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Mittwoch, 19. Oktober 2022

Boundaries - Burying Brightness (3DOT Recordings/Kinda Agency)

Um gleich mal in die Vollen zu gehen, die Platte  Burying Brightness beginnt wie eine Hardcore-/Deathcore-/Metalcore-Platte nun mal klingt. Alle Standards werden abgefahren und man macht überall seine Häkchen, weil man da schon mal gehört hat aber geil findet. Aber dennoch schmeckt die Soße so, als hätte man die schon einmal erwärmt. Weil die Band Boundaries aber ihr Handwerk beherrscht, hört man weiter durch das Album, ein Gefühl des Getriebenseins macht sich breit. 

Es gibt hier und da ein paar Lichtblicke, es gibt ab und an Gesang, nicht nur derbes Geschrei. Ab Resent and Regret merkt man einen leichten Bruch. Die Band kann auch einfühlsam sein, man erinnert sich an vergangene Emo-Zeiten. In der Mitte des Tracks wird es auf einmal etwas glicthi, beim ersten Durchlauf könnte das vielleicht garnicht auffallen. Der Folgetrack, Realize and Rebuild, bleibt auch ziemlich emolastig, dabei ist das eine offizielle Single. 

My Body Is A Cage hat ein verstörendes Intro, wenn man darüber nachdenkt, dass ein Kind sagt: "My Body Is A Cage". Als das Outro einsetzt und der Sound auf einmal vor dem Ohr verwischt, verzerrt und in einen Clubbeat mündet, merkt man, dass die Jungs mehr vorhaben. Sie wollen nicht nur brettern, auch wenn sie das sehr gut können. - ist dann einfach nur ein Technokracher vor dem Herren, dass Ding hätte easy Platz in einem Berliner Technokeller gefunden. 

Nach diesem Ausflug schlägt man wieder voll zu und greift in die 7, 8 oder 9 Saiten. Aber dieser kurze Glitch lässt eben aufhorchen. Man betrachtet die Künstler mit anderen Augen. Das opulente Ende, was fast so klingt, als hätte man um ein paar Ecken mit Silver Snakes Album Year Of The Snake (hatten wir hier mal) rumgemacht oder wolle den Deftones imponieren. The Tower misst 10 Minuten, schon mal was von nem hidden Track gehört? 

Das Album ist mehr als gelungen, die Produktionsqualität ist über alle Zweifel erhaben und macht, vorausgesetzt, die Kopfhörer können den Druck wiedergeben, von vorn bis hinten Spaß. 

Release: 14.10.2022
Label: 3DOT Recordings

Anspieltipps: It Begins To Speak, -, My Body Is A Cage, The Tower

6/6 Punkten (Zwischen Pogen und Violent Dancing einfach mal gekonnt nen Rave reinschieben.)

Boundaries - Burying Brightness
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Freitag, 29. Oktober 2021

SEEYOUSPACECOWBOY - The Romance Of Affliction (Pure Noise Records/Kinda Agency)

Für mich ist Snowboarden kathartisch. Ich stehe auf dem Brett, habe den Hang vor mir im Blick und reagiere nur, denn zum Nachdenken fehlt die Zeit und wenn man dann doch realisiert, was passieren könnte, dann passiert es meist auch. Dies könnte zwar ein Aberglaube sein, dennoch fahre ich seit Jahren ohne Sturz. 

Für Connie Sgarbossa ist es das Schreiben. Zwei Wochen nach den Aufnahmen zu The Romance Of Affliction starb sie fast an einer Überdosis. Sie sagt, dass die Texte auf dem Album wie eine Prophezeiung gewesen sind und zu diesem Umstand geführt hätten. Sie hat die letzten paar Jahre reflektiert, die Kämpfe im Alltag und der Versuch, in allem dennoch etwas schönes zu sehen. 

Untermalt werden die geschrienen und gesungenen Texte von sehr viel Gewalt und Chaos. Die Band nennt es Sasscore. Fast alles klingt wild, es gibt hier und da ein paar harte Cuts, und wenn man einen Breakdown erwartet, dann kommt er auch. Und wie der dann kommt, als wenn der Produzent und die Band genau wüssten, wie der Zuhörer gerade tickt. An den Reglern saß niemand geringeres als der Gitarrist der Band Knocked Loose (Review hier). Wer SYSC kennt, weiß was er zu erwarten hat. Um etwas Luft zu holen, hat man hier und da ein paar ruhige Momente eingestreut, die sind aber eher selten. Alles andere lädt dazu ein, seinen Nacken zu strapazieren. Denn es drückt ordentlich auf den Trommelfellen. Es werden aber auch Erinnerungen an Norma Jean's Memphis Will Be Laid To Waste (hatten wir hier mal) wach. Und wer nach 40 Minuten noch nicht genug hat, kann sich den Kopf gern nochmal durchpusten lassen, auf eigene Gefahr versteht sich. 

Release: 05.11.2021
Anspieltipps: With Arms That Bind and Lips That Lock, Intersecting Storylines To The Same Tragedy, Ouroboros Is An Overused Metaphor

6/6 Punkten (Ab wann darf man eigentlich die Emo-Tolle wieder tragen?)

SEEYOUSPACECOWBOY - The Romance
Of Affliction 
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Montag, 12. April 2021

Youtubisch Vol. 41

Fun Fact: Diazepam hieß von 1963 bis 2015 Valium. Es soll zur Behandlung von Angststörungen angewendet werden, wobei Angstzustände ungewollte Nebenwirkungen sein können. Dass das Zeug abhängig machen kann, das steht außer frage. 

Über genau dieses Zeug lässt sich der Sänger Aaron Matts der Band ten56. im Track Diazepam aus. Wenn man den Texten glauben mag, will man lieber tot sein, als nochmal eine Pille nehmen zu müssen. Wer beim Namen aufhorcht, kennt man die Band Betraying The Martyrs, denn da ist Aaron vor kurzem erst ausgestiegen. Mit den Mitgliedern von Novelists FR, Kadinja und Uneven Structure macht er wohl schon seit einem Jahr Musik. 

Wer jetzt trotz des Links, den Track noch nicht gehört hat, der sollte sich auf extrem tief gestimmte E-Gitarren gefasst machen, gepaart mit gutturalem Gesang und allem was sonst noch scheppert. Es wird gedrückt und geballert, wo es nur geht, man nimmt keine Rücksicht. Es gibt zwischen dem ganzen Metallcore auch ein paar Hardcoreanleihen. Vielleicht fühlt sich so der Zustand an, wenn man einen Trip auf Diazepam schiebt. Gegen Ende werden die Gitarren immer tiefer und langsamer. 

Das Video wurde im Winter bis morgens um 5 Uhr in einer leeren Halle gedreht und gibt somit die perfekte Untermalung und Stimmung zur Musik.  Man hat wohl noch ein paar Tracks im Petto, man kann also gespannt sein. 

ten56. - Diazepam (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Drogen sind schlecht, auch wenn sie dir dein Arzt verschreibt.

Dienstag, 16. März 2021

Azgard - At The Break Of The Day (Bandcamptage)

Stellt euch vor, ihr habt eine Band, seid lokal erfolgreich und schafft es sogar ein respektable Musik aufzunehmen. Ein paar Tracks und ein Album schafft man auch. Und dann wird es ruhig, ein Mitglied verkauft sogar sein Equipment, weil das Geld knapp wurde. So geschah es bei der der Band Azgard aus Ternopil.

Die Ukrainer spielen auf ihrem Album At The Break Of The Day eine respektable Mischung aus Metalcore, Deathcore und etwas Black Metal. Eigentlich suchte ich nach Musik für ein Video, welches ich schneiden sollte. Metal passte nicht wirklich unter das Bildmaterial, aber dennoch war ich glücklich über den Fund. Ihr erhaltet 18 Titel für einen Preis, der euch gerade passt. Die letzten Titel sind eigentlich die ersten Songs nur ohne Gesangsspur. Wer also mit den Shouts nichts anfangen kann, kann zu Track 10 skippen und sich den reinen Instrumentalität hingeben. Einzig das Drumset klingt nach einem Computer, das ist bei dem Preis aber sicher zu Verschmerzen. 

 Anspieltipps: Farewell, Blind, Evil Is Coming

Azgard - At The Break Of The Day
(Quelle: Bandcamp.com)

Es ist eh alles recht brutal und laut hier.

Samstag, 13. März 2021

Bound In Fear - Eternal EP (Unique Leader Records/Hold Tight PR)

"How Low Can You Go?" fragte sich einst Ludacris. Bei der EP Eternal der Band Bound In Fear geht es aber weniger um eine Körperhaltung denn um extrem tief gestimmte Gitarren. Die Vielsaiter sind gar so tief gestimmt, dass der Bass sich förmlich den Platz im Gesamtkonstrukt erkämpfen muss. Wenn man es sich dann auch noch vorstellt, wieviele Saiten das sind, dann zieht der Bass ganz klar den Kürzeren. Dazu gesellen sich noch synthetische Klänge und schon ergeben sich riesige, unbezwingbare Soundwände.

Wie der Name der Band verrät, geht es um Ängste und was sie mit einem machen. Die Band will einem aber auch mitteilen, dass man damit nicht alleine ist. Jeder trägt sein Päckchen mit sich und es ist vollkommen in Ordnung, wütend, sauer oder traurig zu sein. Und jeder hat auch seine Eigenart, damit umzugehen. Tracks wie My Mind, My Prison stehen genau dafür. Man nimmt textlich aber auch kein Blatt vor den Mund. Es geht teilweise echt blutig zu, man wird an den Boden getackert, es gibt Blut, enge Räume ohne Türen und Fenster und Menschen, die einen nicht nur physisch quälen. 

Nach fünf Titeln ist der Spuk vorüber und man lässt sich dazu hinreißen, sich noch eine Runde zu geben, auch wenn der Gesang stellenweise unverständlich ist oder einfach nur ins schweinische Grunzen verfällt. Aber man wollte alles austesten, was im Deathcore und Metal geht und das hat man erreicht. Wie eingangs beschrieben, gibt es hier große Soundwände und eine erdrückende Stimmung, da muss man dem Produzenten und Mixer mal auf die Schulter klopfen... oder gleich abschlagen? 

Release: 12.03.2021
Label: Unique Leader Records

Anspieltipps: My Mind, My Prison; Left To Drown

5/6 Punkten (Wie dick können Gitarrensaiten eigentlich werden?)

Bound In Fear - Eternal EP
(Quelle: Presskit von Hold Tight PR)

Sonntag, 28. Juni 2020

Emmure - Hindsight (Sharp Tone Records/Kinda Agency)

Wer hat denn hier den mit Nu-Metal gefüllten Eimer umgeworfen? Wer die ersten paar Tackte von Emmures Album Hindsight hört, kommt um den Gedanken nicht herum. Und das zieht sich dann durch das gesamte Album. 

Wer Korn, Static X, Limp Bizkit, Slipknot und hed (p.e.) kennt, zumindest die Versionen um den Peak des Nu-Metal, der wird hier einige alte Bekannte wieder erkennen. Selbst gesangstechnisch ist man sich nicht zu Schade, wie die wirre 90er-Jare Version von Jonathan Davis klingen zu wollen. Man will förmlich polarisieren, nur um dann ein paar Titel später dann doch den Deathcore auszupacken, die Gitarren und der Bass sind eh schon nah am braunen Ton. Dennoch quetscht man hier und da ein Samples und Scratches rein, so dass es dann doch wieder Nu-Metal ist? Oder ist das Nu-Deathcore? Ist das dann überhaupt noch was eigenes? Diese Aussage ist schwer zu treffen, selbst wenn man sich in der Szenerie auskennt und bewegt hat/bewegt. Aber das kann man den Jungs nicht vorwerfen, denn die haben das gemacht, was ihnen gerade gefällt, die Darbietung ist um einiges brachialer, als es noch vor 25 oder 20 Jahren gewesen wäre. Im Mainstream sind Gitarren mit mehr als sechs Saiten noch nicht wirklich angekommen, was echt schade ist. 

Nun, nach etwas mehr als einer halben Stunde ist man durch die dreizehn Titel durch. Die Band schafft es hier zu polarisieren, wer mit harter Musik nichts anfangen kann, wird hier nichts finden, was ihm gefallen könnte. Alle anderen, die sich mit dem Deathcore kuscheln und sich im Metalcore wälzen, die können hier Gefallen finden, sowie die Leute, denen Nu-Metal gefällt und auf der Suche nach härterem Zeug sind. 

Release: digital: 26.06.2020; physisch: 24.07.2020

Anspieltipps: 203, Thunder Mouth, Gypsy Disco

5/6 Punkten (Ein bisschen viel Nu-Metal hier)

Emmure - Hindsight
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Sonntag, 9. Februar 2020

Suicide Silence - Become The Hunter (Nuclear Blast/All Noir)

Das die Band Suicide Silence ziemlich harte Zeiten hinter sich hat, dass muss man den Fans nicht erklären. Der Tod eines Bandmitgliedes bedeutet immer Veränderung, manche Formationen zerbrechen daran, andere stehen wie ein Phönix aus der Asche wieder auf.

Suicide Silence gehören definitiv zu den Phönixen. Auch wenn das alles schon eine Weile her ist, so schwingt dieses Ereignis noch mit. Auf ihrem neuen Langspieler Become The Hunter geht es immer noch ruppig zu, man hat einen Ruf als Deathcore-Pionier zu verlieren. Und Deatchore gibt es zweifellos auf der Platte, die Geister des früheren Metal haben hier anscheinend bei der Produktion an die Tür geklopft und sind mit auf dem Album gelandet. Dabei werden nicht nur Gitarrensoli aus den 80ern und 90ern aufgegriffen (wie in Feel Alive), man nimmt auch cleane Gitarrenparts aus den späten 90ern und frühen 2000ern (wie in "Skin Tight") auf (ihr wisst, schon dieser Nu Metal) und lässt dabei den Bass ordentlich scheppern. Als hätte man Fieldy von Korn an's Lowend gelassen. Das beschreibt auch den Sound auf diesem Album recht gut, alles ist fett aufgestellt und es wummert an allen Ecken und Kanten. Zwischendrin gibt es das Gekeife, Gegrowle und ein paar Sprechparts von Hernan Hernida. Das ist auch gut so, denn Gesang wie bei manchen Kollegen des Metalcores, hätten dem Werk ihre Brutalität genommen und das Paket nur kitschig wirken lassen (sorry Metalcore-Dudes). Und dann haben die Jungs auch noch den Schneid Meltdown, das Intro des Albums, als Musikvideo zu verwenden. Der Anfang klingt zwar erst nach Seemannsmusik, doch dann wird gescheppert. Die anderen Singles, Love Me To Death und Feel Alive, sind zwar mitten aus dem Album gerissen, man wird sich aber sicher was dabei gedacht haben. Man erzählt mit den Videos ja eine Geschichte, dessen Bilder nicht gerade auf dem nächsten Kindergeburtstag gezeigt werden sollten.

Nach knapp 40 Minuten und elf Titeln ist die ganze Sache durch. Durch den markanten Einstig zu Beginn des Albums weiß man wo man gerade ist, denn "Become The Hunter" ist eine sehr kurzweilige geschichte. Man ist bei vielen Titeln dabei, den Kopf im Takt mitschwingen zu lassen. Wie bereits schon vorher erwähnt, ist die Produktion massiv gut, es gibt einfach keine Fehler.

Release: 14.02.2020
Label: Nuclear Blast

Anspieltipps: In Hiding, Death's Anxiety, Disaster Valley

6/6 Punkten (Eigentlich Schade, dass die meisten mit dem Core nichts anfangen können.)

Suicide Silence - Become The Hunter
(Quelle: Presskit von All Noir)

Donnerstag, 18. Oktober 2018

17. Nachschlag: The Pariah - No Truth

Wie geht es dem Metalcore? Nun, er hat sich für zweierlei Wege entschieden: entweder für Pop (siehe BMTH, obwohl Mantra ja wohl wieder härter werden könnte) oder es ging gen Deathcore. Und dann gibt es Bands wie The Pariah aus Bottrop, obwohl diese sich eher Melodic Hardcore auf die Fahnen schreiben mag.

Man ist an einigen Stellen wahrlich schnell, dennoch gibt es ganz signifikante Stellen auf No Truth, wo man es nicht von der Hand weisen kann, dass man doch in irgendeiner Form wie die (ehemaligen) Größen des Metalcore klingt. Und neben dem ganzen Geschrabbel und den Stimmbändern am Anschlag gibt es auch Momente zum Durchatmen und Luftholen. Man kann ja schließlich nicht die ganze Zeit nur gedroschen werden. Die Gitarren sind, anders als es für das Genre üblich ist, nicht tiefer gestimmt, zumindest nicht sonderlich. Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas komisch, weil alles etwas zu hoch klingt. Das macht man dann durch die Wucht in der Kombination mit Bass und Schlagzeug mehr als wett. Mit No Truth will man Geschichten des Miteinanders erzählen, darum wie man sich zueinander Verhält und welche Lügen man anderen auftischt, egal ob nun im privaten, professionellen oder politischen Bereich. Der Erkenntnisgewinn ist etwas länger als eine Halbe Stunde und mag ernüchternd sein, dafür ist er recht druckvoll. Das Album erschien bereits am 28.09. auf Redfield Records.

Anspieltipps: Surged, Silent Birds, Regression

5,5/6 Punkten (Kann man mit einem Schweinenacken den eigenen ersetzen?)

The Pariah - No Truth
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Sonntag, 22. Oktober 2017

Teil 2 des Interviews mit Behead The Broken Queen vom 15.10.2017

Wenn ihr wissen wollt, wie Behead The Broken Queen zu ihrem Namen gekommen sind und wer sie inspiriert hat, solltet ihr hier klicken.

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2014 habe ich euch auch schon bei Sonnys Birthdaymosh gesehen und hab mich gewundert, warum ihr weder eine EP noch ein Album am Start hattet. Die beste Band des Abends und die hat ausgerechnet keine Scheibe am Merch-Stand. Wird es denn irgendwann eine EP oder ein Album geben?

Sebastian:
Tatsächlich sind wir im letzten Schritt, wir sind kurz davor.

Murat: Es wird nur noch gemastert, wir geben gerade etwas Feedback und dann wir fertig.

Und wie sieht das Feedback aus?

Sebastian:
Aktuell sind es eigentlich nur noch die Lautstärken und dann ist es fix. Da sind drei, vier Parts, wo noch mal was an der Lautstärke geregelt werden muss.

Nils: Letztendlich müssen wir gestehen, dass das ein Projekt von zwei Jahren Dauer war. Seit ich in der Band bin, haben wir angefangen aufzunehmen, eigentlich vor den ersten großen Shows mit mir. Die EP ist eine Art Patchworkprojekt, wir haben alles zuhause aufgenommen und haben es zum Soundtypen geschickt. Ich will die EP nicht schlecht machen, ich glaube die EP wird auch ganz geil sein, es sind ja die Songs die man live von uns kennt, wir haben aber auch die Schnauze ein wenig voll davon und sind mit dem Abschluss der EP auch bereit etwas Neues zu schreiben. Vielleicht geht es dann auch in eine andere Richtung, das wird sich zeigen. Wir werden versuchen, die nächsten Wochen kreativ zu werden und wer weiß, vielleicht ändert sich dann auch unser Stil.

Hipster-Black-Metal.

Simon:
Hipster-Black-Metal zum Beispiel...

Murat: … Psychedelic Pop-Punk mit Technical Deahtmetal-Einflüssen...

Simon: Spaß beiseite: wir werden BBQ treu bleiben, aber wer weiß wie sich das entwickelt. Erstmal wird in den nächsten Wochen die EP veröffentlicht, danach wird es auch live etwas stiller um uns, denn wir werden uns dann zum Aufnehmen zurückziehen und dann werden wir ein neues Werk schustern.

Viele Saiten, viele Felle, viel Geschrei: Behead The Broken Queen aus Berlin
(Quelle: Promoordner der Band auf Facebook)

Woher kommt dieser komische Trend mit den vielen Saiten?

Alle:
Meshuggah.

Sebastian: Murat hat die vielen Saiten ins Spiel gebracht, sogar vor mir.

Murat: Tatsächlich. Wir wollten eigentlich nicht auf mehrere Saiten gehen, irgendwann ist mein Vater auf ebay, zwecks meines Geburtstagsgeschenkes, auf die Steve Vai Signature gestoßen, die sieben Saiten hat. Er hat mich gefragt, ob ich damit zurechtkäme und hat sie mir dann geholt. Dann habe ich ein wenig probiert, Martin ist dann mit eingestiegen, Basti ist auch aufgesprungen und irgendwann wollten wir uns dann steigern.

Sebastian: Mehr Saiten, mehr Möglichkeiten, mehr Range.

Murat: Dickere, tiefere Saiten, mehr Wumms. Mehr Meshuggah, mehr Djent.

Wie sieht die Szene in Berlin aus? Gibt es da eine Metalcore- und Deathcore-Szene?

Sebastian:
Es gab sie mal, leider. Es ist alles sehr stark abgeebbt. Es ist verdammt schwer geworden, Shows auf die Beine zu stellen und es ist tatsächlich so, dass wir lieber auswärts spielen als in Berlin. Berlin ist Hometown, es macht immer Spaß, aber ist verdammt schwer geworden, Leute ran zu bekommen. Der Hype geht in in Berlin viel mehr in die Clubszene.

Aber wo sind die Leute alle hin? Die sagen sich doch nicht von heute auf morgen: „Ich mag keinen Core mehr. Ist mir zu hart.“

Sebastian: Sie feiern viel lieber auf Electro.

Murat: Das kann ich bestätigen. Die meisten meiner Freunde, die aus der Szene kannte, sind tatsächlich alle in die Richtung Electro gegangen.

Das heißt: die haben alle Tunnel, sind zugehackt und hotten dann zu Beats über die Tanzfläche.

Sebastian: Gehe in einen Berliner Electro-Club und du siehst überall Tunnel-Tätowierte.

Nils: Was dazu beiträgt, speziell auch bei unseren Konzerten, wir haben schon ein paar Mal in Berlin gespielt, haben halt die gleiche Set-List. Lokal sind es dann eher die größeren Bands, die dann mal Leute ziehen, aber seit 2010 hat das ganze immer mehr abgenommen. Lokal wird nicht mehr so viel gefeiert, so wie hier heute. Heute war das eine kleine, lauschige Kulisse und angenehme Stimmung. Vielleicht könnte sich da was tun. Ich denke, dass sich was ändern könnte, ins Positive, wenn wir neues Zeug schreiben und dementsprechend auch mehr Leute ziehen, auch von außerhalb. Die Leute die uns kennen und auch feiern, die kann ich verstehen, wenn die uns schon öfters gesehen haben und wir immer noch die gleiche Set-List spielen, dass die sich dann irgendwann abkehren. Ist bei mir nicht anders, wenn ich eine Band habe, die ich total liebe und die zum fünften Mal in der Stadt sind, dann sage ich mir: „Ich habe die schon vier Mal gesehen und die spielen seit zwei Jahren die gleiche Set-List, muss ich nicht unbedingt hingehen.“

Man muss ja auch neues Zeug schreiben.

Nisl: Was dazukommt: wir haben ewig nichts ins Netz gestellt, keine neuen Aufnahmen, nichts. Wir haben ein Musikvideo gedreht und hochgeladen, aber das war es dann auch schon. Die EP lässt seit hundert Jahren auf sich warten. Wenn wir mehr im Netz hätten, denn alles geht heute übers Internet, gucken die Leute vorher bei Youtube nach, wenn jemand in der Stadt spielt und entscheide danach. Wenn wir eine ganze EP im Netz hätten, liefe das vielleicht anders.


Wenn man nur einen Song im Netz hat, dann hält man sich daran fest. Der Künstler sagt sich: „Das ist unser bestes Stück, wir werfen es jetzt in den Ring.“

Sebastian:
Ob es das beste Stück ist, das ist eine andere Sache.

Nils: Phrenesis wird von einigen Leuten sehr gefeiert, andere finden ihn zu eintönig. Der Song ist ein wenig eingängig. Der Song gibt dir voll auf die Fresse, wo halt wenig Eingängigkeit zu finden ist. Ich selbst feiere den Song aber sehr. Man sieht bei Youtube an der Likeliste, ob es den Leuten gefällt. Vielleicht ist es einigen wirklich zu stupide auf die Zwölf, wir machen aber die Musik, weil sie uns gefällt. Wenn es anderen Leuten gefällt, ist das geil, wenn nicht, dann ist mir das relativ egal. 

Freitag, 20. Oktober 2017

Teil 1 des Interviews mit Behead The Broken Queen vom 15.10.2017

Am 15.10.2017 gab es ein kleines Stelldichein der härteren Gangart im Muggefug. Das Lineup war richtig fett, eigentlich sollten Falcie (die vorher Nu-Nation hießen) auch kommen, nur ist denen leider der Tourbus in Bayern kaputtgegangen. So musste dann der gute Sebastian mit seiner Band "Dispray" aushelfen. Auch die Jungs habe ich interviewt. Es wäre sicher interessant gewesen, was passiert ist, zwischen dem letzten Interview mit Nu-Nation und diesem Sonntag. Nun denn, genug des Schwafelns, hier kommt der erste Teil des Interview mit Behead The Broken Queen (oder auch BBQ) aus Berlin.

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Machen wir erst mal eine Vorstellungsrunde. Du bist wer?

Murat: Ich bin Murat, bin 27 Jahre alt, komme aus Berlin, meine Wurzeln sind in Berlin.

Und was spielst du so?

Murat:
Ich spiele Gitarre, manchmal Siebensaiter, manchmal auch Achtsaiter.

Nils: Ich bin Nils, bin 26 Jahre alt, komme aus Bielefeld, bin aber in Lübeck geboren und bin seit drei Jahren in Berlin. Ich bin Fabis Ersatz und bin der Shouter der Band.

Simon: Der ist nicht Fabis Ersatz, er ist immer dabei. - Ich bin der Simon, bin 27 Jahre alt, ursprünglich aus Aserbaidschan, aus Baku, seit ca. 14 Jahren bin ich in Berlin und ich bin der Schlagzeuger.

Sebastian: Ich bin der Sebastian, auch 25 Jahre alt und ich mach den Bass. Jetzt fehlt eigentlich noch der Martin, der ist 1000 und der macht die andere Gitarre. Manchmal Siebensaiter, manchmal Acht.

Fünf Berliner machen BBQ. v.l.: Simon (d), Sebastian (b), Nils (v), Martin (g) und Murat (g)
(Quelle: Promo-Ordner der Band auf Facebook)

Woher kommt der Name BBQ (Behead The Broken Queen)? Wer hat den erfunden?

Sebastian: Eigentlich wir alle irgendwie, wir wollten ursprünglich einen doppeldeutigen Namen.

Aber heißt das dieses Broken nun Pleite oder Kaputt?

Murat: Eher Kaputt, aber wir sind auch manchmal pleite, also passt das ganz gut.

Simon: Die Idee kam damals noch von Fabi. Und wir dachten uns: Super. Denn keiner spricht die Namen immer ganz aus und deswegen fanden wir den Namen von Beginn an ziemlich cool.

Murat: Außerdem mag jeder BBQ und deswegen mag uns jeder.

Simon: Wir haben so viel Merch, wenn du in den Supermarkt gehst, siehst du überall BBQ.

Murat: Selbst vegan, weil es ja auch veganes BBQ gibt.

Ihr könnt so alle Gruppen abdecken. Vegan, die Vegetarier, die Fleischesser...

Murat: ...Pescetarier, Allestarier

Also gibt es keinen tieferen Hintergrund hinter dem Broken.

Murat:
Eigentlich wollten wir uns am Anfang „Nutella“ nennen, wir haben eben versucht mit vielen Wortspielen was einzuarbeiten.

Ach, wegen Nu-Metal?

Nisl: Gott sei dank habt ihr euch nicht Nutella genannt, sonst hätte ich mich nämlich nicht beworben.

(Alle lachen.)

Was sind eure Spiritanimals? Wer hat euch inspiriert?

Murat: ScottPilgrim.

Simon: Ursprünglich war die Idee All Shall Perish und Whitechapels Sound einzufangen.

Sebastian: Wir sind über die Jahre durch jedes neue Core-Genre gegangen. Metalcore, Deathcore, ein bisschen Hardcore-Einfluss, jetzt ist es teilweise Progressive, Deathcore-Gedöns... einfach alles.

Murat: Bei den Genres, die wir in unsere Musik einfügen, können wir uns nicht in irgendeine Schublade packen. Wir machen irgendwie experimentellen Scheiß und wenn man die Songs alle hört, kann man sie nicht alle in das gleiche Genre packen.

Simon: Zum Anfang war es Metalcore auf Sweep und irgendwann ist härtere Musik entstanden.

Sebastian: Durch Nils ist das ganze nochmal richtig brutal geworden.

Murat: Das Genre ist das, worauf wir Bock haben.

Das heißt, dass ihr irgendwann einen auf Money Boy oder S.S.I.O. macht?

Murat: Das kann passieren.


Nun sehe ich euch ja nicht zum ersten mal live...

Sebastian:
… übrigens, auch an euch alle: wir haben in keinem Club häufiger gespielt als im Muggefug. Das ist heute Premiere gewesen. Wir sind jetzt das sechste Mal hier. Ihr vergesst, dass wir mir Feeding TheTitans auch schon hier gespielt haben. Wir haben schon viel zu oft hier gespielt. Wir haben sogar schon vor Feeding The Titans hier gespielt, zu Sonnys B-Day. 

Sonntag, 4. Juni 2017

Youtubisch Vol. 31

Da musste ich erstmal das Internet befragen, was "Phrenesis" genau ist. Der PONS definiert diesen aus dem Latein stammenden Begriff als Wahnsinn oder auch Geisteskrankheit. Behead The Broken Queen, kurz BBQ, schreiben diesem Thema einen ganzen Track und lassen eine junge Dame durch einen Wald rennen. Wovor sie flieht, wird hier nicht verraten.

Die Band hat ihren Sound weiter definiert, die Atmosphäre der früheren Werke wich größtenteils der Brutalität, die Gitarren und der Bass sind weiterhin tief gestimmt und jeder hat mehr Saiten zur Verfügung als Finger an einer Hand. Ist das Djent? Ist das Deathcore? Das müsste man die Jungs aus Berlin mal fragen.

Behead The Broken Queen - Phrenesis
(Quelle: Youtube.com)

Das ist ja das beste Wetter für einen Pfingstsonntag.

Mittwoch, 17. Mai 2017

Die 21. Fleet Union: Employed To Serve - The Warmth Of A Dying Sun

Es ist interessant, wie schnell sich manch Musikgenre selbst überholt und man auf den verschiedenen Musikplattformen auf einmal Bands findet, die klingt wie der xte Abklatsch von irgendeiner anderen Musikkapelle, ganz zu schweigen, dass man stets nur die gleiche Klaviatur beherrschen zu scheint. Und dann gibt es Bands, wie Employed To Serve, die durch ihre Kreativität ein ganzes Genre weiterbringen und eine eigene Klangfarbe entwickeln und verfeinern können. Fast zwei Jahre ist es her, da hat hier die Band aus England für ordentlich Trubel gesorgt. Mit ihrem Album Greyer Than You Remember hat man ein starkes Album voller Kraft, Chaos und Gewalt auf den Markt gebracht.

Und nun stirbt die Sonne und gibt noch einmal etwas Wärme ab. Die Band selbst hat an ihrem Sound nochmals geschliffen. Was auf dem ersten Langspieler nach viel Chaos und dem Verscheuchen von Ungeziefer klang, ist nun einem Monster gewichen, was alles und jeden plättet, was sich ihm in den Weg stellt. Man hat anscheinend alle Instrumente tiefer gestimmt und den Knopf am Bass ein wenig weiter aufgedreht. Wirkte das erste Album eher flach produziert, so kommt mit The Warmth Of A Dying Sun mit Frequenzen daher, die einem mit Unbehagen zurücklassen können. Alleine das Wabern im Intro des Titels "The Warmth Of A Dying Sun" lässt einen spüren, wie sich das Ende der Welt anfühlen könnte, wenn die Sonne sich einmal so aufgebläht hat, sodass die Erde in Gänze vernichtet wird. Aber das wird erst in ein paar Milliarden Jahren passieren. 

Auf der anderen Seite gibt es auch Titel, in denen die Ruhe einhält, die einen am Ende an die Hand nehmen, um dann ein paar Sekunden später wieder in den Pit voller moschender Körper geschmissen zu werden. Manche Menschen meinen, dass das hier alles nichts mehr mit Musik zu tun habe, aufgrund des Lärms und der Strukturen, die sich abzeichnen. Sicher, die jungen Musiker um Justin Jones geben alles, sei es mit ihren Stimmbändern oder ihren Instrumenten. Dabei gibt es hier nicht nur brachiale Dreifingergriffs, sondern auch detailverliebtes Gespiel, welches viel handwerkliches Können abverlangt. Einige Titel sind, wie auf dem Vorgänger, immer noch so vertrackt, dass ein Titel klingt, als bestünde er aus drei separaten Titeln, die man ineinander gemischt hätte.

Am Ende liegt man mit den Bandmitgliedern unter einem Apfelbaum und genießt mit ihnen die Sonnenstrahlen, die durch das Blätterdach scheinen. Hier hat man ein Album, wenn nicht gar DAS Album des Jahres 2017 in den Händen. Veröffentlicht wird dieses Monster von Langspieler am 19.05. auf Holy Roar Records.

Anspieltipps: 

Good for Nothing: Wie ein erfahrener Boxer kommt das Quintett angetänzelt und springt die dann ad hoc in ein Gesicht und wühlt mit drückenden Gitarren und Bass in deinen Eingeweiden. Violent Dancing ist hier quasi vorprogrammiert.

I Spend My Days (Wishing Them Away): Das hatten wir hier schon einmal, was aber nichts daran hindert, dass dieser Titel genau den Querschnitt dieses Albums wiedergibt. Von absolutem Zermalmen bis hin zum Hoffnungsschimmer ist hier alles vertreten, was auch auf dem Album in vielfältiger Form zu finden ist. Die Vorzeigesingle.

The Warmth Of A Dying Sun: Mit hinterlegtem, fiesen Wabern hören wir eine Stimme, welche uns durch ein Telefon erzählt, was sich draußen vor seinen Augen abspielt. Beängstigend wirkt dieser Einstieg in den Track, zwischen all dem Stress innerhalb des Songkonstrukts kommt man am Ende doch mit einem Happy-End davon.

6/6 Punkten (Eine herrliche Entwicklung dieser Band)

Employed To Serve - The Warmth Of A Dying Sun
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Montag, 31. Oktober 2016

Bandcamptage Vol. 153

Da dieses Jahr recht turbulent war und es wohl auch bis zum Ende so zu bleiben scheint, gibt es hier schon seit längerem ab und an so richtig auf die Mütze ... oder aufs Fressbrett? Egal.

Durch die "Sucht" nach harter, derber Musik, bin ich auf Reach The Shore aus Belgien gestoßen. Diese Band schenkt euch quasi ein Album voller Djent, Metalcore und einem Hauch Deathcore. Ich weiß, dass Genre wirkt für einige unter euch vielleicht ausgelutscht, zumal ich auch zugeben muss, dass mittlerweile Bands und Titel gibt, die selbst mein Musikerherz zerbrechen lässt. Das Quintett lässt auf Faith & Confidence keine Langeweile aufkommen, man rollt mit einem Gewitter und Akustukgitarre an und schafft darauf mitunter schöne und große Landschaften, aus welchen einem der Sänger immer wieder anbrüllt. Die Gitarren sind teilweise chaotisch, frickeln manchmal pervers rum, wie in At Daggers Drawn. In den Skits geht es dagegen düster zu, das kann mitunter am Genre liegen. Bass und Trommeln sind fett abgestimmt und vervollständigen das runde Gesamtbild. Und ehe man es sich versieht, sind 35 Minuten rum. Der Repeat-Faktor steht hier auf Maximum. Und wem der Gesang zu derb ist, der kann sich hier die Version ohne Stimmbänder laden, auch for free.

Anspieltipps: At Daggers Drawn, Nothing To Do Here, Tigers Blood, Grieving Trees

Reacht The Shore - Faith & Confidence
(Quelle: Bandcamp.com)

Soll das Jahr echt schon vorbei sein?

Donnerstag, 21. Juli 2016

Das 2. Napalm: Jinjer - King Of Everything

Was war die Aufregung groß, als hier das Video von Jinjers Words Of Wisdom über den Bildschirm flimmerte und aus den Boxen einfach nur ein brachial drückende Sound kam. Und das lang vor der Ankündigung, dass dieses Quartett aus der Ukraine das Album King Of Everything veröffentlichen würden. Natürlich sitzt man dann nach so einem Hammertrack auf heißen Kohlen und wartet sehnsüchtig auf ein Promoexemplar.

Mit Hammer und Federboa im Gepäck: Jinjer

Und dieses warten hat sich gelohnt, auch wenn man mit dem Album erstmal etwas warm werden musste. Auch wenn Words Of Wisdom ein derber Brecher ist, der dem Zuhörer schon gehörig zusetzt, so entwickelt sich das gesamte Kunstwerk nicht nur brachial. Die Frontfrau Tatiana Shmailyuk beherrscht nicht nur das extremste Belasten der Stimmbänder, sie kann auch singen. Dabei ist ihre Stimme nicht so "niedlich", wie die von Kitties Sängerin Morgan Lander, Tatianas stimme hat Soul, ist angenehm tief und wirft die Titel des Albums innerlich nochmals in zwei Lager auf, schafft eine Schizophrenie, die es zuletzt bei den Marmozets gab, auch wenn hier zwei unterschiedliche Musikstile aufeinander treffen. Das ukrainische Quartett schafft mit all ihren Instrumenten einen Querschnitt der Metal-Stile. Mal gibt es eine Prise Djentcore, dann wieder Metalcore, Nu-Metal... name it and you will find it. Der letzte Titel "Beggars Dance", haltet euch fest liebe Leser, ist sogar komplett Swing, keine Core, nix. Es sollte jedoch erwähnt werden, dass der Text hier der gleiche ist, wie beim Prolog. Man schließt quasi Textlich den Kreis, auch wenn das letzte Stück etwas aus dem Rahmen fällt. Lustig ist es allemal, da hier Erinnerungen an S.C.I.E.N.C.E. von Incubus aufkommen.
Roman an der Gitarre und Eugene am Bass beherrschen alle aufgeführten Stile mehr als gut, können unglaublich schnell spielen, jeder Griff sitzt und macht einen fast wirr im Kopf. Das Schlagzeug beherrscht hier mehr Gangarten als ein Islandpony, das hilft die Vielfalt zusätzlich zu untermauern. Nur Doublebass kann jeder. Die Produktion der Platte ist mehr als gelungen, alles drückt fett voran, ruhigere Stellen lassen den Zuhörer denken, er wäre verdammt noch mal alleine im Universum. Aber was machen wir jetzt mit dem letzten Track? Nun, der ist ebenso gut produziert, er lässt Luft für die nächste Rutsche durch die 42-Minutenschleuder. Mit Sicherheit eines der Alben des Jahres.

Anspieltipps: 

Words Of Wisdom: Hier geht es um die Wurst. Man schlängelt sich von Hinten an um dann mit voller Wucht zuzuschlagen. Dieser Track weiß auf ganzer Länge zu tragen, man muss hier abgehen. Das Video hierzu mag zwar einfach gehalten sein, hinterlegt aber dennoch die Wucht, die Energie, die hinter diesem Track steht.

I Speak Astronomy: Auch wenn man am Anfang meinen mag, dass der Track ganz schön nach Nu-Metal klingt, so entwickelt sich das gesamte Konstrukt in eine völlig andere Richtung. Nicht nur die stimmliche Vielfalt und Kraft wird hier mehr als deutlich, hier findet man genau diesen Moment der inneren Einsamkeit im Universum, wie er oben weiter schon mal beschrieben wurde. Hat sogar Ohrwumrcharakter.

Pisces: Man fängt erstmal an zu kuscheln, ihr wisst schon. Man möchte entspannen, die Stimme wandert hypnotisierend wie Ka's Stimme in dein Ohr. Auf einmal wird dir in den Rücken getreten und Tatjana lässt ihren Dämon frei. Sehr viel Achterbahn für einen Titel, da man hier ständig wechselt, zwischen infernalem Losballern und einer ruhigen Kugel, die fast stehen bleibt, weil sie keiner anschiebt.

6/6 Punkten (Klatschen und Namentanzen ist hier nicht.)

Jinjer - King Of Everything
(Quelle: Presskit von Napalm Records)

Sonntag, 13. September 2015

6th Carrycoal: Bring Me The Horizon - That's The Spirit

Es war eigentlich nie geplant, ein zweischneidiges Review, oder vielmehr ein Review aus zwei Sichtweisen zu schreiben. Aber dieses Album lässt nichts anderes zu. Ihr werdet also den Metaller hier lesen können oder vielleicht auch einen Fan der ersten Platten und einen „Musikhörer“ der eigentlich „alles“ hört, wobei sich das dann primär auf den Konsum der regionalen Radiosender beschränkt.

Der Metaller/Fan der ersten Alben

Der/Die/Das Alleshörer
Die Band war ja eigentlich für ihre harte Gangart bekannt, für ihren brachialen Sound, der extrem schnellen Double-Bass-Drum-Attacken und einer Stimme, die stets am Anschlag agierte. Aber was ist bitte aus BMTH geworden? Eine neue Version von Linkin Park und Nickelback. Warum macht man als einer der bekanntesten Vertreter dieses, wenn auch nicht von allen gemochten Genres, diese Kehrtwende? Nur weil man allen Gefallen will? Nur weil man die Location mal Gewechselt hat, um ein Album aufzunehmen? So what? Sicher muss man ja nicht immer versuchen seinem alten Sound hinterher zu rennen, funktioniert natürlich auch nicht immer und jeden Tag die gleiche Suppe schmeckt auch nicht. War das aber nach Sempiternal so absehbar? Die Produktionsqualität ist zwar über alles erhaben, aber wenn man sich eine BMTH-Platte kauft, will man ja auch BMTH drin haben und nicht irgendeine andere, veraltete Version von Linkin Park. Ein BMW-Käufer wäre auch enttäuscht, wenn da ein Motor von Renault unter der Haube brabbeln würde. Einige der Songs sind ganz okay, reichen natürlich für maximales Airplay und für die Musikuntermalung von „Actionvideos“ von ARD/ZDF oder Galileo, wie zum Beispiel Throne. Das ist dann aber echt nah an LP. Man muss sich dann auf den nächsten Konzerten den Platz mit vierzehnjährigen und sechzehnjährigen Mädels teilen, die sich dann an den Haaren ziehen oder das Bier oder eben die Limo über den Latz kippen, weil die andere gegenüber blöd geguckt hat. Man, was ist aus Metal geworden, warum muss man sich denn so verbiegen. Da hat man echt zu kräftig auf die Bremse getreten.
Eins haben sie erreicht, die Jungs um Sykes, sie sind im Gespräch.

2/6 Punkten (aber auch nur wegen der Produktionsqualität)

Die alten Platten von dieser Band sind ja eigentlich die härteren. Mit That's The Spirit führt man im Grunde genommen weiter, was nach Sempiternal klar war. Man wird radiotauglicher und man hört den jungen Barden am Mikrofon endlich mal singen und nicht nur schreien, wie zwei Platten zuvor. Man experimentiert viel mit elektrischen Geschichten, fügt elektrisch gestaltete Beats ein und hat auch mal ein E-Piano am Start. Aber es zeigt, wie wandlungsfähig nicht nur Musik sondern auch Musiker sein können, denn man muss einen Stilbruch wollen, so wie ihn einst Linkin Park oder auch 30 Seconds To Mars hingelegt haben. Aber woran kann das liegen? Vielleicht an den Lebensumständen, die sich verändert haben? Ist man nun wirklich besser gelaunt? Wurden alle Sorgen in Sheffield gelassen, als man nach Griechenland aufgebrochen ist, um das neue Album aufzunehmen? Man hat nun weniger Probleme mit sich und untereinander, so entstehen weit aufgestellte Soundwände und man kann sich Ausflüge in verschiedenste Stilrichtungen leisten. Aber ist das noch Metalcore oder Deathcore? In einem Interview mit Noisy hieß es, dass man diese Musik nicht mehr in die Deathcore-Richtung schieben könne, nun aber Probleme habe, eine Setlist aufzustellen, die in sich stimmig ist. Fans der ersten Stunde rümpfen schon seit Suicide Season die Nase, spätestens seit dem Vorgänger des aktuellen Albums, ist der Zug eh abgefahren. So geben wir uns der sehr gut produzierten Rockmusik hin und können uns auf mehr Airplay freuen, ob nun im Radio oder vielleicht auch im Fernsehen.
Eins haben sie erreicht, die Jungs um Sykes, sie sind im Gespräch.


Anspieltipps: Throne, Happy Song, Blasphemy

5,5/6 Punkten (ausgezeichnete Qualität, musikalisch abwechslungsreich)


Nun denn, zu welcher Fraktion ihr euch zählt, es geht nur darum, dass man das aus zwei völlig verschiedenen Perspektiven hören kann, da man hier geradewegs vom Metal in den Pop oder was auch immer wandert. Wer sich hier wiederfindet, gut. Wer sich weder auf der einen, noch auf der anderen Seite sieht, tja. Es ist vielleicht auch gut, zwischen den Stühlen zu stehen, so wie ich.  

Bring Me The Horizon - That's The Spirit
(Quelle: Presskit von Carrycoal)

Montag, 25. Mai 2015

2nd Backstage Broadcast: Employed To Serve - Greyer Than You Remember

Dieses Quintett aus Woking will definitiv nicht kuscheln. Nein, sie geben dir gleich was aufs Fressbrett, damit du weißt wo der Hase lang läuft. Frage nicht nach Sonnenschein, denn es ist doch alles Grauer, als du dich dran erinnern kannst. Greyer Than You Remember von Employed To Serve ist ein Longplayer, der einen von Anfang an durch die Gegend boxt und nicht locker lässt. Justine Jones klingt wie eine Frau, in die ein Dämon gefahren wäre. In Verbindung mit den anderen vier Mitgliedern entsteht ein unglaublich starker Sturm, der über die zehn Titel des Albums nicht nicht abebbt. Eins, zwei mal holt er einfach nur kurz Luft und bläst dann um so stärker in dein Gesicht... hier eher in die Ohren. Nach drei selbst produzierten EP's, hat man entschieden, dass Lewis Johns (Rolo Tomassi, Funeral For A Friend) die Produktion übernehmen soll. Das finale Mastern übernahm dann Brad Boatright (Sunn o))), Converge). Es ergibt sich hieraus eine recht anspruchsvolle Mischung, die einen wegbläst und dennoch vor lauter Komplexität strotzt. Der Rhythmus ändert sich alle paar Tackte, dadurch bekommt ein Titel die unterschiedlichsten Klangfarben angedichtet, hier ist alles dabei, man wechselt zwischen Dissonanzen und tiefen, grollenden Harmonien mit einem Fingerschnippen. Die Produtkionsqualität ist allererste Sahne und lässt nirgends einen Wunsch offen. Dieser Sturm auf dein Trommelfell ist zwar nur eine halbe Stunde lang, du willst aber automatisch mehr und gibst Greyer Than You Remember noch einen Durchlauf... und noch einen... und noch einen. Es wird und wird nicht langweilig werden. Wenn dir die Musik nicht passen sollte, dann kann es sein, dass dein Musikgeschmack "eigentlich alles" nicht alles umfasst, denn hier gibt es Kunst auf die Hand (das Artwork ist wirklich gelungen) und ins Ohr und kein nerviges Autotune-Geklimper. Das ist alles echt, was die Band hier macht. Veröffentlicht wird das Album am 29.05. auf Holy Roar Records und verschiedensten Versionen, auf Bandcamp kann man sich Watching Films To Forget I Exist (das Video hierzu ist für Epileptiker eher ungeeignet) und Bones To Break schon mal anhören.

Anspieltipps: Greyer Than You Remember, Tower Mouth und ganz besonders

As Cold As The Rest
Das Intro des ganzen ist noch recht ruhig, es gibt gesprochenen Text. Nachdem klar ist, dass niemand die Antwort hat, wird losgescheppert, zwar nicht so chaotisch, wie bei den anderen neun Titeln, trotzdem drückt dieser Titel extremst gut.

6/6 Punkten (Fick die Henne, ist dieser Ritt geil!)

Employed To Reserve -
Greyer Than You Remember
(Quelle: Bandcamp.com)