Posts mit dem Label BMTH werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label BMTH werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 30. Januar 2022

2. Teil des Interviews mit Fritz und Fritz von Rauchen.

Wenn ihr wissen möchtet, warum die Band Rauchen heißt oder warum die Tracks auf Nein sind, wie sie sind, kann hier den ersten Teil des Interviews mit Fritz und Fritz lesen.

--

Rauchen: Fritz Kröbel (bass), Philipp Oppenhäuser (guitar), 
Nadine Jehle - Müller (vocals), Fritz Heidel (drums)
(Quelle: Presskit von Fleet Union)


Die Corona-Geschichte wollte ich eigentlich außen vor lassen, man kommt aber auch nicht drumherum. Was habt ihr für Marotten, wenn es auf die Bühne geht? Was macht ihr oder was lasst ihr lieber sein, damit ihr auf der Bühne richtig funktionieren könnt und keine Fehler macht?

Kröbel: Wir haben schon ewig keine Konzerte mehr gespielt. Eigentlich gehen wir ohne irgendwelche Rituale auf die Bühne. Nadine singt sich nicht mal richtig warm, vielleicht ganz kurz. Ich habe selbst keine Rituale, außer vielleicht zwei, drei Bier zu trinken. 

Heidel: Nadine habe ich sich noch nie Warmsingen hören. 

Kröbel: Die raucht vorher noch eher.

Heidel: Tatsächlich geht sie eher noch mit dem letzten Stummel einer Zigarette zur Bühne. Das ist mein Eindruck. Ich muss mir vor dem Konzert das Biertrinken verbieten. Ich trinke ein paar auf der Bühne, die gehen auch relativ schnell weg, aber mit mehr als einem Bier am Schlagzeug, das macht dem Rest der Band keinen Spaß. Mir doppelt und dreimal so viel, dem Rest halt nicht.

Kröbel: Ich trinke nicht mehr auf der Bühne, das kann ich nicht gut. Ich trinke eher davor und danach.

Ich hatte ne Gruppe interviewt, da hieß es: „Wir können nicht trinken, weil dann unser Timing raus wäre und unsere Songs würden scheiße klingen.“ Die haben viel mit Loops gearbeitet.

Heidel: Ja kenne ich, nur dass ich eben zwei Stöcke in der Hand hab.

Nadine macht sich wirklich nicht ihre Stimme warm? Weil wenn sie so abgeht, macht sie in ein paar Jahren den Oli Sykes von Bring Me The Horizon. Dann sind die Stimmbänder einfach mal durch.

Heidel: Ne, sie hat einfach nur eine saugute Technik. Das muss ja nicht über die Stimmbänder gehen. Du kannst das ja auch eher wie einen Kehlkopfgesang machen, du kannst viel über die Atemtechnik machen, es geht auch über die Mundhöhle, es gibt Leute, die schreien halb aus der Nase. Ich kenne jetzt ihre Technik nicht, aber sie hat eine, bei der sie nicht heiser wird.

Wäre schon krass, wenn sie im Folgesong ne Oktave tiefer sänge. Wer sind die Helden aus eurer Jugend?

Kröbel: (lacht) Da gibt es bandintern große Grabenkämpfe. Nadines und meine Helden sind die Chili Peppers, wir gehen im Sommer, wenn die Jungs hier sind, auch ins Stadion.

Heidel: Die Jugendhelden von Philipp und mir sind Rage Against The Machine. Das sind die beiden Lager, die wir in der Band haben.

Denkt ihr also auch, dass die deren Weltbilder heute immer noch zu euch passen? Bei RATM ist es ja offensichtlich: gegen das Establishment, gegen Cops, die Schwarze niederschießen, gegen Kapitalismus in jeglicher Form. Auf der anderen Seite RHCP.

Kröbel: Sonne, Surfen, jo.

Aber auch der erste Funk. Auf Viva gab es Zeiten, wo noch Musikvideos liefen. Da gab es dann auch RHCP-Videos aus den 80ern, oder frühe 90er.

Heidel: Du meinst da, wo die alle high waren und nie nüchtern.

Waren die das nicht sogar bis Californication?

Kröbel: Ich finde die Songs einfach geil. Die haben sich jetzt auch nicht so viel Sachen geleistet.

Heidel: Die Chili Peppers sind auf jeden Fall keine Corona-Leugner:innen, zumindest nicht, dass ich es wüsste. Die haben sich auch nicht pro-Trump positioniert oder sonst irgendeinen Scheiß von sich gelassen. Die sind jetzt einfach weirde, tätowierte, mittelalte Männer.

Kröbel: Das ist ne Tatsache. Solange Nadine mit mir zu denen aufs Konzert geht, müssen die okay sein.

Was müsste eurer Meinung nach im Osten passieren, damit wir hier in Relation zu euch in Hamburg weltoffener werden und nicht solche zustände haben, wie sie hier gerade zu finden sind? Damit sich das in etwas positives verändert.

Heidel: Ich glaube, dass Problem ist nicht das Hier und Jetzt, sondern die letzten 30 Jahre und der Umgang mit der Wende. Eine BRD hat es einfach nicht hinbekommen Ostdeutschland anzuschließen, sondern systematisch ausgeblutet. Das Problem ist nicht: Wie kann man jetzt das Blatt wenden? - sondern - Wie kann man jetzt Schaden begrenzen.

Kröbel: Ich glaube auch. Beim Abendessen habe ich nen Kommentar gehört, zu dem Fackelaufmarsch in Sachsen. Da ging es auch genau darum. In der DDR gab es bereits diese Tendenzen, diese sind aber rigoros unterdrückt worden. In der Wendezeit meinte ein Ministerpräsident aus Sachsen: „ Es gibt hier kein Problem.“ Mit dieser Geisteshaltung zeigt sich schon, dass man das sehr gern ignoriert hat. Ich finde es aber auch schwierig. Wir sind alle Kids aus dem Westen und ich war Sachsen, ich war mal auf Urlaub, ich war auf Shows, aber ich habe da kaum Bezüge zu. Es schwierig aus meiner Perspektive also etwas darüber zu sagen, was sich ändern muss.

Habt ihr da Unterschiede bei den Menschen oder Gästen auf euren Shows gemerkt? Also zwischen West und Ost? Oder gab es Schnittmengen?

Heidel: Ich habe da keine Unterschiede festgestellt, bei den Leuten mit denen wir ne Show machen.

Kröbel: Wir haben keine großen Unterschiede festgestellt. Außer vielleicht morgens, wenn man zum Bäcker geht. Aber das ist in Mühlheim auch anders als in Hamburg oder in Stuttgart.

Heidel: Dortmund reicht eigentlich schon. Das einzige was mir einfällt, ist das Festival, wo wir im Erzgebirge gespielt haben. Am nächsten Morgen hieß es: schließt gut zu, wenn ihr das Haus verlasst, in dem ihr schlaft, vielleicht kommen Nazis vorbei. Aber das kann die in Dortmund auch passieren. Die Trennung für uns verwöhnte Wessi-Kids, ist eher eine Trennung im Kopf. Für andere Menschen ist das harte Realität: Lohnunterschiede, systematische Benachteiligung, auch der Eltern und Großeltern, einer ganzen Generation. Wir merken selbst aber den Unterschied nicht.

Jetzt sind wir arg in die Politik abgeglitten. An Ende eines jeden Interviews stelle ich in der Regel Spaßfragen, weil die Interviews meist vor den Konzerten sind. Das lockert das Ganze nochmal etwas auf. Seid ihr eher Hunde- oder Katzenmenschen?

Kröbel: Ich definitiv Hund.

Heidel: Bei mir ist es ein Unentschieden, also definitiv beides. Ich habe zwei Karten, finde Hunde aber auch ziemlich stark.

Wobei Katzen ja sehr eigen sind.

Heidel: Ja, sind aber auch ziemlich coole Tiere. Hunde sind auch sehr eigen.

Seid ihr eher die Tee- oder eher die Kaffeetrinker?

Heidel: Kaffee.

Kröbel: Tee.

Erneut ein gespaltenes Lager. Aber wo wir schon bei Getränken sind, was ist euer Lieblingsgetränk? 

Kröbel: Bier.

Heidel: Wahrscheinlich Bier. Momentan alkoholfrei, weil ärztlich verordnet, aber Bier.

Musst du Antibiotika schlucken?

Heidel: Ja, so ist es. Ist leider auch chronisch, passiert.

Was sind eure Lieblingsjahreszeiten?

Heidel: Frühling und Herbst.

Kröbel: Frühling und Sommer.

Also die Zeit, wenn es draußen wieder wärmer wird. Wenn es los geht mit den Festivals und Konzerten und wo man länger draußen sitzen kann.

Kröbel: Ja, so in etwa.

Seid ihr eher Stadt- oder eher Landmenschen?

Kröbel: Stadt.

Heidel: Beides wahrscheinlich. Eher Stadt als Land, aber eher beides. Ruhe ist zwar cool, aber Infrastruktur auch.

Kröbel: Es kann sich ja noch alles ändern, wenn man älter wird. Dann danke ich euch erstmal für eure Zeit, dass ihr hier mit mir das Interview gemacht habt.

Heidel: Danke dir, für das Interview.

Kröbel: Danke, André.

Liebend gerne und es tut mir leid, dass das Internet hier heute so wackelig war. Ich wünsche euch einen angenehmen Abend und vielleicht sehen wir uns auf irgendeinem Konzert in der näheren Umgebung.

Heidel: Voll gerne. Komm vorbei und sag hallo!

Kröbel: Liebend gerne.

Dienstag, 24. Oktober 2017

Teil 3 des Interviews mit Behead The Broken Queen vom 15.10.2017

Wenn ihr wissen wollt, wie Behead The Broken Queen zu ihrem Namen gekommen sind, was sie von Genres halten und wo man überall ihren Merch finden kann, solltet ihr hier klicken. Wenn ihr jedoch mehr darüber erfahren wollt, was sich in der Szene gerade tut und wie es um die EP steht, dann klickt hier. Nun denn, kommen wir zum großen Finale, mit einer großartigen Band.

--

Wo kommt aber der Trend her, dass die Leute lieber in den Club gehen und da feiern, anstatt zum Konzert zu gehen und Stress abzubauen?

Murat: Ich kann mir gut vorstellen, dass die Leute damals nur eine Szene dazugehören wollten, weil es was eigenes war, weil es bunte Haare gab, weil es Tunnel gab, weil es Tattoos gab und dann gemerkt haben: „OK, die Musik passt mir doch nicht so.“

Nils: Viele junge Menschen hören auch solche Musik, vor allem wenn man die Pubertät durchmacht. Da verändert man sich ziemlich oft. Das passiert auch im persönlichen Umfeld, wo die Leute dann einfach diese Musik nicht mehr hören. Ich muss auch zugeben, dass ich selbst nicht mehr soviel hartes Zeug höre.

Simon: Ich muss zugeben, dass er das sogar ziemlich oft hört.

(Alle lachen.)

Nils: Schon noch oft, ja, aber nicht mehr so oft wie früher. Früher war ich eher der Groupie, da hatte ich meine Bands, da kannte ich jeden Songtext, da kannte ich jede Band, habe mich wirklich extrem auf die Konzerte gefreut, war total aufgeregt. Mittlerweile bin ich aus der Sache herausgewachsen und guck mir nur noch ein paar Sachen an, aber die Leidenschaft dahinter fehlt.

Sind deswegen Bring Me The Horizon weicher geworden?

Murat:
Weil es mehr Leute anspricht.

Nils: Sie sind halt kommerzieller geworden. Wir wollen diese Schiene nicht gehen, wollen aber ein bisschen eingängiger werden, aber nicht so, wie es BMTH gebracht haben. Wir bleiben schon unserem Stil treu, egal ob das Konzerte und Leute zieht oder nicht. Primär geht es uns um den Spaß. Wir sind ja auch nicht Fame, wir sind eine lokale Band, die vielleicht ihren Ruf in Berlin hat, sowie auch in Cottbus und vielleicht in ein oder zwei anderen, kleinen Städten.

Murat: Ich denk, dass merkt man auch daran, dass es uns fast acht Jahre gibt, mit Nils etwas mehr als zwei Jahre, wir haben nie darüber nachgedacht uns aufzulösen. Hier und da gibt es mal einen Disput, weil der eine die Musik machen will und der andere eine andere Musik. Wir sind schon eher eine Familie.

Nils: Das beste Beispiel war mein Eintritt in die Band. Die Jungs haben mich natürlich auch vorher schon ein wenig interviewt und haben gefragt, was ich denn privat Höre. Da habe ich Beatdown gesagt und die haben mich dann mit verachtenden Blicken angesehen. Aber mittlerweile gibt es in jeder Probe mindestens einen Beatdown-Jam, da habe ich mit der Zeit auch meine Finger im Spiel. Es ist schwierig, dass was du schreibst zu trennen von dem, was du gerade privat feierst. Es ist schwer sich zu reflektieren, nur weil man ein Genre oder einen Musiker feiert. Man muss dann von einem Genre zum anderen hüpfen und es ist schwierig zu fünft auf einen Nenner zu kommen. Es ist wie eine Beziehung: man muss daran arbeiten.

Murat: So komisch es auch klingt, es ist wirklich so.

Nils: Du musst es ja irgendwie jedem Recht machen, du willst ja nicht, dass irgendwer dabei steht und eigentliche gar keinen Bock auf die Sache hat. Letztendlich kommen wir immer irgendwann auf den gleichen Nenner.

Auch wenn Sie hier recht ernst gucken, eigentlich sind sie ganz nett.  Behead The Broken Queen.
(Quelle: Promo-Ordner der Band auf Facebook)

Das heißt, fünf oder zehn Jahre später immer noch BBQ...

Murat: … immer noch keine EP.

(Alle lachen.)

Das müsst ihr selbst wissen, ob ihr dann einfach einzelne Stücke ins Netz stellt und die gut versteckt.

Simon: Unsere EP kommt demnächst auf jeden Fall raus, das steht fest. „Prophets“ wird sie heißen.

Murat: Da ja bald Weihnachten ist, können wir sie auch „Spekulatius“ nennen.

Nils: Wir haben für das Album danach ein Konzeptalbum vorgesehen. Sagt dir die Band Tell You What Now was? Die wollten dieses Jahr eigentlich auf dem Full Force spielen. Der Gitarrist ist ein Kumpel von uns, mit dem sind wir in Kontakt getreten und haben schon ein paar Mal mit ihm geprobt. Des Spaßes halber haben wir angefangen einen Song zu schreiben, vielleicht wird da auch was draus. Vielleicht wird es auf ein reines BBQ-Ding. Müssen wir halt abwarten, aber wir haben eine Idee für eine Konzept-EP. Wir wissen, welches Thema wir behandeln wollen, es soll selftitled sein. Dabei soll es um eine Königin gehen, die sich bestimmten Dingen entgegenstellen muss, die mit Persönlichkeitsstörungen zu kämpfen hat und letztendlich geköpft wird, wie unserer Name es sagt. Die EP soll dann den Werdegang zum Köpfen erzählen. Die Idee gefällt uns allen, bisher haben wir aber noch nicht wirklich viel dazu geschrieben. Es kann auch was komplett was anderes werden, aktuell sind wir da sehr offen. Beim Proben wollen wir auch weg von den Konzerten, weg von der alten Setlist und hin zu neuem Songwriting. Wir als Band brauchen auch einfach einen frischen Wind, weil wir seit Jahren immer das gleiche Zeug spielen und das brennt einen so langsam aber sicher aus.

Murat: Irgendwann stagnierst du.

Nils: Und das haben wir alle gemerkt. Wir wollen nun einfach unser Ding durchziehen, was das aber werden wird, kann man so genau nicht sagen.

Man muss dann auch überlegen, ob das alles auch live dann funktioniert. Meistens ist das eine reine Kopfsache für die Fans. Man versucht eine Geschichte zu erzählen und mittendrin jemand aus dem Publikum den Faden verliert und abschaltet.

Nils: Abgesehen, dass mich eh kein Schwein versteht.

(Alle lachen.)Nils: Live mit der Akustik ist immer so eine Sache.

Murat: Ich finde, dass es live egal ist, ob du eine Geschichte erzählst, solange die Leute die Musik feiern. Da geht es eher um was anderes.

Nils: Da geht es dann eher um die Stimmung, um die Bewegung, um die Leute, die Spaß haben. Und zuhause können sich die Leute mit den Lyrics zusammen und dem ganzen Konzept auseinandersetzen. Es wird auch genug Leute geben, die nicht verstehen, was auf der EP passiert. Es gibt dann aber auch die, die sich Gedanken machen und die Lyrics durchlesen, sich mit den Aussagen von Bands beschäftigen. Die erste Fraktion hört es einfach, weil es geil klingt.

Murat: Oder sie hören uns gar nicht.

Gut, kommen wir langsam zum Abschluss. Da mache ich es kurz und knapp, Sebastian hat ja schon die Runde hinter sich (Er wurde bereits am Nachmittag befragt, mit seiner anderen Band Dispray).

Hund oder Katze?

Murat: Hund. Beides... eigentlich Hund. Ich mag Tiere generell, aber wenn ich entscheiden müsste, dann definitiv für den Hund.

Nils: Hund, Hund, Hund, Hund.

Simon: Ich habe einen Hund, ich will einen Hund.

Tee oder Kaffee?

Murat:
Kaffee.

Nils: Kaffee.

Simon: Kaffe, all the way.

Sebastian: Tee … Schwarztee mit Milch.

Duschen oder Baden?

Murat:
Duschen.

Nils: Duschen.

Simon: Duschen.

Sebastian: Duschen.

Murat: Dann sind wir uns ja alle einig.

Lieblingsgetränk?

Murat:
Wasser

Nils: Ganz langweilig: Wasser.

Simon: Ich sag auch Sprite.

Sebastian: Energy.

Egal welche Marke?

Sebastian: Rockstar.


Damit schließen wir das ganze ab, ich wünsche euch eine gute Heimfahrt und freue mich auf die kommende EP.

Sonntag, 23. April 2017

Bandcamptage Vol. 155

Es gibt sicher einige Leser, die sich fragen, was mit Bring Me The Horizon los ist, warum die nicht mehr so hart sind wie auf ihren ersten Alben. Ob der Kommerz da seine Hände im Spiel hat? Wie könnte man sich sonst die ganze Merch-Reihe erklären, von Unterhosen über USB-Powerbanks bis hin zu einem Paar Socken kann man sich fast komplett einkleiden.

Wer musikalisch in der Kerbe der ersten Alben sucht, kann mit der EP Past Yout von Heart of Poseidon vielleicht ein wenig glücklich werden. Vier Titel werden von der Band aus Łódź für einen frei wählbaren Preis angeboten und schütteln euch richtig durch. Es gibt zwar hier und da ein paar Gesangseinlagen, das tut dem Vorwärtsdrang der Musik keinen Abbruch. Die Produktionsqualität ist super und fast alles bestens zusammen. Durch die Spielzeit von 18 Minuten kommt gar nicht daran vorbei, sich die ganze Geschichte erneut auf die Ohren zu geben. Wer also Metalcore mag, kann hier getrost zugreifen. Und wer sich das Cover des Albums genauer anguckt, kann vielleicht ein paar Parallelen zu Suicide Season ziehen.

Heart Of Poseidon - Past Of Youth
(Quelle: Bandcamp.com)

War jetzt früher doch alles besser?

Montag, 20. Juni 2016

Die 14. Fleet Union: Grizzly - Kidlife Crisis

Bei den ersten Klängen von Kidlife Crisis musste ich unweigerlich an eine andere, große Band denken, die hinter dem Atlantischen Ozean ihr Unwesen treibt. Gemeint ist A Day To Remember. Aber dazu später vielleicht etwas mehr (?).

Die sechs jungen Bären aus Karlsruhe haben sich Heavy-Pop-Punk auf die Fahnen geschrieben und sind seit 2014 am werkeln und können nun ihren ersten Longplayer veröffentlichen. Der Name des Albums kommt nicht von ungefähr, alle Musikanten befinden sich im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Hier stellt sich einiges um. Einige werden richtig erwachsen, mit Heiraten, Haus und dem, was die Gesellschaft von einem erwartet. Andere werden wiederum nicht erwachsen, man trifft sie auf Konzerten, Partys und der Hausbauer aus dem Satz davor wünscht sich diese Freiheiten. Mit sechs Menschen an den Instrumenten kann man nun eine Menge anfangen. Die Produktion und das Drum und Dran kann sich hören lassen, man klingt wie Bands aus Übersee, die es schon seit Jahren gibt. Digital ist natürlich so einiges möglich, sodass man selbst in einem recht frühen Bandstadium viel erreichen kann. Die Band schwimmt hier aber auch auf einem Trend mit, der sich seit ein paar Jahren abzeichnet, den Verschnitt aus derbsten Anleihen des Metal und Metalcores und ein paar Elementen des Rocks und des Pops. Punk? Nun, davon vermag man hier wenig zu finden. Der Metaller selbst wird vielleicht ein wenig die Nase rümpfen, trotzdem es, wie in "This Is Life", mal kurz etwas, salopp formuliert, Geballer gibt. Davon hätte es aber auch gerne mehr geben können, aber das kann auch einfach nur Geschmackssache sein. Die breite Masse könnte sich, dank Alben wie That's The Spirit von BMTH, an den Sound gewöhnt haben und sich auch für Grizzly's Album entscheiden. Vielleicht entwickelt sich die Sechserbande dann in eine andere, härtere Richtung und der nächste Langspieler setzt direkt mit der Brechstange an. Beachtlich ist die Anzahl der Titel und die Länge des Albums: vierzehn Titel und fast 47min Spielzeit. Man könnte meinen, ein Rundumsorglospaket. Veröffentlicht wurde die kindliche Krise am 27.05. auf Department Musik, den Vertrieb regelt hierbei Sony.

Anspieltipps: This Is Life, Forever, No Better Place

Hörbeispiel: Close At Heart

4,5/6 Punkten (Jaja, so sind sie, die jungen Bären.)

Grizzly - Kidlife Crisis
(Quelle: Promomail von Fleet Union)

Sonntag, 20. März 2016

Bandcamptage Vol. 152

Der Kalender schreibt Frühling, das Wetter macht November. Wie dem auch sei, so kann man mehr nach Musik suchen. Es geht heute auf die Südhalbkugel, in die Nähe von Sidney, genauer nach Wollongong. Genau aus der Ecke kommen Rez, Koz, Ziv und Adam. Zusammen nennen Sie sich Never See Tomorrow und kloppen mit Ihrem vollwertigen Album NST. mal eben richtig voran. Ihr bekommt hier elf Titel, voller Screams, tiefer Gitarren und einem richtig fetten Bass, wie es Lars Ulrich sagen würde. Wobei es hier und da auch mal kurz etwas emotional wird. Wem das letzte Album von BMTH zu weich war *hust* und wer auf Annisokay steht, kann sich dieses Album, vollgepackt mit Metalcore, der mal eben nicht nervt, ohne Sorgen runterladen. Die Band ist so nett und schenkt euch dieses Album, so kurz vor Ostern definitiv praktisch.

Anspieltipps: For Your Eyes Only, Hunt The Weak, Skygazing

>
Never See Tomorrow - nst.
(Quelle: Bandcamp.com)

Bald mach das hier schon vier Jahre.

Sonntag, 13. September 2015

6th Carrycoal: Bring Me The Horizon - That's The Spirit

Es war eigentlich nie geplant, ein zweischneidiges Review, oder vielmehr ein Review aus zwei Sichtweisen zu schreiben. Aber dieses Album lässt nichts anderes zu. Ihr werdet also den Metaller hier lesen können oder vielleicht auch einen Fan der ersten Platten und einen „Musikhörer“ der eigentlich „alles“ hört, wobei sich das dann primär auf den Konsum der regionalen Radiosender beschränkt.

Der Metaller/Fan der ersten Alben

Der/Die/Das Alleshörer
Die Band war ja eigentlich für ihre harte Gangart bekannt, für ihren brachialen Sound, der extrem schnellen Double-Bass-Drum-Attacken und einer Stimme, die stets am Anschlag agierte. Aber was ist bitte aus BMTH geworden? Eine neue Version von Linkin Park und Nickelback. Warum macht man als einer der bekanntesten Vertreter dieses, wenn auch nicht von allen gemochten Genres, diese Kehrtwende? Nur weil man allen Gefallen will? Nur weil man die Location mal Gewechselt hat, um ein Album aufzunehmen? So what? Sicher muss man ja nicht immer versuchen seinem alten Sound hinterher zu rennen, funktioniert natürlich auch nicht immer und jeden Tag die gleiche Suppe schmeckt auch nicht. War das aber nach Sempiternal so absehbar? Die Produktionsqualität ist zwar über alles erhaben, aber wenn man sich eine BMTH-Platte kauft, will man ja auch BMTH drin haben und nicht irgendeine andere, veraltete Version von Linkin Park. Ein BMW-Käufer wäre auch enttäuscht, wenn da ein Motor von Renault unter der Haube brabbeln würde. Einige der Songs sind ganz okay, reichen natürlich für maximales Airplay und für die Musikuntermalung von „Actionvideos“ von ARD/ZDF oder Galileo, wie zum Beispiel Throne. Das ist dann aber echt nah an LP. Man muss sich dann auf den nächsten Konzerten den Platz mit vierzehnjährigen und sechzehnjährigen Mädels teilen, die sich dann an den Haaren ziehen oder das Bier oder eben die Limo über den Latz kippen, weil die andere gegenüber blöd geguckt hat. Man, was ist aus Metal geworden, warum muss man sich denn so verbiegen. Da hat man echt zu kräftig auf die Bremse getreten.
Eins haben sie erreicht, die Jungs um Sykes, sie sind im Gespräch.

2/6 Punkten (aber auch nur wegen der Produktionsqualität)

Die alten Platten von dieser Band sind ja eigentlich die härteren. Mit That's The Spirit führt man im Grunde genommen weiter, was nach Sempiternal klar war. Man wird radiotauglicher und man hört den jungen Barden am Mikrofon endlich mal singen und nicht nur schreien, wie zwei Platten zuvor. Man experimentiert viel mit elektrischen Geschichten, fügt elektrisch gestaltete Beats ein und hat auch mal ein E-Piano am Start. Aber es zeigt, wie wandlungsfähig nicht nur Musik sondern auch Musiker sein können, denn man muss einen Stilbruch wollen, so wie ihn einst Linkin Park oder auch 30 Seconds To Mars hingelegt haben. Aber woran kann das liegen? Vielleicht an den Lebensumständen, die sich verändert haben? Ist man nun wirklich besser gelaunt? Wurden alle Sorgen in Sheffield gelassen, als man nach Griechenland aufgebrochen ist, um das neue Album aufzunehmen? Man hat nun weniger Probleme mit sich und untereinander, so entstehen weit aufgestellte Soundwände und man kann sich Ausflüge in verschiedenste Stilrichtungen leisten. Aber ist das noch Metalcore oder Deathcore? In einem Interview mit Noisy hieß es, dass man diese Musik nicht mehr in die Deathcore-Richtung schieben könne, nun aber Probleme habe, eine Setlist aufzustellen, die in sich stimmig ist. Fans der ersten Stunde rümpfen schon seit Suicide Season die Nase, spätestens seit dem Vorgänger des aktuellen Albums, ist der Zug eh abgefahren. So geben wir uns der sehr gut produzierten Rockmusik hin und können uns auf mehr Airplay freuen, ob nun im Radio oder vielleicht auch im Fernsehen.
Eins haben sie erreicht, die Jungs um Sykes, sie sind im Gespräch.


Anspieltipps: Throne, Happy Song, Blasphemy

5,5/6 Punkten (ausgezeichnete Qualität, musikalisch abwechslungsreich)


Nun denn, zu welcher Fraktion ihr euch zählt, es geht nur darum, dass man das aus zwei völlig verschiedenen Perspektiven hören kann, da man hier geradewegs vom Metal in den Pop oder was auch immer wandert. Wer sich hier wiederfindet, gut. Wer sich weder auf der einen, noch auf der anderen Seite sieht, tja. Es ist vielleicht auch gut, zwischen den Stühlen zu stehen, so wie ich.  

Bring Me The Horizon - That's The Spirit
(Quelle: Presskit von Carrycoal)