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Mittwoch, 19. Oktober 2022

Boundaries - Burying Brightness (3DOT Recordings/Kinda Agency)

Um gleich mal in die Vollen zu gehen, die Platte  Burying Brightness beginnt wie eine Hardcore-/Deathcore-/Metalcore-Platte nun mal klingt. Alle Standards werden abgefahren und man macht überall seine Häkchen, weil man da schon mal gehört hat aber geil findet. Aber dennoch schmeckt die Soße so, als hätte man die schon einmal erwärmt. Weil die Band Boundaries aber ihr Handwerk beherrscht, hört man weiter durch das Album, ein Gefühl des Getriebenseins macht sich breit. 

Es gibt hier und da ein paar Lichtblicke, es gibt ab und an Gesang, nicht nur derbes Geschrei. Ab Resent and Regret merkt man einen leichten Bruch. Die Band kann auch einfühlsam sein, man erinnert sich an vergangene Emo-Zeiten. In der Mitte des Tracks wird es auf einmal etwas glicthi, beim ersten Durchlauf könnte das vielleicht garnicht auffallen. Der Folgetrack, Realize and Rebuild, bleibt auch ziemlich emolastig, dabei ist das eine offizielle Single. 

My Body Is A Cage hat ein verstörendes Intro, wenn man darüber nachdenkt, dass ein Kind sagt: "My Body Is A Cage". Als das Outro einsetzt und der Sound auf einmal vor dem Ohr verwischt, verzerrt und in einen Clubbeat mündet, merkt man, dass die Jungs mehr vorhaben. Sie wollen nicht nur brettern, auch wenn sie das sehr gut können. - ist dann einfach nur ein Technokracher vor dem Herren, dass Ding hätte easy Platz in einem Berliner Technokeller gefunden. 

Nach diesem Ausflug schlägt man wieder voll zu und greift in die 7, 8 oder 9 Saiten. Aber dieser kurze Glitch lässt eben aufhorchen. Man betrachtet die Künstler mit anderen Augen. Das opulente Ende, was fast so klingt, als hätte man um ein paar Ecken mit Silver Snakes Album Year Of The Snake (hatten wir hier mal) rumgemacht oder wolle den Deftones imponieren. The Tower misst 10 Minuten, schon mal was von nem hidden Track gehört? 

Das Album ist mehr als gelungen, die Produktionsqualität ist über alle Zweifel erhaben und macht, vorausgesetzt, die Kopfhörer können den Druck wiedergeben, von vorn bis hinten Spaß. 

Release: 14.10.2022
Label: 3DOT Recordings

Anspieltipps: It Begins To Speak, -, My Body Is A Cage, The Tower

6/6 Punkten (Zwischen Pogen und Violent Dancing einfach mal gekonnt nen Rave reinschieben.)

Boundaries - Burying Brightness
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Donnerstag, 20. Mai 2021

SEEYOUSPACECOWBOY & If I Die First - A Sure Disaster (Pure Noise Records / Kinda Agency)

Auf einer Split EP finden sich für gewöhnlich Titel zweier Bands, die vom Klang her schon zusammenpassen. Selten gibt auch Splits mit drei oder vier Bands. Das macht man um Produktionskosten zu sparen. Die Bands SEEYOUSPACECOWBOY (die hatten wir hier mal) und If I Die First gehen auf A Sure Disaster noch einen Schritt weiter. Sie haben auf dem Track bloodstainedeyes kollaboriert. Das Video ist zugegebenermaßen brutal, sowie auch der Sound. Aber das sind wir von SYSC eigentlich ja gewohnt. 

Beide Bands kennen sich schon eine Weile und dachten sich, dass man gemeinsame Sache machen könnte. Von der ersten Sekunde an geht man Steil, das Klatschen erinnert direkt an Tracks aus den 2000ern. Generell orientiert man sich an den Sounds aus dieser Zeit, die man mit E-Gitarren und recht emotionalen Texten hinbekommen hat. Man hat nur die Brutalitätsschraube etwas fester gezogen und ist, bis auf das Intro des letzten Tracks, eigentlich immer am Anschlag und es bleibt kaum Zeit zum Entspannen. Es gibt zwar Gesang, der passt aber zum Gesamtbild. Textlich gibt es viel Blut, Rasierklingen und falsch erzählte Geschichten. Eigentlich alles, was es zu Hochzeiten von Myspace und co gab (inklusive der Langen Titelnamen), nur härter und sehr gut produziert. 

Release: 14.05.2021
Label: Pure Noise Records

Anspieltipps: Painting A Clear Picture From A Unreliable Mirror, bloodstainedeyes

5,5/6 Punkten (Was Tom von Myspace wohl gerade treibt?)

SEEYOUSPACECOWBOY & If I Die First - 
A Sure Disaster
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Donnerstag, 23. April 2020

Boston Manor - Glue (Pure Noise Records/Uncle M)

Kennt ihr dass, wenn ihr einen Musiktitel auf eurem Handy oder einem Gerät anmacht, dessen Lautsprecher nicht gerade der Rockmusik gewachsen sind? Der Opener Everything is Ordinary von Boston Manor klingt genau so. Aber keine Angst, die Jungs aus Blackpool sind schon seit 2013 unterwegs und mit Glue gibt es das dritte Album des Quintetts.

Dabei treffen auf dem Langspieler teilweise längst verloren geglaubte Genres aufeinander. Man findet neben Emo, Punk und eben Noise auch Alternative Rock. Man will sich eben nicht ganz festlegen lassen, wobei die Bandmitglieder sagen, dass sie auf dieses Album hingearbeitet hätten und es ihnen bei der Produktion gleich war, wie das Album auf der Bühne klingen würde. Man ist sich seiner Sache also sehr sicher. Man ist aber nicht übergriffig, trotz der oben genannten Genres. Die eigenen  Ideen fließen ein, man wirkt auf jedem Track sattelfest, auch wenn dieser ein komplett anderes Metier auskleidet, als der darauf folgende Titel. Der Zuhörer kann sowohl headbangen als auch schweben (zumindest gibt es Titel, in denen man das fühlen kann), je nach Gemütslage mag man mal den einen Titel mehr als den anderen, wobei man auch absolute Dauerbrenner geschaffen hat. Allein der Titel "Plasticine Dream" wirkt, als hätten ihn Filter 1999 aufgenommen, wirkt aber extrem nach und kann als eines der Highlights durchgehen. Es winken aber auch andere Bands der Insel akustisch durch die Studiofenster. Wen ihr aber da genau hört, könnt ihr selber entscheiden. Es sind aber Bands, die jeder kennt und von einigen nicht gemocht werden.

"Glue" wirkt, trotz der schweren Themen (digitalisierte Welt Verschwörungstheorien und Diktatoren), die aktuell die Runde machen, kurzweilig. Man fühlt sich nicht gleich dazu verdonnert ein Manifest zu hören. Das gesamte Werk erschließt sich zuerst über die Aufmachung, die Instrumente und die Spannungsbögen die an allen Ecken und Kanten gespannt werden. Später fallen einem dann auf eimal Wortfetzen auf die Trommelfelle und in die Gehirnwindungen. Der "Was habe ich da gerade gehört"-Effekt tritt ein und dann ist drin, zwischen den Rattenfängern, den Einsen und Nullen und erlebt komische Liebschaften. Der letzte Track heißt "Monolith" und so ähnlich läuft er auch ab. Er nimmt nochmal alles auf, was man auf dem Album findet und schickt einen mit einem Klavier aus dem "Kleber" heraus. Der Zuhörer muss dann erstmal alles sacken lassen. Es vergehen keine 50 Minuten, bis man durch ist, danach ist man selber durch.

Release: 01.05.2020
Label: Pure Noise Records

Anspieltipps: Plasticine Dreams, On A High Ledge, Brand New Kids

5/6 Punkten (Vielschichtigkeit auf einer Platte.)

Boston Manor - Glue
(Quelle: Presskit von Uncle M)

Freitag, 13. Dezember 2019

Leitkegel - Wir sind für dich da (My Favourite Chords/Fleet Union)

Leitkegel hatten wir hier mal. Da gab es "Neben dem Strom" noch viel Sturm und Drang und man musste einiges lernen. Die Band selbst hat zwischen Raketenwissenschaft und Wir sind für dich da ein paar Split-EPs herausgebracht und "Raketenwissenschaft" neu aufgelegt. Bereits damals fielen die interessanten Texte auf, da man Neurosen einpacken sollte oder ein Salat Zweifünfzig kosten würde. Und nun?

Tja, man ist gewachsen, in fast sämtlichen Dimensionen, die man sich vorstellen kann. Das Album ist ordentlich lang, man hat es auf ganze neun Titel geschafft und der Sound ist mehr als anständig ausstaffiert. Aufgenommen wurde WSFDD (die Kurzform) live, man kann auf einigen Tracks ein paar Einzähler hören. Instrumental hat man sich getraut, die ursprünglichen Pfade etwas auszutreten und breiter zu machen. Auf Ich hab 99 Probleme und das Mädchen hat mich gibt es eine Trompete (an wen erinnert euch dieser Titel wohl?) und in Über Täler und durch Berge gibt es Streicher. Der Sound an sich klingt schon fetter als auf dem Vorgänger, man kommt an vielen Stellen an Fjørt heran (hatten wir hier und hier schon mal), Strassenkampf könnte glatt aus deren Feder stammen. Das besungene Thema ist hierbei nicht weniger ernst. Man kann aber auch spitzfindigere Texte schreiben (siehe Erste Welt Probleme), aus den Raketenwissenschaftzeiten konnte man gut lernen.

"Wir sind für dich da" erschließt sich in den ersten Durchläufen viel über den Klang, über den drückenden, teils scheppernden Bass, über die Gitarren, die sehr virtuos eingesetzt werden, über die bereits erwähnten Instrumente und auch die wilden Rufe aus dem Hintergrund. Erst später, wenn man die Texte in einigen Hirnwindungen installiert hat, nimmt man das Album auf einer anderen Ebene wahr. Man findet die Spitzfindigkeiten und auch sich selbst. So gut wie jeder wird angesprochen, jeder kennt irgendeine der besungenen Situationen und schaut auf. Und der Sänger, der ist nicht nur mehr Kläger sondern auch Sänger. Er findet Harmonien, lullt den Zuhörer ein und schreit dann wieder mit voller Inbrunst. Das ergibt einen sehr großen Replay-Faktor, aber den hatte der Vorgänger auch schon.

Release: 13.12.2019
Label: My Favourite Chords

Anspieltipps: Wie soll man sich hier entscheiden?

Strassenkampf: Man spannt zu Beginn einen kleinen Bogen, den man dann mit voller Wucht explodieren lässt. Die Gitarren stellen mit dem Bass massive Wände auf, die dann vom Sänger eingerissen werden.

Über Täler und durch Berge: Dieser Titel schreit förmlich nach Liebeskummer. Hier sind die Streicher an Board und geben noch mehr Emotion mit, dabei quillt das hier an allen Ecken und Kanten über.

OJ Simpson (Waffen töten keine Menschen): Eine krude Mischung aus Emo, Rock, Punk und etwas Math-Gefrickel. Der erste Satz schlägt richtig ein. Dabei geht es wohl um falsche Freunde und den Versuch, Nichts großartig wirken zu lassen (ihr wisst schon, die sozialen Netzwerke und so).

Ohne Frage: 6/6 Punkten (Einmal Bauwagenplatzromantig mit Strassenkampf zum Mitnehmen bitte)

Leitkegel - Wir sind für dich da
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Dienstag, 18. Juni 2019

Symmetry Lover - Symmetry Lover (Fleet Union)

Dortmund, bekannt für den Bundesligaverein in Schwarz-Gelb und einen verrückten Automechaniker, der unglaublich erfolgreich ist, in dem was er tut. Auch wenn ich 2010 im Ruhrgebiet wegen der Ruhr.2010 war, kann ich mich nicht entsinnen diese Stadt besucht zu haben.

Aus eben dieser Stadt kommt ein junges Quartett mit dem Namen Symmetry Lover. So ungewöhnlich die Mischung aus Auto und Fußball klingt, so klingt auch die Band, dabei hat man sich aus mehreren Bandprojekten zusammengeschlossen. Auf dem ersten Album werden Elemente aus Hardcore, Blackgaze, Gitarrenparts die von den Deftones hätten sein können, ein paar würzige Noten aus den 80ern mit ein paar unheimlich wirkenden Soundsamples gemischt. Am Mikrofon ist die Sängerin Ina fast durchgängig auf 180 und klingt immer anklagend. Die angeschnittenen Themen nicht einfach: da geht es mal um die eigenen Makel, die man nicht ausstehen kann, mal um innere Konflikte. Man beschäftigt sich knapp 30 Minuten mit den inneren Dämonen und findet sogar Katharsis.

Musikalisch ist man, trotz dem Grundgerüst aus Gitarre, Schlagzeug und Bass, fulminant aufgestellt. Mann kann förmlich, wie in Architect, im Sound versinken. Die Stimme der Sängerin wirkt hier an einigen Stellen wie verloren in einer wilden, aufgewühlten See. Auf dem gesamten Album wird der Spagat zwischen Laut und Leise perfekt ausgelebt und man kann sich förmlich in diesem Wandelwesen, was einen mal entspannt und träumerisch geleitet, mal anpeitscht und treibt, verlieren. Es bleibt immer spannend und man weiß nie, was einen beim nächsten Takt erwartet und wird immer wieder positiv überrascht.

Veröffentlicht wird das selbstbetitelte Album am 05.07. auf Through Love Records, I.Corrupt.Records und Trace In Maze Records.

Anspieltipps: Void, In These Woods, Gods And Beasts

6/6 Punkten (Der Hammer zersägt die unheimliche Stille der dunklen Nacht.)

Symmetry Lover - Symmetry Lover
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Sonntag, 11. März 2018

8. Nachschlag: Gulfer - Dog Bless (Fleet Union)

Wie muss sich das angehört haben, als die Band Gulfer aus Montreal nach Gitarristen gesucht hat. Einer muss wohl mit seinen Fingern schneller gewesen sein als der andere, sonst ließe sich das teils sehr schnelle und vertrackte Gitarrenspiel auf Dog Bless nicht mehr erklären. Man konnte aber auch seit mehr als mehr als 6 Jahren zusammenwachsen.

Und so entstand dieser Langspieler mit diesem Wortspiel im Namen, das fiel mir aber auch erst beim Schreiben der Überschrift auf. Ihr wisst nicht was ich meine? Dog bedeutet rückwärts God, im Englischen gibt es da diese Redensart, wie "God bless you.", also wäre das hier, mit dem Hund eher so wie: "Möge der Hund dich segnen."? Oder ist das eher so zu verstehen, dass man den Hund als engen Vertrauten ansieht, dem man alles erzählen kann, weitergeben kann er es ja nicht, so wie, für die Gläubigen unter uns, Gott. Aber vielleicht ist da auch zu viel hineininterpretiert.

Wie bereits erwähnt, werden die Saiten über den Gitarrenhälsen relativ schnell und ausgiebig traktiert, so das einem schwindlig werden kann. Dabei wird einem im Song Fading akustisch erklärt, wie man zu den wirren und schnellen Partituren kommt, wobei der Song teilweise mit Vogelgezwitscher unterlegt ist. Und dieses Geflecht aus Math-Rock, Emo und einem Hauch Punk zieht sich, perfekt eingefangen, durch die gesamte Spiellänge von einer halben Stunde, wobei die Tracks Blessed Pt. 1, Pt. 2 und Pt. 3 an die Zeiten erinnern, als Blink 182 solche versuche unternommen haben. Dennoch stört dies hier nicht und wirkt auch nicht aufgesetzt. Erschienen ist die Segnung durch den Hund am 02.03. auf Big Scary Monsters und kann auf Bandcamp vollständig gestreamt werden.

Anspieltipps: Fading, Baseball, Doglife

5/6 Punkten (Möge dir das Streicheln eines Golden Retrievers ewige Glückseligkeit bringen)

Gulfer - Dog Bless
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Sonntag, 4. Februar 2018

Die 29. Fleet Union: New Native - Asleep

New Native, eine Band, die wir hier (und hier und hier) schon mal hatten. Die vier Jungs, einige von ihnen hat es nun vollständig nach Berlin verschlagen, haben ein neues Album aufgenommen. Mit Asleep wird man auf eine Reise mitgenommen.

Man trifft auf die Höhe- und Tiefpunkte, die man auf seinem Pfad durch das Leben so mitmacht. Bereits im Opener "Awfull Thinker" wird einem die Frage gestellt, ob man nicht vielleicht lieber dumm hätte sein sollen, denn man "zerdenke" alles. Dabei passt die instrumentelle Untermalung stets zum Thema, auch wenn das gesamte Album eher trübe wirkt. Man fühlt sich von der ersten Sekunde an in der Welt der Band gefangen, mit all ihren Problemen und Konflikten. Genretechnisch bewegen wir uns hierbei irgendwo im Emo-Indie-Rock, mit einigen, kleinen Ausrastern am Wegesrand. Man hat aber insgesamt an Härte verloren. Und trotz dem man das Album innerhalb von zehn Tagen im Kasten hatte, das Schreiben und Proben ist hier nicht eingerechnet, konnte man dennoch einen Langspieler erschaffen, der nach mehr klingt, der gut ausstaffiert ist und einen, wie bereits erwähnt, direkt in seinen Bann zieht, in die dunklen Höhlen und Abgründe des eigenen Kopfes. Das fasziniert und führt zu Fragen: Wann ist die Band wieder glücklich? Hätte man das Album "Awfull Thinker" nennen sollen? Vollständig hören könnt ihr das Album seit dem 02.02.2018 auf allen großen Streamingportalen, physisch wird das ganze am 23.03. auf Midsummer Records erscheinen. Also wie bei Fever Ray's Plunge.

Anspieltipps: Until It All Stops, Tied Down, Night Scene

5/6 Punkten (Zwischen Wien und Berlin liegen viele Kilometer.)

New Native - Asleep
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Zusammen mit den Sandlotkids geht es im Februar auf Tour:

08.02. D - München - Kranhalle
09.02. D - Stuttgart - JuHaWest
10.02. CH - Luzern - Treibhaus
11.02. D- Freiburg - White Rabit
12.02. BE - Antwerpen - JC Bouckenborgh
13.02. D - Köln - Privat
14.02. D - Münster - Baracke
15.02. D - Kiel Medusa
16.02. D - Hamburg - Gängerviertel
17.02. D - Berlin - tba.
18.02. D - Chemnitz - AC 17
19.02. HUN - Dürer Kert
20.02. AUT - Wien - B72

Samstag, 2. September 2017

Die 25. Fleet Union: LIRR. - God's On Our Side; Welcome To The Jungle

Vielleicht erinnert sich noch jemand an LIRR., die wir hier im März 2016 hatten? Seit dem hat sich einiges getan. Man hat jemand mit ins Boot (an die Gitarre und das Mikrofon) geholt und war fleißig was das Aufnehmen von Titeln angeht.

Denn was auf Ihrer ersten EP noch sehr viel Emo war, ist nun einem großen Blumenstrauß gewichen, voller Genres, die man wohl gerne hört. Man bindet auf zehn Titeln, verteilt auf 28 Minuten alles gut zusammen, ohne das etwas negativ auffällt oder gewollt und gestreckt wirkt. Ob das am fünften Mann im Bunde liegt? Hier trifft Gitarrengewitter und wildes Geschrei auf Beats, Loops, Synthies und Trompeten. Richtig gelesen, in "Sour Pt. 2" gibt es ein Blechblasinstrument zu hören, wer es gefunden hat, darf es für sich behalten. Die aufgeführte Diversität trägt einem auch alte Bekannte vor das Trommelfell, die vor fast zwanzig Jahren Genregrenzen durchbrochen und neu gesetzt haben. Incubus zum Beispiel: Wer bei "MTV" nicht an Are You In von der Band aus Kalifornien denken muss, hat wohl unter einem Stein gelebt oder hört noch immer eine der regionalen Radiostationen aus Deutschland. Der Text hierzu ist jedoch leicht deprimierend, da es um den ganzen Blödsinn geht, der in Funk, Fernsehen und Kino kommt, vom Internet ganz zu schweigen.

 Die 2000er Version von hed (p.e.) geben akustisch ebenso ein Gastspiel, denn das Intro von "Chicago Pt. 1" erinnert stark an das Outro von Bartender und bleibt auch auf der gesamten Länge noch entspannt. Emo kann man aber immer noch, man trägt den Sound in "Down" und This House Is Clean, Baby nur eben in die Jetztzeit und stellt sich fett auf.

Das lässt sich über gesamte Album schreiben, auch wenn es leider recht kurz geraten ist. Fin Wiese von der Tonpension und der Leipziger Magnus Wichmann haben alles richtig gemacht und die Ambitionen und die Ideen des Quintetts aus dem hohen Norden perfekt eingefangen. Gute Momente auf God's On Our Side; Welcome To The Jungle gibt es zu Genüge, zum Beispiel in "Jungle Pt. 2" ab der Mitte, wo man sich aufgrund des Bass- und Gitarrendrückens den Nacken stark überstrapaziert oder das elektrische Bassgewitter auf dem Ende von "Chicago Pt. 1", was völlig unangekündigt durch die Türe stürmt und den Zuhörer mit der Frage "Passt das?" schmunzeln lässt. Zum Ende werdet ihr dann von sirenenartigen Gitarren hinausgetragen, aus dem Album. Ab dem 08.09. wird euch der Langspieler durch die Tore des Grand Hotel van Cleef gereicht.

Anspieltipps: Jungle Pt. 2,  Chicago Pt. 1,  This House Is Clean, Baby

6/6 Punkten (Was macht dieser ominöse, goldene Puma hier?)

LIRR. - God's On Our Side;
 Welcome To The Jungle
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Wer sich im Dschungel mit Band verlieren will, kann dies auch live machen:

08.09. - Flensburg, Volksbad
04.10. - Hamburg, Kleiner Donner
05.10. - Leipzig, 4rooms
06.10. - Freiburg, White Rabbit
08.10. - Münster, Baracke
11.10. - Köln, Tsunami
12.10. - Berlin, Badehaus
13.10. - Jena, Baracke
14.10. - Darmstadt, Oettinger Villa

Mittwoch, 23. März 2016

Die 11. Fleet Union: LIRR. - Ritual EP

Vier Jungs aus Flensburg, 21 Minuten, eine EP, am Stück im Spätsommer 2014 live aufgezeichnet. So könnte man mit Wohlwollen versuchen, dieses kleine, dennoch qualitativ hochwertige Machwerk beschreiben. Aber fangen wir vorne an, auch wenn man sich an vier Titeln nicht so lange aufhalten kann.

Auf der Facebookseite der Band steht irgendwas mit Emo, war das nicht irgendeine Musikrichtung, in der Männer über verflossene Beziehungen gesungen haben oder ist das wieder nur ein Klischee, was der ganzen Musikrichtung anhängt? Zu Beginn der EP, der Titel hört auf den Namen "Teeth", stellen sich einfach zwei Gitarren auf, um dann von einem bollerndem Bass und einem richtig fett abgestimmten Schlagzeug begleitet zu werden. Wie bereits erwähnt, wer sich die EP gibt, der mag kaum glauben, dass das ein Mitschnitt ist. Die Gitarren bäumen an viele Stellen regelrecht auf und drängen einen in die Ecke, wobei er Bass und das Schlagzeug dir ins Genick treten. Wenn der Gesang einsetzt, gibt es hier ein buntes Blumenfeld, voller verschiedener Blumensorten, manche davon sind sogar recht bissig, also Obacht geben beim Pflücken. Veröffentlicht wird die Ritual EP am 01.04. auf Through Love Records und die Sinlge Tounge könnt ich euch kostenlos oder für einen Preis, der lieb ist, von Bandcamp laden.

6/6 Punkten (Mitreißend, kraftvoll, verspielt, was haben eigentlich alle gegen Emo?)


LIRR. - Ritual EP
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Samstag, 15. November 2014

Verflixt Nr. 12: Casually Dressed - The Fine Line

Man könnte meinen, Emo sei tot. Bands, die vor mehr als Zehn Jahren diese Fahne hoch hielten und sich ins Getümmel stürzten, gibt heute entweder nicht mehr oder erreichen einen gar nicht mehr. Auch wenn mich die Band vielleicht dafür steinigen würde, wenn ich dieses Wort hier niederschreibe, so erkennt man doch genau diese Songstrukturen, die Bands wie Funeral For A Friend oder vielleicht auch Fall Out Boy auf CD's gebannt haben. Mit Casually Dressed aus Freiburg kann man dieses Kapitel weiter schreiben. Das Quartett gibt es nun schon seit 2008, eine sehr gut betourte EP gab es schon im Jahre 2012 und nun hat man sich wieder zusammengesetzt und einen neuen Silberling aufgenommen. Die feine Linie misst etwas mehr als 24 Minuten und ist in sieben Titel unterteilt. Sie ist zum Teil tief traurig, ruft jedoch genau die Stimmung auf, die die Emo-Bands in den frühen 2000ern produziert haben. Die Band schreibt sich selbst Punk und Rock auf die Fahne, das kann man auch unterschrieben, fast es genau die verschiedenen Strömungen dieser beiden großen und wichtigen Musikstile zusammen. Ihr Handwerkszeug beherrscht die Band perfekt, kann sogar mit Rhythmuswechseln überraschen, wie in The Fine Line. Der Produzent hat an den Knöpfen alles das getan, um diese Band im richtigen Licht da stehen zu lassen. Und wer ein paar deutsche Wörter findet, darf diese behalten und sich drüber freuen, wie gut das doch alles in das Konzept passt. Wer mit dem Review nichts anzufangen weiß, kann sich die EP The Fine Line auf dem Bandcamp-Account von NO PANIC-Records anhören, welches zugleich auch diese EP vertreibt. Also, holt euren Kajal raus, zieht eure angemalten Chucks an und genießt kurz den Moment, euch an die Zeit vor rund zehn Jahren zu erinnern.


 5,5/6 Punkten.

Casually Dressed - The Fine Line

Fun Fact am Rande: Wenn man sich die Facebookseite anguckt und die Bands sieht, die diese Band gut findet, werdet ihr eine Band finden, die wir  hier schon mal hatten. Und so können sich Kreise auch schließen, auch wenn das Wort "Band" jetzt ziemlich häufig in einem Satz ist.

Dienstag, 17. Dezember 2013

Bandcamptage Vol. 107

Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu und hier liegt nicht mal im Ansatz Schnee, dafür hat es hier tagsüber in der Sonne echt angenehme Temperaturen. Egal, ich will Schnee.

Die Band Sport, ganz einfacher Name eigentlich, kommt aus Lyon, Frankreich. Ob es da Schnee gibt, ist mir auch nicht bekannt. Auf ihrem Album Colors gibt es dreizehn Titel zu feiern, voller Punk-, Indie- und Emo-Rock. Es macht Spaß zuzuhören und mit abzugehen. Das witzige sind die Titelnamen, hier hat man einfach die Orte genommen, an denen olympische Spiele veranstaltet wurden inklusive dem dazugehörigen Jahr. Als Beispiel Montreal, 1976. Also lernt man hier noch etwas dazu. Der Preis ist nach Belieben zu gestalten, wobei es keine Untergrenze gibt. Wem Everyone Everywhere und Glory Glory (das Album ZOMBIES!!! gibt es nun auch für "Name Your Price") gefallen haben, darf hier ohne Bedenken zugreifen.


Sport - Colors
Manchmal braucht der Tag 48 Stunden.

Mittwoch, 6. November 2013

Bandcamptage Vol. 97

Emo, was man darunter versteht oder verstehen will, ist von Person zu Person recht unterschiedlich. Manche fühlen sich gar angegriffen, wenn sie als Emo bezeichnet werden. Für mich trat das ganze Emo-Ding, so möchte ich es mal nennen, erst um 2007 auf. Aber so bewusst habe ich mich damit weniger befasst.

Warum das ganze Geschreibe um dieses Thema? Die Band Empty Handed aus Leipzig hat auf ihrem Facebook als Genre Emo stehen. Also kurz die Wiki nachgeschlagen und gesehen, dass es das Ganze schon ne Weile länger gibt. Die Musik der fünf Mannen ist recht hart, nicht zu vergleichen mit Bands wie Panic At The Disco. Auf dem Album A Memory That No One Clings Onto geht es brachial zu. Es wird geschrien und gebrüllt was das Zeug hält, als wolle man mit den Instrumenten mithalten oder sie gar übertönen. Klingt verworren, die Texte sind ab und ran recht traurig, was dann wieder zum Emo-Bezug passt. Und wer sich Summer gibt, wird mit erstaunen feststellen, dass da auf einmal wer auf Deutsch in's Mirko brüllt, über leere Herzen und Misstrauen. Sicher, das kennt jeder irgendwie. Und, lustigerweise gibt es das Album zu zwei Preisen. Denn das Label Blackheart Records möchte gern 3,33€ für das Album haben. Die Band möchte von ihrem Bandcamp-Account jedoch nur ... nichts. Das Album, ganze zehn Titel in 1a Produktionqualität, gibt es für Umme auf eure Festplatten und mp3-Abspielgeräte.

Empty Handed -
A Memory That No One Clings Onto

VIelleicht ist das Genre doch noch nicht ganz ausgestorben.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Bandcamptage Vol. 95

Die Zeitumstellung und ich, wir werden niemals Freunde werden, auch wenn ich dadurch eine Stunde mehr Schlaf geschenkt bekommen hab. Aber von einem Samstag auf einen Sonntag bringt das keinem etwas, außer man muss am Sonntag arbeiten. Egal. 

Als ich vorgestern auf mein Dash-Board des Blogs geschaut hab, habe ich nicht schlecht gestaunt. 9999 Besucher haben sich hier blicken lassen, somit bin ich nun offiziell über die 10.000er Marke rübergerutscht. Ein klein wenig Begeisterung macht sich breit. 

9999 Besucher (Quelle: draft.blogger.com)


Und nicht genug, dann kam ein paar Stunden später die Nummer 555 für den Monat Oktober 2013. Da meine Ohren auch ab und an Slipknot zu hören bekommen, musste ich gleich an "The Heretic Anthem" denken. 


555 Besucher im Oktober 2013
(Quelle: draft.blogger.com)

So nun aber genug der Zahlenspielerei. Ihr wollt sicher alle Musik hören und was für eure Festplatten haben. Aber gerade wegen dieser Spielerei gibt es heute mal zwei Alben. Album Nummer eins habe ich gerade erst durch Panucci's Pizza entdeckt. Es stammt von The Ground Is Lava. Das Trio stammt aus Brunswick, Ohio. Man hatte sich beirets 2008 gefunden, aber erst 2009 damit begonnen, ernsthaft Musik zu machen. Laut ihres Facebooks nimmt man all die Einflüsse, die man so findet und versucht diese in ihre Musik einzubauen. Auf dem aktuellsten Album Bottle Rockets findet ihr jede Menge tanzbaren Indierock mit jeder Menge Math-Rock-Einflüsse. Die bekommt ihr sofort beim Opener Not Tonight Jeff um die Ohren gehauen und hört die nächsten neun Titel nicht auf. Ihr bekommt hier also ein vollwertiges Album mit zehn Titeln zu einem frei wählbaren Tarif. Ihr wisst, wer nichts hat, muss nichts geben, kann aber wenn er will. 


The Ground Is Lava -
Bottle Rockets
Das ist euch auf einen Sonntag zu hibbelig? Dann gibt es halt ein wenig gechillt jazzige Beats auf die Ohren. Hat wer von euch noch das Pad Trio, welches wir hier hatten, noch im Kopf? Nein? Egal, einfach Link anklicken und anhören! Oder man nimmt sich einfach das neue Mixtape The Corner von Kill Emil vor, der seinerseits auch ein Teil des Pad Trios ist. Der junge Mann veröffentlicht hier ebenfalls auf Beatquick und es ist durch und durch entspannt. Es gibt hier und da ein wenig Reggae, ganz viel alte Samples und noch mehr  Entspannung. Die achtzehn Titel werden hier für Luft und Liebe verkauft. Also, warauf wartet ihr noch?


Kill Emil - The Corner
Auch wenn ich meinen Laptop mag, manchmal bringt das alte Ding ein wenig auf die Palme.

Freitag, 25. Oktober 2013

Bandcamptage Vol. 94

Vor einiger Zeit hatte mir das irische Label Little League Records eine E-Mail geschrieben, mal doch deren Bandcamp-Angebot auszukundschaften. Leider landete diese Mail in SPAM-Ordner meines E-Mail-Anbieters und somit war meine Antwort leicht verzögert. Nichts desto trotz habe ich mich etwas durch das recht bunte Portfolio gehört und nebenbei ein Auge auf die Preiskonditionen gehabt. 

Darauf ist auch das Duo Panucci's Pizza aus Philadelphia vertreten. Die beiden Jungs haben in DIY-Manier ein Album aufgenommen, wo selbst die Band schreibt, dass man sich doch das Album doch eher mit gutem Sound-Equipment geben sollte. So schlimm, muss ich gestehen, ist die Qualität nicht. Es macht Spaß den beiden zuzuhören, wie sie am Schlagzeug und der Gitarre ihre Bestes geben und eine Mischung aus Emo- , Math- und Indierock vom Stapel lassen. Gewürzt mit ein paar Tonspuren der Serie Futurama (deswegen der Bandname), wirkt Don't Tip The Delivery Boy etwas nerdy. Die Titelnamen wie "You know when the Trojans got that horse and they were all 'Yeah this is totally a gift' Thats how sure I am" sind eigentlich typisch für Musik aus der Emoszene. Dennoch, nichts klingt traurig, es ist eher ein wenig chaotisch, leicht schräg eingesungen aber dennoch sympatisch. Wer Glory Glory mag oder auch Everyone Everywhere, wird das hier auch mögen. Und was ihr bezahlen wollt, bleibt euch überlassen. 


Panucci's Pizza -
Don't Tip  The Delivery Boy ...

Und in zwei Monaten ist Heiligabend schon wieder vorbei. 

Montag, 22. Juli 2013

Scene 2 Act Part 35: Kaishakunin - Kompromiss Sein.

Wenn man Alben rezensiert, sucht man für gewöhnlich, wenn einem die Bandhistorie nicht geläufig ist, im Internet nach einer Bandpage, sei es nun auf Facebook oder sonst wo, um sich ein konkreteres Bild von der Band machen zu können. So auch bei Kaishakunin, was schon im ersten Moment unaussprechbar wirkt. Und was sagt das Internet dazu? Es gibt etwas auf Bandcamp, prompt angeklickt, was ist das erste was man liest? Man hat sich während der Aufnahmen zu „Kompromiss Sein“ getrennt. Wieso und warum, das schreibt und sagt dir keiner. Das Album gibt es zu einem Preis, den die Geldbörse hergibt, auch wenn diese leer sein sollte und das alles unter Creative Commons.

Die Musik der Band ist eine Mischung aus modernem Hardcore, Post-Irgendwas, wie in „Werter Freund“ und deutscher Poesie. Die vier Jungs aus Karlsruhe spielen auf sechs Titeln ein recht buntes Portfolio an Stilrichtungen zusammen, die sie alle samt beherrschen. Es wirkt ab und an ein wenig wie Jazz und hat hier und da einen gewissen Schwermut. Einzig den Sänger versteht man an vielen Stellen nicht, ob das Absicht ist? Zum Glück gibt es die Texte im Download, sonst stünden eher viele Fragen im Raum. Es gibt hier und da auch ein paar Titel, die mir sehr ins Auge (oder doch eher ins Ohr?) stechen: Eben „Werter Freund“, der faszinierend mit einem Gitarrenintro beginnt, wo man sich fragt, wo das Ding her kommt. So ziemlich genial, zumal man das am Ende noch mal findet. Das hat Potential, noch mehr zu werden. „Kompromiss sein.“, also der Titel auf der … sagen wir EP, beginnt mit einem Klavier, so ziemlich still und leise und man könnte meinen, man findet hier lautstärkentechnisch ein kleines Loch. Es gibt nur ein paar Flötentöne und das war es. Und das Ende des Albums ist auch Anfang? Der Titel nennt sich eben „Anfang//Ende“, man versteht hier im Intro ausnahmsweise kurz den Sänger. Sonst bleibt man da wo die Stimme am Anschlag ist und man kein Wort mehr versteht. Und dann ganz klassisch, wie früher auf diesen komischen Silberscheiben mit Loch drin, gibt es einen Hidden Track, der ziemlich verraucht wirkt, wie aus einem Tempel in Indien, die Gitarren sind clean und es gibt entspanntes Trommeln.


Diese Band hat… hatte Potential, die Riffs sind hart und stimmig, wenn auch ab und an chaotisch. Man muss dafür bereit sein, wenn man sich reingefuchst hat, mag man es. Falls man keinen Zugang finden sollte, es ist ja quasi kostenlos, somit gibt es da nichts zu meckern. Und falls man doch mehr Lust drauf hat, kann man sich den Erstling „Zur Vernunft Begabter Menschen“ ebenfalls von Bandcamp, zu den gleichen Konditionen laden.


 
Kaishakunin - Kompromiss Sein.

Mittwoch, 10. Juli 2013

Scene 2 Act Part 34: Malcolm Rivers - The Evolution EP

Münster scheint für den Hardcore in Deutschland gerade so wie Seattle in den 90ern für den Grunge, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen. Die Fünferkombo Malcom Rivers kommt eben aus dieser Stadt und hat seit der Gründung im März 2008, so steht es zumindest in diesem ominösen Facebook, von dem alle reden, ziemlich viel durchgemacht. Man hat etwas gebraucht für die Bandbesetzung, um dann nach der ersten EP und ein paar Jahren, wieder eine neue Truppe am Start zu haben. Vielleicht heißt die zweite EP der Jungs um Jan auch The Evolution, eben wegen der Veränderung der Bandstrukturen. Man hat hier nun Hardcore auf der Platte, der steht Hand in Hand mit Pop, Emo(-core) und Metal vor der ersten Reihe und macht Druck. Der Sänger, der auch einen der beiden Sechssaiter bedient, gibt am Mikro sein bestes, beherrscht alles, angefangen beim Gesang aus dem Emo-Bereich bis hin zum tiefen Blubbern und Grollen aus dem Hardcore. Die Instrumentalisierung ist astrein, die Gitarrenbreaks sind sauber und dicht gepackt. Wenn man die EP einlegt, ahnt man jedoch nicht, was auf einen zukommt, denn das Intro ist Post-Irgendwas und meilenweit entfernt von dem, was dann kommt. „The Demise“ (Titel 1) wirkt hier gar schizophren, schwankt zwischen harten Gitarren in Verbund mit einem verrückt schnellem Trommler und einem Keyboard und einem dramatischen Gesang. Das Ende ist einfach nur ein Ausklingen.



 Mit „The Path“ geht’s dann um so schneller weiter, das Keyboard gibt die 80er und Lines wie „I owe you nothing – You owe me shit“ lassen mich ein wenig schmunzeln, auch hier gibt es die eben bereits erwähnte Schizophrenie, zwischen hartem und etwas, was man als himmlisch bezeichnen könnte. Und der dritte Titel, gleichzeitig der letzte im Bunde, „The Empire“ rundet alles ab. Da man diese EP kostenlos herunterladen darf, sind drei Titel eigentlich genug, um einen Eindruck über das Schaffen von Malcolm Rivers zu bekommen. Man hat nun eben eine EP vorgestellt und nicht ein vollwertiges Album. Man hätte natürlich diese zweigeistigen Titel aufspalten können und sechs Titel zaubern können, muss man aber nicht. Und hier gehts zum Review auf Scene 2 Act.


Malcolm Rivers -
The Evolution EP
(Quelle: Underdogfanzine.de)


Montag, 28. Januar 2013

Scene 2 Act Part 23: Funeral For A Friend - Conduit

Das letzte Mal, als ich bewusst etwas von Funeral For A Friend hörte, das war, als es noch Viva 2 gab und MTV noch den Kafka an Bord hatte. Seit dem hat sich, nicht nur in der Besetzung, sondern auch im Sound viel getan, wie ich mit Verblüffen feststellen darf. Man legt viel Härte vor, die Gitarren werden virtuos gespielt und der Sänger macht ziemlich viel mit der Stimme. Eigentlich kein Vergleich zu „Juneau“ aus 2003. 



Es ist alles mehr Hardcore und weniger Emo, was ich mal gutheißen will. Man hat sich über elf Titel richtig viel Mühe gegeben. Aber nur 30 Minuten Spielzeit? Nur zwei Titel schaffen es über die 3-Minuten-Grenze, das war es. Entweder liegt es am Spieltempo, dass man da so schnell durch ist oder … das wissen nur die Künstler selbst. Auf jeden Fall etwas enttäuschend für ein Vollpreisalbum, da man das vor 10 Jahren sicher länger hinbekommen hat. Auch sind die Gitarren an unterschiedlichsten Verstärkern wieder zu finden. Das ist zwar nicht schlecht für eine große Bandbreite an Sounds, manchmal kommt mir aber der Gedanke, man hätte mit verschiedenen Produzenten gewerkelt. Der letzte Titel, „High Castles“ schließt so ein wenig an die alten Zeiten an, auch wenn man im Intro denkt, man hat einen Song von Nickelback in den Ohren, man wartet förmlich auf die Stimme vom Barden aus Edmonton. 


 

Alles in Allem hat man hier ein Recht rundes, wenn auch kurzes Werk in der Hand. Zwar ist die Spielzeit nicht ganz überzeugend, wer Funeral For A Friend, so wie ich, das letzte mal 2003 bewusst wahrgenommen hat, wird sich über die Änderungen freuen. Mich hat die neue Härte überzeugt und überrascht. Aufgrund des kurzen Intermezzos, kann man sich dieses Album getrost noch einmal geben. Wenn man nicht genau weiß, ob einem der neue Sound nun passt oder nicht, kann man sich auf der Homepage gerne eine Meinung bilden. 

Funeral For A Friend -
Conduit

Freitag, 2. November 2012

Scene 2 Act Part 14: Deathbed Reunion – Obviously Late EP

Wenn man an Norwegen denkt, dann denkt man an Fjorde, lange dunkle Winternächte, Mittsommer und Temperaturen, die zum Teil jenseits von Gut und Böse liegen. Und dann gibt es da natürlich die Musik. Die ist auch in Norwegen recht vielfältig und reicht von Hip-Hop (Lars Vaular) über Pop (Epherma) bis hin zu Metal (Dimur Borgir). Nun kommen Deahtbed Reunion auch aus Norwegen, klingen aber bei weitem nach anderen Gefilden. Ich möchte es US-Amerikanisch, Australisch oder gar Britisch nennen. Die Jungs klingen wie eine Schnittmenge aus Deez Nuts und diversen Emo-Bands. Dies liegt zumal am brachialen Gesang, der dann hier und da zur Melodie jenseits des Screamens reift. Gut, das ganze ist ja auch eine Hardcore-Band, die man nach eigenen Angaben 2010 gegründet hat. Das Quartet kann musikalische Hintergründe aufweisen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Nun gibt’s hier was Hartes auf die Ohren. Die EP ist 4 Titel lang und anständig produziert. Die Drums kommen gut zum Vorschein und drücken alles mit sich, was kommt.

Leider klingen jedoch alle Titel recht identisch. Das kann an der gewählten Musikrichtung liegen, die man hier einschlägt. Hat die Band aber doch auch die Möglichkeit, sich hier kreativ und vielfältig zu zeigen. Es gibt zwar hier und da ein paar Chöre, die mitsingen, aber sonst klingt es doch recht alles gleich. Man sollte wohl auch ein Abspielgerät besitzen, welches einen nahtlosen Übergang zwischen den Titeln bewerkstelligen kann, so meine Meinung, weil einige Titel wohl ineinander übergehen sollen, mein kleiner mobiler Player beherrscht das nicht. Es macht trotzdem Spaß, dem Ganzen zuzuhören. Manchmal hat man ja solche Phasen, wo man sich am liebsten die Seele aus dem Leib schreien möchte & seinen Nacken überstrapaziert. Wer das alles vorhat und gerade keinen Plan hat, wozu er das machen soll, kann liebend gern zu dieser Platte greifen und mal die Sau raus lassen. Die Konzerte dieser Norweger-Combo müssen abgehen wie Sau. Aber was sag ich euch. Kauft euch das Ding und feiert ne Runde. Wenn ihr schlechte Laune habt, gebt euch das Ding... danach seid ihr definitiv glücklich, trotz des massiven Gleichklangs.

Deatbed Reunion -
Obviously Late EP

Dienstag, 16. Oktober 2012

Scene 2 Act Part 11: Captain Planet - Treibeis



Beim ersten Durchlauf, würde man im ersten Moment eigentlich nicht unbedingt einen deutschen Text erwarten. Doch wenn dieser Einsetzt, klingt das zum Teil nach alten Bekannte, wie Turbostaat, oder auch nach Rise Against nur halt auf Deutsch oder auch nach einer Band die ihr vielleicht nicht kennt: Loning fot Tomorrow. Wie man der Internetseite entnehmen kann, ist die Band schon seit 2003 unterwegs und sie können eine recht große Diskographie aufweisen. Das neueste Werk der der Hamburger, mit dem Namen eines Trickfilmhelden aus den 80ern, hört auf den Namen „Treibeis“. Lyrisch dreht sich auch recht viel um genau dieses Thema, wenn man es auch anders umschreibt. Mal sind Dinge eingefroren oder man singt direkt über das Eis. Das wirkt auch keinesfalls langweilig, sondern macht das alles interessanter. Und man versteht alles, was gesungen wird, da sich der Sänger hier der deutschen Sprache als Stilmittel bemächtigt, was ihn natürlich angreifbarer macht, sogleich aber, zumindest für uns in den deutschsprachigen Breitengraden, für neue, amüsante Wortspielereien sorgt.
Die Platte ist mit 11 Titeln eigentlich ausreichend lang und lässt keine Wünsche offen. Auch wenn einer der Titel nur ganz knapp 2 Minuten lang ist, so beläuft sich der Großteil über die 3 Minutengrenze hinaus.
Die Altbekannten, die hier im Gedanken mit durch die Boxen rauschen, geben ein recht gutes Klangbild ab, auch wenn das Drumset leicht untergeht. Es muss ja nicht im Vordergrund stehen, aber ein wenig mehr Druck auf den Trommeln wäre nicht schlecht. Aber spielen und Tempo vorlegen, das kann der Mann hinter den ganzen Fellen, auf die er schlägt. Man merkt auch bei mehrmaligen hören, dass das Wetter in Hamburg einen Einfluss auf die Musiker haben muss, denn es wirkt alles sehr stürmisch und energetisch.
Ich persönlich frage mich ja, ob man nach so vielen Jahren, als Musiker, ob man da automatisch nur noch Musik machen kann und davon leben kann oder ob man noch einer normalen Arbeit gehen muss, denn 9 Jahre, dass ist schon eine Hausnummer. Verdient hätten sie es auf alle Fälle.


Captain Planet - Treibeis

Sonntag, 5. August 2012

Mal was anderes die 12te

Als die E-Mail von Kevin von www.scene2act.de bei mir eintrudelte, konnte ich meinen Augen kaum glauben, da ich gebeten worden bin eine Rezension für ein anstehendes Album zu schreiben. Als ich dann weiter gelesen habe … eigentlich stand schon im Header, dass es sich um Erveryone Everywhere dreht, die ich hier schon mal hatte, war ich voll auf begeistert, da die Werke A Lot ofWeird People Standing Around und Everyone Everywhere, sehr gute Alben sind, die die Band bei Bandcamp für „Name Your Price“ ohne Minimumabgabe anbietet.

Das Album Everyone Erverywhere 2012 wird am 14.08.2012 in Europa erscheinen und für den europäischen Markt in England gepresst.

Everyone Everywhere 2012 selbst ist ein abgerundetes Werk, welches die Band auf eigene Kosten produziert hat, da sie ohne Label agiert. Ihrem Stil, der Verspieltheit, dem „Frickeligen“, sind sie treu geblieben und schöne Geschichten erzählen sie mit ihren Liedern immer noch. Dabei schwimmen sie mit ihrem Sound angenehm zwischen Emo- und Indie-Rock, was eigentlich gut in den Sommer passt und wozu ich gerne eine Radtour machen würde, die wohl niemals enden sollte. Oder einen wunderbaren Abend mit Freunden an nem See mit Lagerfeuer verbringen wöllte. Ihr seht, ein Album für viele Lebenslagen.

Meine Anspieltipps:

„Queen May II“ legt mit einer Gitarre los, die irgendwie zuerst gar nicht passen will, aber sich doch trotzdem harmonisch in das Soundgeflecht einspielt. Es gibt hier und da ein paar Tempowechsel, der Schlagzeuger legt ein massives Tempo hin man macht mit der Gitarre Dinge, von denen ich nur im Ansatz nur zu träumen wage, dass ich das irgendwann auch mal könnte.

„Turn & Go & Turn“ legt mit richtig viel Gitarre los und wird dann für einen Moment ruhig, um dann wieder loszuspielen, als gäbe es kein Morgen mehr. Die Melancholie gibt es gratis oben drauf. 

In „Big Hat“ ist der Drummer die treibende Kraft und die Gitarre umspielt ihn erst um dann voll mit einzusteigen. Die Gitarren sind wieder richtig schön verspielt und man wundert sich, wie viele Finger man für so was braucht. 

Damit ihr wisst wovon ich rede, hat die Band zu Promozwecken das Album komplett auf Youtube hochgeladen, als 40-Minuten-Stream. Die Band legt sich in der Zeit schlafen, während man die Titelnamen auf die Wand projiziert. Zu „Queen Mary II“ gibt es sogar ein recht ironisches Musikvideo, welches das moderne Musikbusiness auf die Schippe nimmt und mit den Klischees eines Musikvideo-Regiseurs spielt. 

Everyone Everywhere - Everyone Everywhere 2012
(full album stream)




Everyone Everywhere - Queen Mary II


Das Album wird per Vinyl angeboten, wobei die ersten 100 limitierten Stück, die eine Bonus-DVD beinhaltet, wurden am 07.08.2012 an die Besteller geschickt. Leider sind diese Bereits ausverkauft. Die Vinyls ohne DVD gibt es für 10$, in Europa denke ich wird der Preis änhlich sein. Man kann, wie man es von meinem Blog kennt, auch von Bandcamp laden. Zwar nicht für 0$, sonder n für ein Minimum von 1$, aber für ein Album mit 9 Titeln alle mal ein fairer Preis. 



Everyone Everywhere - Everyone Everywhere 2012

Und nicht zu vergessen ist, das die Band eine Tour zum Album startet, und man sogar in Deutschland in 4 Städten halt macht. Die Tourdaten sind wie folgt:

01.09.12 - Offenbach - Hafen 2
02.09.12 - Hamburg - Rote Flora
07.09.12 - Berlin - Marie-Antoinette
08.09.12 - Chemnitz - AJZ

Vom Konzert in Berlin, wo ich dann auch ein Interview mit der Band führen darf, hier nochmals Dank an Kevin von www.scene2act.de, werde ich natürlich auch berichten.

Irgendwie fühlt sich das ganze gerade ein Stück professionell an, ich bin begeistert.