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Sonntag, 14. Juni 2020

HEADS. - Push (Glitterhouse Records/All Noir)

Es gibt Alben, die zünden nicht sofort im ersten Moment. Da hört man sich hier und da ein paar Titel an und entscheidet dann. Dann gibt es Alben, die man einfach so laufen lässt und merkt dann, dass das dann doch nicht so schlecht ist und man nimmt sich dem an. So geschah es bei Push der Band HEADS..

Dabei fängt alles so an, als würde die Band akustisch einen Alarm oder eine schwere Maschine darstellen. Der Sänger spricht einen Text drüber. Dann packt man den Bass aus und lässt den Sänger von der Leine, die Gitarren sind eher etwas glatt und weniger verzerrt. Dieses Konzept zieht sich über die gesamten zehn Titel hin, wobei man nicht über eine Spiellänge von 36 Minuten kommt. Hier können sich klar Lieblingstitel herauskristallisieren. Push You Out To Sea ist so ein Song. Er beginnt hypnotisch und eskaliert ein wenig im Refrain, ab nicht zu sehr, um dem Grundthema nicht zu sehr zu entweichen. Man kommt immer wieder zum Spannungsbogen zurück, den man immer wieder neu aufspannen kann. Das Britisch-Englisch des Sängers trägt dazu bei, das jeder Textfetzen eindeutig verstanden wird. Wer You Guitar Prayer (hatten wir hier mal), kann hier gerne zugreifen. Für alle anderen könnte die ganze Geschichte ziemlich verkopfter Rock sein. 

Release: 29.05.2020
Label: Glitterhouse Records


5/6 Punkten (Hier spielt der Bass die erste Geige.)

HEADS. - Push

Donnerstag, 23. April 2020

Boston Manor - Glue (Pure Noise Records/Uncle M)

Kennt ihr dass, wenn ihr einen Musiktitel auf eurem Handy oder einem Gerät anmacht, dessen Lautsprecher nicht gerade der Rockmusik gewachsen sind? Der Opener Everything is Ordinary von Boston Manor klingt genau so. Aber keine Angst, die Jungs aus Blackpool sind schon seit 2013 unterwegs und mit Glue gibt es das dritte Album des Quintetts.

Dabei treffen auf dem Langspieler teilweise längst verloren geglaubte Genres aufeinander. Man findet neben Emo, Punk und eben Noise auch Alternative Rock. Man will sich eben nicht ganz festlegen lassen, wobei die Bandmitglieder sagen, dass sie auf dieses Album hingearbeitet hätten und es ihnen bei der Produktion gleich war, wie das Album auf der Bühne klingen würde. Man ist sich seiner Sache also sehr sicher. Man ist aber nicht übergriffig, trotz der oben genannten Genres. Die eigenen  Ideen fließen ein, man wirkt auf jedem Track sattelfest, auch wenn dieser ein komplett anderes Metier auskleidet, als der darauf folgende Titel. Der Zuhörer kann sowohl headbangen als auch schweben (zumindest gibt es Titel, in denen man das fühlen kann), je nach Gemütslage mag man mal den einen Titel mehr als den anderen, wobei man auch absolute Dauerbrenner geschaffen hat. Allein der Titel "Plasticine Dream" wirkt, als hätten ihn Filter 1999 aufgenommen, wirkt aber extrem nach und kann als eines der Highlights durchgehen. Es winken aber auch andere Bands der Insel akustisch durch die Studiofenster. Wen ihr aber da genau hört, könnt ihr selber entscheiden. Es sind aber Bands, die jeder kennt und von einigen nicht gemocht werden.

"Glue" wirkt, trotz der schweren Themen (digitalisierte Welt Verschwörungstheorien und Diktatoren), die aktuell die Runde machen, kurzweilig. Man fühlt sich nicht gleich dazu verdonnert ein Manifest zu hören. Das gesamte Werk erschließt sich zuerst über die Aufmachung, die Instrumente und die Spannungsbögen die an allen Ecken und Kanten gespannt werden. Später fallen einem dann auf eimal Wortfetzen auf die Trommelfelle und in die Gehirnwindungen. Der "Was habe ich da gerade gehört"-Effekt tritt ein und dann ist drin, zwischen den Rattenfängern, den Einsen und Nullen und erlebt komische Liebschaften. Der letzte Track heißt "Monolith" und so ähnlich läuft er auch ab. Er nimmt nochmal alles auf, was man auf dem Album findet und schickt einen mit einem Klavier aus dem "Kleber" heraus. Der Zuhörer muss dann erstmal alles sacken lassen. Es vergehen keine 50 Minuten, bis man durch ist, danach ist man selber durch.

Release: 01.05.2020
Label: Pure Noise Records

Anspieltipps: Plasticine Dreams, On A High Ledge, Brand New Kids

5/6 Punkten (Vielschichtigkeit auf einer Platte.)

Boston Manor - Glue
(Quelle: Presskit von Uncle M)

Montag, 14. September 2015

5th Backstage Broadcast: Vögel Die Erde Essen - Besuch Von Innen

Das Federvieh bittet zu Tisch und schickt euch auf die Suche nach dem Passierschein A38. Dreht vorher bitte alle Uhren auf Links. Klingt das verrückt? So ist es auch. Da wo Deichkind mit Ihrer Absurdität aufhören, schreiten die Vögel Die Erde Essen noch zwei Schritte weiter und durchbrechen mit dem Kopf die nächste Betonwand... Nase voran. Dies geschieht jedoch nicht mit Keyboard und Samplern, nein, man nimmt den 6-Saiter, einen Bass und ein Drumset zur Hand und legt frenetisch los, so wie keine Band zuvor. Man läuft ständig Gefahr durchzudrehen und lacht über Wortfetzen, die einem spontan auffallen.

Hinter diesen Vögeln verbirgt sich eine Dreierkombo aus Berlin, bestehend aus Moritz Bossmann (u.a. Gitarrist bei Käptn Peng), Jan Preissler und Oli Friedrich (u.a. Drummer bei Georg auf Lieder). Zusammen hat man einen gemeinsamen Nenner im Humor gefunden und legt mit Besuch von Innen ein extrem gelungenes, verkopftes, verjazztes, abgedrehtes Erstlingswerk an den Tag. Wer den Besuch hereinlässt, braucht die Tür nicht zu öffnen, die Wand daneben ist bereits durchbrochen, mit einem Picknick, direkt am Abgrund. Klingt erschreckend, ist es auch, denn das passiert ohne Vorankündigung. Danach gibt es eine "Mitsingladung " "Radioaktivität", denn die ist gut für dich (zum Video geht es hier entlang). Wie in den 50ern, als die Amis glaubten, dass radioaktiv behandeltes Wasser der Hit sei. Zwei Titel später kommen auch schon die Froschmänner, wie in Invasion vom Mars von 1953, mit straffer Haut, wie David Hasselhof. Den Refrain kann eh jeder grundlos mitsingen. Wobei das hier schon der punkigste Titel ist, irgendwie. Alles ist hier irgendwo zwischen Punk, Rock und Jazz ... und vielleicht auch etwas Zwölftonmusik. Mit dem "Fahrstuhl nach Unten", beginnt der längste Abschnitt im Album, total verstrahlt, um dann im Anschluss wie zwei Helikopter zusammenzuprallen. Danach rauscht eh alles. Wie man beim Lesen merkt: das klingt abgefahren, quer, komisch. So ist es auch, man kann einiges gerne als Gesellschaftskritik auffassen oder einfach nur tanzen, aber dafür sind die Texte zu schade. Die Produktionsqualität spricht für sich und macht wunschlos glücklich. Kein Wunder, alle Instrumente wurden live eingespielt. Eben dadurch entsteht dieser Rausch, zu dem man unbedingt abgehen will. Das Chaos wurde dabei von Jens Güttes gebändigt, der eben auch schon Käptn Peng gesagt hat, wo die Fahrt hingeht. Geht das überhaupt, mit so nem Käptn? Veröffentlicht wurde diese in Instrumente gehauene Sammlung von abgedrehten Stories, verpackt in verrückte Rhythmen, am 11.09. auf Kreismusik.

Anspieltipps: (Cherrypicking ist hier echt schwer)

Picknick am Abgrund: Hier gibt es kein Wenn-und-Aber, raus an die frische Luft, Decke ausgebreitet und schön den Abgrund hinunter geguckt. Wer sagt dir, was das Ende ist??? Warum hat die Wurst eigentlich zwei? Knallt schön zu beginn volle Breitseite rein, mit einstürzenden Neubauten.

Radioaktivität (Video): Der Mitsingtitel schlechthin, wer bei nem Drivebyshooting in der Milchstraße nicht die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, dem kann man nicht helfen. Bitte trällern Sie mit und staunen über Bild und Ton. Wahrlich pompös melodiös.

Froschmann: Ah, wieder was zum Mitsingen und schon drei Titel am Start, die man gehört haben muss. Aber hey, keine weiß warum er mitsingt, aber wenn, dann aus voller Kraft.

Einer von Ihnen: Wie ist das denn jetzt gemeint? Gut, ohne so ein paar Eisklumpen, die vor ein paar Millionen Jahren auf die Erde gefallen sind und so ein wenig Evolution, gäbe es uns humanoide Lebewesen nicht. Voll abgespacet.

6/6 Punkten (klare Ansage, voll durchgedreht, sehr gut produziert, bitte mehr)

Vögel Die Erde Essen - Besuch von Innen
(Quelle: Presskit von Backstage Broadcast)

Das gefiederte Trio gibt sich auch live die Ehre:

23.09.2015 - Rostock - JAZ
24.09.2015 - Flensburg - Kühlhaus
25.09.2015 - Rotenburg - Villa
26.09.2015 - Jena - Café Wagner
29.09.2015 - Hamburg - Übel und Gefährlich
30.09.2015 - Kiel - Schaubude
02.10.2015 - Helmbrechts - Betore Festival
18.10.2015 - Berlin - Monarch
19.10.2015 - Bernburg - Hotel Wien
21.10.2015 - Göttingen - tba
20.10.2015 - Dresden - Groovestation
22.10.2015 - Nürnberg - Club Stereo
23.10.2015 - Waidhofen - Ybbs (AT)
24.10.2015 - Schaffhausen - Tap Tab (CH)
26.10.2015 - Zürich - Dynamo (CH)
29.10.2015 - Freiburg - White Rabbit
30.10.2015 - Münster - Gleis 22

Freitag, 9. November 2012

Bandcamptage Vol. 54

Nun ist endlich ein brauchbares Netzteil für meine Arbeitsmaschine da, somit muss ich nicht immer um einen Ersatz nachfragen.


Kennt ihr noch die Band Pi? Die hatte ich hier schon mal, wenn ich das richtig sehe, vor genau 50 Bandcamptagen. Die Band hat ein ganz kleines Album, mit 3 neuen Titeln bei Bandcamp reingestellt. Das Album Till The Sun gibt es, so wie auch den Vorgänger, für einen frei wählbaren Preis. Die Musik klingt noch mehr nach 70er-Jahre-Rock, ist anständig produziert und macht ne menge Spaß.



Pi - Till The Sun


Die Band Dads macht Musik im ähnlichen Stil, nur noch viel dreckiger und noisiger. Laut eigenen Angaben wurde das Album mit einem SM57 aufgenommen, was wohl den Sound erklären soll. Man spielt sich hier mit Gitarren aber auch mit Synthies ein. DIe Mischung ließt sich irre, ist sie auch. Man kann dazu aber gut abgehen und mitwippen, wer steht darf hier auch tanzen. Meine Anspieltips sind hier Kids, Baby Blue und Expectations. Dieses selbsbetitelte Album, sowie auch Dads II, darf man laden, wie man lustig ist. Ob man hier Geld geben möchte, ist einem selbst überlassen. Dads II wurde nicht mit dem SM57 aufgenommen, was sich in einem anderen Sound wiederspiegelt. 

Dads - Dads


Und Cat-Content geht hier im Internet ja immer.