Samstag, 30. Dezember 2023

Teen Mortgage - Life/Death (Bandcamptage)

Long time, no read. Tja, es ist viel passiert in diesem Jahr. Ein neuer Job, ein Umzug und jede Menge neue Möbel, die die alte Bleibe leider vernichtet hat oder, wie der Kühlschrank, einfach ihre Grundfunktion eingestellt haben. 

Genug aus dem Privaten: Durch das Vermissen des Schnees und den Rückblick auf eine Zeit vor mehr als zehn Jahren, entfachte sich in mir das Verlangen nach Musik zum Shredden. Ich suchte einfach auf Bandcamp, der Musikplattform meines Vertrauens, nach Garage Punk und fand ein paar gute Sachen, die leider Geld kosten. Und dann fand ich Life/Death von Teen Mortgage aus Washington. Die Musik bewegt sich hier stilistisch eben zwischen dem Garage Punk und ein paar Surf-Einlagen. Man kommt nicht Umhin an Bass Drum Of Death zu denken, zumindest an die ersten beiden Alben der Band.  Der Bass grummelt richtig schön zwischen den Gitarren, das Drumset hat ordentlich Wumms und der Gesang ist etwas drüber. 

Diese EP, es sind ja nur fünf Titel, könnt ihr einen freiwählbaren Preis laden. Zwischen den Jahren eigentlich Ideal, wo doch schon viel Geld für die Geschenke draufgegangen ist. Aber passt auf eure Nacken auf, die könnten beim Hören in Mitleidenschaft gezogen werden. 

Anspieltipps: DOCTOR, S.W.A.S., THE CHANGE


Teen Mortgage - Life/Death
(Quelle: Bandcamp.com)

Fragt mich jetzt nicht, wie man den Bandnamen ausspricht.

Dienstag, 2. Mai 2023

Intöxicated - Sadistic Nightmares (MDD Records, Cultura em peso)

Umlaute in Bandnamen, besonders bei Metalbands, lassen meist auf relativ klassischen Metal schließen. So ist auch bei der Band Intöxicated aus Osnabrück. Das letzte Album ist schon 10 Jahre her, so hat man sich, nach ein paar Besetzungswechseln, zusammengesetzt und angefangen Musik zu schreiben und aufzunehmen. 

Und, wie eben die beiden Punkte über dem O suggerieren, geht es hier recht klassisch zu. Wer die ersten Alben von Metallica mag oder auch Motörheads Musik, wird hier recht schnell seine Freude haben. Jeder gibt sein Bestes, es wird losgepeitscht, wie man es vom Thrash-Metal nun mal kennt. Das Gitarrenspiel ist detailliert und klar, trotz der enormen Geschwindigkeit. Selbst der Bass, der bei anderen Vertretern dieses Genres leider hinten runterfällt, ist hier voll und ganz am start um macht den Sound runder. 

Das Thrash nicht neu ist, weiß man, wenn man sich die berühmtesten Vertreter des Genres ansieht. Und so kommt das Album Sadistic Nightmares auch rüber. Es wirkt etwas aus der Zeit gefallen, als wenn man sich eine Folge Stranger Things ansieht oder mal ein Auge auf Metal Lords wirft. Es werden Gitarrensoli abgefeuert, der Gesang ist nicht ganz so grade, da er nicht, wie vielleicht bei anderen Künstlern, durch Autotune gezogen wird und nachbearbeitet wird. Man sieht haare schwingende Männer förmlich mit Ihren Kutten im Pitt stehen, alle sind aber 30 Jahre älter, als das erste Mal, dass sie in einem Club gestanden haben. 

Die Produktion indes, lässt fast keine Wünschen offen. Das Drumset könnte vielleicht einen Hauch mehr Bums auf der Bassdrum vertragen. Die Gitarren sind fein abgestimmt und fein herauszuhören. Der Bass bekommt seinen Platz im Gemenge und darf mitunter angenehm herausstechen. 

Thematisch bedient man eben die Klischees. Man singt von sadistischen Albträumen, Sex, Gewalt und Tot, davon, dass man mit den Wölfen jault und dass man der Teufel in den Träumen sei. Und um das Paket einmal richt fest zu zurren, guckt euch einfach das Cover an, dass schreit förmlich danach, von Tipper Gore zensiert zu werden. Nur würde man heute vielleicht kaum noch Aufreger erzeugen, da die Zielgruppe eben genau dieses Image und die Musik feiert und jeder Mensch, der einst auf einem Metalkonzert war oder Freunde hat, die Metal hören, weiß, dass die Jungs und Mädels alles andere als gefährlich sind.

Release: 05.05.2023
Label: MDD Records

Anspieltipps: Sold Our Souls, Merciless, Sex,Violation + Death

4,5/6 Punkten (Jeanskutten und Nietenarmbänder)

Intöxicated - Sadistic Nightmares
(Quelle: Presskit von Cultura Em Peso)

Donnerstag, 6. April 2023

Konzertbericht: Fettes Brot - Is History - Abschiedstour (04.04.2023 Gladhouse, Cottbus)

Die Fetten Brote aus Hamburg verkrümeln sich, aber nicht ohne vorher nochmal ordentlich Krach zu machen. Zu allem Erstaunen war der Tourauftakt eine Pop-Up Show im Gladhouse in Cottbus. Die Karten seien wohl innerhalb kürzester Zeit vergriffen gewesen, was wohl für den Erfolg des Trios spricht. 

Vor Ort angekommen, sah man erstaunlicher Weise ein bunt gemischtes Publikum. Der Altersdurchschnitt war irgendwas in den 30ern, Eltern haben Ihre Kinder mitgebracht, Schulfreunde trafen sich nach fast zwei Jahrzehnten wieder und das Who is Who der Stadt war ebenso am Start.


Fettes Brot on Stage im Gladhouse, Cottbus
(Quelle: eigenes Bildmaterial)


Wie das bei alten Leuten so ist, muss alles pünktlich anfangen, so auch bei den Broten. Punkt 20:00 betraten die Papas die Bühne und die ersten Klänge von Jein schallten durch die Boxen. Zwischen den Tracks gab es immer wieder kleine Geschichten und Anekdoten, so nach dem Motto: "Wisst ihr noch, damals, als....?" Nach mehr als drei Jahrzehnten als Band hat man viele Geschichten zu erzählen, die Zeit scheint die Männer aber verschont zu haben. 


Brot182? Die Brote legen eben noch selbst die Hand an.
(Quelle: eigenes Bildmaterial)


Die Halle sang jede Strophe mit, die 700 Menschen waren eine einzelne Masse, die durch die Halle sprang, tanzte und zappelte. Am Rand standen die ruhigeren Gemüter und genossen das Spektakel. 

Einzig der Mittelpart schleppte sich etwas. Es gab ruhigere Songs und die Band ließ sich Instrumente auf die Bühne stellen, die Musiker im Background hatten somit eine kurze Verschnaufpause. Zwischendrin wurden immer wieder mal Songs gewünscht, man hielt sich aber an sein Programm. 


Was macht der Sänger von Disturbed da?
(Quelle: eigenes Bildmaterial)


Gegen Ende holte die Band ihre Kracher aus dem Ofen und die ganze Halle tobte. Mit den schwulen Mädchen riss man alles ab und jeden mit. Und dann, nach etwas über zwei Stunden des Spektakels, des Schwitzens, Gröhlens, Tanzenz und Singens, war alles aus. Die drei aus dem hohen Norden verneigten sich und sagten tschüss. So, wie man es im Norden eben macht.

Wenn ihr den Broten noch einmal die letzte Ehre erweisen wollt, für folgende Städte gibt es noch Karten:

08.04.2023 Bremen - ÖVB Arena
09.04.2023 Frankfurt - Festhalle
10.04.2023 Leipzig - Quaterback Arena
26.04.2023 CH-Zürich - The Hall
27.04.2023 Köln - Lanxess Arena
01.05.2023 München - Zenith
02.05.2023 Stuttgart - Porsche Arena
04.05.2023 Hannover - ZAG Arena
06.05.2023 Kiel - Wunderino Arena

Mittwoch, 19. Oktober 2022

Boundaries - Burying Brightness (3DOT Recordings/Kinda Agency)

Um gleich mal in die Vollen zu gehen, die Platte  Burying Brightness beginnt wie eine Hardcore-/Deathcore-/Metalcore-Platte nun mal klingt. Alle Standards werden abgefahren und man macht überall seine Häkchen, weil man da schon mal gehört hat aber geil findet. Aber dennoch schmeckt die Soße so, als hätte man die schon einmal erwärmt. Weil die Band Boundaries aber ihr Handwerk beherrscht, hört man weiter durch das Album, ein Gefühl des Getriebenseins macht sich breit. 

Es gibt hier und da ein paar Lichtblicke, es gibt ab und an Gesang, nicht nur derbes Geschrei. Ab Resent and Regret merkt man einen leichten Bruch. Die Band kann auch einfühlsam sein, man erinnert sich an vergangene Emo-Zeiten. In der Mitte des Tracks wird es auf einmal etwas glicthi, beim ersten Durchlauf könnte das vielleicht garnicht auffallen. Der Folgetrack, Realize and Rebuild, bleibt auch ziemlich emolastig, dabei ist das eine offizielle Single. 

My Body Is A Cage hat ein verstörendes Intro, wenn man darüber nachdenkt, dass ein Kind sagt: "My Body Is A Cage". Als das Outro einsetzt und der Sound auf einmal vor dem Ohr verwischt, verzerrt und in einen Clubbeat mündet, merkt man, dass die Jungs mehr vorhaben. Sie wollen nicht nur brettern, auch wenn sie das sehr gut können. - ist dann einfach nur ein Technokracher vor dem Herren, dass Ding hätte easy Platz in einem Berliner Technokeller gefunden. 

Nach diesem Ausflug schlägt man wieder voll zu und greift in die 7, 8 oder 9 Saiten. Aber dieser kurze Glitch lässt eben aufhorchen. Man betrachtet die Künstler mit anderen Augen. Das opulente Ende, was fast so klingt, als hätte man um ein paar Ecken mit Silver Snakes Album Year Of The Snake (hatten wir hier mal) rumgemacht oder wolle den Deftones imponieren. The Tower misst 10 Minuten, schon mal was von nem hidden Track gehört? 

Das Album ist mehr als gelungen, die Produktionsqualität ist über alle Zweifel erhaben und macht, vorausgesetzt, die Kopfhörer können den Druck wiedergeben, von vorn bis hinten Spaß. 

Release: 14.10.2022
Label: 3DOT Recordings

Anspieltipps: It Begins To Speak, -, My Body Is A Cage, The Tower

6/6 Punkten (Zwischen Pogen und Violent Dancing einfach mal gekonnt nen Rave reinschieben.)

Boundaries - Burying Brightness
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Montag, 17. Oktober 2022

Heilung - Drif (Season Of Mist)

Der Nebel steht dicht über den Boden, es ist kühl und nass. Ihr seht euch um, friert und wisst nicht wo ihr seid. Nur aus der Ferne vernehmt ihr einen rhythmischen Schlag, es ertönen Hörner und ihr beschließt, langsam in die Richtung der Töne zu gehen. Immer auf der Hut, nicht vielleicht doch jemandem unterwegs zu begegnen, der euch ans Leder will. Eure Füße rascheln im Laub, ihr werdet bemerkt. Ihr habt nun zwei Alternativen: fliehen und sich verdächtig machen oder sein Ansinnen erklären. Es gibt noch kein Verständnis für Zeit, es wird hell und dunkel und hier oben, wo ihr gelandet seid, gibt es des Nachtens, "tanzende Frauen" am Himmel, von denen es viele Legenden gibt. Man ist der Natur eng verbunden, nutzt alles was man findet und verschwendet nichts. 

Die Zeitreise, auf die euch die Band Heilung schickt ist genau das. Das Trio kann sich zwar nur an Artefakten und überbrachten Texten orientieren, dennoch wirkt alles authentisch. Angefangen bei den Instrumenten, die teilweise aus menschlichen Überresten bestehen, über ihre Kostüme auf der Bühne und den Musikvideos bis hin zu den Bräuchen, die die Künstler selbst vollziehen. Die Trommel, die auf der Bühne gespielt wird, wurde mit dem Blut des Trios rot eingefärbt. Glaubt ihr nicht? Klickt hier

Und es klingt genau so, wie man es sich vorstellt. Man landet zu Beginn in einem Tanzkreis, es wird auf einer längst verlorenen Sprache gesungen. Dann setzt auf Asja die himmlische Stimme von Maria Franz ein. Es bilden sich Klangteppiche, ein Streichinstrument trägt euch, schleppend klingend, zur nächsten Strophe. Sphärisch ist alles, als würde man einer Zeremonie beiwohnen. Das ist das Steckenpferd der Band, auch wenn Drif einen Hauch moderner klingt als seine Vorgänger. Man schafft es dennoch regelmäßig über 7 Minuten zu kommen. Rein sprachlich haben ein paar neue Phonetiken Einzug gehalten, da die Band sich nun nicht mehr rein am Nordischen festhält, sondern alle Hochkulturen aus der Zeit von vor über 5000 Jahren die Ehre erweisen möchte.  Die Synthetik zeigt sich hier und da etwas stärker, fällt aber nicht unangenehm auf. Auch die Lesungen wurden auf eine, Keltentrauer, eingedampft, da gab es auf Ofnir und Futha mehr. Das kommt den heutigen Hörgewohnheiten schon etwas mehr entgegen. Einlassen muss man sich dennoch, denn diese Musik läuft leider nicht im normalen Radio. Gute Kopfhörer oder Lautsprecher braucht man hier allemal. Nicht nur nimmt man die kleinen Details besser war, die Tiefen werden besser Transportiert und man landet noch tiefer im akustischen Keltenbau.

Release: 19.08.2022
Label: Season Of Mist

Anspieltipps: Asja, Urbani, Nesso

6/6 Punkten (Stein Schleift Schädel!)

Heilung - Drif
(Quelle: Presskit von Season Of Mist)

Samstag, 8. Oktober 2022

Vök - Vök (Nettwerk Msuic Group)

Nach mehr als 9 Jahren Bandgeschichte scheint die Band Vök nun den eigenen Sound gefunden zu haben. Zumindest ist das in der Musik meist so, dass wenn man einen Langspieler nach sich selbst benennt, dass hier der eigene Sound definiert wird. 

Dabei sind nicht alle Tracks hier nigelnagelneu, sondern fanden auch schon auf der EP Feeding On A Tragedy ihren Platz. Die EP hatten wir hier mal, ironischer Weise zur selben Zeit vor einem Jahr. 

Die Band macht da weiter, wo sie vor einem Jahr aufgehört hat, auch wenn der Prozess des Musikschreibens ein längerer ist. In der Zeit zwischen den beiden Releases wurden dann ein paar Titel ins Internet geschmissen, das Resultat: fast ganze Album ist bekannt. Die Unbekannten mischen sich heimlich dazwischen und machen das Ding rund. Wenn man überlegt, wie die ersten EPs geklungen haben und wo man soundtechnisch nun liegt, sind da einige Welten dazwischen. Das fällt dann aber auch nur auf, wenn man sich Tension und Vök direkt hintereinander gibt. Alles ist noch tanzbarer, die Musik wirkt nicht mehr ganz so kühl, man möchte fast meinen, dass die Klimaerwärmung die Musik beeinflusst hat. 

Es gibt treibende Rhythmen wie in Miss Confidence, einen reitenden Bass, wie in Lose Control aber auch Momente, wo der Zuhörer denken könnte, dass der Track perfekt unter eine Werbung von einem Auto passen könnte, wie in Something Bad. Dabei geht es im letzten Titel wohl eher um die eigene Erfahrung, dass man geahnt hat, das etwas Schlimmes passieren wird. Denn danach gibt es keinen Kaffee zur Beerdigung. Ist der Track Illuminating eigentlich schon Schlager?

Release: 23.09.2022
Label: Nettwerk Music Group

Anspieltipps: Lose Control, Headlights, Miss Confidence

5/6 Punkten (Nicht ganz frisch aber dennoch neu.)

Vök - Vök (Quelle: Bandcamp.com)

Samstag, 5. März 2022

Bloodywood - Rakshak (Kinda Agency/Bloodywood Media Private Limited)

Wer an Folk Metal denkt, würde vielleicht zuerst an Roots von Sepultara denken oder vielleicht noch an System Of A Down. Mit ähnlicher Wucht sind die Mitglieder von Bloodywood aus Indien zugange. Auf dem Album Rakshak wird der heimische Sound, den ihr vielleicht aus Bollywoodfilmen kennt, mit derbem Metal/Nu-Metal gemischt. 

Und die Fusion passt erstaunlich gut. Es wirkt nichts aufgesetzt oder unpassend zusammengestellt, dass man denkt, dass das jetzt vielleicht etwas zu sehr aufgesetzt wirkt. Die verwendeten Trommeln in Machi Basaad oder Dana-Dan sind perkussiv und erzeugen eine angenehme Spannung, bei Slipknot läuft das ja auch nicht anders, nur ohne den Panjabi-Touch. Die Sitar hört sich so an, als würde man sie durch einen Sampler jagen und bei Rapps darunter legen. Selbst kleine Glöckchen werden geläutet. Vieles kann man erst nach dem zigsten Durchlauf erhören. Das hält aber bei der Stange. 


Der Gegenpart, dass derb harte, das lädt immer wieder zum Headbangen ein. Die Gitarre, die recht tief gestimmt ist und viel Bums mitbringt, ist in Relation zu den ersten Singles, sehr gut abgemischt und ist gleichauf mit der Stimme des Sängers. Der ist gefühlt ständig am Anschlag. Wenn man die Thematiken kennt, versteht man auch warum. Es geht um die Politik vor Ort, die die Menschen gegeneinander aufstachelt, aber auch um Depressionen. 

Veröffentlicht wurde das Album bereits am 18.02.2022 auf der eigens gegründeten Limited. Die CDs sind bereits vergriffen, die Vinyl wird erst am 08.04.2022 erscheinen, aber das liegt nicht in den Händen der Band. 

Anspieltipps: Gaddaar, Dana-Dan, BSDK.exe

6/6 Punkten (Metal entwickelt sich weiter)    


Bloodywood - Rakshak
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Sonntag, 30. Januar 2022

2. Teil des Interviews mit Fritz und Fritz von Rauchen.

Wenn ihr wissen möchtet, warum die Band Rauchen heißt oder warum die Tracks auf Nein sind, wie sie sind, kann hier den ersten Teil des Interviews mit Fritz und Fritz lesen.

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Rauchen: Fritz Kröbel (bass), Philipp Oppenhäuser (guitar), 
Nadine Jehle - Müller (vocals), Fritz Heidel (drums)
(Quelle: Presskit von Fleet Union)


Die Corona-Geschichte wollte ich eigentlich außen vor lassen, man kommt aber auch nicht drumherum. Was habt ihr für Marotten, wenn es auf die Bühne geht? Was macht ihr oder was lasst ihr lieber sein, damit ihr auf der Bühne richtig funktionieren könnt und keine Fehler macht?

Kröbel: Wir haben schon ewig keine Konzerte mehr gespielt. Eigentlich gehen wir ohne irgendwelche Rituale auf die Bühne. Nadine singt sich nicht mal richtig warm, vielleicht ganz kurz. Ich habe selbst keine Rituale, außer vielleicht zwei, drei Bier zu trinken. 

Heidel: Nadine habe ich sich noch nie Warmsingen hören. 

Kröbel: Die raucht vorher noch eher.

Heidel: Tatsächlich geht sie eher noch mit dem letzten Stummel einer Zigarette zur Bühne. Das ist mein Eindruck. Ich muss mir vor dem Konzert das Biertrinken verbieten. Ich trinke ein paar auf der Bühne, die gehen auch relativ schnell weg, aber mit mehr als einem Bier am Schlagzeug, das macht dem Rest der Band keinen Spaß. Mir doppelt und dreimal so viel, dem Rest halt nicht.

Kröbel: Ich trinke nicht mehr auf der Bühne, das kann ich nicht gut. Ich trinke eher davor und danach.

Ich hatte ne Gruppe interviewt, da hieß es: „Wir können nicht trinken, weil dann unser Timing raus wäre und unsere Songs würden scheiße klingen.“ Die haben viel mit Loops gearbeitet.

Heidel: Ja kenne ich, nur dass ich eben zwei Stöcke in der Hand hab.

Nadine macht sich wirklich nicht ihre Stimme warm? Weil wenn sie so abgeht, macht sie in ein paar Jahren den Oli Sykes von Bring Me The Horizon. Dann sind die Stimmbänder einfach mal durch.

Heidel: Ne, sie hat einfach nur eine saugute Technik. Das muss ja nicht über die Stimmbänder gehen. Du kannst das ja auch eher wie einen Kehlkopfgesang machen, du kannst viel über die Atemtechnik machen, es geht auch über die Mundhöhle, es gibt Leute, die schreien halb aus der Nase. Ich kenne jetzt ihre Technik nicht, aber sie hat eine, bei der sie nicht heiser wird.

Wäre schon krass, wenn sie im Folgesong ne Oktave tiefer sänge. Wer sind die Helden aus eurer Jugend?

Kröbel: (lacht) Da gibt es bandintern große Grabenkämpfe. Nadines und meine Helden sind die Chili Peppers, wir gehen im Sommer, wenn die Jungs hier sind, auch ins Stadion.

Heidel: Die Jugendhelden von Philipp und mir sind Rage Against The Machine. Das sind die beiden Lager, die wir in der Band haben.

Denkt ihr also auch, dass die deren Weltbilder heute immer noch zu euch passen? Bei RATM ist es ja offensichtlich: gegen das Establishment, gegen Cops, die Schwarze niederschießen, gegen Kapitalismus in jeglicher Form. Auf der anderen Seite RHCP.

Kröbel: Sonne, Surfen, jo.

Aber auch der erste Funk. Auf Viva gab es Zeiten, wo noch Musikvideos liefen. Da gab es dann auch RHCP-Videos aus den 80ern, oder frühe 90er.

Heidel: Du meinst da, wo die alle high waren und nie nüchtern.

Waren die das nicht sogar bis Californication?

Kröbel: Ich finde die Songs einfach geil. Die haben sich jetzt auch nicht so viel Sachen geleistet.

Heidel: Die Chili Peppers sind auf jeden Fall keine Corona-Leugner:innen, zumindest nicht, dass ich es wüsste. Die haben sich auch nicht pro-Trump positioniert oder sonst irgendeinen Scheiß von sich gelassen. Die sind jetzt einfach weirde, tätowierte, mittelalte Männer.

Kröbel: Das ist ne Tatsache. Solange Nadine mit mir zu denen aufs Konzert geht, müssen die okay sein.

Was müsste eurer Meinung nach im Osten passieren, damit wir hier in Relation zu euch in Hamburg weltoffener werden und nicht solche zustände haben, wie sie hier gerade zu finden sind? Damit sich das in etwas positives verändert.

Heidel: Ich glaube, dass Problem ist nicht das Hier und Jetzt, sondern die letzten 30 Jahre und der Umgang mit der Wende. Eine BRD hat es einfach nicht hinbekommen Ostdeutschland anzuschließen, sondern systematisch ausgeblutet. Das Problem ist nicht: Wie kann man jetzt das Blatt wenden? - sondern - Wie kann man jetzt Schaden begrenzen.

Kröbel: Ich glaube auch. Beim Abendessen habe ich nen Kommentar gehört, zu dem Fackelaufmarsch in Sachsen. Da ging es auch genau darum. In der DDR gab es bereits diese Tendenzen, diese sind aber rigoros unterdrückt worden. In der Wendezeit meinte ein Ministerpräsident aus Sachsen: „ Es gibt hier kein Problem.“ Mit dieser Geisteshaltung zeigt sich schon, dass man das sehr gern ignoriert hat. Ich finde es aber auch schwierig. Wir sind alle Kids aus dem Westen und ich war Sachsen, ich war mal auf Urlaub, ich war auf Shows, aber ich habe da kaum Bezüge zu. Es schwierig aus meiner Perspektive also etwas darüber zu sagen, was sich ändern muss.

Habt ihr da Unterschiede bei den Menschen oder Gästen auf euren Shows gemerkt? Also zwischen West und Ost? Oder gab es Schnittmengen?

Heidel: Ich habe da keine Unterschiede festgestellt, bei den Leuten mit denen wir ne Show machen.

Kröbel: Wir haben keine großen Unterschiede festgestellt. Außer vielleicht morgens, wenn man zum Bäcker geht. Aber das ist in Mühlheim auch anders als in Hamburg oder in Stuttgart.

Heidel: Dortmund reicht eigentlich schon. Das einzige was mir einfällt, ist das Festival, wo wir im Erzgebirge gespielt haben. Am nächsten Morgen hieß es: schließt gut zu, wenn ihr das Haus verlasst, in dem ihr schlaft, vielleicht kommen Nazis vorbei. Aber das kann die in Dortmund auch passieren. Die Trennung für uns verwöhnte Wessi-Kids, ist eher eine Trennung im Kopf. Für andere Menschen ist das harte Realität: Lohnunterschiede, systematische Benachteiligung, auch der Eltern und Großeltern, einer ganzen Generation. Wir merken selbst aber den Unterschied nicht.

Jetzt sind wir arg in die Politik abgeglitten. An Ende eines jeden Interviews stelle ich in der Regel Spaßfragen, weil die Interviews meist vor den Konzerten sind. Das lockert das Ganze nochmal etwas auf. Seid ihr eher Hunde- oder Katzenmenschen?

Kröbel: Ich definitiv Hund.

Heidel: Bei mir ist es ein Unentschieden, also definitiv beides. Ich habe zwei Karten, finde Hunde aber auch ziemlich stark.

Wobei Katzen ja sehr eigen sind.

Heidel: Ja, sind aber auch ziemlich coole Tiere. Hunde sind auch sehr eigen.

Seid ihr eher die Tee- oder eher die Kaffeetrinker?

Heidel: Kaffee.

Kröbel: Tee.

Erneut ein gespaltenes Lager. Aber wo wir schon bei Getränken sind, was ist euer Lieblingsgetränk? 

Kröbel: Bier.

Heidel: Wahrscheinlich Bier. Momentan alkoholfrei, weil ärztlich verordnet, aber Bier.

Musst du Antibiotika schlucken?

Heidel: Ja, so ist es. Ist leider auch chronisch, passiert.

Was sind eure Lieblingsjahreszeiten?

Heidel: Frühling und Herbst.

Kröbel: Frühling und Sommer.

Also die Zeit, wenn es draußen wieder wärmer wird. Wenn es los geht mit den Festivals und Konzerten und wo man länger draußen sitzen kann.

Kröbel: Ja, so in etwa.

Seid ihr eher Stadt- oder eher Landmenschen?

Kröbel: Stadt.

Heidel: Beides wahrscheinlich. Eher Stadt als Land, aber eher beides. Ruhe ist zwar cool, aber Infrastruktur auch.

Kröbel: Es kann sich ja noch alles ändern, wenn man älter wird. Dann danke ich euch erstmal für eure Zeit, dass ihr hier mit mir das Interview gemacht habt.

Heidel: Danke dir, für das Interview.

Kröbel: Danke, André.

Liebend gerne und es tut mir leid, dass das Internet hier heute so wackelig war. Ich wünsche euch einen angenehmen Abend und vielleicht sehen wir uns auf irgendeinem Konzert in der näheren Umgebung.

Heidel: Voll gerne. Komm vorbei und sag hallo!

Kröbel: Liebend gerne.

Dienstag, 21. Dezember 2021

1. Teil des Interviews mit Fritz und Fritz von Rauchen.

Nachdem ihr hier das Review zu NEIN lesen könnt, habe ich die Chance bekommen zwei Mitglieder der Band via zoom zu interviewen. Ich sprach am 03.12. mit Fritz Kröger, Bassist der Band, und Fritz Heidel, der dort schlägt die Felle. 
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Rauchen: Nadine Jehle - Müller (vocals), Fritz Heidel (drums), 
Fritz Kröbel (bass), Philipp Oppenhäuser (guitar)
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Was natürlich zuerst ins Auge fällt: der Name der Band. Rauchen. Der Name ist relativ provokativ. In der Schule waren die Raucher früher die Coolen in der Schule, das Marketing hat die Raucher als harte Kerle abgestempelt und in „Stirb Langsam“ sieht man, wie sich Bruce Willis im Flughafenterminal erstmal eine Kippe anzündet. Rauchen ist heutzutage verpönt, Raucher müssen vor die Tür. Woher kommt der Name?

Fritz Kröbel: Ich bin bei der Bandgründung der einzige Nichtraucher gewesen und bin es tatsächlich immer noch. Wir hatten bereits einen englischsprachigen Namen, da haben wir aber noch nichts aufgenommen. Das hat sich dann ein bißchen zerschlagen und aus Mangel an Alternativen und in Hamburg gibt es einen Kiosk, der heißt „Tabakbörse“, danach haben wir auch unsere erste EP benannt. Da haben wir dort immer nach den Proben abgehangen und Bier getrunken. Wir haben damals in einem alten Bunker geprobt, da haben wir es nur eine halbe Stunde drin ausgehalten und sind dann zur Tabakbörse. Unser Gitarrist (Philipp Oppenhäuser) meinte dann irgendwann, lass die Band doch „Rauchen“ nennen, als wir dann alle rauchten, außer mir. Jeder hat dann eine Nacht drüber geschlafen und wir haben dann unsere Telegramm-Gruppe umbenannt in Rauchen und so ist das geblieben. Oder Fritz, hast du da ne andere Geschichte? 

Fritz Heidel: Nadine und ich haben bei dem letzten Interview herausgefunden, dass jeder eine andere Story zu diesem Namen hat. In der Essenz ist es aber genau das: wir saßen irgendwann biertrinkend um die Ecke von unserem Proberaum, weil keiner irgendwie Bock hatte in dem Bunker abzuhängen und dann sagte irgendwer: „Rauchen, ja genau, Rauchen.“ Für manche war das sofort klar, andere mussten noch eine Nacht drüber schlafen und dann ist es das geworden. Es gab da auch erstmal keinen tieferen Sinn, es klang halt cool und dann haben wir entschieden: Das ist es jetzt. 

Die Konstellation auf dem Album hört sich so an, als wurde es aus drei EPs zusammengestellt. Das ist auch unüberhörbar. Warum sind die Brecher alle in der Mitte? Es fühlt sich wie ein Aufstieg an, man schwoft, es ist shoegazig. Dann wird einem direkt in den Nacken getreten, die Nadine rastet vollständig aus und dann geht es später wieder bergab. Wer hatte die Idee? 

Heidel: Die Idee war, dass wir drei EPs rausbringen und dass diese nicht alle gleichzeitig sondern zeitversetzt veröffentlicht werden. Mit ersten EP wollten wir zeigen, dass wir etwas neues gemacht haben. Mit der zweiten EP wollen wir aber die Menschen, die unsere erste EP kennen. Die Reihenfolge auf der Vinyl ist der Reihenfolge des Releases geschuldet. Wir wollten erste was neues rausbringen, dann wollten wir ne EP rausbringen, auf der wir zeigen, dass wir immer noch Krach machen. Und danach, etwas was fernab der ersten und zweiten EP ist. Das ist zumindest unsere Wahrnehmung. 

Meine subjektive Meinung ist, dass EP I und EP III so ein bisschen aneinanderknüpfen. Der Zwischenpart wirkt eher so: „Wir treten euch immer noch kaputt, weil ihr das so wollt.“ 

Heidel: Wenn du das so sagst. 

Ich finde es interessant. Sowas kennt man von Rolo Tomassi oder Employed To Serve. Die Frau am Mikro rastet völlig aus und die Mitglieder steigen mit ein, als wenn es kein Halten mehr gibt. Man hat als Zuhörer nach dem Rand gesucht, wo man mal kurz Luft holen konnte. Bei eurem Album ist das ja gegeben. Man muss aber geistig bei eurem Album dabei bleiben. 

Kröbel: Wenn du es auf Platte hörst, sind die ersten beiden EPs auf der A-Seite und die dritte ist auf der anderen Seite. Wir haben es auch nicht so geschrieben, dass man es hintereinander hören muss. Ich zum Beispiel höre die EPs eher in sich, nicht von EP I bis EP III, sondern eher als einzelne Schritte. Und man muss auch sagen, dass unsere beiden Platten, die wir vorher gemacht haben, sehr ähnlich wie EP II waren. Wir wollten da kurz nochmal hin, dennoch wollten wir auch was anderes wagen. 

Ein Intro erinnerte mich so ein bisschen an einen Rocky-Film. Ihr wechselt dann aber in einen anderen Rhythmus, was dann verwundert. 

Kröbel: Du meinst das Europe-mäßige? 

Heidel: Was so klingt wie I Of The Tiger

Genau. Bei den Texten weiß ich jetzt leider nicht, inwiefern ihr da mitgewirkt habt. Da wird wahrscheinlich eher die Nadine was zu sagen können. Was mir aufgefallen ist: die berechtigte Kritik an der heutigen Gesellschaft. In Monopoly zum Beispiel, wo man selber sagt: „Moment, das geht so nicht, wie es hier gerade läuft.“ Oder auch Schlüsselkind: sie singt scheinbar aus der Sicht eines Mannes und findet es normal. Bei Männern würde man nicht stutzen, bei einer Frau eher schon. Oder ist das mein Missverständnis und mein versautes Denken durch den Deutschunterricht? 

Kröbel: Nadin schreibt eigentlich die Texte, sie hat freie Handhabe. Sie kommt dann mit einem fertigen Text und stellt ihn uns vor. Das Konzept der drei EPs ist, dass sich eine Sache entwickelt. EP I ist eine Momentaufnahme, EP II ist ein Transformationsprozess und EP III ist eine Wunschvorstellung. Da ist „Schlüsselkind“ eine Wunschvorstellung, wie es sein sollte. Dass man als Frau alleine nach Hause gehen kann, ohne das Handy am Ohr zu haben und zu tun als hätte man ein Gespräch. Das ist die Utopie, die angestrebt wird. Fritz, möchtest du dazu noch mehr sagen? 

Heidel: Ja. Die Idee ist in dem Fall, dass es nicht darum geht, wie es wäre, wenn eine Frau das macht, was Männer machen. Bei der dritten EP, zu der „Schlüsselkind" gehört, ist ein positiver Ausblick, eine Utopie. Was würde man als Frau als erstes machen, wenn es keine Typen gäbe. Oder wenn das alles nicht irgendwie scheiße besetzt wäre. Man könnte sich einfach, ohne eine Gefahr zu sehen, in den Park setzen und sich betrinken. Oder einfach so Musik hören und beim Nachhauselaufen keinen Schlüssel in der Hand haben. Die ganzen Situationen, die da beschrieben werden, sollen so gesehen werden, dass man ohne irgendwelche Sorgen oder Hintergedanken nach Hause gehen kann. 

Ist das in Hamburg auch so ein Thema? Ich dachte, dass man da schon etwas weiter ist, als meinetwegen hier im Osten? 

Heidel: Ist das nicht vielleicht eher ein Problem auf der ganzen Welt? 

Ich dachte man wäre da Jahre voraus, als hier in Cottbus, wo ich wohne. Da überlegt man sich: „Oh, die Querschwurbler sind in der Stadt, geh mal lieber nicht vor die Tür.“ In Hamburg oder in Berlin würde ich nie drüber nachdenken. 

Heidel: Da geht es weniger um Nazis als um Männer und generell Gewalt, die von Männern aus geübt wird. Dumm gesagt, kannst du ja mal einen Feldtest und weiblichen Freundinnen vortragen. Du kannst dann ja Fragen: „Läufst du auch manchmal mit einem Schlüssel in der Hand nach Hause, wenn du Angst hast?“ Oder „Tust manchmal so, als würdest du telefonieren, wenn jemand auf deinem Heimweg hinter dir herläuft?“ Das ist egal ob in Cottbus oder sonst woanders auf dieser Welt. Das ist das Patriarchat immer noch ein Ding. Gewalt an Frauen und Einschuss für die Filterung von Frauen in alltäglichen Situationen ist immer noch ein Ding. Die gesamte EP muss aufmerksam gehört werden. Dadurch, dass die Texte auf Deutsch sind, sind sie für uns im deutschsprachigen Raum greifbar. Man kann aber auch an einigen Stellen, wenn man nicht ganz so fit ist, missinterpretierten, wenn man es so will. 

 Kröbel: Die Texte sind aber mit Absicht so. Aber das ist nicht das erste Mal, dass wir Fragen zu „Schlüsselkind“ bekommen haben. Aber darum geht es auch. Unsere ersten EPs waren noch sehr eindeutig, ist es hier ein bisschen mehr Platz für Interpretation. Man fällt nicht direkt mit der Tür ins Haus.

Stellt euch vor, eure Texte würden in hundert Jahren im Deutschunterricht behandelt. 

Heidel: (lachend) Cool wäre es, aber ich denke mal, dass die was Besseres zu lesen haben als unsere Musik.

Wenn man aber überlegt, was so im generischen Radio, in der UKW-Landschaft so läuft, ist das recht eintönig und echt zu beliebig. Mir sind Texte, die zum Nachdenken einlädt oder Musik, die aus dem Rahmen fällt, lieber. 

Heidel: Das ist ja vollkommen verständlich. Die Idee von Radio ist ja meistens irgendwie Hintergrundgeplänkel. Es wird aber auf der anderen Seite einfach das bedient, was Menschen hören wollen. Und wenn Menschen in diesem Moment irgendetwas Belangloses hören wollen, dann wollen sie das wohl hören. Und das ist ja vollkommen ok. 

Kann aber auch dazu führen, dass man irgendwann irrelevant wird, weil der Sound out ist. 

Heidel: Das ist ja auch Teil des Geschäfts. Wenn die Teil der Musikbranche bist und damit irgendwie Kohle machen willst, dann musst du dich an den Käufer:innen orientieren. 
 
Kröbel: Stell die vor, wir würden im Radio laufen. 

Heidel: Wenn wir im Radio liefen, wäre das cool. Aber stell dir mal vor, die Leute würden sagen, ihr seid radiotauglich. Dann wäre das halt so. 

Es gibt hier einen Radiosender in der Region, radioeins, der ist auch eher für Musiknerds gedacht. Da könnte man euch spielen, zumindest die shoegazigen Sachen. Die anderen wären etwas out of place, aber das ist schon gut. Wo wir gerade dabei sind. Wer kam auf die Idee, Shoegaze hineinzumischen. 

Kröbel: Ich fand es lustig, dass du Shoegaze gesagt hast. Wir haben jetzt schon sehr viel gehört: Postpunk, Grunge, alles mögliche. Ganz allgemein kann man sagen, dass es schwer einzuordnen ist, was es denn ist. Shoegaze kommt hier und da vielleicht hin, aber ich bin auch der einzige in der Band, des das ansatzweise hört. Grundsätzlich haben wir bei Null angefangen und wir haben uns am Anfang auch gesagt, dass wir was neues machen wollen. Wir wollten weg von dem klassischen Geballer, was wir gemacht haben. Wir haben dann, dank Corona, sehr viel Zeit im Proberaum verbracht. Vor allem auch zu dritt mit unserem Gitarristen Philipp. Der hat viele neue Pedals und unser Schlagzeuger (Fritz Heidel) hat viele Riffs und Songideen mit reingebracht. So haben wir dann einfach gebastelt und am Ende ist das dabei herausgekommen. Das betrifft aber alle drei EPs. Wir haben die Stücke durcheinander geschrieben, als fließender Prozess. 

Jetzt kommt ein kleiner Bruch: 
Habt ihr sowas Day-Jobs, wo dann vielleicht die Inspiration und Ideen für die Songs herkommen? 

Heidel: Die Inspiration für die Musik ziehe ich aus allem anderen, außer der Arbeit. Ich weiß nicht, ob das bei dir anders ist Fritz. 

Kröbel: Bei den Texten, ohne da jetzt zu viel zu sagen, zieht die Nadine da sehr viel aus der Arbeit. Wir müssen das jetzt aber nicht weiter vertiefen. Es ist aber recht unterschiedlich, wo wir unsere Interpretationen herbekommen. Arbeit ist ja auch ein Thema auf der EP. Wenn du die Monotonie anhörst, da geht es um die Monotonie der Arbeitswelt. 

… und dass dein Boss nicht dein Freund ist. Schmerzliche Erfahrungen durfte ich damit schon machen. 

Heidel: Wer nicht? Wer nicht? 

Aber ist das dann eher so ein amerikanisches Ding? Man ist 9 to 5 auf Arbeit, macht noch ein paar Überstunden und geht dann noch mit dem Betrieb in ne Bar? In meinem alten Betrieb kannte ich ein paar Leute, mit denen man auch abends einen trinken hätte gehen können, aber doch nicht mit dem ganzen Betrieb. 

Heidel: Ne, locker nicht. Es kommt auch drauf an, wo du arbeitest und wie. Natürlich kannst du nicht immer mit allen Menschen, aber je nachdem wo du arbeitest, kannst du mit dem Großteil der Leute gut und gern noch ein Bier trinken. Ich habe bis Corona in der Life-Musik-Branche gearbeitet und hab immer noch mit Philipp zusammen eine kleine Managementagentur. Wenn wir da noch life unterwegs gewesen sind und ne Tour gemacht haben, haben wir dann abends am Bus noch ein Bier getrunken. Das gehört einfach dazu, ist aber auch dem Job un dem Arbeitsumfeld geschuldet. In meinem jetzigen Job würde ich das nicht machen, denke ich.

Mittwoch, 1. Dezember 2021

Rauchen - Nein (Zeitstrafe/Fleet Union)

Rauchen fetzt. Natürlich ist der Name der Band provokant, man hat aber sofort einen Aufhänger. Mit Nein hat man ein Album aus drei EPs geschrieben und aufgenommen. Diese drei EPs grenzen sich auch akustisch ab. 

Zu Beginn schwoft man mit Shoegaze ganz entspannt durch die Gegend, auch wenn man mit dem Text von Monopol(y) eindeutig auf die Zustände in der Polizei hinweist. Darauf folgt ein ewiges Hamsterrad, und zwar von der Schule bis zur Rente. Man merkt der Band an, dass hier einiges unter den Fingernägeln brennt. Mit Aufnahme wird die zweite EP eingeläutet, auf dem Album befinden wir uns passend im zweiten Drittel. Ab hier wird einem 4 Titel lang in den Rücken getreten. Die Band dreht alle möglichen Regler auf und die Sängerin ist am Anschlag. Hier besinnt man sich auf die alten Tugenden, hier trifft Hardcore-Punk auf pures Chaos und Zerstörung. Fast wie bei The Dillinger Escape Plan. Man bleibt den Thematiken treu: es geht um die aufgezwungenen Rollen der Frau, um Arbeit und Freundschaft. 

Nachdem man dann alles durchgewühlt hat und jeder schwitzend am Boden liegt, tritt die Band auf die Bremse und singt einem vor, wie sich das alles nach einem Konzert anfühlt. Man ist glückselig und man kühlt langsam wieder herunter. Danach gibt man dem "Schlüsselkind" den Raum, sich so zu verhalten, wie ein Mann. Bei ihm stellt man einiges an merkwürdigem Verhalten nicht in Frage, bei Frauen eigenartigerweise schon. Hier lädt man sich sogar ein paar Trompeten ein, die am Ende des Stücks ordentlich eskalieren. 

Man kann sich dieses Album wie einen Aufstieg auf einen Berg vorstellen, im Mittelteil ist man oben angekommen und dann geht es wieder abwärts. Wir werden auch bald in einem Interview erfahren, warum man diese Konstellation gewählt hat. 

Der Sound auf dem Album, was nicht mal eine ganze halbe Stunde lang ist, ist großartig. Das Schlagzeug hat ordentlich Druck bekommen und der Bass darf sich recht viel Raum nehmen. Der Gesang wirkt in den ruhigen Tracks recht gelangweilt, das kann aber Absicht sein. Die Effektgeräte kann man in einzelnen Tracks rauschen hören, wenn mal kein Instrument gespielt wird. 

Release: 03.12.2021
Label: Zeitstrafe

Anspieltipps: Wasserglas, Monopol(y), Schlüsselkind

6/6 Punkten (Achterbahn mal anders.)

Rauchen - Nein
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Freitag, 29. Oktober 2021

SEEYOUSPACECOWBOY - The Romance Of Affliction (Pure Noise Records/Kinda Agency)

Für mich ist Snowboarden kathartisch. Ich stehe auf dem Brett, habe den Hang vor mir im Blick und reagiere nur, denn zum Nachdenken fehlt die Zeit und wenn man dann doch realisiert, was passieren könnte, dann passiert es meist auch. Dies könnte zwar ein Aberglaube sein, dennoch fahre ich seit Jahren ohne Sturz. 

Für Connie Sgarbossa ist es das Schreiben. Zwei Wochen nach den Aufnahmen zu The Romance Of Affliction starb sie fast an einer Überdosis. Sie sagt, dass die Texte auf dem Album wie eine Prophezeiung gewesen sind und zu diesem Umstand geführt hätten. Sie hat die letzten paar Jahre reflektiert, die Kämpfe im Alltag und der Versuch, in allem dennoch etwas schönes zu sehen. 

Untermalt werden die geschrienen und gesungenen Texte von sehr viel Gewalt und Chaos. Die Band nennt es Sasscore. Fast alles klingt wild, es gibt hier und da ein paar harte Cuts, und wenn man einen Breakdown erwartet, dann kommt er auch. Und wie der dann kommt, als wenn der Produzent und die Band genau wüssten, wie der Zuhörer gerade tickt. An den Reglern saß niemand geringeres als der Gitarrist der Band Knocked Loose (Review hier). Wer SYSC kennt, weiß was er zu erwarten hat. Um etwas Luft zu holen, hat man hier und da ein paar ruhige Momente eingestreut, die sind aber eher selten. Alles andere lädt dazu ein, seinen Nacken zu strapazieren. Denn es drückt ordentlich auf den Trommelfellen. Es werden aber auch Erinnerungen an Norma Jean's Memphis Will Be Laid To Waste (hatten wir hier mal) wach. Und wer nach 40 Minuten noch nicht genug hat, kann sich den Kopf gern nochmal durchpusten lassen, auf eigene Gefahr versteht sich. 

Release: 05.11.2021
Anspieltipps: With Arms That Bind and Lips That Lock, Intersecting Storylines To The Same Tragedy, Ouroboros Is An Overused Metaphor

6/6 Punkten (Ab wann darf man eigentlich die Emo-Tolle wieder tragen?)

SEEYOUSPACECOWBOY - The Romance
Of Affliction 
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Dienstag, 26. Oktober 2021

Lygo - Lygophobie (Kidnap Music/Fleet Union)

Eigentlich wollte man nach der Tour 2019 eine größere Pause einlegen, um einfach mal alles sacken zu lassen. Und dann hatten die Jungs von Lygo im Jahre 2020 nicht so all zu viel zu tun. Der Drummer beschäftigte sich intensiv mit Musikproduktion und schaffte somit die Möglichkeit, dass man sich als Gruppe isoliert neuen Songs widmen konnte. Alle Titel von Lygophobie sind im Probenraum entstanden und auch dort aufgenommen worden. 

Auch wenn der Name des Langspielers wie ein intelligentes Wortspiel klingt, handelt sich hierbei doch um einen Fachbegriff. Es handelt sich hierbei um die Angst vor der Dunkelheit. Die Band erzählt mit ihren Texten von dunklen Seiten und Zeiten. Es geht um schlaflose Nächte; um eine Gesellschaft, die sich im Netz darstellt und hemmungslos kommentiert; um Polizeigewalt und das eigene Selbstmitleid und dem Selbstmord (oder den Moment danach, wenn man sich nicht getraut hat), zumindest lassen einige Textzeilen aus Warmes Bier und Kalter Kaffee darauf schließen. Vielleicht hat der Deutschunterricht hier seine Spuren hinterlassen, mit der berühmten Frage: "Was will uns der Künstler damit sagen?"

Wie bereits schon erwähnt, hat der Drummer hier die Zügel in der Hand gehabt. Die Drums drücken ordentlich fett; der Bass hat viel Platz bekommen und ist pregnant vor Ort und der Gitarrist weiß sein Instrument zu bedienen. Der Sänger singt weniger, er klagt eher an. Das passt aber auch zum klanglichen Gesamtkonzept, denn alles prügelt, dann muss die Stimme eben auch drüber sein. Wer etwas mit Akne Kid Joe, Fjørt (hatten wir hier und hier mal) oder Turbostaat etwas anfangen kann, der darf hier gern zugreifen. 

Release: 29.10.2021
Label: Kidnap Music

Anspieltipps: Zusammen im Bett, Fight Club, Schockstarre

6/6 Punkten (Hier gibt es Texte für den Leistungskurs Deutsch)

Lygo - Lygophobie
(Quelle: Presskit von Fleet Union)

Freitag, 8. Oktober 2021

Vök - Feeding On A Tragedy (Nettwerk Music Group)

Die Wege, die man auf In The Dark (das hatten wir hier mal), waren nach dem Vorgänger abzusehen. Nun kam Covid dazwischen und vieles lief und läuft andes. Auf der EP Feeding On A Tragedy geht die Band einen Schritt zurück, oder sogar zwei. Man hat aus unerfindlichen Gründen seinen eigenen Sound wiedergefunden, seine eigene Würze wiederentdeckt. So scheint es. Das Intro zu Running Wild klingt zwar eher nach Western, kommt man aber bei Skin an, so winken hier Circles und Tension ordentlich mit den Zaunpfählen. Nur sprachlich hält man sich im leicht verständlichen Englisch auf, laut Margrét Rán würden die Texte auf Isländisch eher kitschig wirken, so schrieb sie mir es mal auf Instagram, als ich sie darauf ansprach, dass die aktuellen Lieder ja alle auf Englisch seien. 

Durch diesen leichteren Zugang versteht man, worum es denn nun geht. Dabei gibt es eine Situation, die sich massiv auf das Leben der Künstlerin ausgewirkt hat. No Coffee at the Funeral handelt davon, dass man die Beerdigung des Großvaters nicht traditionell feiern konnte und es am Ende dank Covid keine Speisen und Getränke gab. Thematiken wie die eigene Identität und Persönlichkeit werden behandelt. 

Auch wenn man hier nur vier Titel auf die Ohren bekommt, so ist das gesamte Werk in sich stimmig und kurzweilig. Die Weiten Islands werden wieder hörbarer, im Vergleich zu den Vorgängern. Die Synthies sind kühl und kuscheln mit den analogen Instrumenten. Zusammen mit Margréts Gesang wird man richtig eingelullt und möchte eigentlich nichts anderes, als diese EP in Loop laufen lassen, langweilig wird es auf jeden Fall nicht.

Release: 08.10.2021
Label: Nettwerk Music Group

Anspieltipps: Skin (wegen des "klassischen" Vök-Sounds, Running Wild 
Eigentlich solltet ihr euch die ganze EP am Stück geben. 

6/6 Punkten (Vikrelega gott verk.)


Vök - Feeding On A Tragedy
(Quelle: Presskit von Nettwerk)

Mittwoch, 30. Juni 2021

AOP - Von Wegen Punkrock (I Like My Records / Superlifepromo)

Wer oder was ist Punk? Was darf Punk? Wer Punk googelt, bekommt zuerst die Jugendkultur präsentiert. Dazu kommt natürlich auch die Musik. Den Männern von AOP wirft man nämlich vor, so besagt es zumindest der Track Zum Punk hats nicht gereicht, dass sie für den Punk zu weich seien, für's Radio aber zu hart. Das klingt natürlich verdächtig nach elitärem Denken, was man eigentlich eher vom Black Metal kennt. 

Wie man aber darauf kommt, dass das alles kein Punk sein soll, versteht man aber beim besten Willen nicht. Der Gesang ist nicht ganz gerade, das Schlagzeug hat ordentlich bums und wird sehr schnell bedient, der Gitarrist kann mehr als nur drei Akkorde und der Bass bekommt ordentlich "trockenen" Platz im Klanggefüge. Die Texte sind für Punkrock auch nicht unüblich. Also woher der Gram? Man kann ihnen, den Männern aus Neckarsulm, nicht vorwerfen, dass sie so langweilig klingen wie Die Kombinaten, die wir hier mal hatten. So fett wie die Toten Hosen klingen sie aber auch nicht. Man könnte sie eher mit Feine Sahne Fisch Filet und Blink 182 vergleichen. Man höre nur den Track Prophet. Und wer sich den Spiegel gibt, der wird beim Intro an System of a Downs Lonely Day denken. 

Vielleicht ist das auch die Idee der Band, sich einfach an ihren Idolen zu orientieren. Dazu gibt es noch eine kleine Prise der eigenen Würzmischung und schon steht das Konzept. Was aber auffällt: die Platte wird nach hinten hin immer mehr zum Punk, den man ihnen vorwirft, nicht inne zu haben. Man hat ja auch ordentlich viele Tracks auf das Album gepackt, die auch politisch sind. 

Was macht man also mit dieser Band? Verschmähen, weil sie ihr Ding durchziehen? Ächten, weil sie mehr als drei Akkorde auf die Saiten bringen? Beim besten Willen nicht. Das Album ist Musik, die mehr Nachhaltigkeit hat, als das, was aktuell mitunter in den Top 40 der Radiocharts läuft. Klar ist aber auch, dass man eben nur eine kleine, begrenzte Menge an Menschen erreicht. Das ist Schade, da es mehr solche Bands und Alben braucht, als den leichten Kaugummi-Pop. 

Release: 18.06.
Label: I Like My Records

Anspieltipps: Wunderschön, Wenn ich dich seh, Unsere Lieder 

5/6 Punkten (Die Platte hätte man auch ohne weiteres so vor 20 Jahren auf den Mark bringen können.) 

AOP - Von Wegen Punkrock
(Quelle: AOP.Band)

Dienstag, 22. Juni 2021

Red Fang - Arrows (Membran /Petting Zoo Propaganda)

Was macht ein aktuelles Album aus? Gibt es überhaupt noch richtige Alben? Wird nicht mittlerweile versucht, Tracks für die X-te Spotifyplaylist zu produzieren? Was einige Musiker darüber denken, hatten wir hier bereits mit Kid Dad diskutiert. Red Fang ließen und lassen sich von diesem wirren Konzept nicht beeindrucken und stellen mit Arrows einen Langspieler auf, der mitunter nur als Gesamtkonzept funktioniert. 

Nicht nur wird der Zuhörer mit einem langen Intro ins Album eingeladen, er wird direkt in das Universum Red Fang geschmissen. Es besteht aus alt klingenden Verstärkern, knarzenden Gitarren, donnernden Bässen und einem Schlagzeug, dass mehrere Tempi beherrscht. Dabei sind solche Spielereien an die guten alten Tage angelehnt, als Alben noch unheimliche Intros hatten um die Eltern zu erschrecken. Aber das mit den In- und Outros gab es in letzter Zeit schon bei Code Orange oder Knocked Loose. Also ist das doch kein so neuer alter Schuh mehr. 

Dabei packen die Männer aus Portland, Oregon alles an Stoner-Rock-Klischee auf die Saiten, was halt eben so geht. Es geht mal schleppend durch die Gegend, wie in Unreal Estate, als wenn das Sofa einen angeklebt hätte, wenn ihr versteht. Dann gibt es Tracks, wie der Titeltrack Arrows oder My Disaster, die gehen gut ab und laden dazu ein, wie in Film The Shred Remains, auf das nächste Brett zu steigen und den nächsten Berg oder Hang unsicher zu machen. 

Alles in Allem hat man ein Album auf den Ohren, welches, wie bereits eingangs erwähnt, nicht in das heutige Hörerschema zu passen scheint. Die Band freut sich, dass sie ohne Weiteres so ein Album aufnehmen durfte, wobei das vielleicht auch am Label liegen könnte. Denn auch hier muss man den Künstlern ein Stück weit vertrauen können. Natürlich hätte man hier und da einen Zacken schneller spielen können. Aber dazu sind Red Fang halt Red Fang und darauf können sie, die vier Männer aus Portland, stolz sein.

Release: 04.06.2021
Label: Membran

Anspieltipps: Arrows, Rabbits in Hives, Two High

5/6 Punkten (Riecht ihr auch eine Wiese, wenn ihr dieses Album hört?)

Red Fang - Arrows
(Quelle: Presskit von Petting Zoo Propaganda)

Donnerstag, 20. Mai 2021

SEEYOUSPACECOWBOY & If I Die First - A Sure Disaster (Pure Noise Records / Kinda Agency)

Auf einer Split EP finden sich für gewöhnlich Titel zweier Bands, die vom Klang her schon zusammenpassen. Selten gibt auch Splits mit drei oder vier Bands. Das macht man um Produktionskosten zu sparen. Die Bands SEEYOUSPACECOWBOY (die hatten wir hier mal) und If I Die First gehen auf A Sure Disaster noch einen Schritt weiter. Sie haben auf dem Track bloodstainedeyes kollaboriert. Das Video ist zugegebenermaßen brutal, sowie auch der Sound. Aber das sind wir von SYSC eigentlich ja gewohnt. 

Beide Bands kennen sich schon eine Weile und dachten sich, dass man gemeinsame Sache machen könnte. Von der ersten Sekunde an geht man Steil, das Klatschen erinnert direkt an Tracks aus den 2000ern. Generell orientiert man sich an den Sounds aus dieser Zeit, die man mit E-Gitarren und recht emotionalen Texten hinbekommen hat. Man hat nur die Brutalitätsschraube etwas fester gezogen und ist, bis auf das Intro des letzten Tracks, eigentlich immer am Anschlag und es bleibt kaum Zeit zum Entspannen. Es gibt zwar Gesang, der passt aber zum Gesamtbild. Textlich gibt es viel Blut, Rasierklingen und falsch erzählte Geschichten. Eigentlich alles, was es zu Hochzeiten von Myspace und co gab (inklusive der Langen Titelnamen), nur härter und sehr gut produziert. 

Release: 14.05.2021
Label: Pure Noise Records

Anspieltipps: Painting A Clear Picture From A Unreliable Mirror, bloodstainedeyes

5,5/6 Punkten (Was Tom von Myspace wohl gerade treibt?)

SEEYOUSPACECOWBOY & If I Die First - 
A Sure Disaster
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Dienstag, 11. Mai 2021

Cold Moon - What's The Rush? (Pure Noise Records/Kinda Agency)

Es gibt Musik, die klingt wie dieses "Ankommen". Man bekommt ein wohliges Gefühl und muss unweigerlich sinnieren und lächeln. Genau dieses Phänomen ereilt einen beim Durchhören von What's The Rush? von Cold Moon aus Kalifornien. 

Am Anfang könnte man noch meinen, man hätte eine Platte von Kings Of Convenience in den Ohren, auch wenn die Stimmen etwas härter sind und nicht gehaucht werden, wie bei den Norwegern. Das könnte daran liegen, dass dieses Quartet aus zwei Bands besteht, deren Sound eigentlich meilenweit entfernt von den entspannten Klängen ist, die sich hier ruhig auf die Trommelfelle legen. Anscheinend ist das aber normal in Musikerkreisen, dass man neben einer lauten Band immer noch ein ruhigeres Projekt am Laufen hat. Warum auch nicht? Das hat bei Dallas Green bestens funktioniert. Oder ist das schon ein gelebtes Meme? 

Wie dem auch sei, man bekommt entspannte Gitarrenklänge zu hören, das Motto der Platte zieht sich überall durch. Wozu die Aufregung? Man hat für das Album ca. 14 Monate gebraucht. Dazu noch die Leichtigkeit aus Kalifornien, zumindest aus dem Norden, und schon hat man ein Album, welches gezielt einen Anker wirft und Einnorden einlädt. Man hat doch eigentlich alles, was man braucht: Familie, ein Dach über dem Kopf, Essen. Mit Länge hat man es aber leider nicht so, es gibt nur neun Songs, die sich auf 36 Minuten erstrecken. Wenn man es nur nebenbei hat laufen lassen, ist das vielleicht noch zu verschmerzen. Man merkt jedoch, dass es genau die Musik ist, die die Band aufnehmen wollte. Hier hat kein Manager reingegrätscht und bestimmt, in welche Richtung das gehen soll. 

Release: 07.05.2021
Label: Pure Noise Records

Anspieltipps: Access Control, Frontage, Lost

5/6 Punkten (Das perfekte Album, um sich alte Fotos anzusehen.)

Cold Moon - What's The Rush?
(Quelle: Presskit von Kinda Agency)

Donnerstag, 15. April 2021

Van Holzen - Gras (Single) (OMN Label Services / Odyssey Music)

Bei der aktuellen Wetterlage vor den Haustüren, wünscht sich gerade sicher jeder von euch ein Stück Sommer. Viele ignorieren dabei irgendwann den Punkt, wenn man den Sommer über hat. Ständig Temperaturen jenseits der 25°C und man wird träge und lethargisch. 

Lethargie, das trifft auf die Single "Gras" von Van Holzen zu. Die Stimme ist leicht verzerrt und wirkt so, als hätte man weniger Energie als sonst. Die Finger wandern den Gitarrenhals hinab, der Bass wirkt dagegen fasst lebendig. Das Gitarrensolo im C-Part wirkt wie die flirrende Hitze, die vom Boden aufsteigt und einen förmlich kocht. 

Textlich geht es um Social Media. Jeder vergleicht sich mit denen, die auf Insta, Facebook und Co ganz oben mitmischen. Dabei vergisst man sich selbst und verliert den Blick auf das Wesentliche, worum es wirklich geht. Denn viel zu oft wird entweder banales Zeug hochstilisiert (und man versucht noch nebenbei was zu verkaufen mit dem Code "HDL25" oder so) oder ein tolles Erlebnis, bei welchem man dabei ist, wird nur durch die immer größer werdenden Smartphonebildschirme erlebt. Und wenn man nicht dabei ist, bei den großen Social Media Netzwerken, ist man einfach langweilig und man hat nichts erlebt. 

Erscheinen wird die Single am 16.04.2021, einen kleinen Teaser gibt hier

Van Holzen - Gras (Single)
(Quelle: Presskit von Odyssey Music)

Mögen das Rennen der Schweißperlen starten.

Update:
Hier gibt es dazugehörige Video auf Youtube.

Montag, 12. April 2021

Youtubisch Vol. 41

Fun Fact: Diazepam hieß von 1963 bis 2015 Valium. Es soll zur Behandlung von Angststörungen angewendet werden, wobei Angstzustände ungewollte Nebenwirkungen sein können. Dass das Zeug abhängig machen kann, das steht außer frage. 

Über genau dieses Zeug lässt sich der Sänger Aaron Matts der Band ten56. im Track Diazepam aus. Wenn man den Texten glauben mag, will man lieber tot sein, als nochmal eine Pille nehmen zu müssen. Wer beim Namen aufhorcht, kennt man die Band Betraying The Martyrs, denn da ist Aaron vor kurzem erst ausgestiegen. Mit den Mitgliedern von Novelists FR, Kadinja und Uneven Structure macht er wohl schon seit einem Jahr Musik. 

Wer jetzt trotz des Links, den Track noch nicht gehört hat, der sollte sich auf extrem tief gestimmte E-Gitarren gefasst machen, gepaart mit gutturalem Gesang und allem was sonst noch scheppert. Es wird gedrückt und geballert, wo es nur geht, man nimmt keine Rücksicht. Es gibt zwischen dem ganzen Metallcore auch ein paar Hardcoreanleihen. Vielleicht fühlt sich so der Zustand an, wenn man einen Trip auf Diazepam schiebt. Gegen Ende werden die Gitarren immer tiefer und langsamer. 

Das Video wurde im Winter bis morgens um 5 Uhr in einer leeren Halle gedreht und gibt somit die perfekte Untermalung und Stimmung zur Musik.  Man hat wohl noch ein paar Tracks im Petto, man kann also gespannt sein. 

ten56. - Diazepam (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Drogen sind schlecht, auch wenn sie dir dein Arzt verschreibt.

Dienstag, 6. April 2021

Youtubisch Vol. 40

Als das hier mit dem Blog anfing, hatte ich eine kleine Anekdote zur Band Red Fang zu erzählen. Nun hat mir Youtube erneut ein Video vorgeschlagen, was wieder funktionierte. Der Track Arrows enthält all das, was Red Fang ausmacht. Es ist alles leicht verzerrt, man bringt ordentlich Bums mit und man hat sein typisches Knarren und Knarzen am Start. 

Das die Männer Humor haben, bewiesen sie bereits in vielen ihrer Musikvideos. Bereits im Intro des Videos fragt einer, ob man das nicht schonmal gemacht hätte. Wer ein paar Videos kennt und nicht ein kaputtes Gedächtnis durch die Nutzung des Smartphones hat, der wird sich vielleicht an Wires erinnern. Der Rahmen der Zerstörung hält sich nun aber in Grenzen. Es ist lustig anzusehen, wie jeder das Schwert haben will und zu den unnötigsten Ereignissen mit hat und benutzt. Wie kleine Kinder, die ein Spiel- oder Werkzeug bekommen und es zu jeder Gelegenheit nutzen wollen, ob es nun Sinnvoll ist oder nicht. Die Technik zur Aufnahme der Bilder ist besser geworden, als sie es noch bei "Wires" war. 

Red Fang - Arrows (Musikvideo)
(Quelle: Youtube.com)

Jungs bleiben Jungs, sie werden nur älter und die Spielzeuge teurer.