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Montag, 17. August 2020

Kid Dad - In A Box (Long Branch Records/SPV/Fleet Union)

Kid Dad hatten wir hier mal im Interview, wer sich vielleicht daran erinnert. Damals waren die Jungs mit RAZZ auf Tour und es gab nur eine kurze EP, das Potential der Band zeigte sich bereits hier. Auch auf der Bühne konnte das Quartet überzeugen. 

Nun ist zwischen dem Interview und In A Box relativ viel Zeit vergangen, die Jungs studieren ja noch. Ihr angesammeltes Wissen spiegelt sich auf dem Langspieler in jeder einzelnen Sekunde wieder. Das Beginnt schon beim kurzen Intro, welches einen leeren Raum darstellt. Die Aufnahmen hingegen fanden außerhalb von gewohnten Bahnen statt, da man mal in Ostfriesland, mal in Berlin und auch Hannover war. Wer jetzt genau diese Einflüsse sucht, kann sie finden, das muss aber nicht passieren. In A Box wirkt wie aus einem Guss aber dennoch spannend. Es gibt Spannungsbögen, man wirkt zerbrechlich wie im Grunge, es gibt nicht direkt lärm. Dann gibt es Songs, die Anfangen wie die besten Stücke von The XX, um dann doch mal kurz mit den Gitarren alles niederzuschlagen. Und genau im selben Stück geht es dann wieder zurück zu den Briten, die früher gerne viel Schwarz trugen. Direkt im ersten Durchlauf hat man das Gefühl, dass das ein Album voller Lieblingslieder werden kann. Die Melodien schneiden sich direkt in die Gehirnwindungen fest und mehrfach huscht einem einen Grinsen über das Gesicht, da man den nächsten guten Moment auf der Platte erwischt hat. 

Thematisch geht es recht ernst zu. Man singt über unsichtbare Gefängnisse, darüber, dass man am liebsten Brennen würde, es geht um den Selbsthass, dass man nicht der sein darf, der man ist und dass man hier und da Notlügen einschleust, was mitunter die menschliche Natur ist. Das sind mitunter die Themen, die einen umtreiben, wenn man erwachsen wird und auf seine Eltern oder Großeltern sieht, was die alles in ihren jungen Jahren erreicht haben. Man nimmt dem Sänger diese schweren Gedanken ab, man hört den Schmerzen, die Fragen und die Zweifel. 

Wie bereits erwähnt, setzen die jungen Männer aus dem Studium in ihrer Musik um. Es gibt nichts, was zu viel ist, nichts, was absichtlich streckt oder irgendwo künstlich eingestreut wird nur um ein paar Minuten mehr Musik auf den Langspieler zu bringen. Experimente, wie absichtlich falsch gestimmte Gitarren auf A Prisoner Unseen, glücken erstaunlicher Weise und passen direkt ins Soundgewand.

Release: 21.08.2020
Label: Long Branch Records / SPV

Anspieltipps: Happy, [I Wish I Was] On Fire, Window

6/6 Punkten (In diesem Alter sind die schon so gut!)

Kid Dad - In A Box
(Quelle: Bandcamp.com)

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Die 3. 4Ma: Razz - With Your Hands We'll Conquer

Das Emsland, fast ganz Links oben in Niedersachsen, direkt an der Grenze zu den Niederlanden, das ist die Heimat von vier, doch recht jungen Männern, die sich zur Band Razz zusammengefunden haben. Dabei kennt man sich aber nicht seit gestern, sondern schon seit dem man sich mit vier oder fünf Jahren gegenseitig im Sandkasten geärgert und angefreundet hat. Da jeder von den vieren mehrer Instrumente beherrscht, ergab sich die Verteilung an den Fellen und Saiten von selbst, zumindest fast. So weit, so gut.

Nachdem die Band im Sommer zig Festivals bespielt hat und aktuell auch bei vielen Radiosendern zu besuch ist, kann es sein, dass Razz dem ein oder anderen schon mal durch die Gehörgänge gelaufen ist. Der Visions-Leser wird den Namen auch schon aufgeschnappt haben, sei es wegen der Rezension oder wegen der kurzen Geschichte zur Band. So wirklich kann sie ja auch nicht sein, sind Niklas, Christian, Lukas und Steffen doch alle um die 18 Jahre alt. Der erste Longplayer mit dem Namen "With Your Hands We'll Conquer" wird nun auf den Markt geschmissen. Was man hier findet, klingt aber nicht nach irgendeiner sorglosen Teenie-Band oder nach chaotischen Aufnahmen. Nein, man klingt wie die großen Vorbilder, die daheim in den Plattenregalen stehen. Voll erwachsen, mit beiden Beinen tanzend, auf dem lyrisch harten Boden der Tatsachen, man würde ihnen das junge Alter nicht abkaufen, würde man nur dieses Album kennen. Handfester, sehr gut produzierter Indierock trällert hier aus den Boxen, mit einer Bassdrum, die einem kräftig in den Arsch tritt. Alle zwölf Titel wissen zu tragen und zu treiben, mit energischen Gitarren, die einen antreiben, weiterzumachen, nicht aufzugeben, auch wenn dir der Sänger teilweise echt traurige Dinge in die Ohren singt. Man kann sich förmlich vorstellen, wie das auf einem Festival aussieht und abgeht. Die Titel Turning Shadows, Black Feathers  und Yout & Enjoymentsind bereits auf Youtube zu hören.. Das alles gibt den perfekten Ausblick zu diesem Album. Veröffentlichungstermin ist der 30.10. und Long Branch Records unter SPV steht als Label dahinter.

Anspieltipps: 1953 - Hillary, Turning Shadows, I'll Be Your Ghost

6/6 Punkten, versteht sich (Aber wie will man bitte dieses Album noch toppen?)

Razz - With Your Hands We'll Conquer
(Quelle: jpc.de)
Und wer live das Tanzbein schwingen will:

30.10.15 Lingen, Alter Schlachthof (Release-Show)
31.10.15 Berlin, Fritznacht der Talente
28.12.15 Hamburg, Molotow
29.12.15 Hannover, Lux - Club
30.12.15 Osnabrück, Kleine Freiheit
02.01.16 Bremen, Tower Musikclub
04.01.16 München, Ampere
05.01.16 Köln, Yuca
06.01.16 Göttingen, Exil
07.01.16 Chemnitz, Atomino
08.01.16 Leipzig, Moritzbastei
09.01.16 Berlin, Musik & Frieden

Freitag, 13. März 2015

2nd Carrycoal: ANNISOKAY - Enigmatic Smile

Vor einigen Jahren fragte Michael Jackson einst, ob denn Annie Okay sei, ihr wisst schon, der Titel, den auch Alien Ant Farm gecovert hat. Auf jeden Fall singen und schreien seit 2007 fünf junge Männer aus Halle an der Saale ihre Seelen aus Ihren Leibern, mit der Botschaft, dass die Annie okay sei, mit ihrem Bandnamen, ANNISOKAY. Ein paar Umbesetzungen gab es seit dem, ein paar Demos, ein Album und ein paar Singles haben das Licht der Welt erblickt und die Band war recht fleißig am Touren. Im Frühjahr des Jahres 2014 begab man sich in die USA, um dort die ersten paar Titel aufzunehmen. Zunächst war auch nur eine EP geplant, da man jedoch über den die nachfolgenden Monate recht viel Rohmaterial angesammelt hatte, ging es später im selben Jahr nochmal in ein Studio, um eben daraus etwas anständiges zu basteln. Und wie anständig das geworden ist. Auch wenn hier zwei Produzenten, Joey Sturgis (u.a. Asking Alexandria, Emmure) und William Putney Putney (u.a. Suicide Silence, Miss May I), am Werke waren, so wirkt Enigmatic Smile wie aus einem Guss. Die Produktion ist, wie es sich für amtlichen Metalcore/Post-Hardcore gehört, fett. Alles ist mit tief gestimmten Gitarren und Blastbeats ausstaffiert, der Gesang und die Shouts sind eine Wucht. Der Trommler und der Bassist runden das Gesamtkonzept ab. So kann man auf der Höhe der Zeit mit Bands wie Bring Me The Horizon oder Architects mithalten, jedoch macht der Gesang bei ANNISOKAY hier viel aus. Auf elf Titeln schubst euch die Band grob 43 Minuten lang quer durch die Moshpits der Republik, um am Ende dann doch nochmal kurz an die/den Verflossene(n) zu erinnern, die jede(r) hat und an die/den man immer mit einem weinenden Auge zurückdenken wird.


Norbert Rose (b), Philipp Kretzschmar (g), Dave Grunewald (v), Daniel Herrmann (d) und Christop Wieczorek (v,g)
(Quelle:Presskit von Carrycoal)

Der Albumtitel bezieht sich auf eine Sage aus dem späten 19. Jahrhundert, die sich in Frankreich abgespielt haben soll. Eine junge Dame, die niemand kannte, wurde tot aus der Seine geborgen. Da sie äußerlich unverletzt war, nahm man an, dass sie ich das Leben genommen hatte. Ihr Gesicht sei friedvoll gewesen, so sagt man sich, obwohl der Grund wohl Liebeskummer und Herzschmerz gewesen sein soll. Ihr Lächeln sei so faszinierend gewesen, dass man damals jemanden beauftragte, das Lächeln, die Gesichtszüge für die Ewigkeit festzuhalten. So fand dieses wissende Lächeln, denn das dafür steht das Wort „Enigmatic“ (zu deutsch: enigmatisch), ihren Weg auf das Gesicht der Wiederbelebungspuppe Annie, von der dieser Michael Jackson immer gesungen hatte. So schließen sich die Kreise mal wieder. Die Band ist großzügig und bietet einem zwei Videos an, um sich ein konkretes Bild machen zu können.


ANNISOKAY - Carry Me Away (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

„Carry Me Away“ und „Fame“ geben gut den Durchschnitt des Soundgemenges wieder, das Wechselbad der Gefühle, welches ab dem 20.03.2015 über Long Branch Records vertrieben wird. Wer also Musik der harten oder härteren Gangart liebt, sollte hier zuschlagen. Alle anderen könnten vielleicht über den Gesang zur Band finden und stehen dann irgendwann in der ersten Reihe und singen und schreien jede einzelne Textzeile mit.  

6/6 Punkten (weil es der Annie nun gut geht)


ANNISOKAY - Enigmatic Smile
(Quelle: Presskit von Carrycoal)


Konzerttermine:

"Enigmatic Smile" Release Tour (w. Arktis)
20.03.15 - Underground - Köln

21.03.15 - Four Rooms - Leipzig
22.03.15 - Café Central - Weinheim

"Sacrifice To Venus Tour Part II" (w. Emil Bulls, Tenside)
10.04.15 - Kantine - Augsburg
11.04.15 - Colos-Saal - Aschaffenburg 
13.04.15 - Café Hahn - Koblenz
14.04.15 - Garage - Saarbücken
16.04.15 - Pumpe - Kiel
17.04.15 - Kulturfabrik - Krefeld
18.04.15 - Sputnikhalle - Münster
20.04.15 - E-Werk - Erlangen
21.04.15 - Alte Seilerei - Mannheim
23.04.15 - LKA Langhorn - Stuttgart
24.04.15 - F-Haus - Jena
25.04.15 - Aladin - Bremen

"The Unbreakable Hearts" Tour (w. Fearless Vampire) (UK)
04.05.15 - Arts Centre - Norwich
05.05.15 - O2 Academy 2 - Oxford
06.05.15 - The Hub - Stonehouse

07.05.15 - Cardiff Clwb Ifor Bach - Cardiff
08.05.15 - Underworld - London
10.05.15 - O2 Academy 3 - Balsall Heath
11.05.15 - Kings Tuts Wah Wah - Glasgow
12.05.15 - Soundcontrol - Manchester
13.05.15 - O2 Academy 3 - Liverpool

Festivals 2015:
10.07.15 - Rock den See - Sankt Andräe (AUT)

11.07.15 - Free For All Festival X (GER)
26.07.15 - Lanzer Anger Festival (GER)
07.08.15 - Open Flair Festival (GER)