das überhaupt ein Problem?), die man so in der Jugend hat, anders kann man sich den Text des Titels Always nicht erklären. Denn hier singt die Anna, dass sie es satt hat, ständig verliebt zu sein und dennoch nur irgendwo im Hintergrund zu sein. Vielleicht sowas wie ein Mauerblümchen? Das Album erschien am 08.09. auf Different Recordings und wie ihr Mitleser vielleicht schon gemerkt habt, könnt ihr das Album aktuell vollständig auf Youtube streamen.

Anspieltipps: Moving On, Feels, Fire

5/6 Punkten (Passt auf wo ihr mit geschlossenen Augen hintanzt!)

Anna of the North - Lovers
(Quelle: Presskit von PIAS)
Anna und Brady könnt ihr auch Live sehen:

14.10. - Hamburg, Häkken
16.10. - Berlin, Auster Club
19.10. - Köln, Yuca

Sonntag, 13. August 2017

Die 23. Fleet Union: The Duke Spirit - Sky Is Mine

Es gibt Bands, die lassen sich teilweise mehrere Jahre, wenn nicht gar mehr als eine Dekade Zeit, um ein neues Album zu produzieren und zu Veröffentlichen. Nicht so das Quartett The Duke Spirit aus London. Die drei Jungs und die junge Dame haben allein 2016 zwei Werke veröffentlicht: das Album KIN und die EP Serenade. Am 18.08. ist es dann soweit und die Band veröffentlicht wieder ein Album, Sky Is Mine.

Der Sound der Briten lässt aufhorchen, da sich hier eine recht verträumte und finstere Mischung aus Dream-Pop und Indie-Rock ergibt, gewürzt mit ein psychedelischen Schüssen. Dabei meint man ein paar Bands zu treffen, die vielleicht einige Leser gar nicht kennen. Shara Nova a.k.a. My Brightes Diamond gibt sich hier mit Laboratory Noise (besonders mit dem Titel Things That Fall From Sky), Mr. Gnome und Melissa Auf Der Maur die Klinke in die Hand. Der Bass ist teilweise etwas angezerrt, mal einfach im Hintergrund ohne irgendwo Unruhe zu stiften. Die Gitarren sind niemals am Anschlag, wäre auch komisch für dieses Genre, sonst beherrscht man noch ein paar andere Instrumente und jeder der Bandmitglieder davon gleich mehrere. Manche Songs, wie zum Beispiel "Bones Of Proof", haben ein langes Intro um dann in großem Pomp zu enden. Dabei achtet man sehr darauf, nicht einfach auszurasten, man kreischt nicht und man wirft auch niemanden um, obwohl es gut ins Konzept passen könnte. Dennoch ist man tempomäßig recht divers unterwegs: alles zwischen leichtem Schleichen und Tänzeln bis flottem Galopp ist erlaubt. Die Produktionsqualität ist über alle Zweifel erhaben, man hat im Jahr 2016 ja ausreichen geübt und an Titeln herumgeschraubt, dabei hat man neben Bruno Ellingham, der auch schon bei Massive Attack ran durfte, selbst die Regler bedient, man hat so fast 36 Minuten Musik auf neun Titeln erschaffen. Veröffentlicht wird diese Dream-Pop/Indie-Rock/Psych-Pop-Scheibe auf Ex Voto Records, den Vertrieb regelt Al!ve.

Anspieltipps: Magenta, Yoyo, In Breath

5,5/6 Punkten (Der Soundtrack für den nächsten Agentenfilm, mit zerbrechlichem Agenten.)

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The Duke Spirit - Sky Is Mine
(Quelle: musicglue.com)

Mittwoch, 28. Juni 2017

2. Nachschlag: Igorrr - Savage Sinusoid (Metalblade)

Eigentlich wollte ich die Überschrift anders haben, aber leider kam das Album kurz vor Release, somit war ein genaueres Hinhören nicht möglich, leider. Und ja, wir haben mit Metal Blade Records einen neuen Mitstreiter im Bunde. Daran ist mal wieder Youtube schuld, genauer ein Musikvideo. Dazu im Review mehr. Ich hoffe natürlich, dass wir auch unter der Fahne des Totenkopfs weiterhin interessante Bands und Musik finden werden. Nun geht es weiter zum Review.

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Ist das Kunst oder kann das weg. Das fragte sich nicht nur ein bekanntes Gesicht aus dem TV, nein das wird sich sicher jeder einmal mindestens im Leben gefragt haben. Bei dem Video zu Igorrrs "ieuD" poppten viele Fragen auf, auf der anderen Seite kam man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Igorrr, ja das hat so viele R im Namen, ist ein Projekt des Franzosen Gautier Serre, in welchem alles, was Kunst und die Musik zu bieten haben ineinander verschmelzen. Dies mag im ersten Moment komisch klingen, führt beim ersten Durchhören des Langspielers aber durch eine verschrobene, hochinteressante Landschaft. So mischt man hier zum Beispiel auf Houmous eine Ziehharmonika mit Death-Metal-Drums, um dann kurz mit Drum'n'Bass zu tanzen. Und man findet das nicht mal komisch oder gar unpassend. Der Beginn des Album hätte genauso von einem Betrunkenen gesungen worden sein, dennoch, wieder nicht unpassend. Und diese Faszination, das Spielen mit den verschiedenen Stilrichtung, das Durchbrechen der Genregrenzen, das wirkt hier nicht erzwungen, nicht gewollt, es wirkt wie ein Naturschauspiel, ein großartiges noch dazu. Während andere Manager versuchen, dass nächste große Ding des Musikbusiness zu finden, macht Guatier einfach was er will und kommt damit erstaunlicherweise sehr gut voran. Andere mag es vielleicht abschrecken, dass man hier auch mit E-Gitarren, Operngesang und brachialem Gebrüll durch die akustisch, sich ständig ändernde Landschaft wandelt, tanzt und stampft, aber denen fehlt vielleicht das nötige, salopp formuliert, Weiterdenken. Das der Kopf vielleicht selbst die Musik, die einem rein zufällig über die Trommelfelle hüpft, ergänzt, oder gar erweitert. Und genau das schafft der Franzose, er ergänzt, mischt die Farben ganz neu und erschafft seine eigenen Genres um sie dann ein paar Sekunden später doch wieder umzuschmeißen. Und ehe es man sich versieht, ist man fast 40 Minuten durch Chaos und Spaß gestapft, hat immer wieder geschmunzelt und brennend darauf gewartet, welches Stilelement der Franzose hinter der nächsten Sekunde oder dem nächsten Takt versteckt hat. Das ist Kunst, um des Kunstes Willen, um es etwas hochtrabend zu formulieren. Igorrs Savage Sinusoid erschien am 16.06. auf Metal Blade Records und kann auf Bandcamp gestreamt werden.

Anspieltipps: Viande, Houmous, Spaghetti Forever

6/6 Punkten (Das ist abstrakte Kunst auf Instrumenten)

Igorrr - Savage Sinusiod
(Quelle: Bandcamp.com)

Samstag, 17. Juni 2017

Bandcamptage Vol. 156

Vielleicht ist einigen von euch vor einigen Wochen bereits dieser Stream auf Youtube empfohlen worden oder ihr habt ihn auf dem Kraftfuttermischwerk gesehen. Zum Glück werden dort auch Interpreten und Titel angezeigt, denn Shazam ist manchmal echt ratlos, wenn es um Musik geht, die es bei einige Videos auf Youtube gibt.

Dadurch habe ich den Künstler Jinsang entdeckt und gesucht, ob es Musik von ihm Netz gibt, am besten natürlich kostenlos. Und siehe da, das Album kona park. gibt es nicht nur als Tape, sondern auch digital von Bandcamp, für einen Preis, den eure Brieftasche gerade hergibt. Die Musik bleibt entspannt, auf alte Samples werden frische Beats gemischt, daraus entsteht die perfekte Hintergrundmusik zum Lernen, zum Cruisen auf dem Fahrrad oder Longboard oder ihr wollt vielleicht zufällig ein Café eröffnen und sucht noch die passende Musik. Also, greift zu und genießt das Wochenende... oder den Tag, oder den Urlaub oder wann auch immer ihr das hier lest.

Anspieltipps: dance in the night, Kona Park, the.falling.leaves

Jinsang - kona park.
(Quelle: Bandcamp.com)