Donnerstag, 15. April 2021

Van Holzen - Gras (Single) (OMN Label Services / Odyssey Music)

Bei der aktuellen Wetterlage vor den Haustüren, wünscht sich gerade sicher jeder von euch ein Stück Sommer. Viele ignorieren dabei irgendwann den Punkt, wenn man den Sommer über hat. Ständig Temperaturen jenseits der 25°C und man wird träge und lethargisch. 

Lethargie, das trifft auf die Single "Gras" von Van Holzen zu. Die Stimme ist leicht verzerrt und wirkt so, als hätte man weniger Energie als sonst. Die Finger wandern den Gitarrenhals hinab, der Bass wirkt dagegen fasst lebendig. Das Gitarrensolo im C-Part wirkt wie die flirrende Hitze, die vom Boden aufsteigt und einen förmlich kocht. 

Textlich geht es um Social Media. Jeder vergleicht sich mit denen, die auf Insta, Facebook und Co ganz oben mitmischen. Dabei vergisst man sich selbst und verliert den Blick auf das Wesentliche, worum es wirklich geht. Denn viel zu oft wird entweder banales Zeug hochstilisiert (und man versucht noch nebenbei was zu verkaufen mit dem Code "HDL25" oder so) oder ein tolles Erlebnis, bei welchem man dabei ist, wird nur durch die immer größer werdenden Smartphonebildschirme erlebt. Und wenn man nicht dabei ist, bei den großen Social Media Netzwerken, ist man einfach langweilig und man hat nichts erlebt. 

Erscheinen wird die Single am 16.04.2021, einen kleinen Teaser gibt hier. 

Van Holzen - Gras (Single)
(Quelle: Presskit von Odyssey Music)

Mögen das Rennen der Schweißperlen starten.

Update:
Hier gibt es dazugehörige Video auf Youtube.

Montag, 12. April 2021

Youtubisch Vol. 41

Fun Fact: Diazepam hieß von 1963 bis 2015 Valium. Es soll zur Behandlung von Angststörungen angewendet werden, wobei Angstzustände ungewollte Nebenwirkungen sein können. Dass das Zeug abhängig machen kann, das steht außer frage. 

Über genau dieses Zeug lässt sich der Sänger Aaron Matts der Band ten56. im Track Diazepam aus. Wenn man den Texten glauben mag, will man lieber tot sein, als nochmal eine Pille nehmen zu müssen. Wer beim Namen aufhorcht, kennt man die Band Betraying The Martyrs, denn da ist Aaron vor kurzem erst ausgestiegen. Mit den Mitgliedern von Novelists FR, Kadinja und Uneven Structure macht er wohl schon seit einem Jahr Musik. 

Wer jetzt trotz des Links, den Track noch nicht gehört hat, der sollte sich auf extrem tief gestimmte E-Gitarren gefasst machen, gepaart mit gutturalem Gesang und allem was sonst noch scheppert. Es wird gedrückt und geballert, wo es nur geht, man nimmt keine Rücksicht. Es gibt zwischen dem ganzen Metallcore auch ein paar Hardcoreanleihen. Vielleicht fühlt sich so der Zustand an, wenn man einen Trip auf Diazepam schiebt. Gegen Ende werden die Gitarren immer tiefer und langsamer. 

Das Video wurde im Winter bis morgens um 5 Uhr in einer leeren Halle gedreht und gibt somit die perfekte Untermalung und Stimmung zur Musik.  Man hat wohl noch ein paar Tracks im Petto, man kann also gespannt sein. 

ten56. - Diazepam (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Drogen sind schlecht, auch wenn sie dir dein Arzt verschreibt.

Dienstag, 6. April 2021

Youtubisch Vol. 40

Als das hier mit dem Blog anfing, hatte ich eine kleine Anekdote zur Band Red Fang zu erzählen. Nun hat mir Youtube erneut ein Video vorgeschlagen, was wieder funktionierte. Der Track Arrows enthält all das, was Red Fang ausmacht. Es ist alles leicht verzerrt, man bringt ordentlich Bums mit und man hat sein typisches Knarren und Knarzen am Start. 

Das die Männer Humor haben, bewiesen sie bereits in vielen ihrer Musikvideos. Bereits im Intro des Videos fragt einer, ob man das nicht schonmal gemacht hätte. Wer ein paar Videos kennt und nicht ein kaputtes Gedächtnis durch die Nutzung des Smartphones hat, der wird sich vielleicht an Wires erinnern. Der Rahmen der Zerstörung hält sich nun aber in Grenzen. Es ist lustig anzusehen, wie jeder das Schwert haben will und zu den unnötigsten Ereignissen mit hat und benutzt. Wie kleine Kinder, die ein Spiel- oder Werkzeug bekommen und es zu jeder Gelegenheit nutzen wollen, ob es nun Sinnvoll ist oder nicht. Die Technik zur Aufnahme der Bilder ist besser geworden, als sie es noch bei "Wires" war. 

Red Fang - Arrows (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Jungs bleiben Jungs, sie werden nur älter und die Spielzeuge teurer.

Dienstag, 30. März 2021

New Pagans - The Seed, The Vessel, The Roots And All (Big Scary Monsters/Fleet Union)

Frauen und Männer werden in der Gesellschaft seltener gleich behandelt, als es manch einer wahr haben mag. Die Sängerin Lindsey McDougall singt ihrer Band New Pagans genau dagegen an. Nicht nur das sie Schwanger auf der Bühne stand, nein, sie schaffte es mit ihrer Band 2020 ein EP zu veröffentlichen und ein Album aufzunehmen. 

Auf The Seed, The Vessel, The Roots And All geht es um nichts geringeres als Frauenrechte, Inklusion und Gespräche, denen man in den belfaster Öffis heimlich lauschen kann. Nun würde man in der Schule sicher gefragt werden, welches der drei Themen nicht dazu gehört, der Band ist das egal. Musikalisch bewegen wir hier und irgendwo zwischen Grunge, Alternative Rock und stechen hier und da in den Shoegaze ab. Man nimmt sich sogar einige Riffs von den ganz Großen und wandelt diese ab. Die ersten Takte von I Could Die klingen fast wie die ersten paar Sekunden von Black Sabbath's Paranoid. Wer jetzt "Paranoid" nicht kennt, der sollte sich das jetzt aber schleunigst anhören, sonst gibt es hier ganz große Bildungslücken. An sich scheint es, als hätte man viel Zeit gehabt um das Album aufzunehmen. Es gibt verdammt viele Details und Lagen, die Produktion ist außerordentlich gut gelungen. Die Gitarren, es sind zumindest immer zwei zu hören, sind nicht ganz auf Anschlag verzerrt, man kann dennoch gepflegt rocken. Aber auch verträumt im tanzen im Bühnenlicht geht auch, mit geschlossenen Augen versteht sich.

Um das ganze hier zum Ende zu bringen: die Platte ist gut, mit fast 90 Minuten ausgesprochen lang, viele Titel stehen für sich allein, so merkt man, wo man auf der Platte gerade ist. Wie bereits erwähnt, ist die Produktion richtig gut und das Arrangement weiß zu gefallen. 

Release: 19.03.2021
Label: Big Scary Monsters

Anspieltipps: It's Darker, Ode To None, Yellow Room

5,5/6 Punkten (Heidnische Musik mal anders.)

New Pagans - 
The Seed, The Vessel, The Roots And All
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Montag, 22. März 2021

Bloggeburtstag Nummer 9

Neun Jahre ist es also her, als ich hier anfing Musik online zu rezensieren und kostenlose Musik bereit zu stellen. Das erscheint, vor allem seit letztem Jahr, eine unvorstellbar lange Zeit zu sein, aber irgendwie ist sie doch vorüber gegangen. Vor kurzem wurde ich gebeten, ein Video zu schneiden. Da ich natürlich kein Fan der üblichen Radiomusik bin, habe ich meinen Blog durchforstet und bin auf alte Perlen gestoßen, die ich schon fast vergessen hatte. Nach neun Jahren darf das sicher mal passieren, denke ich mal. Obwohl ich mich 2006 noch damit gebrüstet habe, 95 Prozent meiner Musik zu kennen, damals gab es auf dem iPod Classic noch ein Ratespiel dazu. 

Ihr versteht vielleicht, in welcher misslichen Lage ich mich befinde. Obwohl sich der Spaziergang durch die Jahre 2012 und 2013 echt spannend anfühlte. Es kam dieses "Weißt-du-noch"-Gefühl auf. Man erinnerte sich an Orte, an denen man war, Bands die man gesehen und interviewt hatte. Natürlich sah ich auch die Ideen von damals. Ich kann mich natürlich glücklich schätzen, mittlerweile sehr gut mit Musik versorgt zu werden. Dennoch entdecke ich hin und wieder selbst noch neues und kaufe auch immer noch Alben. So auch Aventine der Künstlerin Agnes Obel. Dabei wollte ich eigentlich nur das Kind mit entspannter Musik beschallen und Youtube lief einfach weiter. Ich lag bereits auf dem Bett und lauschte. Ich war fasziniert von der Tiefe der Klänge und der drückenden Stimmung die ihre Musik erzeugte. Die Videos überzeugten mich, mir das Album zu bestellen. Ich hörte es mehrfach im Auto meiner Freundin, auf dem Smartphone und hier am Rechner. Das es hier nie auf dem Blog erschienen ist, tut mir leid (ich habe es ja nun indirekt nachgeholt), manchmal reicht die Zeit halt eben nicht. Ich freue mich, dass ich einen neuen Langspieler erworben hab, auch wenn er über Onkel Amazon geliefert wurde. 

Aktuell gibt es hier, dank Hold Tight PR und Kinda Agency, relativ viel harte Musik. So spülte dann Youtube auch Spiritbox aus Vancouver Island auf meinen Bildschirm und in meine Ohren. Wer sich Holly Roller geben mag, dem sei gesagt, dass das hier nichts für schwache Nerven ist. Dabei erinnerte ich mich wage, dass mir die Band schon mal zwischen die Lauscher gekommen ist. Und das ist nicht mal das härteste, was mir so vor die Füße fällt. Erst letztens bekam ich Pupil Slicers Wounds Upon My Skin als Werbung vor einem Track gespielt. Das erste Mal, dass mir Werbung auf YT getaugt hat. Und die Leute von Hold Tight PR zeigten mir dann noch [•REC] von To The Grave, wobei ich hoffe, dass die Platte rechtzeitig zum Review kommen wird. Wer sich an Frontierer erinnert, die hatten wir hier mal, der kann sich vorstellen, was für ein Gewitter das sein wird. Ihr merkt also, es passiert mir (zum Glück) immer noch, dass ich neue, ansprechende Musik finde.  

Und dann kam es doch dazu, dass ich dieses Musikjahr ein Album rezensiert habe, welches nicht wirklich gut weg kam. Weil es als CD kam, lief es halt länger im Auto. Man konnte sich eine Meinung bilden, hörte die handwerklichen Schwächen heraus, zog Vergleiche um zu merken, dass es nichts Rundes wurde. Meine Devise ist ja eigentlich, dass ich mir sowas erst gar nicht in den Blog stelle, zumal mir die Zeit immer noch zu schade ist. Es ist wie es ist, die Band hat ihre Rezension bekommen und die PR-Agentur war mir dafür auch nicht böse. Man merkte an, dass ich mich damit ausgiebig auseinandergesetzte habe. 

Es gab auch dieses Jahr wieder neue Labels und PR Agenturen, u.A. Rookie Records und Season Of Mist. Ich möchte mich natürlich auch bei den anderen "alten Hasen" bedanken, die mich seit Jahren mit neuer Musik versorgen. Mir ist bewusst, dass euch das Arbeit bereitet, leider kann und werde ich nicht alle Alben rezensieren können, die mir geschickt/angeboten werden. Es gibt auch Künstler, die schon direkt mit mir Kontakt aufgenommen haben. Auch denen sei gesagt/geschrieben, dass ich leider nicht immer direkt Zeit habe, eure Musik zu hören. Das tut mir natürlich auch leid. 

Das Musikjahr hier Neben dem Strom ist vorüber. Ein Jahr ohne Konzerte, ihr wisst warum. Das ist natürlich schade, da man nicht direkt mit den Musikern in Kontakt treten kann und nicht spüren kann, was die Musik mit einem anrichtet. Den Künstlern und der Maschinerie dahinter geht natürlich auch Geld flöten, dennoch sind 2020 viele Alben entstanden, weil man eben Zeit gefunden hat und die moderne Technik es möglich macht, dass man sich große Datenmengen zuschicken oder auch mal im Stream miteinander musizieren kann. 

Im Februar 2020 hatte ich mir ein MacBook Air 2018 zugelegt, da es bei Cyberport mit 256GB im Angebot war und ich davor schon mehr als 2 Jahre auf die mobilen Geräte von Apple geschaut hatte. Die  Erfahrungen, die ich vor ein paar Jahren an einem iMac machte, vor allem wegen des Workflows und der Tastatur, überzeugt hat. Und was soll ich sagen: bis auf die Zicken mit den Dongles, kann ich mich nicht beschweren. Hin und wieder schneide ich damit sogar Videos. Die Tastatur hat mich auch nicht hängen lassen, auch wenn die Geräte aus der Zeit dafür bekannt sind. Das Tippgefühl ist ein anderes, es wirkt aber hochwertiger als jede Tastatur, die man für PCs bekommt. Manch einer mag es dekadent finden, ich hingegen habe es bisher nicht bereut, auch wenn der Anschaffungspreis schon noch etwas happig war. Es gab natürlich auch eine Lernkurve, aber vieles erscheint unter MacOS logischer als unter Microsofts Windows oder irgendeiner Linux-Distribution. Man nehme nur die Tastenkürzel für das ø. 

Nächstes Jahr um die Zeit ist der Blog dann eine Dekade alt. Wer weiß, was in dieser Zeit passieren kann und wird. Vielleicht habe ich irgendwann mehr Zeit dafür. Es gibt immer noch Monate, wo hier viel passiert, aber auch Zeiten, wo hier tote Hose ist. Man ist halt kein Student mehr und für mehr als nur die eigene Nase verantwortlich. In diesem Sinne: Haltet durch, lasst euch nicht unterkriegen, auch wenn es aktuell wieder den Anschein macht, als dass eine Minderheit es schafft, dass wir uns alle wieder einsperren und mit mehr Einschränkungen leben müssen. 

Drei im Bild, nur zwei sind zu sehen.
(Quelle: eigenes Bildmaterial)